Containern ist kein Verbrechen!In Deutschland werden jährlich 11 Millionen Tonnen genießbare Lebensmittel mit einem Wert von etwa 25 Milliarden Euro auf den Müll geworfen. Um diese Zahl etwas greifbarer zu machen: Die Verbraucherzentrale hat errechnet, dass 275.000 voll beladene Sattelschlepper zum Transport notwendig wären. Hintereinander gestellt entspricht das der Strecke von Düsseldorf nach Lissabon – Hin und zurück. Vom Feld bis zu Verbraucher_innen werden bis zu 50% der Lebensmittel vernichtet.  Die Gründe dafür sind vielfältig. Komplett lässt sich das auch bei der besten Planung nicht vermeiden, aber ein großer Teil davon ist durchaus einkalkuliert: Supermärkte beispielsweise sortieren Ware kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums aus. Auch gutes Obst, Gemüse und Brot landet schnell mal in der Mülltonne. Wir halten das für eine unhaltbare Verschwendung. Während sie in Frankreich und Italien verboten wurde, gibt sich die deutsche Regierung mit Absichtserklärungen einiger Supermarktketten zufrieden. Es gibt viele Menschen, die sich damit nicht abfinden wollen. Einige von ihnen gehen Containern. Containern heißt, die guten Lebensmittel wieder aus den Müllcontainern herauszuholen. Es ist beeindruckend und erschreckend, welche Massen an guten Lebensmitteln da zum Vorschein kommenMeldung von Bündnis “Containern ist kein Verbrechen” vom 13. April 2016 externer Link bei indymedia linksunten, siehe dazu die Petition und weitere Infos:

  • Container-Prozess in Aachen qua Einstellung des Verfahrens gewonnen New
    Es war ein langer Kampf – aber er hat sich gelohnt! Im Sommer 2015 wurden zwei junge Aachener von der Polizei in der Nähe eines Supermarkt-Müllcontainers aufgegriffen. Ihnen wurde vorgeworfen, dort containert zu haben. „Containern“ ist ein Begriff, der verwendet wird für das Entnehmen genießbarer Lebensmittel aus Supermarkt-Müllcontainern. Weil Müll in Deutschland Eigentum ist – entweder gehört es dem Supermarkt, oder dem Entsorgungsunternehmen – ist es streng genommen Diebstahl, wenn man etwas entnimmt.(…) Die Anzeige gegen die beiden Aachener war besonders krass: Schwerer Diebstahl. Schwer soll er deswegen gewesen sein, weil der „Warenwert“ der entnommen Lebensmittel (also der Preis, den man an der Kasse bezahlt hätte) den Wert von 50 Euro überschritten habe. Es gab viele Widersprüchlichkeiten in diesem Fall. So wurden „Beweisbilder“ von Lebensmitteln vorgelegt, die es in dem Laden, wo die beiden containert haben sollen, gar nicht zu kaufen gibt. Auch hat der betroffene Supermarkt keinen Strafantrag gestellt, dahinter steckte die Aachener Staatsanwaltschaft. Diese Behörde ist für ihr hartes Vorgehen gegen alle Unangepassten bekannt: So wurde vor kurzem ein mehrtägiger Prozess gegen einen jungen Antifaschisten organisiert, dem vorgeworfen wurde, im letzten Jahr bei einer Demonstration das Glasflaschen-Verbot nicht konsequent genug durchgesetzt zu haben. Neonazis und andere Rechte kommen dagegen oft ohne oder mit geringen Strafen selbst für körperliche Angriffe davon. Die Aachener Staatsanwaltschaft beschäftigt auch lokale AfD-Prominenz“ – aus dem Bericht „Erfolg für Containernde“ von Christian Walter am 08. Juni 2017 beim sozialismus.info externer Link, der aber auch daruf verweist, dass „Auch wenn jetzt erst einmal Feiern angesagt ist: Gewonnen ist nur der konkrete Fall in Aachen. Durch den Kampf haben Aktivist*innen Selbstbewusstsein erlangt, es wurden bundesweite Vernetzungen und damit bessere Bedingungen für kommende Auseinandersetzungen geschaffen. All das sind positive Ergebnisse der Kampagne. Das Containern an sich ist aber nicht entkriminalisiert – um das zu erreichen, muss noch mehr passieren
  • „Containern ist kein Verbrechen“: Müllverzehrer aus Aachen vor Gericht
    Dass noch genießbare Lebensmittel weggeschmissen werden, ist in der heutigen Zeit wohl nichts Besonderes mehr. Eine Anklage gegen Menschen, die eben diesen „Müll“ noch verzehren möchten, verwundert da schon eher. So läuft derzeit in Aachen ein Verfahren gegen zwei Personen, die Lebensmittel aus dem Müll eines Supermarktes genommen haben. Der Vorwurf lautet: schwerer Diebstahl. Ein Gerichtstermin steht noch nicht fest…” Artikel von Joel Teichmann vom 20. April 2016 bei den Aachener Nachrichten online externer Link – der Prozess gegen die beiden Aachener, denen vorgeworfen wird, sie hätten containert, wird verschoben. Neuer Prozesstermin ist der 9.6.2016!