Bericht der Kommission "Arbeit der Zukunft": Arbeit transformieren!Wie stellt man sicher, dass aus technischer Innovation sozialer Fortschritt wird? Das hat die Experten-Kommission “Arbeit der Zukunft” erforscht. Siehe dazu Arbeit transformieren! Denkanstöße der Kommission »Arbeit der Zukunft« – die Rubrik zur Kommission “Arbeit der Zukunft” bei der HBS externer Link und den Abschlussbericht sowie weitere Informationen und erste Bewertungen:

  • Wie arbeiten wir in der Zukunft? Übernimmt die künstliche Intelligenz unsere Arbeitswelt? Ist die Maschine in Zukunft unser Kollege? Wie verteilen wir die Digitalisierungsdividende?
    Soziologin Prof. Dr. Kerstin Jürgens, Vorsitzende der Kommission „Arbeit der Zukunft“, über die Arbeitswelt von morgen. Kurzvideo der HBS bei youtube externer Link , dort weitere Videos der Kommission “Arbeit der Zukunft”
  • „Sabbatical für alle“ und andere Revolutionen. Eine gewerkschaftsnahe Kommission hat über die Arbeitswelt in Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung gebrütet. Viele der erarbeiteten „Denkanstöße“ werden Arbeitgebern nicht gefallen.
    “… Dieser Wandel muss nicht schicksalhaft über die Menschen kommen, meint die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung. Sie will die moderne Arbeitswelt mit Politik und Sozialpartnern gestalten. Die Stiftung hatte deshalb schon vor zwei Jahren die Kommission „Arbeit der Zukunft“ eingesetzt. 33 Experten aus Gewerkschaften, Wissenschaft, Ministerien und Unternehmen haben diskutiert, darunter die Soziologin Jutta Allmendinger, die Verdi-Vizevorsitzende Andrea Kocsis, VW-Konzernbetriebsrat Bernd Osterloh oder Steag-Arbeitsdirektor Alfred Geißler. Geleitet wurde das Gremium vom Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, und der Kasseler Arbeitssoziologin Kerstin Jürgens. (…) Die wichtigsten „Denkanstöße“ der Kommission (…) Die Kommission fordert in erster Linie, allen, die mehr arbeiten wollen, dies auch zu ermöglichen. Das gehe nur mit einem flächendeckenden Angebot für die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen. Auch sollte der Staat Anreize, in kurzer Teilzeit oder einem Minijob zu arbeiten, aufgeben. (…) Nicht unumstritten war in der Kommission, inwieweit sich die Lohnpolitik der Geringverdiener annehmen sollte. In der Regel zementiert die bei Tariferhöhungen meist praktizierte proportionale Lohn- und Gehaltserhöhung die Lohnungleichheit. Das ist anders, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften für untere Einkommensgruppen überproportionale Steigerungen aushandeln, etwa durch Sockel- oder Mindestbeträge. Diskutiert haben die Mitglieder auch über die Frage, ob der gesetzliche Mindestlohn, der sich heute an der Lohnentwicklung orientiert, nicht an andere Kriterien geknüpft werden sollte. So könnte seine Höhe politisch so festgelegt werden, dass ein langjährig zum Mindestlohn Beschäftigter im Alter auf jeden Fall eine Rente oberhalb der staatlichen Grundsicherung erhält. Auch eine Mindestarbeitszeit in Teilzeitverträgen, wie sie etwa in Frankreich gilt, ist denkbar, um auch Teilzeitbeschäftigten zu einem auskömmlichen Einkommen zu verhelfen…” Artikel von Frank Specht vom 29.06.2017 beim Handelsblatt online externer Link
  • Teilzeit als neue Norm: Die Hans-Böckler-Stiftung macht Vorschläge, wie der fundamentale Wandel der Arbeitswelt zu meistern ist
    Wer über die Arbeit der Zukunft nachdenkt, hat unweigerlich Bilder im Kopf: von leeren Werkhallen, in denen Maschinen scheinbar autonom produzieren, von weltweit online vernetzten Menschen, von Robotern, die beim Putzen helfen oder alten Menschen den Löffel zum Mund führen. Wer von der Kommission »Arbeit der Zukunft« Szenarien dieser Art erwartet hat, wird enttäuscht. Die 32 Mitglieder aus Wissenschaft und Gewerkschaften, aber auch aus Wirtschaft und Ministerien, die von der Hans-Böckler-Stiftung beauftragt wurden, den Wandel der Arbeitswelt zu untersuchen, schauen weder nur auf Technologien – »man muss auch sozialen Fortschritt mitdenken« –, noch haben sie Lust, den vielen Zukunftsbildern ein weiteres hinzufügen. Fast haben sie Angst davor, denn Szenarien sind wirkmächtig, sagt die Kommissionsvorsitzende Kerstin Jürgens, Professorin für Mikrosoziologie an der Universität Kassel. »Sie machen den Menschen Angst.« Und sie können zu Fatalismus führen. (…) Es sind viele bekannte Themen, die in dem 250 Seiten starken Abschlussbericht behandelt werden: Arbeitszeit, existenzsichernde gerechte Einkommen, Qualifizierung, Gesunderhaltung. Er verabschiedet das »Normbild Vollzeitbeschäftigung« und das Bild des »männlichen Alleinernährers« und erhebt das Teilzeitmodell zur neuen typischen Beschäftigungsform – sozial und rechtlich abgesichert. Die Kommission liefert Denkanstöße, wie die Pflege von Angehörigen erleichtert werden kann und wirbt für das Recht auf eine »begründungsfreie Auszeit« vom Erwerbsleben. Noch sind solche Lebensphasen ein Privileg für Besserverdienende. Damit das nicht so bleibt, müsse der Staat – analog zum Elterngeld – Lohnersatzleistungen zahlen, gegebenenfalls gestaffelt nach Einkommen…” Beitrag von Ines Wallrodt bei neues Deutschland vom 29. Juni 2017 externer Link