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Pflegenotstand: (Wieder mal) Ausländer rein! Also in die Pflege. Die verzweifelte Hoffnung stirbt offensichtlich zuletzt

Dossier

Plakat der freiburger Protestaktion Pflege am Boden 2015“… Die Rekrutierung ausländischer Pflegekräfte als ein Lösungsweg aus einem Pflegenotstand verstanden als fehlendes Personal hat – man wird nicht überrascht sein – eine lange Geschichte in unserem Land und reicht weit zurück in eine Zeit, in der Deutschland sich als alles andere verstanden hat als das, was es längst war: ein Einwanderungsland. Die Figur des “Gastarbeiters” wurde auf viele Bereiche übertragen, so auch auf das Gesundheitswesen. Die älteren Semester werden sich noch gut erinnern an die Krankenschwestern aus Korea und den Philippinen, die man in den 1970er Jahren nach Deutschland “importiert” hat. Auch unsere Nachbarn, die Österreicher, haben das praktiziert. (…) Denn auch Spahn sollte mittlerweile wissen, dass dieser Weg keine wirkliche Lösung des eklatanten Pflegepersonalnotstands darstellt, weil ein realistisch erreichbarer Arbeitskräfteimport nur einen sehr überschaubaren Entlastungseffekt zur Folge haben wird. Die strukturell bedingte Hilflosigkeit wird auch an dem bereits bekannten, oft zitierten Textbaustein mit der schnelleren Anerkennung der ausländischen Abschlüsse sowohl in Pflege wie auch bei den Ärzten erkennbar. Hört sich vernünftig an, verspricht aber mehr, als es halten kann. Denn das strukturelle Dilemma, das hier zu benennen ist, bezieht sich auf einen Aspekt, der jenseits der formalen Gleichwertigkeit von Abschlüssen liegt. (…) Die seit langem bekannte und immer wieder reanimierte Hoffnung, über den Griff ins Ausland unsere Personalprobleme lösen zu können, wird genau so funktionieren wie in den zurückliegenden Jahrzehnten. Also gar nicht. Allenfalls eine punktuelle Entlastung wird es geben können für das eine oder andere Krankenhaus oder das eine oder andere Pflegeheim. Aber man sollte das als Nebenzweig eines vielgestaltigen Lösungsbaums verstehen, in dessem Zentrum die deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege hier bei uns stehen muss. Übrigens – dass es die Arbeitsbedingungen sind, die einen gewichtigen Einfluss darauf haben, ob es a) genügend Nachwuchskräfte für die Pflege geben wird und b) ob und wie lange die Pflegekräfte im Beruf bleiben, ist nun wahrlich keine neue Erkenntnis…” Artikel vom 2. April 2018 von und bei Stefan Sell externer Link. Siehe auch unser Dossier: Migrantinnen in der Pflege: “Niemand überwacht die Arbeitsbedingungen” in Privathaushalten und hier zur internationalen An-/Abwerbung:

  • Pflegekräfte vom Balkan – üppiges Geschäft für Vermittler New
    Deutsche Kliniken sollen bis zu 15.000 Euro für die Vermittlung einer Pflegekraft vom Westbalkan bezahlen. Die Vermittler machen damit ein gutes Geschäft – doch für die Pflegekräfte geht es nicht immer gut aus. (…) Es ist nur eines von unzähligen Beispielen aus der “Auswanderungsindustrie”: Einer Branche, die einerseits aus der Misere auf dem Balkan und andererseits aus dem großen deutschen Bedarf nach medizinischen Fachkräften geboren wurde. Seit Jahren werben Vermittlungsagenturen und deren Mittelsmänner um Personal vom Westbalkan und die Gunst der deutschen Kliniken und Altersheime, die fette Prämien für die Vermittlung anbieten. Die deutsche Arbeitsagentur zählte zuletzt insgesamt 50.000 Staatsbürger aus sechs Staaten des westlichen Balkans (Serbien, Bosnien/Herzegowina, Albanien, Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro) im medizinischen Sektor. Es waren rund 6500 Menschen mehr als im Jahr zuvor (siehe Grafik). (…) Ein leitender Mitarbeiter einer deutschen Pflegeheimkette sagt, sie seien mittlerweile bereit, rund 10.000 Euro pro Pflegekraft an Vermittler zu bezahlen. Ein vereinbartes Interview mit der DW sagte dieser Mitarbeiter dann kurzfristig ab. Viele aus der Branche wollen das Thema in der Öffentlichkeit nicht besprechen. Mehrere Vermittler sagen, sie bekämen sogar bis zu 15.000 Euro für eine Pflegerin, die sie vom Balkan nach Deutschland bringen. Die angegebenen Summen sind nicht nachprüfbar. Der Betrag wird laut Vermittler mit Sprachschulen und Anwerbern vor Ort geteilt. Die Branche dürfte geschätzt mehrere hundert Millionen Euro jährlich umsetzen, und fühlt sich oft kaum jemand an irgendwelche Regeln gebunden. (…) Die Vermittler wissen ganz genau, was ihnen einen Strich durch die Rechnung machen kann: wenn ein Bewerber, dem sie schon die Sprachschule und andere Vorbereitungen bezahlt haben, aus irgendeinem Grund doch keinen Vertrag mit dem Arbeitgeber in Deutschland abschließt. Deswegen lässt Pro Sert, eine Agentur aus der zentralserbischen Stadt Kragujevac, die Bewerber einen Vertrag unterschreiben, der eine Strafe von 3000 Euro vorsieht, wenn sie abspringen. Das ist ein durchschnittlicher halber Jahreslohn in Serbien. Einige Verträge, die der DW vorliegen, zeigen: Der Bewerber bezahlt die Strafe, wenn er abspringt, über eine andere Agentur nach Deutschland geht oder die ersten beiden Jobangebote ablehnt, die ihm Pro Sert macht...” Beitrag von Nemanja Rujević, Sanja Kljajić und Ajdin Kamber vom 13.01.2020 bei der Deutschen Welle externer Link
  • Caritas: Anwerbung von Pflegekräften muss fair sein New
