Artikel von Dieter Wegner vom April 2016

Gewerkschaftsfeinde und Betriebsratsfresser stören

Aber was machen wir gegen Kuscheln und Augenzumachen der DGB-Gewerkschaften? Voraussetzung, den Fertigmachern (Union-Bustern) mit Klassenkampf zu antworten, ist:
Abwehrbereitschaft
Organisierung
Durchschauen der neuen Situation
Zutreffende Begriffe

Rügemer/Wigand skandalisieren Union-Busting – nicht der DGB!

Es mehren sich seit über zehn Jahren die Angriffe von Teilen des Kapitals, die mit einem Anglizismus Union Busting genannt werden.
Um diese Angriffe abzuwehren,bedarf es nicht nur des Widerstandswillens der Belegschaft oder Teilen von ihr sondern auch der präzisen Definitionen und einer präzisen Beschreibung dieser Kapitalpraxis. Union Busting ist der Begriff für eine in den USA seit Jahrzehnten gängige Praxis. Dieser Begriff wurde ins Deutsche übernommen, obwohl die Gewerkschaften dort anders eingebettet sind ins Wirtschaftsleben und verfaßt als hier. Die Sozialpartnerschaft basiert in Deutschland auf dem dualen System von Betriebsräten und Gewerkschaften in den Betrieben. Es ist ein Verdienst von Werner Rügemer und Elmar Wigand, sich seit etlichen Jahren mit dieser Erscheinung in den USA und hier zu befassen und sie zu skandalisieren.
Man muß sich die Frage stellen, warum dies nicht erfolgt ist durch den DGB oder die DGB-Gewerkschaften. Sie haben ihre VertreterInnen in den meisten Betrieben, haben wissenschaftliche Institute (wie Hans Böckler-Stiftung), haben Austausch mit Gewerkschaften der USA. Warum ist ihnen das Überschwappen des Union Busting nach Deutschland als aggressives, neues gesellschaftliches Phänomen nicht aufgefallen?

Rügemer/Wigand beschreiben in ihren Publikationen das Entstehen des Union Busting in den USA und das Überschwappen nach Deutschland:

In weiteren Dutzenden Aufsätzen und Vorträgen haben sie diesen US-Ausdruck auf die deutschen Gewerkschaftsverhältnisse übertragen. Dieser Anglizismus wird von den meisten GewerkschaftskollegInnen nicht verstanden – der Sachverhalt, die Angriffe des Arbeitgebers oder ihrer Beautragten sind ihnen nahe, aber der Begriff nicht. Er mag in den USA zielgenau sein, hier ist er unverständlich und unpräzise. Wesentlich besser ist da schon der Begriff: Fertigmacher, den Rügemer/Wigand als Titel ihres Buches verwenden.

Methoden und Inhalte der Fertigmacher/Union-Buster

Aber noch wichtiger als der Umgang mit Begrifflichkeiten ist die Befassung mit der Methode der Fertigmacher/Union Buster. Wo diese in Erscheinung treten, muß es Auftraggber geben! Vor einigen Jahrzehnten bekämpften die Kapitalisten betriebliche AktivistInnen, die sie für Störfaktoren hielten, mit Bordmitteln, dh durch ihre Personalchefs oder auch schon mal durch einen Anwalt ihres Vertrauens. Die Union-Busting-Industrie hatte sich noch nicht gebildet mangels Bedarf.
Was hat nun Teile des Kapitals bewogen, etwa seit der Jahrhundertwende, Fertigmacher/Union Buster zur Ausschaltung unliebsamer BetriebsaktivistInnen anzuheuern?

In einem Interview definiert Nils Böhlke (Sprecher der LAG Betrieb und Gewerkschaft bei der Linkspartei in NRW): “Es handelt sich um die systematische Bekämpfung von Gewerkschaften und Mitbestimmungsorganen in Unternehmen”. Das ist ungenau und am Ziel vorbei. Die Zielobjekte der angreifenden Kapitalisten sind nur vordergründig “die Gewerkschaften und die Mitbestimmungsorgane in den Betrieben”. Präziser wird der Kollege Böhlke selbst, wenn er sagt: “Einzelne Meinungsführer werden attackiert”. Auch die Absichten des Fertigmachens der Meinungsführer hat der Kollege Böhlke genau erfaßt: Sie sollen isoliert und demoralisiert werden, zum Aufgeben gezwungen, unschädlich gemacht und die anderen eingeschüchtert werden!

