[Petition] Anerkennung von “Asozialen” und “Berufsverbrechern” als Opfer des Nationalsozialismus

"Sozialrassistische Verfolgung im deutschen Faschismus. Kinder, Jugendliche, Frauen als sogenannte »Asoziale« – Schwierigkeiten beim Gedenken" herausgegeben von Anne AlexDer Deutsche Bundestag soll die von der SS „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ genannten ehemaligen KZ-Häftlinge als Opfer des Nationalsozialismus anerkennen. Zwischen 1933 und 1945 wurden mehrere zehntausend Menschen durch Kriminalpolizei oder GeStaPo in die Konzentrationslager eingewiesen. Sie sind bis heute nicht als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt. Die von den Nazis als „Asoziale“ diskriminierten Menschen (z. B. Obdachlose, Wanderarbeiter, Bettler, „Arbeitsscheue“ oder „Landstreicher“) wurden als „Ballastexistenzen“ bezeichnet. In den KZ wurden sie durch ein schwarzes Stoffdreieck (den „Winkel“) auf der linken Brustseite der Häftlingskleidung gekennzeichnet. Sie sollten aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Mit einem grünen Winkel wurden solche Häftlinge gekennzeichnet, die von der Kriminalpolizei zu „Berufsverbrecherinnen“ und „Berufsverbrechern“ erklärt wurden. In den Augen der Nazis waren das Menschen, die durch vergangene Haftstrafen (z. B. wegen Diebstahls, Einbruchs, Abtreibung oder – tatsächlicher oder vermuteter – Zuhälterei, Prostitution oder auch in einigen Fällen wegen Gewaltdelikten) „bewiesen“ hätten, dass sie einen inneren Drang zu kriminellen Taten verspürten, dass sie nicht resozialisierbar seien. Straftaten zu begehen, wurde ihnen als charakterliche Eigenart oder angebliche Profession zugeschrieben. Sie wurden nach Verbüßung ihrer Strafhaft gegriffen, ohne weiteres Strafverfahren in die KZ gebracht. Tausende wurden ermordet…” Petition an den Deutschen Bundestag gestartet von Frank Nonnenmacher im Februar 2018 bei change.org externer Link mit der Bitte um Unterzeichnung. Siehe dazu:

  • [Interview] Anerkennung von “Asozialen” und “Berufsverbrechern” als Opfer des Nationalsozialismus New
    “Mehrere zehntausend Menschen wurden im Nationalsozialismus als “Asoziale” oder “Berufsverbrecher” in Konzentrationslager eingewiesen, wo sie einen schwarzen oder grünen Winkel auf der Kleidung tragen mussten. Weil sie nicht in die »deutsche Volksgemeinschaft« passten, wurden sie als „Ballastexistenzen“ bezeichnet und weg gesperrt oder sogar ermordet. Trotzdem findet bis heute kaum Gedenken an diese Menschen statt und sie sind bis heute nicht als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt. Eine Petition an den Bundestag will das nun endlich ändern, gestartet hat diese Petition Frank Nonnenmacher…” Interview von Saskia von Radio Corax mit Frank Nonnenmacher vom 1. März 2018 beim Audioportal Freier Radios externer Link Audio Datei (Audiolänge: 11:08 Min.)
  • »Niemand saß zu Recht im KZ« Kampagne fordert Anerkennung der »Asozialen« und »Berufsverbrecher« als Opfer des Nationalsozialismus 
    “Es sind die ignorierten Opfer des Nationalsozialismus: die »Asozialen« und »Berufsverbrecher«. Mehrere Zehntausend Menschen wurden in KZs ermordet, weil nicht in die »deutsche Volksgemeinschaft« gepasst haben. Eine Anerkennung hat bis heute aber nicht stattgefunden. (…) Auch soll an die Zeit nach dem Nationalsozialismus erinnert werden: Viele »Asoziale« wurden bis weit nach dem Kriegsende »verwahrt«. Die KZ-Haft gegen »Berufsverbrecher« galt nicht als spezifisch nationalsozialistisches Unrecht, sondern als »Kriminalpolitik mit anderen Mitteln«. Dies habe eine Aufarbeitung und Organisierung der Opfer erschwert. Bis heute gibt es keine offiziellen Interessengruppen. Allerdings: Im Jahr 2015 gründeten Künstler den »Zentralrat der Asozialen«. Die Gruppe versteht sich nicht als offizielles Sprachrohr, sondern will auf die vergessenen NS-Opfer aufmerksam machen – und die Kontinuitäten von Ausgrenzung deutlich machen. Denn: Bis heute werden sozialschwache und von Normen abweichende Menschen diskriminiert. Der Begriff »asozial« ist immer noch fest in der deutschen Sprache verankert. Auch die Historikerin Lieske beobachtet eine Zunahme von Sozialdarwinismus…” Beitrag von Niklas Franzen bei neues Deutschland online vom 24. Februar 2018 externer Link
  • [Interview] »Keine Vorzeigeopfer«
    Small Talk von André Anchuelo mit der Historikerin Dagmar Lieske vom 22. Februar 2018 bei Jungle World 2018/08 externer Link über die Anerkennung von »Asozialen« und »Berufsverbrechern« als NS-Opfer. “Was ist der Hintergrund der Petition? Es gibt bis heute Opfer des Nationalsozialismus, die nicht anerkannt sind, weder offiziell politisch noch in der Erinnerungskultur. Es handelt sich um Menschen, die die Nazis als »Asoziale« und/oder »Berufsverbrecher« bezeichneten. Wir haben uns damit seit einigen Jahren wissenschaftlich befasst. Es ist klar, dass die meisten aus dieser Gruppe nicht mehr leben. Es geht also nicht mehr so sehr um eine materielle Entschädigung für Überlebende, sondern um die Anerkennung dieser Gruppe, so dass weitere Forschung ermöglicht wird und eine Verankerung in der Erinnerungskultur stattfindet. Damit wenden wir uns zunächst an den Bundestag als politische Instanz, aber natürlich wollen wir dadurch auch eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Aspekt des Nationalsozialismus anregen…”