Gesundheitsdaten-Sammelei: Krankes System
Wer einmal an einem Gewinnspiel teilgenommen hat, kann seine Daten kaum wieder einfangen. Besonders wertvoll sind persönliche Gesundheitsdaten. Artikel von Svenja Bergt in der TAZ vom 16. 04. 2014
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Aus dem Text: „Firmeninhaberin: 0,086 Dollar. Plant den Kauf eines Mobiltelefons: 0,0125 Dollar. Interessiert sich für Auslandsreisen: 0,03 Dollar. Erwartet ihr erstes Kind: 0,095 Dollar. Leidet an Diabetes: 0,26 Dollar. Persönliche Informationen zu marktüblichen Preisen, hier auf Basis einer Datenbank der Financial Times. Die Größenordnung ist realistisch: Bei einem großen Adresshändler, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig ist, lassen sich Datensätze mit Namen und Privatadresse, gefiltert etwa nach Altersgruppen, Wohnsituation oder Interessen ab 24 Cent das Stück erstehen. (…) Denn Krankheiten – das zeigen die oben genannten Preise – sind es, die Verbraucher ganz besonders interessant machen für die werbetreibende Industrie. In lebensverändernden Situationen – und dazu gehören neben Heirat, Hausbau oder Schwangerschaft gerade Krankheiten – sind Menschen besonders empfänglich für Werbung. Schließlich müssen sie sich neu orientieren, stellen sich Fragen, die vorher nicht aufgekommen sind. Und die sich dann im Supermarkt oder in der Apotheke manifestieren in Form von: Sind das tatsächlich die besten Kompressionsstrümpfe gegen Wassereinlagerungen? Oder: Welches Müsli treibt den Blutzucker am wenigsten nach oben? (…) Es braucht in diesem Szenario nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, dass gerade Versicherungen hier ein spezielles Interesse haben, weit über Werbung hinaus. Arztbesuche wegen Rückenschmerzen, und seien sie zwölf Jahre her? Dann wird es wohl schwierig mit der Berufsunfähigkeitsversicherung. Für die Betroffenen gilt ein „opt-out“: Sie werden nicht gefragt, ob sie der Datenspeicherung und -weitergabe zustimmen, sondern müssen von sich aus widersprechen, wollen sie nicht im Pool landen. Es ist nicht nur Großbritannien. Auch in Dänemark werden Gesundheitsdaten schon zentral gespeichert. Das Argument dabei: So haben Patienten selbst die Möglichkeit, die Daten im Internet einzusehen und etwa Diagnosen zu kontrollieren. Und in Deutschland ist der erste Schritt hin zu einer zentralen und dauerhaften Speicherung von Krankheitsdaten mit der elektronischen Gesundheitskarte ebenfalls gemacht…“
Siehe dazu auch: elektronische Gesundheitskarte