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Die Misere marktgerechter Kliniken – Aufruf zur Unterstützung des Filmprojekts “Der marktgerechte Patient”

Dossier

Aufruf zur Unterstützung des Filmprojekts "Der marktgerechte Patient"Kürzlich hat „Der Spiegel“ mit zwei gut recherchierten Berichten über die Misere deutscher Krankenhäuser berichtet. Seit der Titelgeschichte „Der kranke Konzern“ geistert über die dort beschriebene Asklepios-Klinik Hamburg St. Georg der Begriff „die Skandalklinik“ herum. Doch das ist ein Missverständnis. Denn letztlich spiegelt der Spiegel-Artikel nur die Oberfläche einer Misere, die die meisten deutschen Kliniken heute beherrscht. Diese Misere nahm 2003 ihren Anfang mit einem neuen Vergütungssystem für deutsche Krankenhäuser, der Abrechnung nach Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups, DRGs). Dem gab der damalige Präsident der Bundesärztekammer Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe den Titel „Der Mensch als Verlierer“. Ab jetzt, meinte er, werde in Kliniken „nicht mehr der kranke Mensch und sein individuelles Schicksal, sondern der Erlös aus der Behandlung des Patienten im Vordergrund stehen.“ Die Krankenhäuser erhalten seither für die Behandlung einen fixen, für die jeweilige Krankheit spezifizierten Preis. Jede Klinik bekommt für die Behandlung z.B. einer Lungenentzündung das gleiche Geld und ist damit in einen marktgerechten Krankenhauswettbewerb getrieben. Schafft es die Klinik, die Behandlung billiger zu machen als der erstattete Preis, erwirtschaftet sie Gewinn. Schafft sie es nicht, weil sie teurer ist, muss sie schließen oder wird von Privaten übernommen…” Rundbrief des Filmteams von „Der marktgerechte Mensch“ vom 3.4.2017 – noch nicht online, daher – und weil sehr informativ – im Volltext im Dossier zum Film und der Aufruf:

  • „Der Marktgerechte Mensch“ feiert seine Premiere am Donnerstag, den 16. Januar 2020 in vielen Städten Deutschlands / erste Besprechung New
    Siehe Infos dazu auf der Filmseite externer Link und hier eine erste Besprechung:
  • „Totalschaden“ – Wie das Gesundheitssystem die Medizin zerstört New
    “… Etwa um die Jahrtausendwende fand im bundesdeutschen Gesundheitswesen so etwas wie eine Revolution statt, von der zunächst aber nur Eingeweihte und unmittelbar Betroffene etwas bemerkten. Es handelte sich um eine fundamentale Neuordnung der Krankenhausfinanzierung. Die Krankenhäuser wurden bis dahin mit sogenannten Tagessätzen finanziert. Für jeden Tag Liegezeit der Erkrankten erhielt das Krankenhaus eine bestimmte Pauschale, eben den Tagessatz. Dieses zeitorientierte System wurde zwischen 1999 und 2002 schrittweise durch die sogenannten Fallpauschalen abgelöst. Fallpauschalen sind ein diagnoseorientiertes System. Nach australischem Vorbild wurden die Krankenhäuser von da an nach der Schwere der Diagnosen, den DRGs, bezahlt, die bei den Erkrankten zu der Krankenhausbehandlung geführt hatte. Das DRG-System war Teil – wenn auch nur ein kleiner – der Agenda 2010, und die damalige Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) verkündet bis heute stolz, dass sie dieses DRG-System eingeführt hat. (…) „Wären die DRGs ein Medikament, so müsste man sie mit sofortiger Wirkung vom Markt nehmen. Alle versprochenen Wirkungen sind ausgeblieben, und alle Nebenwirkungen sind eingetreten“, sagt Günther Jonitz, der Präsident der Berliner Ärztekammer. Er sagt das in einem aufregenden Film, der gerade eben in mehr als 100 Kinos in Deutschland angelaufen ist. „Der marktgerechte Patient“ heißt dieser bewegende Film, der die fatalen Folgen der Fallpauschalen darstellt. Wer die gegenwärtigen Zustände in unseren Krankenhäusern, die anhaltende Welle der Krankenhausprivatisierungen, den Personalmangel und das Primat der Betriebswirtschaft über die Medizin besser verstehen will, dem sei dieser Film dringend empfohlen. Es ist kein Film über Skandale. Es ist ein Film über den ganz normalen Krankenhausalltag. Das macht ihn so spannend, so berührend, so eindringlich.“ Besprechung von Bernd Hontschik vom 25.11.2019 in der Frankfurter Rundschau online externer Link
  • Amputieren aus Profitgier – »Der marktgerechte Patient«: Ein Dokumentarfilm zeigt die Folgen der Privatisierung von Krankenhäusern 
    “Der Film »Der marktgerechte Patient« legt die Folgen der Ökonomisierung von Krankenhäusern offen. Die Regisseure Leslie Franke und Herdolor Lorenz (»Wer rettet wen?«) schildern, wie Krankenhäuser in Deutschland zu Fabriken verkommen. Beraterfirmen wie die Boston Consulting Group oder McKinsey verfolgen eine langfristige Strategie: Krankenhäuser sollen privatisiert werden, damit sie Renditen für Aktionäre abwerfen. Ein Drittel der Kliniken in der BRD ist bereits in privater Hand. (…) Der Ort des Grauens: Die Asklepios-Kliniken in Hamburg. Vom Senat deutlich unter Marktwert und gegen den Willen der Bevölkerung – die sich mit einem Volksentscheid gegen die Privatisierung gewehrt hatte – veräußert, wirft der Konzern Renditen von bis zu zwölf Prozent ab. (…) Doch es geht auch anders. Der Geschäftsführer des Klinikums Dortmund erzählt, dass man die Finanzhaie verjagt habe. Das Krankenhaus wird von Ärzten und Pflegern geleitet. Ein an Diabetes erkrankter Mann berichtet, wäre er nicht nach Dortmund gekommen, wären ihm schon Glieder amputiert worden. Um den Spekulanten den Kampf anzusagen, haben sich in zahlreichen Städten Bündnisse für mehr Klinikpersonal gegründet.” Beitrag von Simon Zeise bei der jungen Welt vom 9. Februar 2019 externer Link
  • Der Film “Der marktgerechte Patient” – Premiere am 8. November 2018 – Es fehlen noch 35.000€ „Filmförderung von unten“ 
    Es ist so weit: Am 8. November 2018 feiert der Dokumentarfilm „Der marktgerechte Patient“ gleichzeitig in vielen Städten Deutschlands seine Premiere. Und er kommt genau zur richtigen Zeit, um die Diskussion für eine menschenwürdige Gesundheitsversorgung und gegen eine marktorientierte Gesundheitswirtschaft mit zu gestalten. (…) Der Minister für Gesundheit Jens Spahn* verkündet 13.000 neue Pflegestellen schaffen zu wollen. Woher er diese Fachkräfte bei den Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern nehmen will, bleibt sein Rätsel. Dass mehr als 50.000 Stellen in den letzten 15 Jahren gestrichen wurden in Folge der marktgerechten Ökonomisierung, der Fallpauschalenregelung, das erwähnt er lieber nicht. Wenn er nicht nur Schaum mit Symptombehandlungen schlagen wollte, müsste er das Augenmerk auf ein Finanzierungssystem richten, in dem die Pflege nur noch ein lästiger Kostenfaktor ist. Jede Pflegestelle weniger erhöht den Gewinn (bei den Privaten) und vermindert den Verlust (bei den meisten Öffentlichen). Diese Logik der Geschäftsführer wird der Minister nicht durchbrechen (wollen). Das versprochene zusätzliche Geld sieht man in den Krankenhäusern sicher gerne. Doch ob dadurch auch nur eine Stelle mehr entsteht, wird ohne eine gesetzlich verbindliche Personalbemessungsrichtlinie in den Sternen stehen. PflegerInnen wehren sich   In drei Bundesländern – Berlin, Hamburg, Bayern –  ist ein Volksentscheid für eine gesetzliche Personalbemessung in Gang gesetzt.  In Unikliniken wie Düsseldorf und Essen streikt das Pflegepersonal über Wochen ebenfalls für eine gesetzliche Personalbemessung. (…) Unser Film „Der marktgerechte Patient“  kommt also zur richtigen Zeit: Er kann Volksbegehren unterstützen, Bündnisse initiieren. Er liefert  Argumente auf Basis einer Ursachenanalyse für alle, die sich für eine menschenwürdige und soziale Gesundheitsversorgung für Beschäftigte und Patienten einsetzen wollen. Deshalb: Organisieren Sie in allen Ecken der Republik Filmveranstaltungen mit Diskussionen externer Link ...” Aus dem Rundbrief vom 28.8.2018 (noch nicht online). der auch daran erinnert: “Noch ist dieser Film nicht vollständig finanziert. Da aber nicht alle aus unserem Team unentgeltlich arbeiten können und erhebliche Kosten vor allem auch beim Schnitt entstehen, brauchen wir mindestens 35.000€  „Filmförderung von unten“…” Siehe Aufführungstermine externer Link
  • Der marktgerechte Patient 
    Es gibt zwar bereits zahllose Berichte über skandalöse Zustände in den deutsche Krankenhäusern. Erstaunlicherweise fehlt dabei aber fast immer der Bezug auf die wesentliche Ursache dieser Zustände: Die seit 2003 verbindliche Vergütung der Krankenhäuser durch sog. Fallpauschalen (jede diagnostizierbare Krankheit hat einen fixen Preis – wer mit möglichst geringen Personal-, Sach- und Organisationskosten den Patienten optimal schnell abfertigt, macht Gewinn – wer sich auf die Patienten einlässt und Tarife zahlt, macht Verlust). Die Einführung der sog. DRGs (Diagnosis Related Groups) war der radikale Schritt zur kompromisslosen Kommerzialisierung eines Bereichs, der bis dahin vom Gedanken der Empathie und Fürsorge getragen wurde. Seither wird der Mensch dort, wo er am Verletzlichsten ist, nämlich als hilfsbedürftiger Patient, den gnadenlosen Prinzipien von Gewinn und Verlust untergeordnet. Wir sind nicht an der Zurschaustellung von Skandalen interessiert. Uns kommt es bei der Aufdeckung von Folgen vor allem auf die Ursachen  der unhaltbaren Zustände in den deutschen Krankenhäusern an. Nur so sind sie zu verändern! Deshalb nun der Film: „Der marktgerechte Patient“. Helfen Sie mit, dass nun zuerst auch der Film „Der marktgerechte Patient“ entstehen und am 8. November 2018 in die Kinos kommen kann…” Aufruf zur Unterstützung des Filmprojekts externer Link samt Trailer zum “FILM VON UNTEN” von Leslie Franke und Herdolor Lorenz, 72 Min., Premiere am 8. November 2018

