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Tarifrunde 2026 der Unikliniken in Baden-Württemberg vor gravierender Eskalation: Arbeitgeber kündigen Rationalisierungsschutz und drohen Streikenden
„Der Arbeitgeberverband (AGU) der vier Unikliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm hat die laufende Gehaltstarifrunde massiv belastet und sorgt nach nur einer Verhandlungsrunde für eine Eskalation. Als Reaktion auf den ersten jeweils eintägigen Warnstreik am Dienstag (Ulm am Montag) hat der AGU den bestehenden Rationalisierungsschutztarifvertrag von 1987 (2008 erneuert) zum Ende des Jahres gekündigt. Die Kündigung wird offen begründet mit dem Warnstreik. Außerdem wird direkt angedroht, dass jede weitere Warnstreikmaßnahme ein mögliches Tarifergebnis verschlechtern wird. ver.di hatte zu den ersten Arbeitsniederlegungen aufgerufen, weil die Arbeitgeber in der ersten Verhandlungsrunde am 6. Mai kein Angebot vorgelegt hatten…“ Pressemitteilung vom 21.05.2026 vom ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg
und mehr daraus/dazu:
- „Kämpferische Tarifpolitik sticht schlechte Gesundheitspolitik“: Kompromiss für die vier Unikliniken in Baden-Württemberg gefunden – ver.di-Mitglieder entscheiden bis 23. Juli
„Nach drei Warnstreikrunden mit insgesamt bis zu sechs Streiktagen hat ver.di Baden-Württemberg in der dritten Verhandlungsrunde für die vier Unikliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm gestern am späten Abend einen Verhandlungsstand erreicht. Der Kompromiss mit dem Arbeitgeberverband (AGU), von dem rund 26.000 Beschäftigte direkt betroffen sind, sieht Entgeltsteigerungen von 5,4 Prozent vor. Außerdem konnte die Gewerkschaft durchsetzen, dass der von den Arbeitgebern nach dem ersten von insgesamt sechs Streiktagen gekündigte Tarifvertrag für Rationalisierungsschutz wieder in Kraft gesetzt werden soll. (…)
Dies ist angesichts des massiven Gegenwinds durch die drohende GKV-Reform ein wichtiger Meilenstein: Kämpferische Tarifpolitik sticht schlechte Gesundheitspolitik. Die Beschäftigten an den Häusern in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm hätten für ihre täglichen Spitzenleistungen dennoch mehr verdient.“ Der Verhandlungsstand im Einzelnen:
Laufzeit 27 Monate bis 31. Juli 2028;
ab 1. Oktober 2026: +2,8 Prozent, mindestens 100 Euro;
ab 1. Dezember 2027: +1,3 Prozent;
ab 1. Juli 2028: +1,3 Prozent.
Azubis:
ab 1. Oktober 2026: +60 Euro;
ab 1. Dezember 2027: +30 Euro;
ab 1. Juli 2028: +30 Euro.
Der Tarifvertrag zum Rationalisierungsschutz wird wieder in Kraft gesetzt mit einer Verhandlungszusage für 2026.
Eine Erhöhung der Jahressonderzahlung nach Krankheitstagen konnte ver.di verhindern, ebenso wie eine freiwillige individuelle Option auf eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 45 Stunden.
Außerdem gibt es eine Verhandlungszusage zur Entgeltordnung, um bei einzelnen Berufsgruppen nachzubessern. (…)
Die große ver.di Tarifkommission hat heute diesen Verhandlungsstand kontrovers diskutiert und sich dazu entschieden, mit den Mitgliedern vor Ort in den Austausch über den Kompromiss zugehen. Dazu finden am 13./14. Juli vor Ort Versammlungen der Aktiven und Teamdelegierten der vier Standorte statt. Im Anschluss gibt es bis 23. Juli eine Befragung unter den ver.di Mitgliedern. Die Tarifkommission empfiehlt beim Abwägen aller Argumente und Spielräume die Annahme…“ Pressemitteilung vom 09.07.2026 vom ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg
(„ver.di erreicht in schwierigen Zeiten Verhandlungsstand für die Unikliniken – ver.di-Mitglieder entscheiden bis 23. Juli“) - ver.di Baden-Württemberg ruft die vier Unikliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm zu einem zwei- bis dreitägigen Warnstreik ab Montag, 6. Juni
„Vor der dritten und vorerst letzten Verhandlungsrunde am 8. Juli ruft ver.di Baden-Württemberg an den vier Unikliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm zu einem zwei- bis dreitägigen Warnstreik am Montag und Dienstag (teilweise auch Mittwoch) auf. Am Mittwoch Vormittag werden Delegationen von Streikenden zum Verhandlungslokal nach Stuttgart kommen.
