[VW-Sammeltaxi] Streik bei MOIA – neue Technik, alte Arbeitsbedingungen?

Dossier

Fahrzeug vom Fahrservice MOIA in Hannover, Foto von Stephan Krull - wir danken!Die Technik für die Mobilitätsbedürfnisse in ländlichen Regionen ist da. Eine schändliche Bezahlung, die Profitmacherei von Volkswagen und anderen Autoherstellern verhindert jedoch, dass das gesellschaftsverträglich und bedürfnisorientiert genutzt wird. In Hamburg und Hannover fahren seit vier Jahren Shuttles durch die Stadt:MOIA. Der Fahrservice gehört zum Volkswagen-Konzern. VW will Erfahrungen (und Daten) sammeln, um mit dem Geschäftsfeld Fahrservices den Umsatz des ÖPNV anzuzapfen. (…) Es hat lange gedauert, bis dort ein Betriebsrat gebildet werden konnte. Nun geht es um einen Tarifvertrag. Beides sollte im sozialpartnerschaftlichen Vorzeigekonzern Volkswagen eigentlich normal sein – ist es aber nicht. Bisher werden die Fahrerinnen und Fahrer knapp über Mindestlohn bezahlt. Die zuständige Gewerkschaft IG Metall fordert bescheidene 5,2 Prozent Lohnerhöhung (…) Am Rande einer Betriebsversammlung am 11. Juli hat es bereits eine Protestaktion gegeben. Sollte MOIA bis Ende August kein vernünftiges Angebot vorlegen, ist mit Warnstreiks zu rechnen…“ Meldung vom 12. Juli 2023 von und bei Stephan Krull externer Link, siehe weitere Infos:

  • MOIA stellt Betrieb in Hannover ein und reduziert stark in Hamburg: Sind Uber, MOIA & Co. am Ende? New
    ÖPNV und Profit gehen nicht zusammen – Der öffentliche Verkehr gehört in die öffentliche Hand! MOIA stellt Betrieb in Hannover ein und reduziert stark in Hamburg. (…)
    Obwohl der ÖPNV gesellschaftlich so wichtig und wertvoll ist, ist er chronisch unterfinanziert, viele Kommunen und einige Länder planen wegen fehlender Mittel eine Reduzierung des Angebots. Dennoch locken die 25 Milliarden Euro und die Aussicht auf mehr Profite private Unternehmen wie zum Beispiel Uber, aber auch die deutschen Autokonzerne Volkswagen mit MOIA und Mercedes und BMW mit Free Now, die dem ÖPNV Konkurrenz machen und den Fahrgästen mehr Geld aus der Tasche ziehen wollen. Das Personenbeförderungsgesetz wurde zu diesem Zweck nach den Wünschen der Unternehmen geändert. (…)
    Hamburg, 20.3.2026 – „Der Betrieb von Linienbedarfsverkehren und Anruf-Sammeltaxiverkehren ist nicht kostendeckend möglich“ – so die korrekte Aussage des Hamburger Senats auf eine Anfrage in der Bürgerschaft. Die Einnahmen aus Zuschlägen und individuellen Fahrgeldeinnahmen machen nur einen kleinen Anteil der Betriebskosten aus. Und weiter sagt der Senat: „Genaue Angaben sind mit Rücksicht auf die Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Verkehrsunternehmen nicht möglich, da diese geeignet sind die Wettbewerbsposition der Verkehrsunternehmen zu verschlechtern.“ Genau das ist die Krux: Wie soll man gesamtwirtschaftlich denken und planen, wenn Teile der Verkehrsbetriebe privat und in Konkurrenz zu öffentlichen Verkehrsbetrieben funktionieren. Solche Kennzahlen, die einen Einblick in den Erfolg oder Misserfolg von On-Demand-Shuttles in Hamburg geben würden, gewährt MOIA seit drei Jahren nicht mehr.
