Wegen Corona: Streit im Tierpark Hagenbeck eskaliert – Tierpark kündigt zehn Mitarbeitern, darunter dem Betriebsratschef

Dossier

Fight Union Busters!“… Mitarbeiter sprechen von Kündigungen, Einschüchterungen und einem „Klima der Angst“. Der Geschäftsführer selbst fühlt sich zu Unrecht kritisiert. Kurz vor dem Jahreswechsel verschickte die für den Tierpark zuständige Gewerkschaft IG Bauen – Agrar – Umwelt einen Brandbrief an die beiden Gesellschafter im Hintergrund – den Patri­archen Claus Hagenbeck und seinen angeheirateten Neffen Joachim Weinlig-Hagenbeck. In dem Schreiben, das dem Abendblatt vorliegt, ist von „menschenunwürdigem Umgang“ mit den Mitarbeitern durch Geschäftsführer Al­brecht die Rede. (…) Die Eskalation nahm bereits Mitte Dezember ihren Lauf. Erneut musste der Tierpark wegen der Corona-Pandemie schließen. Die Gewerkschaft IG Bau wurde vom Betriebsrat für die Verhandlungen über eine Kurzarbeitsregelung für etwa 40 der 160 Beschäftigten hinzugezogen. Ihrer Darstellung nach verweigerte sich der Geschäftsführer Dirk Albrecht aber jeder Mitbestimmung (…) Als die Mitarbeitervertreter aber auf die Mitwirkung der Gewerkschaft bestehen, teilt Albrecht dem Betriebsrat am 18. Dezember laut Johne plötzlich die geplante Kündigung von neun Mitarbeitern mit. Diese seien am folgenden Tag, einem Sonnabend, am Telefon informiert worden und teilweise „völlig aufgelöst“ gewesen. (…) Als die Gewerkschafter dennoch am 21. Dezember zu einem Verhandlungstermin erscheinen, kommt es zu einem Wortgefecht. Albrecht will sie der Anlage verweisen und verbietet Dirk Johne das Wort. Das Treffen wird für gescheitert erklärt. Daraufhin beschließt der Betriebsrat eine Begehung des Tierparks – mit den Gewerkschaftern. Als Albrecht davon hört, ruft er den Sicherheitsdienst und die Polizei. (…) Zum Eklat kommt es nach Weihnachten trotzdem. (…)Albrecht mahnt alle Mitglieder des Gremiums ab. Und er stellt den Betriebsratsvorsitzenden Thomas Günther bis zum 10. Januar frei – danach solle auch ihm gekündigt werden…“ Artikel von Christoph Heinemann und Nico Binde vom 02.01.2021 im Hamburger Abendblatt online externer Link und dazu:

  • Neuwahl des BR, Einigung über Kurzarbeitsregelung, Rücknahme von Kündigungen – außer dem Kündigungsversuch gegen Betriebsratsvorsitzenden New
    “… Um doch noch eine Einigung beim Thema Kurzarbeit zu erreichen rief der Betriebsrat die Einigungsstelle beim Amtsgericht an. Hier trafen sich Betriebsrat und Geschäftsführung am 12. Januar 2021 und verhandelten unter dem Vorsitz des Präsidenten des Hamburger Arbeitsgerichts Esko Horn über eine Regelung der beantragten Kurzarbeit. Bis in die späte Nacht sollen die Verhandlungen gedauert haben. Am Ende einigten sich Betriebsrat und Geschäftsführung auf eine Betriebsvereinbarung der Kurzarbeit bis zum 28. Februar 2021. Anders als im Frühjahr zahlt Hagenbeck den Betroffenen nur die gesetzlich vorgeschriebenen 60 Prozent ihres Gehalts aus. Beide Seiten einigten sich zudem auf eine Ankündigungsfrist von mindestens 36 Stunden für den Fall einer Rückkehr aus der Kurzarbeit. Neun Kündigungen von Mitarbeiter:innen im Servicebereich, die die Geschäftsleitung bereits ausgesprochen hatte, wurden zurückgenommen. Sie dienten unserer Einschätzung nach ausschließlich dazu, die Belegschaft zu spalten und den Beitriebsrat zu isolieren. Die Kündigungsversuch gegen Betriebsratsvorsitzenden Thomas G. hat nach wie vor Bestand…” Meldung in “Tierpark Hagenbeck: Corona als Union Busting-Konstrukt” externer Link der Frontberichte 01/2021 von Kevin Hoffmann vom 18. Januar 2021 bei Arbeitsunrecht – siehe auch:

    • Hagenbeck-Betriebsrat wird neu gewählt – Fünf Betriebsratsmitglieder haben das Gremium verlassen