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Die Misere marktgerechter Kliniken

Kürzlich hat „Der Spiegel“ mit zwei gut recherchierten Berichten über die Misere deutscher Krankenhäuser berichtet. Seit der Titelgeschichte „Der kranke Konzernexterner Link geistert über die dort beschriebene Asklepios-Klinik Hamburg St. Georg der Begriff „die Skandalklinik“ herum. Doch das ist ein Missverständnis. Denn letztlich spiegelt der Spiegel-Artikel nur die Oberfläche einer Misere, die die meisten deutschen Kliniken heute beherrscht.

Erlös wichtiger als die Behandlung

Diese Misere nahm 2003 ihren Anfang mit einem neuen Vergütungssystem für deutsche Krankenhäuser, der Abrechnung nach Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups, DRGs). Dem gab der damalige Präsident der Bundesärztekammer Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe den Titel „Der Mensch als Verlierer“. Ab jetzt, meinte er, werde in Kliniken „nicht mehr der kranke Mensch und sein individuelles Schicksal, sondern der Erlös aus der Behandlung des Patienten im Vordergrund stehen.“ Die Krankenhäuser erhalten seither für die Behandlung einen fixen, für die jeweilige Krankheit spezifizierten Preis. Jede Klinik bekommt für die Behandlung z.B. einer Lungenentzündung das gleiche Geld und ist damit in einen marktgerechten Krankenhauswettbewerb getrieben. Schafft es die Klinik, die Behandlung billiger zu machen als der erstattete Preis, erwirtschaftet sie Gewinn. Schafft sie es nicht, weil sie teurer ist, muss sie schließen oder wird von Privaten übernommen.

Der Schlüssel für die Privatisierung

Seither sind private Krankenhauskonzerne im Vormarsch. Zunächst vornehmlich als Rosinenpickerei. Private übernahmen Kliniken, in denen sie sich auf lukrative Behandlungen konzentrieren, mit denen einerseits ein guter Preis zu erzielen ist und andererseits durch „Massenproduktion am Fließband“ Kosten reduziert werden können. Z.B. gibt es für eine sog. invasive Herzklappenoperation (über eine Vene in der Leiste) 33.600 €. Vor allem Private steigerten die Anzahl dieser riskanten Behandlung  in nur 6 Jahren (von 2008 bis 2014) um 2180 Prozent. Da muss doch die Frage erlaubt sein, was motiviert Ärzte zu einer derart radikalen Ausweitung: Das Wohl der Patienten oder ökonomische Erwägungen?