    Bei der Anwerbung von Pflegefachkräften aus dem Ausland dringt der Wohlfahrtsverband Caritas darauf, auch die Belange der Migranten zu berücksichtigen. Die Interessen Deutschlands und die der Herkunftsländer seien gleichwertig. Die Caritas sucht händeringend Pflege-Fachkräfte. Aber eine aggressive Rekrutierung im Ausland lehnt der katholische Wohlfahrtverband ab. „Die Anwerbung von Pflegekräften aus Ländern, in denen ein Pflegepersonalnotstand herrscht oder die eine ähnliche demografische Entwicklung haben wie wir in Deutschland, ist sehr kritisch zu bewerten“, sagte Caritas-Präsident Peter Neher dem „Evangelischen Pressedienst“. Aber es gibt laut Neher auch Nicht-EU-Länder, in denen sich diese Fragen so nicht stellen. Dort sei, vorausgesetzt die Pflegekräfte würden gut vorbereitet und begleitet, eine Anwerbung durchaus möglich. „Eine solche Migration kann durchaus einen Beitrag leisten zur Milderung des Pflegenotstands bei uns.“ Der Caritas-Präsident verweist zum Beispiel auf die Philippinen. Nicht wenige Menschen hätten sich dort als Pflegekraft ausbilden lassen, um nach Europa zu kommen. Das sei ihr Lebensplan. „Ich sehe nicht, warum wir ihnen das verbieten oder solche Modelle nicht gezielt auf andere bevölkerungsreiche Staaten übertragen sollten.“ Bei allen Aktivitäten zur Anwerbung müsse strikt beachtet werden, dass der Weggang qualifizierter junger Leute keine Versorgungslücken im Herkunftsland reißen dürfe…” Artikel von Dirk Baas vom 15.01.2020 beim Migazin externer Link
  • Helios Kliniken Schwerin: Pflegekräfte aus Mexiko eingestellt – Der Markt für Pflegekräfte in Osteuropa sei inzwischen “abgegrast” 
    “20 mexikanische Frauen und Männer zwischen 25 und 30 Jahren werden in diesem Jahr an den Helios Kliniken Schwerin als Pflegekräfte eingestellt. In ihrer Heimat haben sie eine akademische Ausbildung zur Pflege absolviert, sowie einen Deutschkurs belegt. Die Fachkräfte aus Guadalajara werden ihre Arbeit jedoch erst im Spätsommer 2020 aufnehmen. Zunächst stehen Deutsch- und Integrationskurse an, anschließend werden sie noch mal drei Monate lang fachlich auf ihren Einsatz an einer deutschen Klinik vorbereitet, sie lernen deutsche Standards für Hygienebestimmungen oder auch den Umgang mit medizinischen Verfahren. Die Ausbildung schließt mit einer sogenannten Kenntnisstandprüfung ab. Danach sind sie vollständig anerkannte Pflegekräfte und werden so wie ihre deutschen Kollegen bezahlt: Sie erhalten einen Brutto-Monatslohn zwischen 2.600 und 2.800 Euro. Der Markt für Pflegekräfte in Osteuropa sei inzwischen “abgegrast”, sagte ein Sprecher der Helios Kliniken Schwerin wörtlich. Es gebe seit einigen Jahren eine regelrechte Wanderungsbewegung der Fachkräfte nach Skandinavien. Das betreffe sowohl deutsche als auch osteuropäische Arbeitskräfte. Zum anderen ist das mexikanische Pflegepersonal sehr gut ausgebildet; alle haben einen Bachelor-Abschluss an der Universität gemacht…“ Beitrag vom 03.01.2020 beim NDR externer Link
  • [HBS-Studie] Neue Pfleger aus dem Ausland sind schnell frustriert 
    “Deutschland ist spät dran mit der Idee, fehlende Pflegestellen mit Fachkräften aus dem Ausland zu besetzen. Während die USA, Großbritannien, Australien und Kanada schon lange als Zielland für Pfleger gelten, begannen deutsche Kliniken und Pflegeheime erst 2012 verstärkt, ausländisches Personal einzustellen. Seitdem ist die Zuwanderung der Pfleger jedes Jahr ein wenig gestiegen. Insgesamt beantragten 32 000 Fachkräfte zwischen 2012 und 2017 die Anerkennung ihres Abschlusses in der Gesundheits- und Krankenpflege – etwa genauso viele Menschen, wie in diesem Zeitraum in Deutschland eine Umschulung zur Pflegekraft abschlossen. Das ist erst einmal eine gute Nachricht. Doch so unterschiedlich die Herkunft der deutschen Umschülerinnen und der Pfleger aus Serbien oder den Philippinen ist, so verschieden sind auch ihre Probleme am neuen Arbeitsplatz Altenheim. Für beide Gruppen fehlt eine gute Integration in die Betriebe: Nicht das Kommen, sondern das Bleiben bereitet neuen Fachkräften deshalb Schwierigkeiten, zeigt eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung externer Link  (…) Anders aber ähnlich problematisch gestaltet sich Larsen zufolge der Einstieg ausländischer Pfleger. Sie sind vom deutschen Pflegealltag eher unterfordert. Außerhalb von Deutschland sind Krankenpfleger meist akademisch gebildet, ihre Ausbildung und ihr Arbeitsalltag gleicht eher denen deutscher Ärzte. Reine Pflegetätigkeiten wie waschen oder Essen reichen gehört im Ausland selten zu ihren Aufgaben. Dies übernehmen dort Hilfskräfte oder die Familienangehörigen der Pflegebedürftigen. Doch obwohl die zugewanderten Kräfte hoch qualifiziert sind, werden sie in Deutschland zunächst nur für einfachste Tätigkeiten eingesetzt – etwa, weil ihre Deutschkenntnisse nicht gut genug sind oder weil die Anerkennung ihrer Berufsqualifikation bis zu 18 Monate dauern kann. Aufgrund der Sprachbarriere können ausländische Pfleger auch nur schwer ausdrücken, wie hoch ihre Kompetenzen eigentlich sind. Und wie wenig die Helferrolle zu ihnen passt. (…) Führungskräfte in Pflegeheimen sind für die Integration neuer Kräfte nicht qualifiziert, bemängelt sie. Das liege auch daran, dass die Integration und das Einarbeiten neuer Kräfte nicht von den Kassen finanziert wird. “Der Gesetzgeber tut viel für die Anwerbung von Pflegekräften”, sagte Larsen: “Mindestens bei der Finanzierung ihrer Integration in die Betriebe müsste er auch einsteigen”. Sonst steigen die Pfleger schnell wieder aus ihrem neuen Beruf aus.“ Artikel von Kristiana Ludwig vom 16.12.2019 in der Süddeutschen Zeitung online externer Link – siehe dazu aktuell unser Dossier: (Fachkräfte)Einwanderungsgesetz: Die wichtigsten Punkte des Entwurfs – und die Debatte
