Hotel Four Points by Sheraton in Offenbach: Betriebsratsvorsitzende zum zweiten Mal fristlos gekündigt

[DGB-Kampagne] Stop Union BustingDas Four Points by Sheraton am Alten Schlachthof hat Maria Angelika El Mahjoub seit Wochen nicht mehr betreten. Sie darf es auch nicht: Seit ihrer fristlosen Kündigung am 26. Juni hat die Betriebsratsvorsitzende Hausverbot. Doch während noch gar nicht entschieden ist, ob diese Kündigung Bestand hat (wir berichteten), droht der 48-Jährigen bereits die nächste. Dies geht aus einem Gespräch zwischen der Redaktion, El Mahjoub, dem Anwalt des Betriebsrates und einem Vertreter des Deutschen Arbeitnehmerforums sowie Unterlagen im Zuge des Rechtsstreits hervor. Finanziell ist die erste Kündigung für El Mahjoub längst Realität. Seit dem 26. Juni bekommt sie keinen Lohn mehr, Arbeitslosengeld bislang ebenfalls nicht. Die Hotelfachangestellte hat drei Kinder. Warum sie nach 16 Jahren im Hotel überhaupt fristlos entlassen wurde, weiß sie nach eigenen Angaben bis heute nicht…“ Artikel von Ronny Paul vom 24.08.2026 in op-online.de externer Link und mehr Informationen – der nächste Verhandlungstermin ist am 11. September:

  • Was wollen die Chefs erreichen? Die Bosse eines Offenbacher Hotels wollen einer Betriebsratsvorsitzenden kündigen, berichtet Christian Niemeier
    „[Die Betreibergesellschaft des Hotels »Four Points by Sheraton« in Offenbach will der Betriebsratsvorsitzenden Maria Angelika El Mahjoub kündigen. Was ist der aktuelle Stand?]
    Es gibt zwei Kündigungsversuche. Die erste fristlose Kündigung datiert bereits vom 26. Juni 2026. Seitdem, also seit fast zwei Monaten, erhält sie keinen Lohn. Ein seither geltendes Hausverbot hat das Arbeitsgericht am 19. August 2026 aufgehoben.
    Das Vorgehen kann als hochaggressiv bezeichnet werden. Die Betriebsratsvorsitzende ist verwitwet und hat drei Kinder. Sie ist in finanzieller Not. Unseres Erachtens wird diese soziale Härte gezielt herbeigeführt, um sie mürbe zu machen. Zusätzlich hat die Agentur für Arbeit eine Sperre erteilt. Anscheinend auf Basis einer Falschinformation des Arbeitgebers, der dem Amt mitgeteilt haben soll, sie hätte bereits eine Abmahnung erhalten. Das stimmt nicht. (…)
    Sie arbeitet bereits seit 16 Jahren für den Betrieb und hat schon mehrere Jahre Erfahrung im Betriebsrat. Seit der turnusmäßigen Betriebsratswahl im März 2026 ist sie die Vorsitzende. In ihrem Betrieb vertritt sie die Interessen von 33 Festangestellten. (…)
    Andreas Büscher, Geschäftsführer von Beepartment, hat die Kündigungen unterschrieben. Ebenso die Personalverantwortliche und HR-Chefin Lisa Rösner. Einen Grund haben beide bis heute nicht genannt. Es wurden Anzeigen nach Paragraph 119 Betriebsverfassungsgesetz wegen Behinderung der Betriebsratsarbeit erstattet.
    [Die Kündigungsgründe, die Union-Buster und die sie beratenden Kanzleien konstruieren, sind in der Regel vorgeschoben. Worum geht es hier Ihrer Einschätzung nach tatsächlich?]
    Beepartment hat das Hotel in der Insolvenz und Restrukturierung der Achat-Gruppe offenbar für viel Geld und inklusive Tarifbindung und bestehendem Betriebsrat übernommen. Jetzt soll die Belegschaft offenbar nach und nach ersetzt werden. Es gibt Gerüchte über Outsourcing-Pläne, zum Beispiel bei der Reinigung, Pflege und Instandhaltung der Zimmer. Außerdem hat die Betriebsratsvorsitzende mit Nachdruck auf Missstände wie fehlendes Trinkgeld und Urlaubsgeld hingewiesen. Dabei ist sie in der Sache immer dran geblieben. Schließlich ist sie gewählt, um die Interessen ihrer Kollegen zu vertreten. Bei ihnen – und übrigens auch bei den Gästen – ist sie sehr beliebt.
    [Wie steht es um den Rückhalt bei den Kollegen?]
    Die Kollegen sind geschockt und verunsichert. Doch obwohl der Hotelmanager, die Front-Office-Managerin sowie das Unternehmen Stimmung gegen die Betriebsratsvorsitzende machen, steht die Belegschaft fest hinter ihr. Offenbar werden Kollegen und Betriebsratsmitglieder gezielt bearbeitet. Uns wurde etwa erzählt, dass Ängste geschürt werden, dass das Hotel »nur wegen dieser einen Person« pleitegehen wird. Und es wird augenscheinlich auch mit dem Vorwurf gearbeitet, dass das Hotel Minus mache, der Betriebsrat aber Geld aus dem Fenster werfe. Was nicht stimmt. Bisher hat das Unternehmen noch keinen Cent für den Betriebsrat ausgegeben. Selbst Grundlagenschulungen wurden abgelehnt. Parallel werden, ohne Beteiligung des Betriebsrats, Mitarbeiter auf hohen Positionen eingestellt. Hier scheint Geld keine Rolle zu spielen. (…)
    Der nächste Verhandlungstermin ist am 11. September um 10.20 Uhr im Sitzungssaal 310 am Arbeitsgericht Offenbach. Beim Kammertermin wird die Wirksamkeit der Kündigung vom 26. Juni verhandelt. Wir hoffen, dass das öffentliche Interesse und die steigende Solidarität aus der Politik das Unternehmen wieder zur Vernunft bringen…“ Interview von Jessica Reisner in der jungen Welt vom 24.08.2026 externer Link – Christian ­Niemeier ist Geschäftsführer des Deutschen Arbeitnehmerforums
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=237264
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