      Der Betriebsrat des Tierpark Hagenbeck, der die Mitarbeiter des Unternehmens vertritt, muss neu gewählt werden, nachdem fünf Mitglieder des Gremiums ihr Amt niedergelegt haben oder ausgeschieden sind. Die Neuwahl muss gemäß gesetzlicher Vorgaben innerhalb von zehn Wochen erfolgen, informiert die Geschäftsführung des Tierparks. Tierpark-Geschäftsführer Dr. Dirk Albrecht dazu: „Eine gute Zusammenarbeit zum Wohl des Unternehmens ist die wichtigste Aufgabe von Betriebsrat und Geschäftsführung. In der jüngsten Vergangenheit hatte ich leider den Eindruck, dass dies arg in Vergessenheit geraten ist. Besonders die Presseaktionen der vom Betriebsrat eingeschalteten Gewerkschaft haben nach meinem Eindruck die Verhandlungen um die notwendige Kurzarbeit aufgrund der monatelangen Schließungen des Tierparks unnötig erschwert.“ Dr. Dirk Albrecht weiter: “Ich freue mich auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem neuen Betriebsrat. Es muss wieder die Regel gelten, dass wir interne Differenzen nur intern besprechen und keine Pressekampagnen erleben. Das schadet beiden Seiten und beschädigt unnötig das Image unseres schönen Tierparks.“” PM vom 18.01.21 von und bei Tierpark Hagenbeck Gemeinnützige Gesellschaft mbH externer Link – Rücktritte und Betriebsaustritte hatte es schon 2018/19 gegeben. Die Darstellung des Geschäftsführers Dirk Albrecht, dass es sich um aktuelle Zahlen handelt ist bewusst irreführend. (Hinweis von Arbeitsunrecht und dazu auch:
    • Häme und Empörung: Streit bei Hagenbeck eskaliert
      Der Streit zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat bei Hagenbeck eskaliert: Voller Häme hat Geschäftsführer Dirk Albrecht am Montag in einer Mitteilung an die Presse bekannt gegeben, dass der Betriebsrat des Tierparks neu gewählt werden müsse. Der 75-Jährige gab seine Freude darüber ganz offen zum Ausdruck. (…) Weiter behauptet Albrecht, die Neuwahl müsse „gemäß gesetzlicher Vorgaben“ innerhalb von zehn Wochen erfolgen. (…) Doch der Geschäftsführer irrt. Ins Betriebsverfassungsgesetz hat er offensichtlich nicht geguckt. Denn dort steht in Paragraf 21, dass der Betriebsrat so lange im Amt bleibt, bis eine Neuwahl stattgefunden hat. Eine Frist ist dabei nicht vorgeschrieben. Auch was das Ausscheiden der fünf Betriebsratsmitglieder angeht, wirft Albrecht eine Nebelkerze: Denn zwei von ihnen sind bereits 2018 von ihrem Amt zurück getreten – lange bevor der Streit begann und bevor Albrecht überhaupt die Geschäftsführung übernahm. Nur eine Person legte das Amt im Zusammenhang mit der aktuellen Auseinandersetzung nieder, weil sie dem Druck nicht mehr Stand hielt. Solange hatte es aber immer noch Nachrücker für das Gremium gegeben. Dass der Betriebsrat nun nicht mehr funktionsfähig ist, liegt daran, dass eine Betriebsrätin aus persönlichen Gründen bei Hagenbeck gekündigt hat und das Unternehmen verlässt. Der zerbrechliche Frieden, der vergangene Woche vor der Einigungsstelle zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat geschlossen worden war externer Link, ist aufgekündigt. „Das Gentleman-Agreement ist vorbei“, erklärt Dirk Johne von der Gewerkschaft IG Bau, die den Betriebsrat berät. Denn: „Herr Albrecht hat kein Interesse, sich an die Grundlagen des demokratischen Systems zu halten“, schimpft Johne. So habe man am vergangenen Dienstag nach langer Verhandlung um 22 Uhr die Einigung zur Kurzarbeitsvereinbarung abgeschlossen. Keine 24 Stunden später habe die Geschäftsführung bereits per Mail eine Aufforderung zur Nachverhandlung verschickt. Knackpunkt: Die in der Einigungsstelle vereinbarte Kurzarbeitsregelung gilt ab 13. Januar. Die Geschäftsführung will sie nun aber plötzlich – entgegen der Einigung – rückwirkend schon ab 1. Dezember in