    In Hannover hat MOIA sein Angebot im Juli 2025 komplett eingestellt, und in Hamburg von einst 565 Fahrzeugen auf 100 Fahrzeuge pro Service-Stunde reduziert – nur 15 Fahrzeuge sind rollstuhlgerecht. (…)
    Autonome Shuttlebusse könnten, so der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), den ÖPNV wesentlich verbessern – besonders dort, wo klassische Angebote heute noch an ihre Grenzen stoßen. Die Idee: Kleine, automatisierte Shuttles übernehmen die letzte Meile zwischen Haustür und Haltestelle, während Bus und Bahn auf den stark nachgefragten Hauptachsen noch effizienter unterwegs sind. So könnten Umstiege einfacher, Wege kürzer und Fahrzeiten attraktiver werden – in der Stadt genauso wie im ländlichen Raum. Eine aktuelle Studie von DB, KIT, DLR und Prognos zeigt: Der größte Nutzen entsteht nicht durch einzelne autonome Fahrzeuge, sondern durch ihre kluge Einbindung in ein vernetztes ÖPNV-System. Denn privat organisierte Robotaxi-Flotten würden den Verkehr in Städten eher noch erhöhen
    …“ Beitrag vom 9. April 2026 von und bei Stephan Krull externer Link
  • Ende von Dumpinglöhnen bei Volkswagen-Tochter MOIA: Tarifvertrag ab 1.9.2024 mit Entgelterhöhung und Inflationsausgleichsprämie sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld
    Nach intensiven 17-stündigen Verhandlungen konnte die IG Metall in den frühen Morgenstunden des 21. Juni 2024 einen Tarifabschluss für die rund 1100 Beschäftigten der MOIA in Hannover und Hamburg erzielen. Diese Einigung bringt endlich verlässliche und rechtssichere Tarifbedingungen für alle MOIA-Beschäftigten, insbesondere für die etwa 950 Fahrerinnen und Fahrer, die in den markanten, goldenen Bussen unterwegs sind. (…) Ab dem 1. September 2024 erhalten die Driver eine Entgelterhöhung von rund 350 Euro brutto pro Monat, was ein jährliches Plus von 4200 Euro bedeutet. Bereits im Juli wird eine Inflationsausgleichsprämie von 1000 Euro netto an Vollzeitbeschäftigte ausgezahlt. Darüber hinaus wurde ein jährliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld von jeweils 375 Euro vereinbart, wobei die ersten 375 Euro im September 2024 fällig werden. Diese zusätzlichen Zahlungen sind ein wichtiger Schritt zur Anerkennung der harten Arbeit und des Engagements der Beschäftigten. Auch bei den Urlaubstagen gibt es deutliche Verbesserungen: Ab 2025 wird der Urlaub für die Driver jährlich um einen Tag erhöht, bis er im Jahr 2027 bei 27 Tagen liegt. Beschäftigte mit einer Betriebszugehörigkeit von mehr als fünf Jahren erhalten zusätzlich drei weitere Urlaubstage pro Jahr. Diese Regelung trägt wesentlich zur Work-Life-Balance der Beschäftigten bei und ist ein wichtiger Schritt in Richtung moderner und fairer Arbeitsbedingungen…“ Pressemitteilung der IG Metall Wolfsburg vom 26.06.2024 externer Link
  • VW-Tochter Moia: Arbeitgeber erklärte Verhandlungen für gescheitert – IG Metall reagiert mit Warnstreik
    Beschäftigte des Fahrdienstleisters Moia weiten Warnstreiks aus: Die Arbeitgeber weigern sich am Verhandlungstisch weiter über einen Tarifvertrag zu verhandeln. Dabei ist Moia VW-Tochter und zum Teil bereits an den Öffentlichen Verkehrsverbund angegliedert. Auch Fördergelder vom Bund fließen.