  • “Spätkolonialistische Attitüde“. Experte: „Gesamtstrategie zur Anwerbung von Flüchtlingen für die Pflege fehlt“
    Allein mit der Ausbildungen von Flüchtlingen zu Pflegekräften ist dem Personalnotstand nicht beizukommen. Fachleute fordern eine Strategie und warnen vor der Anwerbung im Nicht-EU-Ausland mit „spätkolonialistischen Attitüden“ nach dem Motto „Hauptsache, wir in Deutschland sind versorgt“. Sebastian Riebandt von der nordrhein-westfälischen Koordinierungsstelle für Flüchtlinge in Pflege- und Gesundheitsberufen findet klare Worte: „Das volle Potenzial Geflüchteter in der Pflege ist noch nicht ausgeschöpft.“ Riebandt, dessen Stelle soziale Einrichtungen dabei unterstützt, aus ihrer Heimat geflohene Menschen in Heime, ambulante Dienste und Kliniken zu bringen, rät: „Ihre Ansprache auf lokaler Ebene sollte strukturierter und gruppenspezifischer erfolgen.“ Doch wo brauchen sie welche fachlichen Hilfen? Sind sie überhaupt informiert darüber, dass sich in der Pflege beste Berufsperspektiven bieten? (…) Valide Daten über die Zahl der Flüchtlinge, die bereits in der Pflege tätig sind oder eine Ausbildung dazu begonnen haben, gibt es nicht. Denn das Merkmal „Flucht“ wird in den Statistiken der Ausländer- oder Arbeitsmarktbehörden nicht erfasst. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bemüht sich, mehr Fachkräfte aus dem Ausland ins Land zu bringen. Erleichterungen gibt es für Herkunftsländer wie Mexiko, die Philippinen und das Kosovo. Diese Strategie findet keineswegs nur Zuspruch. Präsident Franz Wagner fordert, dass vor allem die Arbeitsbedingungen für das Personal hier in Deutschland signifikant verbessert werden müssten. „So könnte man viele deutsche Schwestern und Pfleger, die zum Teil aus Erschöpfung in Teilzeit arbeiten oder sich aus Frust beruflich neu orientiert haben, zurückgewinnen.“ Der Deutsche Caritasverband sieht die Anwerbung im Nicht-EU-Ausland ebenfalls kritisch. Man sollte nicht „spätkolonialistische Attitüden“ an den Tag legen nach dem Motto „Hauptsache, wir in Deutschland sind versorgt“, sagt Präsident Peter Neher…“ Beitrag von Dirk Baas vom 09.12.2019 bei Migazin externer Link
  • Fachkräftemangel in der Pflege: Spahn will Zugang für ausländisches Personal erleichtern
    Schätzungen zufolge werden in Deutschland im Jahr 2030 mindestens 100 000 Altenpfleger fehlen. Eine Agentur soll helfen, dass etwa von Krankenhäusern angeworbene Pflegekräfte schneller die Zuwanderungsverfahren der deutschen Behörden passieren. Bereits jetzt sollen der neuen Agentur 4200 Anträge von Pflegekräften vorliegen, 350 Euro soll ihre Unterstützung pro Person kosten…” Artikel von Kristiana Ludwig vom 2. Dezember 2019 in der Süddeutschen Zeitung online externer Link
  • Fachkräfte-Agentur soll Pflegekräfte aus dem Ausland vermitteln
    “… Eine neu gegründete Fachkräfteagentur soll die Vermittlung von Pflegekräften aus dem Ausland beschleunigen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (beide CDU) stellten am Montag in Berlin die Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (DeFa) vor. (…) Gesundheitsminister Spahn betonte, der Pflegebedarf in Deutschland werde weiter stark steigen. Die Zahl der Menschen, die Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen, sei in den vergangenen drei Jahren von 3 auf 4,1 Millionen gestiegen. Der Bedarf an Pflegekräften sei nicht allein durch Ausbildung, Umschulung und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Deutschland zu decken, sagte Spahn. (…) Insgesamt läuft die Anwerbung ausländischer Pflegefachkräfte nur schleppend. Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zufolge arbeiten 62.500 Pflegefachkräfte aus dem Ausland in deutschen Pflegeheimen und Krankenhäusern (Stand März 2019). Das sind lediglich etwas mehr als sechs Prozent aller Pflegefachkräfte. Nach Auskunft der Bundesregierung fehlten bereits im April 2018 bundesweit rund 25.000 Alten- und Krankenpfleger – und dazu noch einmal 10.000 Hilfskräfte, um die offenen Stellen zu besetzen. …“ Beitrag vom 03.12.2019 bei Migazin externer Link
  • Ausländische Pflegekräfte in Deutschland: „Auf den Philippinen bekommen wir kaum mehr als den Mindestlohn“ 