Wieso sollten eigentlich die DGB-Gewerkschaften ins Visier von Einzelkapitalisten geraten, wo diese doch auf Sozialpartnerschaft und die Bewahrung bzw. Herstellung des sozialen Friedens in den Betrieben eingeschworen sind? Neuerdings werden Gewerkschaften oft grundsätzlich abgelehnt, einfach weil sie für diese Kapitalisten das Prinzip der Kollektivität repräsentieren – und da haben sie einen guten Instinkt. Es könnte ja sein, daß in Kollektiven wie Betriebsrat oder Vertrauensleutekörper Selbstbewußtsein entsteht mit entsprechenden Forderungen. Die Vereinzelung und die Beibehaltung des Nasenprinzips ist für den Kapitalisten allemal vorzuziehen.

Falls Belegschaften gegen ihre Firmenleitung, zusammen mit ihrer Gewerkschaft kämpfen, besteht durchaus keine Interessenidentität im Kampf. Die Gewerkschaften wollen den Kapitalisten zur Einhaltung der Sozialpartnerschaft zwingen, die Belegschaft (Streikenden) wollen eine Verbesserung ihrer Lage z.B. durch Tarifvertrag. Hierzu haben wir ein hervorragendes Beispiel: Den Neupack-Streik 2012/2013. (Literatur: 9 Monate Streik bei Neupack. Verlag: Buchmacherei. DVD: Das ist unnser Streik. (www.neupack-film.de externer Link))

Jeder Einzelkapitalist (jede Geschäftsführung) muß eine Einstellung und ein Verhalten zur gesetzlichen Lage finden:
Das Nichtvorhandensein eines Betriebsrates ist für den Einzelkapitalisten natürlich am angenehmsten und billigsten, weil er dann nur den einzelnen Mitarbeiter vor sich hat und kein Kollektiv. Um das zu erreichen, werden Fertigmacher engagiert.

Falls ein Betriebsrat besteht, versucht er sich willige Betriebsräte zu schaffen, Co-Manager.

Tarifverträge (und damit verbunden Gewerkschaften) und Betriebsräte sind was Kollektives und werden deshalb zunehmend von Einzelkapitalisten abgelehnt. Auch in Deutschland gibt es eine Union-Busting-Industrie (Fertigmacher-Industrie!) und nicht nur in den USA wie der Kollege Böhlke unterstellt. Der zunehmenden Nachfrage aus den Firmen nehmen sich hierzulande schon Dutzende Anwaltskanzleien mit Hunderten AnwältInnen an.

Mehr Klarheit läßt sich oft über die Beschreibung von Einzelfällen herstellen:

Beispiel I:
In einer norddeutschen Großstadt verfügt die Geschäftsleitung eines Verkehrsbetriebes (500 Beschäftigte) die Heraufsetzung der Arbeitszeit von 38 auf 40 Stunden, natürlich für lau. Mit der Behauptung, die Belegschaft sei damit einverstanden. Ein junger Kollege, nicht Betriebsrat, seit kurzem erst Gewerkschaftsmitglied, ist damit nicht einverstanden, fragt herum und organisiert eine Versammlung. Das reicht der Geschäftsleitung, ihn als Rädelsführer zu bezeichnen und mit sofortiger Freistellung aus der Firma zu entfernen. Diese hat nichts gegen den Betriebsrat und die Gewerkschaft mit denen sie harmoniert sondern nur was gegen den Meinungsführer/Rädelsführer.

Beispiel II:
Der Internet-Spielehersteller Goodgame in Hamburg mit 1.200 Beschäftigten. Goodgame ist eine junge Firma mit jungen Chefs, mit Wohlfühlatmosphäre, in der man sich duzt, wo aber schlecht bezahlt wird. Als sich einige KollegInnen treffen, um über die Aufstellung eines Betriebsrates zu beraten, werden sie auf der Stelle freigestellt und fristlos gekündigt. Auch hier geht es gegen die Meinungsführer und zwar alle 15. Die beiden Inhaber gehen nur vordergründig gegen verdi vor, in Wirklichkeit gegen das Gewerkschaftsprinzip: sich zusammen zu tun und aktiv zu werden. Die Inhaber handeln aus Klasseninstinkt: Es ist bares Geld, den Betriebsrat zu verhindern. Der könnte einen Tarifvertrag fordern und die Einhaltung des Arbeitsrechtes.