    Ein Glied in der VW-Konzernkette ohne Tarif – eigentlich kaum denkbar. Der Volkswagen-Konzern gilt als Musterbeispiel für gewerkschaftlichen Einfluss auf gute Löhne und Arbeitsbedingungen in Deutschland. Bei Moia, einer 100-prozentigen Tochterfirma von VW, wehrt sich die Geschäftsführung nicht nur vehement gegen einen Tarifvertrag, auch die Arbeitsbedingungen werden immer wieder von Politik, Medien und insbesondere der IG Metall stark kritisiert. Die IG Metall fordert als Sofortmaßnahme 5,2 Prozent mehr Geld für die 1200 Beschäftigten und eine weitere Inflationsausgleichsprämie. Es soll ein Haustarifvertrag geschlossen werden, der sich an den Regelungen der Volkswagen-Tochter Volkswagen Group Services orientiert. Nach der zweiten Verhandlungsrunde Mitte September erklärten die Arbeitgeber die Verhandlungen für gescheitert. Das Unternehmen schweigt seitdem zu weiteren Verhandlungen, drohte der IG Metall aber mit Standortschließungen und Personalabbau. Auch wurde und wird immer wieder Druck auf die Beschäftigten ausgeübt, wenn sie sich sichtbar gewerkschaftlich engagieren.
    Wut unter Beschäftigten groß
    Hunderte Beschäftigte des Ridepooling-Anbieters kamen deshalb am vergangenen Freitag am Jungfernstieg in Hamburg zu einem Warnstreik zusammen, um für bessere Löhne und einen Tarifvertrag einzutreten. „Große Verantwortung – wenig Geld – mit uns nicht mehr!“ stand treffend auf einem Transparent, das Teilnehmer hochhielten. Die Fahrerinnen und Fahrer bei Moia in Hamburg und Hannover verdienen nur knapp über dem Mindestlohn – 13 Euro die Stunde. „Wir haben als Fahrer Menschenleben in unserer Hand“, sagt Bernd Kühn, Betriebsratsvorsitzender bei Moia in Hannover. „Das heißt, wir übernehmen viel Verantwortung – das muss die Geschäftsführung jetzt auch für ihre Beschäftigten tun.“ Fahrer von Bussen und Bahnen im Nahverkehr in Hamburg und Hannover verdienen 16 Euro und mehr die Stunde. Mit weniger lässt sich der Unterhalt in einer Großstadt ohne Zweitjob auch nicht bestreiten. Daran muss sich auch Moia messen lassen. Die Wut ist groß unter den Beschäftigten. Seit sie einen Betriebsrat gegründet haben, kämpfen sie gemeinsam mit der IG Metall für die Tarif-Anbindung. (…) Klar ist den Betriebsräten in Hannover und Hamburg und auch Verhandlungsführer Thilo Reusch: Die Warnstreiks werden intensiviert, sollten die Arbeitgeber nicht zurück an den Verhandlungstisch kommen und sich weiter gegen den Tarifvertrag wehren.“ Meldung der IG Metall vom 15. November 2023 externer Link
  • Skandal bei Volkswagen-Tochter MOIA: Tarifvertrag verweigern, aber staatliche Millionensubventionen absahnen  Pinkelpausen für Moia-Fahrer sind nun sogar Schlagzeilen beim Spiegel-Magazin sowie Gegenstand in der Hamburger Bürgerschaft: Doch worum geht es im Kern? Neben skandalösen Arbeits- und Pausenbedingungen geht es im Tarifkonflikt insbesondere um die prekäre Bezahlung der Fahrerinnen und Fahrer, die mit 13 Euro Stundenlohn nur knapp über der Mindestlohngrenze arbeiten – und das im Volkswagen-Umfeld. Gleichzeitig erhält das Unternehmen Millionensubventionen vom Staat zur Weiterentwicklung eines autonomen Fahrsystems, das in den öffentlichen Nahverkehr integriert werden soll. So überbrachte Verkehrsminister Wissing kürzlich einen Scheck über 26 Millionen Euro für das Gesamtprojekt, von denen 8 Millionen an MOIA fließen. „Das ist ein Skandal“, so der Verhandlungsführer der IG Metall, Thilo Reusch.