    Die philippinische Krankenschwester Daisy Agravante ist eine von 154.000 Pflegekräften mit ausländischer Staatsbürgerschaft in Deutschland. Sie fühlt sich wohl. Der Berufsverband sieht die Anwerbeoffensive des Bundesgesundheitsministeriums allerdings kritisch. (…) In ganz Deutschland arbeiten 154.000 Pflegekräfte mit ausländischer Staatsbürgerschaft – laut Bundesagentur für Arbeit ein Anteil von neun Prozent. Bundesgesundheitsminister Spahn freut sich über jeden einzelnen, der zum Arbeiten hierher kommt: „Wir haben im Moment 50.-80.000 Stellen… Das sind finanzierte Stellen: Das heißt, das Geld dafür ist da, die könnten heute, morgen eingestellt werden. Und unser Arbeitsmarkt ist einfach leer gefegt.“ Sein Ministerium bemüht sich  zudem ganz offensiv um weitere Pflegekräfte aus dem Ausland. Im Juli unterzeichnete Spahn eine Absichtserklärung mit dem Kosovo. Es geht um eine Zusammenarbeit in der Ausbildung zwischen beiden Ländern und die schnellere Anerkennung von Berufsabschlüssen ausländischer Pflegefachkräfte. Auch mit Mexiko und den Philippinen sind solche Abkommen geplant. (…) Franz Wagner ist Geschäftsführer des Berufsverbands und auch Präsident des Pflegerats. Dass die Bundesregierung endlich versucht, etwas gegen den Fachkräftemangel in Pflegeberufen zu tun, sei richtig. Sie aber aus dem Ausland zu holen, das hält Franz Wagner nicht für die beste Lösung. Er denkt, dass vor allem die Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal signifikant verbessert werden müssten. So könnte man viele deutsche Schwestern und Pfleger, die zum Teil aus Erschöpfung in Teilzeit arbeiten oder sich aus Frust beruflich neu orientiert haben, zurück gewinnen. Außerdem:  In den Heimatländern könnten plötzlich nicht genug Pflegekräfte da sein, um die eigene Bevölkerung zu versorgen. „Die WHO hat einen ethischen Code erlassen, der die ärmsten Länder davor schützen soll, ausgebeutet zu werden, weil reiche Länder, die Menschen dort weglocken, weil sie wurden ja mit Geld von dort ausgebildet, aber dann gehen sie ins Ausland und fehlen in dem dortigen System. Oft gibt es tatsächlich arbeitslose Pflegekräfte in den Ländern. Aber die sind arbeitslos, nicht, weil sie nicht gebraucht werden, sondern weil das Land es sich nicht leisten kann, sie zu beschäftigen.“ Dass diese Aussage auf den Kosovo und auch Mexiko zutrifft, sagt auch der Bundesgesundheitsminister…” Beitrag von Heike Bredol vom 18.11.2019 beim Deutschlandfunk Kultur externer Link
  • [Jetzt Mexiko] Pflege in der Mangel 
    “Höchstpersönlich reiste Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im September nach Mexiko, um vor Ort Pflegefachkräfte anzuwerben. Das Geld für 13.000 neue Stellen in der Altenpflege sei da, aber der Arbeitsmarkt für Fachkräfte in Deutschland leer gefegt. Daher setzt die Bundesregierung nun vermehrt auf Anwerbung: Pflegepersonal aus den Philippinen, dem Kosovo und nun auch Mexiko sollen helfen, den deutschen Pflegenotstand zu beheben. Auf seiner Reise betonte Spahn, dass er keinesfalls anderen Ländern die Pflegekräfte klauen wolle, nur herbei zaubern könne er sie auch nicht. Also versucht er sein Glück in Ländern, die laut der Bundesregierung nicht zu denen gehören, die selbst einen kritischen Mangel an Gesundheitsfachkräften aufweisen. In Deutschland kommen 180 medizinische Fachkräfte auf 10.000 Einwohner*innen, in Mexiko knapp ein Viertel davon. Deutschland wirbt also einem selbst unterversorgten Land ausgebildete Pflegearbeiter*innen ab._Im öffentlichen Sektor wird diese Entwicklung als Care Drain bezeichnet: Das Entsendeland leidet aufgrund des Verlusts ausgebildeter Fachkräfte unter den wirtschaftlichen und humanitären Folgen. „In den Herkunftsländern werden Zuneigung und Fürsorge auf die gleiche Weise geplündert wie früher Rohmaterialien oder Arbeitskraft“, schreibt die spanische Ökonomin Amaia Pérez Orozco über grenzüberschreitende Pflegeketten, entlang derer weltweit Migrantinnen in Privathaushalten, bei Dienstleistern und im öffentlichen Gesundheitssektor Pflegetätigkeiten ausführen. (…) Care-Arbeit, Sorge und Fürsorge im weitesten Sinn, gehört weltweit zu den am stärksten wachsenden Arbeitsbereichen. Die Lücke zwischen zu versorgenden Menschen und fürsorgenden Menschen wächst, im Jahr 2030 werden laut Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) 400 Millionen ältere Menschen auf Pflege angewiesen sein. Die Pflegekrise bekommt nun mehr Aufmerksamkeit, die Debatte darum berücksichtigt jedoch nur selten, dass die Doppelbelastung für Arbeiterinnen schon lange Realität ist. Die geschlechtliche Arbeitsteilung führt dazu, dass Emanzipation von reichen Frauen auch auf Kosten anderer Frauen geht. Die Eingliederung vieler Frauen in den Arbeitsmarkt führt also nicht zu einer gesamtgesellschaftlich gerechter verteilten Sorgeverantwortung, sondern gibt diese einfach an andere, ärmere Frauen weiter. So hüten Ecuadorianerinnen schon lange Kinder in Spanien und nun sollen auch Mexikanerinnen alte Menschen in Deutschland pflegen…” Beitrag aus Lateinamerika-Nachrichten Nr. 545 vom November 2019 externer Link – Bei vielem hat sie recht, doch in einem Punkt irrt sich Amaia Pérez Orozco: Dass Span mit seiner Exportoffensive überhaupt Erfolg haben kann, liegt einzig an den Verhältnissen in Mexiko. Oder wie jüngst Achim Steiner von der UNDP treffend für die afrikanische Migration feststellte: “Durch ihre Entscheidung, wegzugehen, klagen die jungen Afrikaner ihre eigenen Regierungen an” Warum sollen nun gerade die von den miesen Verhältnissen in Mexiko Betroffenen mit ihrer Anwesenheit die Defizite ausgleichen, die sie am wenigsten zu verantworten haben? Ich bezeichne diese bei Linken beliebte Sichtweise deshalb auch als eine neue Art “globaler Sozialpartnerschaft” im Sinne von: “Bitte darauf achten, dass es in allen kapitalistisch orientierten Staaten sozial zugeht”. Bestenfalls könnte man sagen, dass Flucht auch keine Lösung ist; allerdings bei unveränderten gesellschaftlichen Verhältnissen zu bleiben, auch nicht.