Öffentliche Krankenhäuser

der Grundversorgung haben es da schwerer. Sie müssen auf alle Eventualitäten und Notfallbehandlungen vorbereitet sein. Für die Behandlung einer Notaufnahme gibt es 30 € – auf jeden Fall ein Zuschussgeschäft! Um dennoch zu überleben, haben auch Öffentliche den größten Kostenfaktor, die Personalkosten, radikal reduziert! Ob öffentlich oder privat, das Bild ist seither einheitlich: Sog. „patientenferne“ Arbeitskräfte, der klinikinterne Krankentransport, die Sterilisationsabteilung, der Bluttransport, die Therapeuten und Putzkräfte sind mit tariflosen und prekären Löhnen ausgesourct. Die Zahl Pflegekräfte wurde radikal reduziert. Fast alle klagen, nur noch erschöpft, überarbeitet und ausgelaugt zu sein. Die wenigsten halten das länger aus, die meisten „überleben“ nur mit starker Stundenreduzierung und damit verbundenem Lohnverlust.

Das war nicht immer so

Viele der heutigen Krankenhäuser wurden in den 1960er – 1990er Jahren errichtet. Ziel war es damals, dem Sozialstaatsgebot entsprechend, eine hochwertige Gesundheitsversorgung in der Fläche sicherzustellen. Dabei war es gesellschaftlicher Konsens, dass politisch Verantwortliche mit den Krankenhäuser ihrer Verpflichtung zur Daseinsvorsorge nachkommen, dass die Kliniken eine soziale Funktion haben und nicht dem Markt unterworfen sind. Erbaut und erhalten wurden sie mit Steuergeldern. Die Behandlung der Patienten bezahlten die gesetzlichen Krankenkassen nach dem Prinzip der Selbstkostendeckung.

Die angebliche Kostenexplosion

Doch seit den 90er Jahren war plötzlich von einer Kostenexplosion im Gesundheitswesen die Rede. Unternehmen monierten die Belastung durch das stete Steigen des Krankenkassen-Beiträge. Sind die Gesundheitskosten aber wirklich explodiert? Betrachtet man sie im Verhältnis zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, so stagnieren sie seit Jahrzehnten bei ca. 6,5%. Aber warum dann steigende Beiträge? Sie werden aus der Lohnsumme bezahlt. Die Lohnquote, der Prozentsatz der Lohneinkommen am Volkseinkommen, betrug 1982 noch 77%. Er sank bis 2007 auf 65%. Die Beschäftigten, die ihr Einkommen aus Lohn beziehen, haben 12% am gesamtwirtschaftlichen Kuchen verloren. Die Reichen haben mehr, die Beschäftigten weniger. Die Krankenkassenbeiträge, die aus der Lohnsumme bezahlt werden, musste daher um 12% steigen. Nur so konnten die Gesundheitsausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt gleich bleiben. Nein, nicht die Gesundheitskosten waren explodiert – eine große Lüge! Um im Bild zu bleiben: „nur“ die Löhne sind relativ implodiert!

Doch die Lüge hatte einen Sinn

Die Krankenhäuser sollten marktgerecht, öffentliches Eigentum privatem Kapital einverleibt werden. Das an der Daseinsvorsorge orientierte Prinzip der Selbstkostenerstattung der Kliniken war zwar effektiv, kam fast ohne Bürokratie aus und wurde den Patienten gerecht. Doch nun wurde es schlecht geredet, es sei nicht effektiv und fördere überlange Liegezeiten. Dabei hatten die Krankenhäuser schon ganz ohne Markt die durchschnittliche Verweildauer von 1960 mit 28 Tagen auf 8 Tage in 2003 reduziert.

Nach einem guten Jahrzehnt marktgerechter DRGs

ist die mittlere Verweildauer auf 6 Tage gesunken. Dafür sind aber die Fallzahlen stark gestiegen. Denn mit den DRGs kann man immer nur eine Hauptdiagnose behandeln, und für deren Behandlung wird stets die ökonomisch optimal kurze Liegezeit errechnet. So kommt es jetzt häufig zu sog. blutigen Entlassungen. Allerdings wird der entlassene Patient oft gleich am nächsten Tag mit einer anderen Diagnose wieder eingeliefert. Ein neuer Fall bringt neues Geld! Folgerichtig stiegen die Fallzahlen allein von 2005 bis 2013 um 12,9%! Durch die Konzentration auf viele, möglichst lukrative Fälle und den Ausschluss verlustbringender konnten die Privaten ihre Erlöse aus den DRGs um 106% steigern – öffentliche Kliniken um 20%.

