Gastro-Startup Grün Deli in Berlin prellt Asylsuchende um Lohnfortzahlung in Krankheit: Auf Beschwerde folgt Kündigung, aber auch Protest am Arbeitsgericht Berlin

 

Kampf für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall 1958 in Peine. Foto: IG Metall-Zentralarchiv„… Queen ist Asylsuchende, erreichte die BRD im Frühjahr 2023. (…) Nach einigen Monaten bewarb sie sich beim Gastronomieunternehmen Grün Deli. Sie erhielt eine Arbeitserlaubnis und fing an zu arbeiten, zum Mindestlohn. (…) Mit dem Einkommen war Queen verpflichtet, das Zimmer in der Unterkunft für Asylsuchende im Berliner Umland selbst zu bezahlen. Ein Raum sei das, geteilt mit einer anderen Frau. »Wir bezahlen jetzt zusammen mehr als 600 Euro«, erzählt sie. Nach einer Operation hatte sich Queen im Juli 2024 arbeitsunfähig gemeldet. Über einige Wochen habe sie regelmäßig Krankschreibungen beim Betrieb vorgelegt, erzählt sie, trotzdem sei immer wieder gefragt worden, wann sie wieder arbeiten könne. Dann erhielt sie kein Geld mehr, ihre Lohnabrechnung wies die Arbeitsunfähigkeit als unbezahlten Urlaub aus. (…) Sie beschwert sich und wird entlassen…“ Artikel von David Maiwald in der jungen Welt vom 24. September 2025 externer Link („Eine Bowl mit Lohnklau“) und mehr daraus/dazu:

  • Queen gegen Grün Deli: Lohnklau bei Salatverkäufer Grün Deli vom Arbeitsgericht Berlin gestoppt New
    • Queen gegen Grün Deli
      “ „I’m a winner today!“ Queen hat sich vor Gericht gegen Lohnraub gewehrt. Ihr Arbeitgeber Grün Deli hatte ihr ihren Lohn vorenthalten, als sie krankgeschrieben war. Grün Deli entwickelt „die Lifestyle Lebensmittelmarke der Zukunft“ und tut sich offensichtlich schwer, sich an geltendes Arbeitsrecht zu halten. Damit ist das Unternehmen nicht alleine: „Manchmal tun sie das wegen unserem Aufenthaltsstatus. Sie wissen, dass wir eine befristete Aufenthaltsgenehmigung haben“, so Queen in dem Video.
      Das Arbeitsgericht hat am 24. 9.2025 entschieden, dass Queen ihren vollen Lohn erhalten muss
      …“ Meldung zum Video bei labournet.tv externer Link
    • Lohnklau bei Salatverkäufer Grün Deli
      „… Beim Gütetermin schlug der Richter eine Einigung gegen Zahlung von 1.500,- Euro an die Gekündigte vor. Das war dem Unternehmen Grün Deli zu viel. Es wollte sich gegen 750,- frei kaufen. Am 24.9.25 entschied das Arbeitsgericht dann zugunsten von Queen. Juristisch ließ sich Grün Deli von der Kanzlei Kaiser & Weingran aus Heinsberg vertreten. Warum man ein Mandat übernehmen sollte, bei dem versucht wird eine Lohnabhängige um die Lohnfortzahlung bei Krankheit zu prellen, erschließt sich uns nicht. Unseres Erachtens hat ein Vorgehen wie bei Grün Deli in der Regel System. Auf 100 Geprellte kommt bestenfalls eine Person, die sich gegen den Lohnraub wehrt…“ Aus den Union Busting-News #12/25 von Jessica Reisner vom 2. Oktober 2025 bei Arbeitsunrecht in Deutschland externer Link
  • Eine Bowl mit Lohnklau
    Weiter aus dem Artikel von David Maiwald in der jungen Welt vom 24. September 2025 externer Link: „… Beim Gütetermin vor dem Berliner Arbeitsgericht habe die vom Unternehmen beauftragte Anwältin erklärt, Queen sei kein Geld ausgezahlt worden, schließlich sei sie nicht im Dienstplan eingetragen worden. »Schon da hat der anwesende Vertretungsrichter der Kammer darauf hingewiesen, dass natürlich trotzdem ein Anspruch auf die Vergütung der vertraglich festgelegten Arbeitsstunden besteht«, so Puhlmann.
    Den Vorschlag des Richters, mit der Zahlung von 1.500 Euro eine gütliche Einigung zu erzielen, habe Grün Deli abgelehnt. »Sie haben statt dessen vorgeschlagen, die Hälfte, also 750 Euro, zu zahlen.« »Das macht mich immer noch fassungslos«, erklärt Janina Rost, während sie über Queens Fall spricht. Rost war jahrelang aktiv bei International Women* Space (IWS), einer Gruppe, die aus der Besetzung der Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg im Jahr 2012 hervorging. Rost begleitete Queen zum Arbeitsgericht, um den einbehaltenen Lohn einzufordern; gemeinsam bereiteten sie die Klage gegen Grün Deli vor, beantragten Prozesskostenhilfe. (…)
    Ein Solidaritätsbündnis will zu Queens Prozess vor dem Berliner Arbeitsgericht gegen den »Lohndiebstahl« durch Grün Deli demonstrieren. »Queen ist eine von vielen, und wir werden sie unterstützen«, heißt es im Aufruf. Ob es nun Beschäftigte der Lieferbranche oder anderer Bereiche der sogenannten Gig Economy betreffe, die Unternehmen seien der Ansicht, »sie können mit Migranten umspringen, wie sie wollen, ohne Konsequenzen für ihr rechtswidriges Handeln«, erklären sie darin. Denn bei vielen Migranten sei das Aufenthaltsrecht an ein Einkommen gekoppelt. Hätten Chefs mit ihnen zu tun, gingen sie dann davon aus, »dass unser Bedarf an Einkommen stärker als unsere Fähigkeit ist, uns zu organisieren«. Doch diese Rechnung werde nicht aufgehen: »Wir kennen unsere Rechte und wir fordern sie ein!«“
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=230815
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