  • Fachkräfteanwerbung: Spahn will mehr Pflegekräfte aus dem Ausland 
    “… Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will verstärkt Pflege-Fachkräfte aus dem Ausland holen. Einem Bericht des „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ zufolge will der Minister in wenigen Tagen nach Mexiko reisen, um dort Gespräche über eine vertiefte Zusammenarbeit in diesem Bereich zu führen. „Ich möchte, dass wir mit Ländern kooperieren, die über den eigenen Bedarf ausbilden“, sagte Spahn am Dienstagabend beim „Berliner Salon“ des „RedaktionsNetzwerks“ in Berlin. „Was ich nicht möchte, ist, dass wir anderen Ländern die Pflegekräfte klauen“, betonte er zugleich. Im Sommer war der Minister in ähnlicher Mission in den Kosovo gereist. Auch mit den Philippinen ist eine Kooperation geplant. Spahn sagte, es gehe auch um eine beschleunigte Anerkennung von Berufsabschlüssen, Kurse zur Weiterqualifizierung in Deutschland sowie eine schnellere Visa-Vergabe an Pflege-Fachkräfte. Der Gesundheitsminister sagte, die ganze Welt kämpfe mittlerweile um Pflegefachkräfte. „Wenn wir nicht gute Arbeitsbedingungen bieten, werden die nicht zu uns kommen“, unterstrich der CDU-Politiker.” Meldung vom 19. September 2019 von und bei MiGAZIN externer Link, sehenswert dazu auch:
  • Pflegenotstand absurd: Wie Flüchtlinge vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden 
    Der Gesundheitsminister im Einsatz gegen den Pflegenotstand. Jens Spahn auf Welttournee, um Pflegekräfte nach Deutschland zu holen. Hier im Kosovo, und heute schon in Mexiko. Kein Witz. Guten Abend und willkommen bei MONITOR. Kein Weg und kein Land scheinen dem Gesundheitsminister gerade zu weit, um den riesigen Bedarf an Pflegekräften zu decken. Unbürokratisch und ohne große Hürden soll das alles funktionieren, Hauptsache schnell. Dabei müsste sich Jens Spahn nur vor der eigenen Haustür umschauen. In Deutschland gibt es nämlich Menschen, die sofort mit der Pflege anfangen könnten – wenn man sie nur ließe. Aber hierzulande tun Ausländerbehörden gerade alles, um sie genau daran zu hindern. Lara Straatmann und Nikolaus Steiner über eine Politik, für die es eigentlich nur einen Begriff gibt – absurd…” Text und Video des Beitrags von Lara Straatmann und Nikolaus Steiner im MONITOR vom 19.09.2019 externer Link (Videolänge: 7:11 Min., verfügbar bis zum 30. Dezember 2099)
  • Pflege-Anwerbung: Keine langfristige Entlastung zu erwarten 
    „Um die Situation in der Pflege zu verbessern, will Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verstärkt Pflegekräfte aus dem Ausland anwerben. Schon bald sollen Fachkräfte aus dem Kosovo Pfleger hierzulande entlasten. Wie steht der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) zu diesem Vorhaben?“ Nicoletta Eckardt von SpringerPflege fragt am 17. Juli 2019 nach bei DBfK-Sprecherin Johanna Knüppel externer Link: „…Wir sehen das aus verschiedenen Gründen kritisch. Es wird so sein wie bei anderen Anwerbeversuchen in der Vergangenheit auch, beispielsweise in Vietnam. Es werden einige engagierte Fachkräfte kommen. Zu einer dauerhaften, spürbaren Entlastung in den Pflegeeinrichtungen führt das nicht. Nur ein geringer Teil der angeworbenen Pflegefachpersonen bleibt langfristig. Dafür sind die Arbeitsbedingungen für Pflegende in Deutschland zu schlecht. Und das ist das Kernproblem. Andere Länder können hier ein deutlich attraktiveres Arbeitsumfeld bieten. Auch bei der Integration und Einarbeitung der Kollegen aus Drittländern hapert es häufig. (…) Es steht zu befürchten, dass vor allem die Pflegekräfte mit den besten Zeugnissen und Qualifikationen abgeworben werden. Damit verliert das Land für das eigene Gesundheitswesen so dringend benötigte Kompetenz. Polen ist dafür ein Paradebeispiel. Das Gesundheitswesen dort hat sich bis heute nicht erholt vom massiven Weggang vieler Pflegefachpersonen seit Beitritt zur EU. In anderen osteuropäischen Ländern gibt es dieselben Entwicklungen. (…) Für eine erfolgreiche Integration brauchen die Einrichtungen vor allem fachlich kompetente und kultursensible Mitarbeiter. Sie müssen die neuen Kollegen nicht nur in pflegefachlichen Fragen unterstützen, sondern auch kulturelle Unterschiede aufarbeiten und vermitteln. Das erfordert Zeit, die in den meisten Fällen einfach nicht da ist. Wichtig ist aber auch die soziale Integration. Sie darf nicht nach Dienstschluss enden…“
  • Lohngefälle: Warum auch in Tschechien Pflegekräfte fehlen 
    “… Besuch einer Seniorenresidenz im tschechischen Strážný, fünf Kilometer hinter der Grenze. 24 Senioren werden hier betreut. Und fast alle kommen aus Deutschland. Vor drei Jahren hat Marie Sporková das ehemalige Skihotel gepachtet und in ein Altenheim verwandelt. Der Andrang aus dem Nachbarland war von Anfang an groß (…) Nicht ganz 1600 Euro im Monat kostet das Einzelzimmer – Extraleistungen wie Friseur, Hand- und Fußpflege oder Windeln inklusive. Für den Heimplatz ihrer Mutter in Niederbayern hat Gabi Seppenhauser vor drei Jahren mehr als das Doppelte hingelegt. Mindestens 600 Euro habe sie draufzahlen müssen. Die Rente habe dafür bei weitem nicht gereicht. Irgendwann seien die Ersparnisse ausgereizt gewesen. (…) In entgegengesetzter Richtung passiert Jana Slačíková die offene Grenze nach Deutschland. Seit einem Jahr pendelt die 40-jährige Krankenschwester von Böhmen zu ihrem Arbeitgeber, einem Altenheim in Waidhaus in der Oberpfalz. 