Für die KollegInnen bringen Tarifverträge mehr Sicherheit, weniger Kapitalwillkür, bessere Bezahlung. Deshalb treten sie in die Gewerkschaft ein, auch schon mit der Option im Kopf, notfalls zu streiken. So kommen die Gewerkschaften ins Spiel. Einen Streik ausrufen dürfen nur sie, nicht die Belegschaft – und ohne Streikgeld wird in Deutschland fast nie gestreikt.

Man sieht, daß die Definition „mit Union Busting werden Betriebsrat und Gewerkschaft bekämpft“, am Kern vorbeigeht. Die Fertigmacher wissen, wen sie bekämpfen: Den ursprünglichen Gewerkschaftsgedanken der Kollektivität und Solidarität und ihre Organisatoren – die Meinungsführer.

Der Kollege Böhlke sieht trotz der zunehmenden Zahl der Fälle „keine breite und abgesprochene Strategie“ von der Kapitalseite. Vielleicht läßt er sich da täuschen? Ihre Interessenverbände fordern die Mitglieder durchaus nicht zur Einhaltung der Sozialpartnerschaft auf. Sondern lassen sie wie reißende Hunde in der Schafsherde gewähren, während sie mit dem Schäfer in Sozialpartnerschaft machen.

Offiziell tun sich auf oberster Ebene Kapital, Regierung und DGB-Gewerkschaften zusammen und gründen den Zukunftspakt 4.0. In diesem soll die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie in Europa und auf der Welt gestärkt werden! Die IG Metall ist bei den Industriegewerkschaften federführend im Zukunftspakt Industrie 4.0 und ver.di im Zukunftspakt Dienstleistung 4.0. Es spielt sich beides ab: Auf Spitzenebene eine Symbiose, d.h. Sozialpartnerschaft und Nationalpartnerschaft und auf betrieblicher Ebene ziehen rauhere Sitten ein: Die KollegInnen sollen individualisiert werden, damit sie leichter fertiggemacht werden können.

Gewerkschaften verweigern Klassenkampf

Das Verhalten der DGB-Gewerkschaften ist, als müßte man Hunde zum Jagen tragen. Für die Betroffenen von Fertigmachern wirkt sich das allerdings so aus, daß sie oft zu Opfern dieser kriminellen oder halbkriminellen Machenschaften werden. Man kann auch sagen: Die DGB-Gewerkschaften betreiben, da sie die Kampfansage von Kapitalfranktionen nicht erwidern, unterlassene Hilfeleistung.

Was machen die Gewerkschaften stattdessen? Verwöhnt und geblendet durch Jahrzehnte Sozial- und Nationalpartnerschaft und aktuell auf die Zukunftspakte 4.0 fokussiert, nehmen sie den Fehdehandschuh des Kapitals nicht auf, behandeln die zunehmenden Fälle des Fertigmachens als Einzelfälle, zahlen pflichtgemäß Rechtsschutz und arbeiten sogar – in letzter Konsequenz – mit dem Fertigmacher zusammen. Beispiele: Firma Borregaard (Karlsruhe), Firma Neupack (Hamburg).

Die vom Fertigmachen betroffenen KollegInnen haben Glück, wenn sie auf GewerkschaftssekretärInnen stoßen, die sich ihrer annehmen und mit ihnen zusammen den Kampf durchfechten. Viele KollegInnen, die ins Schußfeld der Fertigmacher geraten sind, geben entnervt auf, werden krank, müssen in die Reha, vielleicht kriegen sie noch eine kleine Abfindung.

Die Fertigmacher sind keine Einzelfälle sondern Vorreiter. Eine wirksame Gegenmaßnahme würde es sein, wenn IGM, ver.di oder der DGB eine zentrale Stelle schaffen würde, z.B. bei der Hans Böckler-Stiftung, wo sämtliche Fälle der Fertigmacher gesammelt, dokumentiert, genau beschrieben und veröffentlicht würden! Es gehört auch dazu zu dokumentieren, ob aus den Betroffenen Opfer geworden sind: Verfahren verloren, krank, Reha, Selbstmord. Und auch, wenn KollegInnen den Fertigmachern standhalten, auch diese Beispiel gibt es! (Link zu dem Interview mit Nils Böhlke: https://www.jungewelt.de/2016/01-26/056.php externer Link)

Nicht auf Betriebsräte und Gewerkschaften haben die Fertigmacher es abgesehen sondern auf gewerkschaftliche AktivistInnen und deren Potential

Kolleginnen, die sich in ihren Abteilungen hervortun oder bei Betriebsversammlungen auftreten, werden von den anderen oft leicht in den Betriebsrat gewählt. Sie bleiben passiv und erwarten, aktive StellvertreterInnen zu haben, die ihre Interessen durchsetzen. Welche Charaktere diese StellvertreterInnen haben, muß sich zeigen: Ob sie den leichteren Weg, den der Anpassung, der Co-Manager gehen oder Rückgrat zeigen und bereit sind, Konflikte mit der Leitung auszutragen. Die Kapitalseite bekämpft nicht die Institution Betriebsrat sondern die konsequenten Interessenvertreter und besonders die Meinungsführer.

