Beitrag von Alwin Altenwald vom 26.4.2017 – quasi ein wahres Wort zum 1. Mai…

Gewerkschafter: Nicht Arschkriecher, sondern Arschtreter!Mit Wut und Ärger nehmen wir wahr, daß die IGM Frau Nahles um das Mehrfache übertrumpft und Befristungen für LeiharbeiterInnen für 48 Monate zustimmt externer Link. Schon vor einigen Monaten hat die IGM durch einen Tarifvertrag mit den Leiharbeitnehmer-Verbänden „gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit“ verhindert.
Damit zeigen sich unsere Gewerkschaftsführungen erneut als Vertiefer der Spaltungen in den Belegschaften. Und nach außen hin propagieren sie „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ und daß Leiharbeit nur für Auftragsspitzen gelten solle! Im Alltagsgeschäft mit dem Kapital sind sie dann willfährig und verkaufen das noch als Erfolg!
Wir aber brauchen Einigkeit und Stärke an der Basis gegen die zunehmenden Zumutungen und Angriffe des Kapitals auf unsere Arbeits- und Lebensbedingungen.

In den sich häufenden Fällen von Union Busting (das gezielte Fertigmachen von aktiven und unliebsamen KollegInnen) erhalten diese höchstens Rechtsschutz, politisch werden sie allein gelassen: Der DGB nimmt den Fehdehandschuh von Teilen des Kapitals nicht auf, der ja sogar eine Aufkündigung der Mitbestimmung und Sozialpartnerschaft beinhaltet.

Die in der “Hamburger Aufforderung” geforderte Einrichtung einer zentralen Meldestelle für „Union Busting Fälle“ und die Einrichtung einer task-force zur Unterstützung der Hauptamtlichen vor Ort passiert nicht. (http://www.work-watch.de/2016/05/gemeinsam-gegen-union-busting-hamburger-aufforderung/ externer Link)

Die Haltung der IGM kam am krassesten zum Ausdruck durch die ehemalige Hamburger IGM-Vorsitzende Jutta Blankau, die in einer IGM-Broschüre mehr Aufträge in der Rüstungsindustrie forderte. (Besser hätte es die Rüstungsindustrie selber nicht formulieren können!) Nach dem Motto: Sichere und gute Arbeit für deutsche Arbeit, Tod und Elend für die Menschen der „dritten“ Welt. (Hier der link zu Blankau-Broschüre: https://www.igmetall.de/0170171_Branchenreport%2011-2010_bf1583136edf598bfc374a2da76c49cf85ddba1e.pdf externer Link )

Was für ein Unterschied schon in der Sprache der DGB-Gewerkschaften und der in Leiharbeit Befindlichen: DGB-Gewerkschaften (wie auch die Verleiher und der Gesetzgeber und die Beschäftiger) gebrauchen scheinbar sachlich-neutral die Begriffe „Leiharbeitnehmer“, „Zeitarbeitnehmer“, die Opfer selbst sprechen von Sklavenarbeit und Sklavenhändlern. Die Gewerkschaftsführungen stimmen der Leiharbeit ja zu und wollen sie gestalten. Ein Leiharbeiter sehr drastisch dazu: Scheiße zu gestalten heißt, wir haben gequirlte Scheiße!

Die Opfer der Leiharbeit fordern seit je her: Abschaffen statt gestalten!

Was machen wir gegen die eingeschworenen Sozialpartner an der Spitze unserer Gewerkschaften?
Aus Wut und Protest austreten? NEIN! Im Gegenteil: Alle KollegInnen sammeln, die aus unseren Gewerkschaften schlagkräftige Organisationen machen wollen!

Wir verstehen, daß viele KollegInnen sich zurückziehen, austreten oder einzelne sich gar AidA und AVG anschließen. Was nicht gern benannt wird und erst recht nicht hinterfragt wird: Warum ist der Anteil der AfD-Wähler bei Gewerkschaftsmitgliedern deutlich höher als bei den Normalos?! Eigentlich sollte es doch genau umgekehrt sein! In ihrem dumpfen Antikapitalismus aber suchen auch viele Gewerkschaftsmitglieder dort Stärke und wirkliche Opposition.
Hier ein guter Artikel zu AfD, AVA, AidA von Elmar Wigand von aktion./.arbeitsunrecht:
https://arbeitsunrecht.de/afd_das-neue-rot-der-arbeiter-ist-blau/

Früher hieß es in DGB-Kampagnen: Samstags gehört Pappi mir! Heute praktiziert verdi: Samstags gehört Mammi der Deutschen Bank!

Verdi hat gerade der Samstagsarbeit bei der Deutschen Bank zugestimmt! Und es ist auch kein Wunder, wenn die IGM das Treffen der „G 20“ in Hamburg begrüßt! Und DGB-Gewerkschaften TTIP und CETA zustimmen!

Was ist zu tun?

Erstmal müssen wir die Partnerschaftspolitik der DGB-Gewerkschaften mit dem Kapital an Einzelbeispielen benennen und skandalisieren. Nach dem Motto von Rosa Luxemburg: Zu sagen was ist, ist die revolutionärste Tat!

Eines von beiden geht nur: Partner von Kapital und Staat zu sein oder wirklicher Vertreter der Mitglieder! Auch Gewerkschaftsführer, blicken auf kleine Gewerkschaften herab, die offensichtlich Firmenleitungen gegenüber hörig sind, und nennen diese „gelbe Gewerkschaften“. Wenn man die Praxis unserer Gewerkschaften betrachtet und erleidet, bekommt man den Eindruck, daß die Führungen und Teile des Apparates auch schon unter Gelbsucht leidet.

Alle Mitglieder, die von der Gelbsucht ihrer Führungen die Schnauze voll haben, müssen sich vernetzen und sich organisieren! Ohne organisieren und bewußten aktiven Widerstand leisten bleiben die Gelben immer auf ihrem Herrschaftsthron.

Karl Liebknecht würde heute wohl abgewandelt sagen: Der Hauptfeind steht im eigenen Lager! Denn ein Feind in den eigenen Reihen ist ein naher und gefährlicherer Feind.

Und Rosa Luxemburg hat 1916 schon klar ausgedrückt: Während der „innere Feind“ der Arbeiterklasse, die kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung, geblieben ist, haben die Führer der Arbeiterklasse, Sozialdemokratie und Gewerkschaften, in patriotischer Großmut die Arbeiterklasse diesem Feinde für die Dauer des Krieges kampflos ausgeliefert.Aus: Die Krise der Sozialdemokratie. 1916. (GW 4, S. 124)

Zum Begriff „gelbe Gewerkschaften“: https://de.wikipedia.org/wiki/Gelbe_Gewerkschaft externer Link. Die Beschreibung bei wikipedia paßt wie Faust aufs Auge auf den DGB, bis auf die Feststellung, daß die gelben Gewerkschaften vom Unternehmen selbst bezahlt werden. Das ist beim DGB noch nicht so: Noch bezahlen die Mitglieder. Um ganz präzise zu sein: gelbsüchtig sind die Gewerkschaftsvorstände und Teile des Apparates. Die Basis gerät immer mehr in Konflikt zu den Arbeitgebern und damit zu ihren gelben Gewerkschaftsführern, die sich gegenüber Kapital und Staat verpflichtet haben für sozialen Frieden zu sorgen.