50 Kilometer einfache Fahrt. Derzeit arbeitet sie als Pfegehelferin. In deutschen Heimen steht ihr so der Pflegemindestlohn von 11,50 Euro die Stunde zu. In Tschechien liegt der allgemeine Mindestlohn dagegen bei nur 3,11 Euro. Das bedeutet: Sogar als Pflegehelferin verdient sie in Deutschland mehr als in ihrem Heimatland, wo sie als Fachkraft in einem Krankenhaus gearbeitet hat. (…) In Tschechien hat Jana Slačíková eine vierjährige Fachausbildung gemacht. Solche Abschlüsse werden grundsätzlich EU-weit als gleichwertig anerkannt. Doch die deutschen Behörden akzeptieren sie erst dann, wenn auch die sprachlichen Fähigkeiten nachgewiesen sind. (…) Auch im tschechischen Strážný sucht Heimleiterin Marie Sporková händeringend nach Fachpersonal. Rund 1000 Euro verdienen Pflegefachkräfte hier. Und natürlich sollten sie sich mit den deutschen Bewohnern gut verständigen können. Doch zu gut kann auch ein Nachteil sein. “Die, die wirklich gut Deutsch sprechen, bemühen sich, eine Arbeitsstelle in Deutschland zu finden”, so Sporková. Sie versuche, Mitarbeitern für gute Arbeit finanziell entgegenzukommen. Solange aber das starke Lohngefälle zwischen Deutschland und Tschechien bleibt, werden viele Fachkräfte weiter nach Westen abwandern.” Beitrag Susanne Wimmer vom 24. Mai 2019 bei BR24 externer Link mit ca. 7 Min. langem Video
  • Ausländische Pflegekräfte: Zwischen Rollstuhlschieben und Abschiebung 
    “… Deutschland braucht mehr Pflegekräfte. 80.000 Fachkräfte fehlen allein in der Krankenpflege, wie die Gewerkschaft ver.di vergangenes Jahr errechnete. Indes steigt die Zahl der Pflegebedürftigen. Die Bertelsmannstifung prognostiziert, dass in zehn Jahren bereits 500.000 Vollzeitkräfte in der Pflege fehlen werden. (…) In Kolumbien ist Krankenpflege ein Studiengang. Rodríguez hat sogar einen Masterabschluss gemacht und Pflege an der Uni gelehrt. Zusätzlich arbeitete der 29-Jährige in Kolumbien sechs Jahre lang in seinem Beruf. Einen Pflege-Job in Deutschland zu bekommen, war nicht schwer. Obwohl er zu Beginn über keinerlei Deutschkenntnisse verfügte, bot ihm eine Vermittlungsagentur eine Arbeit an einer Hamburger Klinik an: als Pflegehelfer. (…) »Meine deutschen Kollegen, die Krankenpfleger sind, verdienen etwa 2.800 Euro netto im Monat. Ich mache fast die selbe Arbeit und verdiene nur etwa 1.100 Euro«, erzählt er. »Es gibt noch drei andere Ausländer bei mir auf der Arbeit, die in der selben Situation sind wie ich. Manchmal müssen wir auch direkt von Spätschicht auf Frühschicht wechseln und haben dazwischen noch nicht einmal die elf Stunden Ruhezeit, die uns gesetzlich eigentlich zustehen«. (…) Für das Qualifizierungsprogramm braucht er B2-Niveau. Seit Monaten besucht Rodríguez Deutschkurse. Finanzieren muss er sie selbst: Um das B2-Niveau abzuschließen, belaufen sich die Kosten auf mehr als 3.000 Euro. Neben seinem 40-Stunden-Job im Krankenhaus geht Rodríguez drei mal pro Woche zum Deutschkurs, zusätzlich gibt es Hausaufgaben. Viel Zeit zum Lernen für die Prüfung bleibt da nicht. »Ich muss es schaffen«, sagt er. »Es gibt keine andere Möglichkeit«. (…) Zwei Monate später hält Rodríguez sein B2-Zertifikat in der Hand und hat einen Platz im Qualifizierungsprogramm. Dann kommt der Brief vom Bezirksamt, Fachbereich Ausländerangelegenheiten: Rodríguez‘ Visum sei an die Anerkennung seines Berufsabschlusses gekoppelt. Und für diese Anerkennung habe er nach §17 des Aufenthaltsgesetzes 18 Monate Zeit, mehr nicht. Die seien seit einem Monat abgelaufen. (…) Während Horst Seehofer sich Gedanken macht, wie mehr Fachkräfte nach Deutschland geholt werden könnten, droht Rodríguez nun die Abschiebung. Ihm und vielen anderen ausländischen Pflegekräften – jeweils nach 18 Monaten unterbezahlter Arbeit als Pflegehelfer*in.” Beitrag von Lou Zucker bei neues Deutschland online vom 23. Mai 2019 externer Link
  • Fachkräftemangel: „Sagt ausländischen Pflegekräften die Wahrheit!“ 
    “… Noch vor zwei Jahren, erzählt Grahame Lucas, seien im Altersheim seiner Mutter in England alle Stellen vergeben gewesen. Neuerdings jedoch – Stichwort Brexit – sieht der britische Journalist am Schwarzen Brett regelmäßig Ausschreibungen hängen. Denn: Ausländische Pflegekräfte verlassen das Land. Viele stammen aus Osteuropa – Polen, Kroatien, Bulgarien, Rumänien Weißrussland etwa. Sie hätten bisher ihr übriges Geld in die Heimat geschickt: an die Eltern, an die Kinder, als Unterstützung für den Lebensunterhalt. Doch der Wertverlust des britischen Pfunds von mehr als zehn Prozent im Zuge des Brexits kommt für sie einem Gehaltsverlust in dieser Höhe gleich. „Einige sind jetzt nach Deutschland gegangen“, sagte Lucas kürzlich in einer Talkrunde im TV-Sender Phoenix: „Weil sie dort neue Stellen bekommen haben.“ (…) Und tatsächlich: Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulante Dienste in Deutschland stellen immer mehr Mitarbeiter ein, die ihren Berufsabschluss im Ausland erworben haben. „Die Zahl der Fachkräfte in diesem Bereich, die jährlich einwandern, ist innerhalb von fünf Jahren um das Fünffache angestiegen“, heißt es in einer Studie der Universität in Frankfurt/Main im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung (…) „Ohne die Fachkräfte aus dem Ausland wäre der Pflegenotstand in Deutschland noch deutlicher spürbar“, so das Resümee der Forscher. Doch das Anwerben fertig ausgebildeter Pflegefachkräfte aus dem Ausland könne nur eine von vielen Maßnahmen sein, um den Fachkräftebedarf zu decken, heißt es in einem Statement der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. „Deutschland ist alles andere als ein Pflege-Paradies für ausländische Fachkräfte“, sagt Sylvia Bühler, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand. „Das liegt vor allem an der schlechten Personalausstattung in den Kliniken und in der Altenpflege und an den unterschiedlichen Vorstellungen von Pflegetätigkeiten.”. (…) Und fast noch wichtiger: Bei der Integration in den Betrieb fehlt oft Weitsicht und Fingerspitzengefühl. Der Kölner Pflegeexperte Lars Holldorf: „Viele Arbeitgeber haben mit ausländischen Pflegekräften noch gar keine Erfahrung gemacht oder im Prinzip blauäugig und unvorbereitet den ersten ausländischen Mitarbeiter eingestellt“, berichtet Holldorf. „Dann ist die Gefahr relativ groß, dass er innerhalb der ersten sechs Monate scheitert…” Beitrag von Adalbert Zehnder vom 2. Mai 2019 bei pflegen-online.de externer Link
