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Erfolgreiche „Ausbildungsoffensive Pflege“ muss mit attraktiven Bedingungen einhergehen

Dossier

Charite Kampagne „Berlin für mehr Krankenhauspersonal!“Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) sieht in der „Ausbildungsoffensive Pflege“ als erstes Ergebnis der Konzertierten Aktion Pflege der Bundesregierung ein wichtiges Signal, um mehr Menschen für die Pflegeberufe zu begeistern. „Angesichts des Pflegenotstandes braucht es gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten, um die Pflegeberufe attraktiv zu machen“, sagte Sylvia Bühler, ver.di-Bundesvorstandsmitglied. „Entscheidend ist, dass Auszubildende nicht nur gewonnen, sondern durch attraktive Bedingungen und eine faire Bezahlung nach der Ausbildung auch im Beruf gehalten werden.“ Der Personalmangel mache sich schon in der Ausbildung bemerkbar, so Bühler weiter. Überstunden, Zeitdruck, kurzfristiges Einspringen, Zeitmangel der Praxisanleiterinnen und -anleiter seien in vielen Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen tägliche Realität. „Auszubildende dürfen nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden. Viele leiden darunter, ihrem beruflichen Ethos im Alltag nicht gerecht werden zu können“, so Bühler. „Gute Ausbildung braucht Zeit, eine nachhaltige Stärkung der Praxisanleitung und zusätzliches, gut qualifiziertes Personal.“ Der Schlüssel für eine erfolgreiche Konzertierte Aktion Pflege seien insgesamt spürbare Verbesserungen in der Pflege...” Pressemitteilung vom 28.01.2019 externer Link, siehe weitere Kommentare:

  • Neues Pflegeberufe-Gesetz Risiken und Nebenwirkungen der generalistischen Ausbildung New
    Der allgemeine Abschluss „Pflegefachfrau/ -mann“ ersetzt künftig die bislang getrennten Ausbildungen in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. Die neue, generalistische Ausbildung ist EU-weit anerkannt und legt Wert auf Eigenständigkeit. Kritiker fürchten, sie könne zu anspruchsvoll sein. (…) Sicher ist: In der neuen generalistischen Ausbildung lernen Pflegefachkräfte, Menschen aller Altersstufen und Lebenslagen zu betreuen. Ob mit Kinderkrankheiten oder Altersschwäche, ob auf der Intensivstation oder zuhause in den eigenen vier Wänden. Das soll die Absolventen flexibler einsetzbar machen. Die Gesetzeslage sollen sie ebenso kennen wie den Stand der Wissenschaft, außerdem ihr Handeln ethisch reflektieren können. Doch mehr Theoriestunden gibt es nicht. Daraus folgt, so die Alzeyer Schulleiterin beim Deutschen Roten Kreuz: „Die Schüler sollen zum selbstgesteuerten Lernen, zum Entdecken kommen. Das heißt, wir werden exemplarisch arbeiten, mit nachgestellten Situationen, die in Heimen passieren. Und die Schüler müssen wir dazu befähigen, dass wenn sie zum Beispiel mit einem Krankheitsbild vom Herzen – wir können keine drei, vier mehr durchnehmen –, dass die in der Lage sind, das weiterzudenken.“ „Die zukünftigen Pflegefachmänner und -Frauen sind breiter aufgestellt. Es geht zu Lasten der Tiefe“, bestätigt die Trierer Pflegepädagogin Maria Maas. (…) Wer die anspruchsvolle generalistische Ausbildung bis zur staatlichen Abschlussprüfung nach drei Jahren durchzieht, kann sich dann aber die besten Jobs in Krankenhäusern oder Seniorenheimen, im Pflegedienst oder der Psychiatrie aussuchen – EU-weit. Wem die Generalistik nach zwei Jahren zu schwierig erscheint, dem hat der Gesetzgeber zwei Auswege geöffnet: Für das letzte Jahr darf man doch noch einen spezialisierten Abschluss als Altenpfleger oder Kinderkrankenpfleger wählen. (…) Wer die anspruchsvolle generalistische Ausbildung bis zur staatlichen Abschlussprüfung nach drei Jahren durchzieht, kann sich dann aber die besten Jobs in Krankenhäusern oder Seniorenheimen, im Pflegedienst oder der Psychiatrie aussuchen – EU-weit. Wem die Generalistik nach zwei Jahren zu schwierig erscheint, dem hat der Gesetzgeber zwei Auswege geöffnet: Für das letzte Jahr darf man doch noch einen spezialisierten Abschluss als Altenpfleger oder Kinderkrankenpfleger wählen.” Beitrag von Anke Petermann vom 23.12.2019 beim Deutschlandfunk externer Link
  • Bei der Umsetzung der neuen Pflegeausbildung gibt es eine Menge praktischer Probleme. Im Mangelberuf könnte zusätzlicher Mangel entstehen
    “Karl-Josef Laumann (CDU), der Arbeits-, Sozial- und Gesundheitsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, ist ein Mann, der sich auskennt in der Pflege. Von Dezember 2013 bis Juni 2017 war Laumann Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit und Bevollmächtigter der Bundesregierung für Patienten und Pflege. (…) »Neben der Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland will Laumann das Thema Ausbildung stärker in den Blick nehmen. „Wir wollen jedem, der den Pflegeberuf erlernen will, eine Ausbildungsgarantie geben“, kündigte Laumann an. (…) Hier soll es um die Ausbildung an sich gehen, denn neben der Tatsache, dass offensichtlich deutlich mehr Menschen zu Pflegefachkräften ausgebildet werden müssten, steht das bisherige System der Pflegeausbildungen vor einem fundamentalen Umbau. Die bislang getrennten Ausbildungen in der Gesundheits- und Krankenpflege, der Kinderkrankenpflege und der Altenpflege sollen zu einer generalistischen Pflegeausbildung umgewandelt werden. Also eigentlich sollten sie das ursprünglich, so dass alle Pflegekräfte erst einmal eine einheitliche Pflegeausbildung durchlaufen, wie das in anderen Ländern schon immer so war. Aber in Deutschland ist man ja ein Meister der Nicht-Fisch-Nicht-Fleisch-Lösungen. (…) Wieder einmal bekommt man den Eindruck vermittelt: Hier wurde in einem ganz zentralen Bereich der pflegerischen Versorgung seitens der Politik nichts weniger als ein Systemwechsel beschlossen (wenn auch mit den erwähnten Ausbruchstellen), die Umsetzung sollte dann wie eine schwere OP ohne Narkose bzw. nur mit leichter örtliche Betäubung erfolgen – und keiner verfolgt, ob und wie das flächendeckend auch umgesetzt wird (oder eben nicht). Das ist nicht nur beunruhigend, dass ist auch ein weiteres Beispiel für den Dilettantismus in der Pflegepolitik, der sich bitter rächen wird.” Beitrag von Stefan Sell vom 3. Oktober 2019 auf seiner Homepage externer Link
  • Pflegenotstand in der BRD: Löhne statt Werbung
    Das klingt aktiv: Insgesamt 111 Maßnahmen haben die Bundesministerien für Gesundheit, Familien und Arbeit beschlossen, um mehr Menschen für eine Pflegeausbildung zu gewinnen. Konkret beinhaltet die am Montag von den Ministern Jens Spahn (CDU), Franziska Giffey und Hubertus Heil (beide SPD) verkündete »Ausbildungsoffensive Pflege« unter anderem das Versprechen, die Zahl der Pflegeazubis bis 2023 um zehn Prozent zu erhöhen. Das ist gut – aber auch reichlich spät. Denn in der Krankenpflege hatten die Einrichtungen im Zuge des Umbaus zum Wettbewerbssystem zwischen 1998 und 2007 zunächst über 10.000 Ausbildungsstellen gestrichen. Inzwischen ist das alte Niveau wieder erreicht, doch die Zahl und Schwere der Behandlungsfälle sind in den vergangenen zwei Dekaden dramatisch gestiegen. Vor diesem Hintergrund ist der versprochene Zuwachs doch eher mickrig. Vor allem aber ist die Zahl der Ausbildungsverträge nur einer von vielen Aspekten. Was nutzt es, wenn junge Menschen mit viel Enthusiasmus eine Ausbildung zur Pflegekraft beginnen, aber noch vor dem Abschluss frustriert aufhören oder ausgesiebt werden? In der Altenpflege trifft das jeden vierten, in der Krankenpflege fast jeden dritten Auszubildenden. Ein Grund sind die miesen Bedingungen, über die Pflegeazubis in diversen Befragungen klagen: Keine Zeit für praktische Anleitung, unzureichende Verknüpfung von Theorie und Praxis, Missbrauch als billige Arbeitskräfte und Lückenbüßer…” Kommentar von Daniel Behruzi in der jungen Welt vom 29.01.2019 externer Link
  • Ausbildungsoffensive Pflege schnell umsetzen
    Im Sommer 2018 hatte die Bundesregierung die „konzertierte Aktion Pflege“ ins Leben gerufen und damit eine Diskussion mit Gewerkschaften, Arbeitgebern, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Krankenkassen sowie Betroffenenverbänden angestoßen. Zur Zwischenbilanz und zum Start der „Ausbildungsoffensive Pflege“ als erstes Ergebnis sagte Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied, am Montag in Berlin: „Angesichts des Pflegenotstands in Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen ist die Ausbildungsoffensive als Ergebnis der ‚konzertierte Aktion Pflege‘ ein unverzichtbares Signal, um die Qualifizierung der Fachkräfte von Morgen voranzubringen und für eine bessere Versorgung alter und kranker Menschen durch mehr Pflegepersonal zu sorgen. Die Ausbildungsoffensive muss jetzt schnell und mit Nachdruck umgesetzt werden. Der Pflegeberuf muss wieder attraktiv werden, um sich in der Konkurrenz um die Fachkräfte der Zukunft durchzusetzen. An diesem Ziel müssen sich alle laufenden und künftigen Maßnahmen messen lassen. Die Gewerkschaften setzen sich deshalb für hervorragende Bedingungen bei der Ausbildung nach hohen Qualitätsstandards ein. Aber Auszubildende müssen nicht nur gewonnen, sondern auch langfristig im Beruf gehalten werden: durch gute Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung…” DGB- PM vom 28.01.2019 externer Link

Siehe zum Thema auch:

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=143431
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