Falls sich Betriebsräte des Vertrauens ihre KollegInnen würdig erweisen und ein Gegenpart der Geschäftsleitung werden, geraten sie in dessen Visier, auch in das der gemieteten Fertigmacher. So ergibt sich oft das Bild, daß die Geschäftsleitung oder die Fertigmacher es auf Beriebsräte als solche oder die Gewerkschaften abgesehen haben.

In der Blütezeit des Rheinischen Kapitalismus, den 70er Jahren gewann die Ideologie der Sozialpartnerschaft in den Köpfen der ArbeiterInnen stark an Boden. Grund dafür waren die Ergebnisse, die die Gewerkschaften durch Tarifverhandlungen herausgeholt hatten, Streikdrohungen zur Untermauerung der Forderungen reichten meistens. Es herrschte ein Mangel an Arbeitskräften und es gab die DDR, die quasi als unsichtbarer Tarifpartner immer dabei war. Die Einrichtung von Betriebsräten stieß zumindest in Groß- und Mittelbetrieben auf keinerlei Widerstand, wurde im Gegenteil oft von den Geschäftsleitungen unterstützt.

In den Betrieben gab es oft kämpferische Vertrauensleutekörper und oft aktive Betriebsräte. Das wiederum rührte daher, daß ab 1970 tausende junge Leute nach dem Abitur, dem Studium oder oft sogar mit abgebrochenem Studium in die Betriebe strömten, weil sie die Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt entdeckt hatten. In den Betrieben bildeten sie Betriebsgruppen oder Zellen – für die Gewerkschaftsführungen waren sie ein Unruheherd. Meistens bekämpften sich die linken Gruppen als Maoisten, Trotzkisten, Moskau-Anhänger, Spontis oder Anarchos untereinander. Der lachende Dritte war die AfA der SPD (Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen), die damals noch stark in den Betrieben war. Meistens hatten also Sozialdemokraten in Betriebsräten und Vertrauensleutekörpern das Sagen. Wo radikale Linke nicht diese sektiererische Politik machten wie z.B. bei der Alternative im Hamburger Hafen (Betrieb: HHLA) oder die Plakat-Gruppe bei Daimler in Stuttgart, hatten sie durchaus Erfolge.

Gut ist der massenhafte Gang in die Betriebe beschrieben von Jan Ole Arps: Frühschicht. Linke Fabrikintervention in den 70er Jahren (2011). (Rezension von Christian Frings: http://www.akweb.de/ak_s/ak560/15.htm externer Link)

Damals, zur Zeit des Keynesianismus (Rheinischen Kapitalismus) reagierte das Kapital bei seiner Interessendurchsetzung mit einer weichen Linie, mit Sozialpartnerschaft.

Es gab jedoch Firmen, die schon Anfang der 80er Jahre Methoden anwendeten, die in Deutschland dann erst in den Nuller-Jahren als Union Busting bekannt wurden: So BMW in Berlin-Spandau, der drei Betriebsräte mit fristlosen Kündigungen überzog und Entfernung aus dem Betrieb. BMW verlor letzlich den Kampf, weil er drei politisch geschulte Kollegen gegen sich hatte und diese eine große Unterstützung aus der ganzen BRD erfuhren.

Der Kampf bei BMW ist gut geschildert in: Macht und Recht im Betrieb. Der “Fall BMW-Berlin”. Verlag: Die Buchmacherei. (http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2014/10/bmw_buch.pdf pdf)

Damals weiche Linie – heute harte Bandagen bei Kapitalisten

Heute haben wir eine gänzlich andere Ausgangssituation: Die DDR ist weg. Wir haben Massenarbeitslosigkeit. Das Kapital ist von der Nachfrageorientierung auf Angebotsorientierung umgeschwenkt, von Keynes auf Friedman/Hayek!

