Ausgefallene Fahrten, Besetzung mit Quereinsteigern: Die Bahn sucht Lokführer

Buch von Arno Luik "Schaden in der Oberleitung. Das geplante Desaster der Deutschen Bahn"Der Staatskonzern will seine Probleme endlich in den Griff bekommen. Weil er zu wenig Bewerber hat, geht er in die Offensive. Die Deutsche Bahn sucht händeringend Personal. Nach Angaben der Allianz pro Schiene kommen auf 100 offene Lokführer-Stellen nur 25 Bewerber. Immer häufiger fallen gerade im Nahverkehr ganze Fahrten wegen Fachkräftemangels aus. „Gelernte und erfahrene Lokführer gibt es kaum auf dem Arbeitsmarkt, deswegen setzen wir auf die Ausbildung von Quereinsteigern”, sagt Dirk Marquardt, DB-Teamleiter Fachkräftegewinnung für den Bereich Bremen und Hannover. 2019 will die DB 22.000 Stellen neu besetzen, in den kommenden Jahren sollen insgesamt 100.000 Menschen eingestellt werden. Die Bahn ist derzeit bundesweit in 27 Städten auf der Suche nach neuen Beschäftigten. (…) Gleichzeitig stellt die Deutsche Bahn in diesem Jahr eine Rekordzahl von Auszubildenden ein. Am Montag beginnen rund 4.200 Lehrlinge ihre Berufsausbildung bei dem Staatskonzern, wie Personalvorstand Martin Seiler sagt. „Mit mehr Personal wollen wir die Bahn robuster und besser machen.” Daher habe der Konzern die Ausbildungskapazitäten im Vergleich zum Vorjahr um 400 Plätze aufgestockt…” Artikel von Joachim Göres vom 02.09.2019 in Neue Westfälische online externer Link, siehe dazu:

  • Folgen des Renditewahns. Deutsche Bahn AG sollte für Börsengang »fit« gemacht werden. Heute sucht der Konzern händeringend Personal New
    “… Nachdem die Bahn-Chefs erst vor wenigen Tagen für das gerade begonnene Jahrzehnt Rekordinvestitionen in die Eisenbahninfrastruktur in Aussicht gestellt hatten, machten sie gleich zu Wochenbeginn den rund 727.000 offiziell registrierten Langzeitarbeitslosen in der Republik Hoffnung auf ein Licht am Ende des Tunnels. Diesen will man jetzt beim beruflichen Wiedereinstieg helfen. Gestützt auf die Bestimmungen des neuen »Teilhabechancengesetzes« wurden in Nordrhein-Westfalen die ersten Schritte eingeleitet. So beschäftigt die DB nach eigenen Angaben in einem ersten Pilotprojekt seit November 17 Menschen, die zuvor mehrere Jahre lang erwerbslos waren. Sie arbeiten bei DB-Tochterbetrieben in Wanne-Eickel, Köln und Berlin und sind dort als Servicekräfte an den Personenbahnhöfen und dabei insbesondere an Fahrkartenautomaten, am Bahnsteig oder als Reinigungskräfte im Einsatz. (…) Mit der Inanspruchnahme der Fördermöglichkeiten des Teilhabechancengesetzes schlägt die DB zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen hält sie für die Subventionierung der Löhne die Hand auf. Zum anderen sind die Pilotprojekte in Wanne-Eickel, Köln und Berlin Teil einer Einstellungsoffensive der DB, die seit Monaten mit Nachdruck betrieben wird. Damit sollen Versäumnisse der Vergangenheit aufgeholt werden. Denn jahrelang beauftragte die Bundesregierung die DB-Spitzenmanager damit, den bundeseigenen Konzern für den Börsengang »fit« zu machen. So wurden unter dem Diktat der Zahlen und Renditevorgaben Arbeitsplätze gestrichen. Beamte aus alten Bundesbahnzeiten wurden frühpensioniert. Dass ein großer Teil der Beschäftigten in den 2020er Jahren aus Altersgründen ausscheiden wird und langfristig durch Nachwuchskräfte ersetzt werden muss, wurde verdrängt. Nun wirbt die DB händeringend um Lokführer, Zugbegleiter, Facharbeiter für die Werkstätten, Fahrdienstleiter auf den Stellwerken, Servicekräfte, Ingenieure und weitere qualifizierte Beschäftigte. Die Vorschrift, dass Triebfahrzeugführer auf jeden Fall eine abgeschlossene Ausbildung in einem technischen Beruf haben müssen, wurde aufgeweicht. (…) Mit den Neueinstellungen kompensiert die DB ein wenig auch den von ihr selbst angerichteten Kahlschlag. So sollen etwa Servicekräfte an Fahrkartenautomaten vor allem ältere und im Umgang mit dem Internet relativ unerfahrene Menschen beraten. Sie sollen damit auch die Arbeit verrichten, die eigentlich in Reisezentren stattfindet, deren Öffnungszeiten an vielen Bahnhöfen zum Leidwesen der Kundschaft immer weiter eingeschränkt werden…” Artikel von Johannes Birk in der jungen Welt vom 21.01.2020 externer Link
  • [Video] Deutschlandweit fehlen zahlreiche Lokführer 
    Um dem Fahrermangel entgegenzuwirken bildet die Deutsche Bahn aktuell 2000 Lokführer aus. Doch die Personaloffensiven der Eisenbahnunternehmen kommen viel zu spät in Fahrt, so die Gewerkschaft.“ Kurzbeitrag bei zdf heute vom 30.09.2019 externer Link , Video verfügbar bis 30.09.2020
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=155188
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