» » »
» » »

Tarifrunde 2026 der Unikliniken in Baden-Württemberg vor gravierender Eskalation: Arbeitgeber kündigen Rationalisierungsschutz und drohen Streikenden

Profite pflegen keine MenschenDer Arbeitgeberverband (AGU) der vier Unikliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm hat die laufende Gehaltstarifrunde massiv belastet und sorgt nach nur einer Verhandlungsrunde für eine Eskalation. Als Reaktion auf den ersten jeweils eintägigen Warnstreik am Dienstag (Ulm am Montag) hat der AGU den bestehenden Rationalisierungsschutztarifvertrag von 1987 (2008 erneuert) zum Ende des Jahres gekündigt. Die Kündigung wird offen begründet mit dem Warnstreik. Außerdem wird direkt angedroht, dass jede weitere Warnstreikmaßnahme ein mögliches Tarifergebnis verschlechtern wird. ver.di hatte zu den ersten Arbeitsniederlegungen aufgerufen, weil die Arbeitgeber in der ersten Verhandlungsrunde am 6. Mai kein Angebot vorgelegt hatten…“ Pressemitteilung vom 21.05.2026 vom ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg externer Link und mehr daraus/dazu:

  • Trotz Einschüchterung und dem Angriff auf das Streikrecht: Die Warnstreiks an Unikliniken in Baden-Württemberg gehen ab Montag, 15 Juni weiter! New
    An den Unikliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm läuft derzeit eine harte Tarifauseinandersetzung. Nachdem Beschäftigte kürzlich in Warnstreiks getreten waren, kündigten die Arbeitgeber einen seit rund 40 Jahren geltenden Tarifvertrag, der Beschäftigte bei Stellenabbau absichern sollte. Gleichzeitig wurde offen erklärt, weitere Streiks könnten sich negativ auf das Tarifergebnis auswirken. Die Gewerkschaft ver.di spricht von Einschüchterung und einem Angriff auf das Streikrecht. Radio Dreyeckland sprach darüber mit der Gewerkschaftssekretärin Frau Franziska Pfab von ver.di Bezirk Südbaden Schwarzwald.Interview vom 8. Juni 2026 im Radio Dreyeckland externer Link Audio Datei („Warnstreiks an Unikliniken gehen weiter! Ab Montag kommender Woche weitere Streiks, so verdi Südbaden“), bei ver.di BaWü (noch) nichts gefunden
  • Weiter aus der Pressemitteilung vom 21.05.2026 vom ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg externer Link: „… ver.di hatte den vier Kliniken in der Verhandlung die Hand gereicht für gemeinsame Proteste gegen die GKV-Reform. Die Unikliniken haben dies im Gegensatz zu anderen Krankenhäusern im Land abgelehnt. Sie wollen offensichtlich, dass allein ihre Beschäftigten die Zeche für eine falsche Gesundheitspolitik zahlen. Tarifautonomie sticht GKV-Reform: Wir lassen uns das Streikrecht nicht nehmen. Nicht von einer falschen Politik und nicht von fehlgeleiteten Klinikarbeitgebern.“
    In dem von den Arbeitgebern gekündigten Rationalisierungsschutztarifvertrag heißt es in der Präambel: „Bei der Durchführung von Rationalisierungsmaßnahmen sind die sich aus dem Arbeitsverhältnis ergebenden Belange der Arbeitnehmerinnen zu berücksichtigen und soziale Härten möglichst zu vermeiden“. Der Tarifvertrag sichert für Beschäftigte ein Mindestmaß an sozialen Grundlagen, falls es zu Personalabbau kommt: Kündigungsschutz für langjährige Beschäftigte, die aktive Einbeziehung von Personalräten, Beratungsangebote, die grundsätzliche Sicherung von Arbeitsplätzen in oder in der Nähe der Klinik, Unterstützung bei Fortbildungen und Umschulungen, Vergütungssicherungen sowie Abfindungsregeln. (…)
    Auf der Grundlage einer Beschäftigten-Befragung, an der über 3.000 Kolleg:innen teilgenommen haben, hat die ver.di-Tarifkommission folgende Forderungen beschlossen:
    7,5 Prozent, mindestens 320 Euro mehr im Monat für die Beschäftigten und 250 Euro mehr im Monat für Auszubildende und Praktikant:innen, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Für Auszubildende soll es einen Mobilitätszuschuss in Höhe des Deutschlandtickets geben. Um bei der Eingruppierung an andere Tarifverträge anschlussfähig zu sein, erwartet ver.di eine Verhandlungszusage, um im Nachgang der Tarifrunde über die höhere Eingruppierung bestimmter Berufsgruppen zu verhandeln.
    Die zweite Verhandlungsrunde ist am 17. Juni.
    Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener, mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika abgeschlossener Tarifvertrag, von dem rund 26.000 Beschäftigte an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzt:innen fallen unter den Tarifvertrag Ärzte Länder, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.“

Siehe zuletzt das Dossier: Tarifrunde 2022 Uniklinika Baden-Württemberg: ver.di fordert 10,5 Prozent, mindestens 375 Euro, tabellenwirksam

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=236006
nach oben