    „Da jammert die Geschäftsführung am Verhandlungstisch über fehlende Unterstützung und Geldmittel von Volkswagen, gleichzeitig hat man nach eigener Aussage aber Grund zum Feiern, weil man Millionensubventionen vom Staat kassiert. Und das von den Steuermitteln, die auch die Fahrer von ihrem Stundenlohn 13 Euro an Lohnsteuern abführen müssen. Und die Städte Hamburg und Hannover sind auch noch stolz auf solche Partnerschaften, ohne auf die sozialen Hintergründe zu schauen, unter denen die Menschen, die für das Unternehmen arbeiten, leben müssen.“ Die IG Metall setzt sich bereits seit geraumer Zeit dafür ein, dass die etwa 1200 Mitarbeiter der MOIA Operations GmbH in Hamburg und Hannover bessere Arbeitsbedingungen durch einen Tarifvertrag erhalten. Die Gewerkschaft fordert eine zügige Erhöhung der Entgelte sofort um 5,2 Prozent sowie eine zusätzliche Inflationsausgleichsprämie. (…) Nach der zweiten Verhandlungsrunde Mitte September herrscht seitens des Unternehmens Schweigen: Sowohl an der Alster als auch an der Leine. Nachdem das Unternehmen die Tarifgespräche für gescheitert erklärte und den Gesprächstisch verließ, drohte es der IG Metall mit Schließung von Standorten und drastischem Personalabbau – nur so könne man ordentliche Entgelte zahlen. Die IG Metall fand darauf in der niedersächsischen Landeshauptstadt und dem Hamburger Stadtstaat die richtige und notwendige Antwort: Warnstreik!
    Nun folgt ein zweiter, größerer Streik-Boxenstopp: Gemeinsam zeigten mehr als 250 Beschäftigte beider Standorte in Hamburg Flagge für gute Rahmenbedingungen in ihrem Job. „Wir haben im September erklärt: Wenn die IG Metall will, steht MOIA still. Da das Unternehmen keine Gesprächsbereitschaft zeigt, werden wir unseren Kurs, wenn nötig, fortsetzen. Das schmerzt die Kundinnen und Kunden, die auf andere Mitbewerber MOIAs oder einen Fußmarsch ausweichen müssen, es trifft aber insbesondere auch das Unternehmen!“, so IG Metall-Verhandlungsführer Thilo Reusch. Man sei bereit, noch im Jahr 2023 eine Einigung am Verhandlungstisch zu erzielen. „Wenn MOIA will, dann fahren ihre Fahrzeuge wieder. Wir haben den Weg zum Tarif und die Rahmenbedingungen skizziert. Mit Tarif kann auch das sensible Vorweihnachtsgeschäft normal laufen!“, führt der Metaller aus.“ Meldung vom 10.11.2023 der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt externer Link
  • MOIA verweigert Entgelterhöhung und Inflationsausgleich
    Die IG Metall fordert für die rund 1.000 Beschäftigten der MOIA Operations GmbH in Hamburg und Hannover bessere Arbeitsbedingungen durch einen Tarifvertrag. Dazu soll aus Sicht der Gewerkschaft eine zügige Entgelterhöhung von 5,2 % und eine Inflationsausgleichsprämie gehören. Darüber hinaus soll ein Haustarifvertrag geschaffen werden, der sich an den Regelungen der Volkswagen-Tochter Volkswagen Group Services orientiert. (…) Die Beschäftigten von MOIA wurden am Dienstag, 11. Juli 2023, bei Betriebsversammlungen in Hannover und Hamburg informiert und machten ihrem Ärger – u. a. mit einer kurzen Protestaktion am Ende der Betriebsversammlung – Luft.