Kraft setzen. Im übrigen habe Dirk Albrecht erst in dieser Woche eine neue Corona-Betriebsanweisung für den Zoo in Kraft gesetzt – ohne den Betriebsrat zu beteiligen, obwohl der bei solchen Maßnahmen ein gesetzliches Mitbestimmungsrecht hat. Und schließlich hat die Geschäftsführung dem Betriebsrat am heutigen Montag eine Unterlassungserklärung zugestellt, die den Betriebsrat dazu verpflichten soll, die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber nicht an einen Rechtsanwalt zu delegieren. (…) Auch zum Vorwurf einer „Pressekampagne“ seitens des Betriebsrats hat der Gewerkschaftsmann eine Meinung: „Herr Albrecht beklagt, dass die Auseinandersetzung in der Presse ausgetragen wird. Dabei hat er die Rücknahme der neun Kündigungen bisher ausschließlich der Presse mitgeteilt. Die betroffenen Kollegen selbst sind darüber bisher nicht rechtswirksam informiert worden“, so Johne. Pikant: Auf der Hagenbeck-Homepage steht seit Neustem eine Stellenausschreibung für den Kassenbereich des Zoos. Das steht nicht nur im Widerspruch zu den ausgesprochenen Kündigungen, sondern auch zu der Einführung von Kurzarbeit im Tierpark. Während der Dauer von Kurzarbeit darf es keine Neueinstellungen geben…” Artikel von Nina Gessner vom 20.01.21 bei mopo.de externer Link
  • Tierpark Hagenbeck: Beschäftigte klagen über „Klima der Angst“. Geschäftsführer will unliebsame Betriebsräte ausschalten
    Neuer Streit um Hamburgs Zoo: Im Tierpark Hagenbeck, Publikumsliebling in der Hansestadt und Hunderttausenden Fernsehzuschauern aus der NDR-Serie „Leopard, Seebär & Co.“ bekannt, spitzt sich der Konflikt zwischen Belegschaft und Geschäftsführung zu. Nach Informationen der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) versucht Tierpark-Geschäftsführer Dirk Albrecht, unliebsame Kritiker aus der Belegschaft „mundtot“ zu machen. Neun Mitarbeitern sei kurz vor Weihnachten gekündigt worden, nun soll auch der Betriebsratschef den Hut nehmen. „Unter den Beschäftigten herrscht ein Klima der Angst“, sagt Dirk Johne, stellvertretender Regionalleiter der IG BAU Nord. Nach jahrelangen Streitigkeiten der Familie Hagenbeck um die Leitung des Tierparks bringe eine „Führung nach Gutsherrenart“ das Hamburger Wahrzeichen erneut in Verruf. Der aktuelle Konflikt geht nach Gewerkschaftsangaben auf Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung zum Thema Kurzarbeit zurück. Im Zusammenhang mit der abermaligen Schließung wegen der Corona-Pandemie sollte eine Lösung für die 160 Beschäftigten des Tierparks gefunden werden. Doch zwei Tage vor der entscheidenden Verhandlung am 21. Dezember habe Dirk Albrecht neun Mitarbeitern gekündigt – „offenbar um den Betriebsrat einzuschüchtern“, so Johne. Gewerkschaftsvertreter sollten des Geländes verwiesen werden, doch die Betriebsräte beharrten auf ihrem Bleiben. Daraufhin habe Albrecht die Verhandlungen abgebrochen, die Verantwortung für das Scheitern jedoch nachträglich der Arbeitnehmerseite zugeschoben. (…) In einem Brief an die Gesellschafter des Tierparks, Claus Hagenbeck und Joachim F. Weinling-Hagenbeck, fordert die Gewerkschaft, „dafür Sorge zu tragen, dass Herr Albrecht die Geschäfte des Tierparks so führt, wie es unserer rechtstaatlichen Grundordnung gebührt“. Das Schreiben liegt auch der Hamburger Bürgerschaft vor. Dirk Johne: „Da sich die Geschäftsführung des Tierparks konstruktiven Gesprächen weiter verweigert, ist nun auch die Politik gefordert. Sie muss dabei helfen, den Betriebsfrieden in einer der bekanntesten Institutionen Hamburgs wiederherzustellen.“…” Meldung vom 06.01.2021 von und bei der IG BAU Hamburg externer Link
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=184606
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