  • ver.di: Neue Studie zeigt Handlungsbedarf für erfolgreiche betriebliche Integration von Pflegefachkräften aus dem Ausland 
    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) sieht nach der Veröffentlichung einer neuen Studie der Hans-Böckler-Stiftung zur Zuwanderung von Pflegefachkräften aus dem Ausland großen Handlungsbedarf, um deren betriebliche Integration erfolgreich zu gestalten. Die Studie zeige, dass es nicht damit getan sei, Pflegfachkräfte aus dem Ausland für die Arbeit in Kliniken und Altenpflegeeinrichtungen einfach nur anzuwerben. „Damit die zugewanderten und einheimischen Pflegekräfte Hand in Hand miteinander arbeiten können, braucht es eine gute Vorbereitung und Begleitung aller Beteiligten“, sagte Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand. Das Anwerben fertig ausgebildeter Pflegefachkräfte aus dem Ausland könne nur eine von vielen Maßnahmen sein, um den Fachkräftebedarf zu decken. Vor allem müssten die Träger der Einrichtungen und die Politik endlich entschlossen handeln, um im eigenen Land genug Menschen für die Pflegeberufe zu gewinnen. „Deutschland ist alles andere als ein Pflege-Paradies für ausländische Fachkräfte. Das liegt vor allem an der schlechten Personalausstattung in den Kliniken und in der Altenpflege und an den unterschiedlichen Vorstellungen von Pflegetätigkeiten“, so Bühler. „Damit es ein besseres Verständnis untereinander gibt, statt stereotyp „kulturelle Unterschiede“ für mögliche Missverständnisse im Berufsalltag verantwortlich zu machen, braucht es Zeit und Räume für den Austausch“, erläuterte Bühler. Wichtig für eine erfolgreiche und nachhaltige Integration ausländischer Pflegefachkräfte seien bessere Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten…” Pressemitteilung vom 01.03.2019 externer Link, siehe dazu die genannte Studie:

    • Neue Studie: Pflegefachkräfte aus dem Ausland: Zahl hat sich versechsfacht – nicht selten Konflikte wegen Unterschieden in Ausbildung und Berufsverständnis
      Krankenhäuser und Altenpflegeeinrichtungen stellen zunehmend Pflegerinnen und Pfleger ein, die ihren Berufsabschluss im Ausland erworben haben. So ist die Zahl der Fachkräfte für Gesundheits- und Krankenpflege, die jährlich aus dem Ausland nach Deutschland kommen, zuletzt auf fast das Sechsfache gestiegen: Von knapp 1 500 im Jahr 2012 auf gut 8 800 im Jahr 2017. Größtenteils stammen sie aus ost- und südeuropäischen Staaten außerhalb der EU oder von den Philippinen. Die meisten der zugewanderten Pflegekräfte kommen im Arbeitsalltag zurecht, trotzdem ist die „nachhaltige betriebliche Integration eine große Herausforderung“, der sich die Arbeitgeber stellen müssen. Das ergibt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie. Sowohl neu migrierte als auch einheimische Beschäftigte – von denen selbst etliche einen Migrationshintergrund haben – sind oft unzufrieden mit der Zusammenarbeit. Differenzen und Missverständnisse, die häufig auf Unterschieden in der Ausbildung und der gewohnten Arbeitsteilung zwischen medizinischem Personal, Pflege- und Hilfskräften beruhen, werden nicht selten stereotyp mit „kulturellen Unterschieden“ erklärt. Das kann Konflikte ebenso verschärfen wie die generell oft schwierigen Arbeitsbedingungen. Die Leitungen von Kliniken und Pflegeeinrichtungen stehen daher vor der Aufgabe, Foren und zeitliche Freiräume für einen besseren fachlichen Austausch und mehr Verständnis zwischen neu zugewanderten und etablierten Fachkräften in der Pflege zu schaffen. Dabei können Betriebsräte eine wichtige Moderatorenrolle einnehmen. Im besten Fall ergeben sich daraus Anregungen für Verbesserungen in Bereichen, in denen die Arbeitsorganisation im deutschen Gesundheits- und Pflegesektor hinter der in anderen Ländern zurückbleibt. (…) Wie die Zusammenarbeit in Kliniken und Pflegeeinrichtungen im Alltag funktioniert, leuchten die Wissenschaftler über knapp 60 ausführliche Interviews aus. Dabei wurden neben Pflegerinnen und Pflegern, die nach 2008 in die Bundesrepublik gekommen sind, auch einheimische Pflegefachkräfte und Vorgesetzte nach ihren Erfahrungen befragt. Hinzu kamen Interviews mit Arbeitgebervertretern, Vermittlern und Migrationsexperten. In ausführlich dokumentierten Gesprächen beschreiben Leitungskräfte und ein Betriebsrat aus Frankfurter Kliniken, wie in ihren Häusern Konflikte entstanden sind und entschärft werden konnten. Die Befragung offenbart auf beiden Seiten erhebliche Differenzen bei Ausbildung, beruflichem Selbstverständnis und gewohnter Arbeitsorganisation: In vielen der Herkunftsländer werden Pflegefachkräfte an Hochschulen ausgebildet. Eine hochqualifizierte schulisch-betriebliche Ausbildung wie in Deutschland ist dort unbekannt. Gleichzeitig übernehmen Pflegefachkräfte etwa in Südeuropa in der Tendenz mehr Management- sowie Behandlungsaufgaben, die in Deutschland Medizinerinnen und Medizinern vorbehalten sind. Tätigkeiten der so genannten „Grundpflege“ auszuüben, also etwa Patientinnen und