    Die IG Metall zeigt kein Verständnis für die Haltung der MOIA Geschäftsführung. „Hier arbeiten doch Menschen in einem Projekt für Volkswagen auf dem Weg zum autonomen Fahren. Wer ein solches Ziel erreichen will, der kann nicht die Augen vor der Realität und den Interessen dieser Beschäftigten verschließen. Ein solches Projekt kostet Geld und ist nicht als Billignummer zu haben“, so Thilo Reusch, Verhandlungsführer der IG Metall.
    Mit Blick auf eine weitere Verschärfung der Unzufriedenheit der Fahrer*innen in Hannover und Hamburg bat die Geschäftsführung am Ende der Verhandlung um eine Bedenkzeit bis Ende August 2023. Bis dahin sollen weitere Gespräche mit Volkswagen geführt werden, um eine konkrete Antwort auf die Forderungen der IG Metall geben zu können…“ Meldung vom 11.07.2023 der IG Metall Hannover externer Link
  • Beim Sammeltaxi Moia in Hamburg drohen Warnstreiks
    Rund 300 goldgelb-schwarze Sammeltaxis des Anbieters Moia sind täglich in Hamburg unterwegs. Nun drohen bei dem Tochterunternehmen des VW-Konzerns aber Warnstreiks, denn es gibt Streit ums Geld. Beweg was für Hamburg! Unter diesem Slogan wirbt Moia auf den vollelektrischen Sammeltaxis und im Internet um neue Fahrerinnen und Fahrer. Im Durchschnitt verdienen die 2.700 Euro monatlich, heißt es in den Anzeigen. Laut Gewerkschaft IG Metall erhalten die Frauen und Männer am Steuer einen Stundenlohn von 13 Euro – das ist nur wenig mehr als der gesetzliche Mindestlohn. Innerhalb des Volkswagenkonzerns werden bei Moia die geringsten Gehälter bezahlt. Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten in Hamburg 5,2 Prozent mehr – und außerdem eine Inflationsausgleichsprämie. Laut IG Metall lehnt die Unternehmensführung ein konkretes Angebot allerdings ab…“ Meldung vom 12.07.2023 beim NDR externer Link

Siehe zuvor:

  • Verhinderung von Betriebsratsgründung und skandalöse Arbeitsbedingungen bei Moia
    Bei der VW-Tochter Moia GmbH raubt neuerdings eine KI (Künstliche Intelligenz) den Mitarbeitern ihre Rechte auf (Pinkel-) Pausen und kommandiert diese herum. Auch gegen den Versuch einer Betriebratsgründung ist das Unternehmen unter der Leitung von Robert Henrich und Torben Menke nun aggressiv vorgegangen. Moia betreibt in Hamburg und Hannover eine Flotte von Hunderten Fahrzeugen zum sogenannten Ridepooling. Dabei teilen sich mehrere Personen über eine App einen elektrischen Kleinbus, der wie ein Sammeltaxi funktioniert. Die Moia-KI berechnet die Strecke des Fahrzeugs dabei jeweils neu, wenn ein weiterer Kunde eine Fahrtanfrage stellt, die in der gleichen Fahrtrichtung liegt, damit dieser eingesammelt und mitgenommen werden kann. (…) Musste man die Pausen früher bei Kollegen in der Zentrale beantragen, so übernimmt diese Funktion nun die KI. Diese legt selbstständig fest, wann und wo die Fahrer Pause machen dürfen. Für die Fahrer ein Problem, denn oft stehen sie dann auf Supermarkt- oder Krankenhausparkplätzen, wo sie dann versuchen eine öffentliche Toiletten zu finden. Das kann zeitaufwendig sein. Doch auch diese berechneten Pausen gibt es nur sehr unregelmäßig, eben dann, wenn es keine Fahrgäste gibt. Mitunter müssen die Fahrer bis zu einer Stunde warten. Toilettengänge