In den Betrieben gibt es revolutionären Kader nur noch als große Ausnahmeerscheinung. Wenn heute die Firmenleitungen harte Methoden ihrer Interessendurchsetzung anwenden, um Betriebsräte zu verhindern oder die Gewerkschaften „draußen zu halten“, machen sie das meistens nicht mit Bordmitteln sondern engagieren Fertigmacher (Union Buster), das sind Anwaltskanzleien, die sich auf dieses Metier spezialisiert haben. Sie treffen auf keine geschulten Kader sondern auf engagierte und aufrichtige KollegInnen, die sich absolut im Recht glauben bei ihrem Einsatz für sich und ihre KollegInnen. Sie werden dann in den nächsten Monaten weichgemacht, bis sie aufgeben und rausgehen aus der Firma, ob mit oder oft auch ohne Abfindung.

Und sie fallen aus allen Wolken, wenn ihnen gleich zu Beginn des Konfliktes fristlos gekündigt wird oder sie mit sofortiger Wirkung freigestellt werden.
KollegInnen, denen dies widerfahren ist, stoßen, wenn sie Glück haben, auf Adressen wie die von Aktion./.Arbeitsunrecht oder workwatch. Oder sie hatten das Glück, einen engagierten Funktionär ihrer Gewerkschaft zu finden, der sich hinter sie stellte.
Die allgemeine Haltung der Gewerkschaftsführungen ist jedoch so, daß sie Union-Busting als Ausnahme ansehen weil es nicht in ihr fundamentales Sozialpartnerschaftskonzept paßt.
Um so wichtiger ist es, daß die vom Fertigmachen Betroffenen Unterstützung von außen finden damit sie nicht Opfer werden.

Was ist Union Busting? Wer praktiziert es?

Wer greift an? Die Kapitalsfraktionen in ihrer Gesamtheit? Welche Kapitalsfraktionen? Einzelne Betriebe/Konzerne?
Das Betriebsverfassungsgesetz mit seinem Gebot der Sozialharmonie wird von der Kapitalseite nicht infrage gestellt. Festzustellen ist, daß Union-Busting nicht bestimmten Branchen oder Indurstriezweigen zuzuordnen ist. Es läßt sich vielleicht eine Negativ-Zuordnung vornehmen: Es kommt noch relativ selten vor in großen Industriekonzernen mit großen Stammbelegschaften, hohem Organisationsgrad und funktionierendem Mitbestimmungssystem. Hier stellen die DGB-Gewerkschaften, besonders IGM und IG BCE, noch eine kollektive Ordnungs- und Schutzmacht dar, sie sind auf dem Boden der Sozialpartneschaft zuständig für den Faktor Arbeit. Der ungehemmte Zugriff durch Teile des Kapitals durch Union Busting ist nicht möglich. Das heißt nicht, daß in diesen Betrieben nicht Verschlechterungen von Seiten der Konzernleitungn mit Zustimmung von Gewerkschaftsführungen und Co-Management vorgenommen werden könnte: Ein gutes Beispiel ist Mercedes Bremen, wo Samstagarbeit, Abbau von Stammarbeitsplätzen zugunsten von Werkverträgen und Zeitarbeit eingeführt wird. Hier allerdings stieß das Firmen- und IGM-Management auf den Widerstand von KollegInnen, es kam zu “wilden Streiks”.

Generell läßt sich also feststellen, daß Fertigmachen/Union-Busting sich mit einer ausweitenden Haltung unter Managern und Geschäftsführungen beschreiben läßt.
Union-Busting/Fertigmachen wird also immer häufiger praktiziert. Bei den Arbeitsgerichten schlägt sich diese Praxis jährlich in tausenden von Fällen nieder, Tendenz steigend.

Falls DGB-Gewerkschaften aufwachen, engagieren sie sich in der Weise, daß sie von dem jeweiligen Kapitalisten die Rückkehr zur gesetzlich vorgegebenen Sozialpartnerschaft bzw. ihre Einhaltung fordern. Politisch reagieren sie nicht auf den von Teilen des Kapitals hingeworfenen Fehdehandschuh.

Vielleicht sollten wir beide Begriffe: Union Busting und Fertigmacher als Provisorien betrachten – bis ein Begriff, der den Nagel auf den Kopf trifft, sich im Kampf bildet?