Patienten beim Essen oder der Körperpflege zu unterstützen, ist dort für Pflegefachkräfte ungewöhnlich. Dafür gibt es, mehr noch als in Deutschland, teils spezielle Service-Kräfte, teilweise müssen Angehörige einspringen. (…) Die in Deutschland ausgebildeten Pflegefachkräfte kritisieren wiederum, dass neu zugewanderte Kolleginnen und Kollegen schon wegen mangelnder Sprachkenntnisse im verantwortungsvollen und eng getakteten, stressigen Arbeitsalltag nicht voll einsetzbar seien. Die akademische Ausbildung im Ausland wird oft nicht als Vorteil gesehen, sondern als „praxisfern“ kritisiert. Dafür fehlten grundsätzliche Kompetenzen, etwa bei der Körperpflege von Patienten und im „Sozialverhalten“. Aus der Sicht der befragten einheimischen Beschäftigten können die Fachkräfte aus dem Ausland daher zumindest für einen längeren Einarbeitungszeitraum allenfalls als „Schüler“ beschäftigt werden. Die neu migrierten Pflegefachkräfte reagierten auf die Konflikte mit „systematischem Lernen“, einer „ambivalenten Anpassung“ – bei fortwährender Unzufriedenheit – und, wenn die Spannungen nicht gelöst werden, oft mit einem „Exit“, schreiben die Studienautoren. Darunter fassen sie einen Wechsel der Abteilung oder des Krankenhauses, einen Ausstieg aus dem Pflegeberuf oder die enttäuschte Rückkehr ins Herkunftsland. Wohl die schlechteste Lösung nach dem hohen Aufwand auf beiden Seiten. (…) Entscheidend für eine erfolgreiche Integration ist dabei aber auch, dass genug Ressourcen zur Verfügung stehen: „Wenn man permanent unterbesetzt ist und die Patienten nicht vernünftig versorgen kann, dann ist die Bereitschaft für zusätzliche zeitaufwändige Aufgaben nicht so ausgeprägt. Dieses ist aber ein generelles Problem, das nicht nur Fachkräfte betrifft, die aus dem Ausland neu zu uns kommen“, sagt ein befragter Betriebsrat…” HBS-Mitteilung vom 01.03.2019 externer Link, darin Links zur Studie
  • Interview zu Carearbeit und Migration mit Urmila Goel 
    “Kurzer geschichtlicher Überblick über die Anwerbung von indischen Krankenschwestern, Stopp der Anwerbung Ende der 1970er und drohende Beendigung der Aufenthaltsgenehmigungen, Verteilung von Sorgearbeit in den Krankenschwester-FAmilien: Männer müssen Hausarbeit machen, lehnen dies aber ab, evtl. hat das aber auch eine Veränderung der Familienbeziehungen bewirkt. Zur Frage nach der Care-Chain kritisiert Urmila eine pauschalisierende Perspektive auf Migrant*innen als “Opfer” und plädiert für differenzierte Mikro-Ansichten auf tatsächlich getroffene Arrangements (…) Dass in Deutschland Migrant*innen für bezahlte Care-Arbeit engagiert werden, ist kein neues Phänomen. Schon in den 60er und 70er Jahren gab es Kampagnen zur Anwerbung v.a. von Frauen aus Südasien. Was wir aus dieser Geschichte lernen können, verrät das nun folgende Interview mit einer Forscherin, die sich intensiv mit dem Thema Care und Migration beschäftigt. Prof. Dr. Urmila Goel [sprich: GO-EL] ist Vertetungsprofessorin am Institut für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Uni Berlin. Als Forscherin, Autorin und Trainerin arbeitet sie zu ungleichen Machtverhältnissen in der Gesellschaft. Sie tut das auf der Grundlage von postkolonialer Theorie, Gender und Queer Studies und kritischer Rassismustheorie. Eins ihrer derzeitigen Forschungsprojekte behandelt die Migration von Krankenschwestern aus Südasien in die BRD…” Franzi von Radio Bermuda, Mannheim, im Gespräch mit Prof. Dr. Urmila Goel am 28. Februar 2019 beim Audioportal Freier Radios externer Link Audio Datei (Audiolänge: 7:04 Min.)
  • [Wie Europa gewinnt und Afrika verliert] Pflegenotstand in Deutschland: Mein Pfleger Mohamed
    “… Dali Nefzi, großgewachsen, Anzughose mit Hosenträgern, blinzelt über die Sonnenbrille hinweg ins gleißende Licht am Strand von La Goulette in Tunesien. Hier ist er examinierter Krankenpfleger, bis vor Kurzem war er Rettungsassistent beim großen Pipeline-Hersteller Pireco. Jetzt ist Nefzi auserwählt. Mit dem staatlichen deutschen Programm Triple Win sollen er und 17 weitere Tunesierinnen und Tunesier in Deutschland den Personalmangel in der Altenpflege mildern, wenigstens ein bisschen. (…) Triple Win heißt so, weil dabei alle Seiten gewinnen sollen. Tunesien, weil es bei einer Jugendarbeitslosigkeit von um die 35 Prozent einige junge Menschen loswerden kann. Deutschland, weil der Pflegemangel abgemildert wird. Und der nordafrikanische angehende Altenpfleger, weil er legal in die EU und direkt in den deutschen Arbeitsmarkt übersiedeln darf, was Millionen anderen verwehrt ist. Doch es gibt einen gravierenden Fehler: Es werden keine ungelernten Schulabsolventen mit deutschem Geld im Ausland zu Experten gemacht. Deutschland zieht mit Triple Win ausgebildete Fachkräfte ab, die man auch in Tunesien benötigt. (…) »Wenn alle gewinnen«, so schreibt es die GIZ über ihr Programm zur Anwerbung ausländischer Pfleger. Die Wahrheit ist: Europa gewinnt, Afrika verliert, zumindest wenn man die fragt, die vom Triple-Win-Pilotprojekt in Tunesien direkt betroffen sind. Professor Doktor Mounir Daghfous leitet den staatlichen Rettungsdienst in Tunis, er hat Nefzi in Notfallmedizin ausgebildet, wie vor ihm bereits Hunderte andere. »Wir bilden sie aus, dann werden sie weggefischt.« (…) Die jungen Arbeitslosen, die 35 Prozent, werden nicht von Deutschland ausgebildet, sie bleiben hoffnungslos. Im Landesinneren buhlen Islamisten um die Frustrierten…” Bericht von Christoph Titz vom 24. Juni 2018 bei Spiegel online externer Link
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=129998
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