Die sichere Versorgung der Patient:innen ist über Notdienstvereinbarungen gewährleistet. An den Standorten müssen voraussichtlich wieder zahlreiche OP-Säle geschlossen bleiben, auch mit Betten Schließungen ist zu rechnen. Vor Ort finden jeweils Kundgebungen statt (siehe unten).
ver.di ruft zum dritten Mal in der laufenden Runde zum Warnstreik auf, weil der Arbeitgeberverband (AGU) der vier Unikliniken bisher auf einem Abschluss mit Reallohnverlusten sowie weiteren Verschlechterungen besteht…“ Pressemitteilung vom 01.07.2026 von ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg
mit Infos zu den täglichen Kundgebungen in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm
- Auch am 7. Juni 1.800 Streikende an Unikliniken
„Auch am zweiten Streiktag an den vier Unikliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm haben heute 1.800 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. In Freiburg und Ulm wird der Warnstreik auch morgen parallel zur dritten und vorerst letzten Verhandlungsrunde fortgesetzt. Kundgebungen und Demos sind zur Stunde in Freiburg, Heidelberg und Tübingen. Unmittelbar vor dem Beginn der Verhandlungen findet am Mittwoch noch eine Kundgebung mit Streikdelegationen in Stuttgart statt. (…)
Ein Schwerpunkt der heutigen Demos und Kundgebungen waren Aktionen der Jugend und der Azubis. Jule Schmies, ver.di Baden-Württemberg: „Ein großer Teil der Azubi-Vergütungen geht direkt an die Vermieter ihrer teuren Zimmer in den Universitätsstädten oder sie haben Wohnheimplätze in teilweise sehr schlechten Zuständen. Die jungen Kolleginnen und Kollegen bringen jeden Tag Spitzenleistungen in den Unikliniken, neben ihrer Ausbildung, und sie leiden am meisten unter den steigenden Preisen.“
Am Mittwoch Vormittag werden Delegationen von Streikenden zum Verhandlungslokal nach Stuttgart kommen…“ Pressemitteilung vom 07.07.2026 von ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg
mit allen Terminen
- Auch am 7. Juni 1.800 Streikende an Unikliniken
- Trotz Einschüchterung und dem Angriff auf das Streikrecht: Die Warnstreiks an Unikliniken in Baden-Württemberg gehen ab Montag, 15. Juni weiter!
„An den Unikliniken in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm läuft derzeit eine harte Tarifauseinandersetzung. Nachdem Beschäftigte kürzlich in Warnstreiks getreten waren, kündigten die Arbeitgeber einen seit rund 40 Jahren geltenden Tarifvertrag, der Beschäftigte bei Stellenabbau absichern sollte. Gleichzeitig wurde offen erklärt, weitere Streiks könnten sich negativ auf das Tarifergebnis auswirken. Die Gewerkschaft ver.di spricht von Einschüchterung und einem Angriff auf das Streikrecht. Radio Dreyeckland sprach darüber mit der Gewerkschaftssekretärin Frau Franziska Pfab von ver.di Bezirk Südbaden Schwarzwald.“ Interview vom 8. Juni 2026 im Radio Dreyeckland
(„Warnstreiks an Unikliniken gehen weiter! Ab Montag kommender Woche weitere Streiks, so verdi Südbaden“), bei ver.di BaWü (noch) nichts gefunden - Weiter aus der Pressemitteilung vom 21.05.2026 vom ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg
: „… ver.di hatte den vier Kliniken in der Verhandlung die Hand gereicht für gemeinsame Proteste gegen die GKV-Reform. Die Unikliniken haben dies im Gegensatz zu anderen Krankenhäusern im Land abgelehnt. Sie wollen offensichtlich, dass allein ihre Beschäftigten die Zeche für eine falsche Gesundheitspolitik zahlen. Tarifautonomie sticht GKV-Reform: Wir lassen uns das Streikrecht nicht nehmen. Nicht von einer falschen Politik und nicht von fehlgeleiteten Klinikarbeitgebern.“
In dem von den Arbeitgebern gekündigten Rationalisierungsschutztarifvertrag heißt es in der Präambel: „Bei der Durchführung von Rationalisierungsmaßnahmen sind die sich aus dem Arbeitsverhältnis ergebenden Belange der Arbeitnehmerinnen zu berücksichtigen und soziale Härten möglichst zu vermeiden“. Der Tarifvertrag sichert für Beschäftigte ein Mindestmaß an sozialen Grundlagen, falls es zu Personalabbau kommt: Kündigungsschutz für langjährige Beschäftigte, die aktive Einbeziehung von Personalräten, Beratungsangebote, die grundsätzliche Sicherung von Arbeitsplätzen in oder in der Nähe der Klinik, Unterstützung bei Fortbildungen und Umschulungen, Vergütungssicherungen sowie Abfindungsregeln. (…)
Auf der Grundlage einer Beschäftigten-Befragung, an der über 3.000 Kolleg:innen teilgenommen haben, hat die ver.di-Tarifkommission folgende Forderungen beschlossen:
7,5 Prozent, mindestens 320 Euro mehr im Monat für die Beschäftigten und 250 Euro mehr im Monat für Auszubildende und Praktikant:innen, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Für Auszubildende soll es einen Mobilitätszuschuss in Höhe des Deutschlandtickets geben. Um bei der Eingruppierung an andere Tarifverträge anschlussfähig zu sein, erwartet ver.di eine Verhandlungszusage, um im Nachgang der Tarifrunde über die höhere Eingruppierung bestimmter Berufsgruppen zu verhandeln.
Die zweite Verhandlungsrunde ist am 17. Juni.
Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener, mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika abgeschlossener Tarifvertrag, von dem rund 26.000 Beschäftigte an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzt:innen fallen unter den Tarifvertrag Ärzte Länder, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.“
Siehe zuletzt das Dossier: Tarifrunde 2022 Uniklinika Baden-Württemberg: ver.di fordert 10,5 Prozent, mindestens 375 Euro, tabellenwirksam