außerhalb der Pause müssen die Fahrer bei der extra KI beantragen und diese gelten zunächst nicht als Arbeitszeit. Die Anerkennung eines Toilettenstops als Arbeitszeit und damit auch Bezahlung müssen die Fahrer jeweils schriftlich beantragen. Denn „Grundsätzlich werden solche Arbeitszeitunterbrechungen von der Arbeitszeit abgezogen“, schrieb Moia Anfang Mai an die Mitarbeiter. (…) Einige Beschäftigte wollten, um diese miserablen Verhältnisse zu verbessern einen Betriebsrat gründen und bekamen enormen Gegenwind. Eigentlich sollte Mitte Juli die Betriebsratswahl stattfinden. Doch das Moia-Management legt den Initiatoren so viele Steine in den Weg wie sie möglich. Am 4. Mai fand einer der Initiatoren morgens ein Kündigungsschreiben in seinem Briefkasten, ohne Poststempel. Es müsse ihm nachts per Bote zugestellt worden sein, sagte er der taz. Ein Grund für die außerordentliche fristlose Beendigung des Arbeitsverhältnisses steht nicht auf dem Schreiben. Der Angestellte hatte zuvor Flyer verteilt und in Firmenchats gegen das neue Arbeitszeitmodell mobilisiert. Auch über die Pausenorte habe er sich häufig beim Management beschwert. Als Quittung dafür schickt ihm das Unternehmen die Kündigung und erteilte ihm ein Hausverbot. Damit wird es ihm kaum möglich sein die Unterschriften für seine Kandidatur zur Betriebsratswahl zu sammeln. Fünf weitere seiner Mitstreiter für die Wahl eines Betriebsrats kaufte Moia per Abfindungen aus dem Unternehmen raus…“ Aus Frontberichte 11/2021 von Kevin Hoffmann  vom 21. Juli 2021 bei Arbeitsunrecht  externer Link
  • [Sammeltaxis] Arbeitsbedingungen bei VW-Tochter Moia: Sie sollen fahren, nicht pinkeln
    Bei der Volkswagentochter Moia wird die Arbeit über künstliche Intelligenz organisiert. Für die Arbeitnehmer*innen bringt das einige Probleme. (…) Bei der VW-Tochter, deren goldfarbene Elektro-Kastenwagen meist geräuschlos und leer durch Hamburg und Hannover gleiten, müssen die Fahrer*innen eine Toilettenpause per Knopfdruck im digitalen System beantragen. Solche „außergewöhnlichen Pausen“ gehören nicht zur „produktiven Zeit“, werden daher aus der bezahlten Arbeitszeit herausgerechnet, und nur im Ausnahmefall überhaupt genehmigt. Aber das ist nicht das einzige Problem, mit dem Mitarbeiter*innen zu kämpfen haben. (…) Moia wurde 2016 als Tochter des Volkswagenkonzerns gegründet, um neue Mobilitätskonzepte zu entwickeln. 2017 startete eine Flotte in Hannover, 2019 in Hamburg. Das Konzept „Ridepooling“ funktioniert so, dass mehrere Fahrer*innen im Innenstadtbereich unterwegs sind und auf Anfragen der Kund*innen über eine App warten. (…) neues Arbeitszeitmodell (…) Es beinhaltet die technische Dokumentation jeder Arbeitszeitunterbrechung, auch den Toilettengang. „Grundsätzlich werden solche Arbeitszeitunterbrechungen von der Arbeitszeit abgezogen“ (…) „Es kommt vor, dass du eine Unterbrechung beantragst, aber das System sie dir verwehrt“ (…) Wer nicht sauber arbeitet oder nicht bereit ist, Überstunden zu machen, kann den Job schnell verlieren…“ Artikel von Katharina Schipkowski vom 2.7.2021 in der taz online externer Link
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=213483
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