Wie nach dem 1. Weltkrieg liefen die gesetzlichen Regelungen nach dem 2. Weltkrieg darauf hinaus, in den Betrieben die Sozialpartnerschaft zu implementieren. Das wird im Betr.Verf.Gesetz von 1953, 1973 und 2001 schon in § 2 deutlich:

Kapitalisten und Beschäftigte werden zu vertrauensvoller Zusammenarbeit verpflichtet. Absicht des ideellen Gesamtkapitalisten ist es, mit diesen Gesetzen für sozialen Frieden zu sorgen. Damit die Profitmaximierung optimal vonstatten gehen kann. Der DGB und seine Gewerkschaften hatte mehr Mitbestimmung erwartet, war die Kapitalseite durch den Nationalsozialismus und den verlorenen Krieg doch sehr diskreditiert. Aber mehr kriegten sie nicht und fügten sich rasch in die ihnen zugedachte Rolle. Den Grundstein hatten die US-Amerikaner gelegt bei der Gründung der DGB-Gewerkschaften als antikommunistische und sozialpartnerschaftlich festgelegte Organisationen. Einer der wenigen höheren Gewerkschaftsfunktionäre, der dagegen rebellierte und eine stärkere Rolle für die Gewerkschaften im Staate reklamierte, war Victor Agartz. Trotz – oder wegen- seines hohen Ansehens und großer Anhängerschaft, machte er sich bei den DGB-Führern unbeliebt und wurde recht schnell kaltgestellt.

Diese Implementierung der Sozialharmonie klappte recht gut, weil die kapitalistische Klasse auf das gesetzliche Sozialpartnerschaftsgebot einging, weil sie sich davon Vorteile versprach. Sie setzte konkret der Einrichtung von Betriebsräten nichts entgegen sondern unterstützte sie häufig. War doch mit diesem Gesetz sowohl nach dem ersten als auch nach dem zweiten Weltkrieg Schlimmeres verhindert worden, nach dem ersten Weltkrieg beanspruchten wirkliche Räte die Macht im Staate und nach dem zweiten Weltkrieg waren Arbeiter in den Monaten nach der Kapitulation oft die einzigen Herren in der Fabrik, die Besitzer oder Manager waren untergetaucht und einige saßen auch im Gefängnis – vorübergehend.

Heute haben sich die Verhältnisse gewandelt: Vom Rheinischen Kapitalismus zum Neo-Liberalismus. In dieser Situation kündigen Teile des Kapitals die Sozialpartnerschaft auf und gehen zu direkten Methoden des Klassenkampfes über, holen sich Fertigmacher (Union-Buster) ins Haus. Sie verzichten bei ihrer Interessendurchsetzung auf die bisherige Methode der Sozialpartnerschaft und setzen gegenüber der Belegschaft auf Drohung, Einschüchterung und Angsterzeugung. Dadurch geraten aufrechte, kämpferische und selbstbewußte KollegInnen mit Gerechtigkeits- und Fairneßempfinden ins Schußfeld der Firmenleitung und Fertigmacher.

Aus diesen Abwehrkämpfen entsteht eine erneuerte Arbeiterbewegung! UnterstützerInnen können dabei nützlich sein, wenn sie, als oftmals älter und politisch und gewerkschaftlich Erfahrenere mit Rat und praktischer Hilfe zur Verfügung stehen!

Dieter Wegner
Aktiv bei: GewerkschafterInnen gegen Fertigmacher (Union Busting). Hamburg
(Wegner.Dieter@t-online.de externer Link)

Wir machen aufmerksam auf den workshop zum Thema: Fertigmacher/Union Busting:

++ AKTIV GEGEN FERTIGMACHER UND GEWERKSCHAFSFEINDE (UNION BUSTER) ++ JETZT SPRECHT IHR! ++ EIN WORKSHOP FÜR BETROFFENE UND ALLE DIE SICH SCHÜTZEN WOLLEN UND MÜSSEN! ++
Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg, ver.di-Jugend Hamburg und PRP Hamburg laden ein!
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir laden euch ein zur Teilnahme am Workshop „Aktiv gegen Fertigmacher und Union Buster“.
Zeitpunkt: Samstag, 7. Mai 2016 ab 14 Uhr bis ca. 20 Uhr
Ort: Curiohaus der GEW. Rothenbaumchaussee 15, 20148 Hamburg. Hofdurchgang. (5 Minuten entfernt von S-Bahn Dammtor)
Um Anmeldung wird wegen der Planbarkeit gebeten: (jourfixe.hh@t-online.de externer Link)
Siehe auch: http://www.chefduzen.de/index.php?topic=327879.msg316095#msg316095 externer Link