Die Opfer des Wirtschaftswunders: Wie Asbest auch heute noch tausende Menschen tötet

danger asbestos!Recherchen von BuzzFeed News Deutschland zeigen: Industrie und Politik haben über Jahrzehnte dafür gesorgt, dass weiter Menschen an dem tödlichen Stoff sterben – bis heute. Asbest ist der Killer Nummer eins unter den Berufskrankheiten. Keiner tötet mehr. Es geht um hunderttausende Menschen. Menschen, die unter anderem unsere Häuser gebaut und unsere Dächer gedeckt haben, die unsere Bremsen am Auto gewechselt und unsere Bäder gefliest haben. Menschen, die Deutschland zu einem der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt gemacht haben. Auch danke Asbest, denn Asbest war überall. Mit Asbest wurde Deutschland aufgebaut. Nun sind diese Menschen krank. Weil sie über Jahrzehnte hinweg in ihren Berufen mit Asbest in Kontakt gekommen sind – bis es 1993 verboten wurde. Jedes Jahr sterben Tausende von ihnen an den Folgen. Obwohl schon vor mehr als hundert Jahren klar war, wie gefährlich Asbest ist. Obwohl Asbest seit einem Vierteljahrhundert in Deutschland verboten ist. Bis heute kämpfen viele dieser Betroffenen vergeblich um ihre Entschädigung. Wie kann das sein? Das wollte ein Rechercheteam für BuzzFeed News Deutschland herausfinden. Und hat jahrelang recherchiert. In vertraulichen Akten. Bei Opfern, Anwälten, Wissenschaftlern. Bei Behörden und in Archiven. In ganz Deutschland. Wir hatten keine Ahnung, wie viel Sprengstoff in diesem Thema steckt. Wir dachten: Asbest, das sei vorbei, ein Thema der Achtziger, mit dem bestenfalls unsere Eltern etwas zu tun hatten. Weit gefehlt. Wir fanden heraus, wie Industrie und Politik bis heute gemeinsam dafür sorgen, dass sterbende Menschen nicht entschädigt werden. Wie mit viel Geld auch Wissenschaftler und Gutachter gekauft wurden. Wie viele Opfer und Angehörige vor Gericht keine Chance haben gegen die reiche und mächtige Industrie-Lobby. Wie bis heute Menschen vor Gericht scheitern, die eigentlich entschädigt werden müssten. Wie wir alle dafür bezahlen, jeden Tag. Und wie in Zukunft noch mehr Menschen sterben könnten – auch an Asbest…” Artikel von Daniel Drepper und Bettina Dlubek vom 8. März 2019 bei BuzzFeed Deutschland externer Link – siehe dazu:

  • Wie Wissenschaftler das Asbest-Problem kleinrechnen New
    Bis heute haben Opfer des lebensgefährlichen Baustoffs Probleme, eine Entschädigung zu erhalten. Über zweifelhafte Verbindungen zwischen Forschung und Berufsgenossenschaften (…) Bis zu 60 Jahre können vergehen, bis Asbest krank macht. Daher wächst die Zahl der jährlichen Asbesttoten immer weiter, 1600 zählte bereits die offizielle Statistik im Jahr 2017. Wie lange das noch weitergeht, weiß niemand. Tückisch für die Betroffenen: Sie kommen gerade wegen der langen Latenzzeit zwischen Belastung und Krankheit selten zu ihrem Recht. Dabei hätten diejenigen, die durch ihre Arbeit krank wurden, einen Anspruch gegen ihre Berufsgenossenschaft (BG). Aber eine Rente oder Entschädigung erhalten die wenigsten. Und während die Anzeigen asbestbedingter Berufskrankheiten seit 20 Jahren in die Höhe schnellen, zuletzt waren es knapp 10 000, gehen immer mehr Menschen leer aus. Besonders extrem ist das beim “asbestverursachten Lungenkrebs”: Dort ist die Anerkennungsrate von früher 90 Prozent auf zuletzt 16 Prozent gefallen…” Artikel von Christina Berndt und Johannes Ludwig vom 17. März 2019 bei der Süddeutschen Zeitung online externer Link