Marktgerecht ist teurer

„Asklepios-Klinik St. Georg seit 1897“, steht am Eingang des einstigen Allgemeinen Krankenhauses St. Georg. Den Beschäftigten reichen die 10 Jahre vollauf, seit Asklepios hier das Ruder übernahm und begann, mit Chefärzten Zielvereinbarungen zu treffen über die Steigerung der Fallzahlen, vor allem der schweren, lukrativen. Von der Einhaltung der Vereinbarung hängt z.T. das Gehalt ab. Auf jeden Fall droht dem Chefarzt bei Nichteinhaltung eine weitere Reduktion des Pflegepersonals.  Und sogar die Schließung wie bei der Abteilung für Allgemeine Innere Medizin geschehen. Niedrigpreisige Stoffwechselerkrankungen, Durchfall mit Fieber oder Diabetes brachten nicht genügend Gewinn. Jede einzelne Abteilung wird darauf getrimmt, mindestens 12% Gewinn einzufahren. So steigen die Fallzahlen und vor allem die gewinnbringenden. Und damit das Geld fließt, muss jeder Handgriff dokumentiert werden. Undokumentiert gibt es kein Geld. Seit der Einführung der DRGs verbringen Ärzte und Pfleger einen Großteil Ihrer Arbeitszeit mit der Dokumentation. Auch das führt dazu, dass für die Patienten kaum noch Zeit bleibt und die Krankenhauskosten nun tatsächlich beträchtlich gestiegen sind.

Das geht uns alle an – jede/r von uns kann ernsthaft krank werden und dann erleben, wie PflegerInnen fast nur noch in Hetze sind. So bleibt in Zeiten multiresistenter Krankenhauskeime auch Ärzten nicht genug Zeit, alle vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen umzusetzen. So wird z.B. das Stethoskop oft nicht desinfiziert beim Übergang zu einem anderen Patienten. Nach Recherchen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene sterben jährlich 40.000 Patienten an multiresistenten Keimen in den Krankenhäuser, auch weil diese als profitorientierte Wirtschaftsunternehmen geführt werden.

Arme Klinken – reicher Konzern

Wer verzweifelten PflegerInnen und abgefertigten Patienten hohen Gewinne abringt, will sie nicht durch Steuern verlieren. 2015 setzte der Asklepios-Eigentümer Bernhard gr. Broermann  einen Teil dieser Gewinne in den Kauf des Hamburger Nobelhotel Atlantik um. „Asklepios“ war der griechischen Gott der Heilkunst, der von Zeus mit einem Blitz erschlagen wurde, weil dieser Angst hatte, dass durch Asklepios kein Mensch mehr sterben müsse. Hätte Zeus nur den modernen Asklepios gekannt. Aber eigentlich hätte Bernhard gr. Broermann seinen Konzern ja „Hermes“ nennen müssen, nach dem Gott der Händler und der Diebe.

Die PflegerInnen in der Berliner Charité und im Saarland

haben bereits gezeigt, wie Gegenwehr ist: Der Kampf für einen Tarifvertrag Entlastung externer Link, für eine verbindliche Peronalbemessung ist auch gegen die marktgerechten DRGs gerichtet. Lassen wir sie nicht allein. Die Auseinandersetzung verdient die größte Öffentlichkeit. Auch der Film „Der marktgerechte Menschexterner Link wird dazu beitragen.

Wir rufen auf: Helfen Sie mit, dass dieser Film zustande kommt externer Link, der hilft, unsere Solidarität zu stärken, damit wir  nicht in Konkurrenz zueinander versinken, während Reiche immer reicher werden.

  • Sind Sie Pflegerin oder Pfleger, Ärztin oder Arzt und haben Sie den Mut, Ihre Erfahrungen uns vor der Kamera zu erzählen? Oder wären Sie bereit, uns zu Aufnahmen von Bemerkenswertem in Ihrer Klinik zu verhelfen? (Kontakt film@marketable-people.org )

Siehe dazu auch im LabourNet Germany – die den Film unterstützen –  unseren Beitrag: Film „Der marktgerechte Mensch“

Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=114588
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