Dossier

"Metall- und Elektro-Arbeitgeber: Sie wollen Profit. Wir wollen Wachstum" (IG Metall 2016). Foto: Wolfgang Schaumberg

Plakat der IG Metall zur Metall-Tarifrunde 2016 – siehe Kommentar von Wolfgang Schaumberg im Beitrag

In den nächsten Wochen diskutieren die IG Metall-Mitglieder und Vertrauensleute die Forderungen in den Betrieben und in den regionalen IG Metall-Geschäftsstellen. Auf Grundlage der regionalen Debatten wird der Vorstand der IG Metall am 10. Oktober seine Forderungsempfehlung abgeben. Die Tarifkommissionen werden sich am 24. Oktober treffen, um das Forderungspaket zu beschließen. Diese werden schließlich vom IG Metall-Vorstand bestätigt. Mitte November starten dann die Verhandlungen in den einzelnen Tarifgebieten. Am 31. Dezember endet die sogenannte Friedenspflicht. Ab dem 1. Januar 2018 sind dann Warnstreiks zulässig. Siehe zuletzt die Tarifrunde 2016 und zum Hintergrund das Dossier: IG Metall: Für eine neue Arbeitszeitkultur – Kampagne “Mein Leben – meine Zeit”. Hier konkret zur Tarifrunde:

  • IG Metall-Vorstand empfiehlt Forderung für Metall-Tarifrunde: 6 Prozent plus individueller Anspruch auf kürzere ArbeitszeitNew
    Für die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie empfiehlt der Vorstand der IG Metall eine Forderung von 6 Prozent mehr Geld für eine Laufzeit von 12 Monaten und eine Wahloption zur Absenkung der Arbeitszeit: In allen Tarifgebieten in Ost und West sollen IG Metall Mitglieder zukünftig einen individuellen Anspruch erhalten, ihre Arbeitszeit ohne Begründung für zwei Jahre auf bis zu 28 Stunden in der Woche absenken zu können. (…) Eine Forderung von 6 Prozent sei angesichts des ungebrochenen Wachstums und vollen Auftragsbüchern auch und gerade in der Automobilbranche angemessen, um die Beschäftigten am Erfolg zu beteiligen. Sie hätten unter anderem mit ihrer Bereitschaft zu flexibleren Arbeitszeiten zu diesem Erfolg beigetragen. Diese Bereitschaft erweise sich aber zunehmend als einseitige Veranstaltung auf Kosten der Gesundheit und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. (…) In bestimmten Fällen sollen IG Metall-Mitglieder einen Zuschuss erhalten, wenn sie ihre Arbeitszeit verkürzen. Das soll für Schichtarbeit und andere belastende Arbeitszeitmodelle gelten, wenn die Arbeitszeit um mindestens fünf Tage im Jahr verkürzt wird. Auch Mitglieder, die Kinder unter 14 Jahren betreuen oder Familienangehörige pflegen, sollen einen Zuschuss bekommen, wenn sie ihre wöchentliche Arbeitszeit um 3,5 oder mehr Stunden reduzieren. Der Zuschuss soll es auch Mitgliedern mit weniger Entgelt ermöglichen, die Wahloption für Gesundheit, Pflege und Betreuung zu nutzen. (…) Der IG Metall-Vorstand will über die Forderung hinaus drei weitere Ziele erreichen: Die Wahloption auf Arbeitszeitreduzierung soll mit Personalausgleich umgesetzt werden. (…) Die IG Metall will zudem eine Verhandlungsverpflichtung zur Angleichung der Arbeitszeiten und Entgelte im Osten erreichen. (…) Außerdem sollen Auszubildende und dual Studierende vor Prüfungen einen Tag bezahlt frei bekommen…” Meldung vom 10.10.2017 externer Link – am 24. Oktober beschließen die Tarifkommissionen endgültig über die Tarifforderung
  • Tarifrunde: Finger weg von der Arbeitszeit! New
    Es ist nicht zu fassen: Die Kapitalisten und ihre Frau Nahles blasen zum Sturm auf unsere Arbeitszeiten und auf das Arbeitszeitgesetz (AZG) und die IG Metall spielt das große Arbeitszeit-Wunschkonzert. (…) Die Kapitalisten verlangen ge-rade ganz aktuell längere Arbeitszeiten. Sie verlangen die Pflicht zu Überstun-den. Sie verlangen Samstags- und Sonntagsarbeit, eine Kürzung der Pausen, einen zusätzlichen Qualitag aus Deinem Arbeitszeitkonto, Gruppengespräche in unserer Freizeit…. Die durchschnittliche Arbeitszeit liegt schon heute bundesweit bei rund 43 Stunden; es gibt mehr unbezahlte, als bezahlte Überstunden, nämlich fast eine Milliarde! Das steht in jeder Zeitung, aber unsere IG Metall, statt den Streik für die 30-Stundenwoche zu organisieren, macht Fragebogenspielchen. Jeder darf sagen, was er sich wünscht und entsprechend soll dann ein Flickenteppich den einheitlichen Tarifvertrag und das Arbeitszeitgesetz ersetzen. (…) Und so soll sie laufen, die Tarifrunde: Eine Geldforderung und noch mehr Flexibilität in der Arbeitszeit. 28 Stundenwoche, mit und ohne Lohn-ausgleich. Dafür bietet die IGM auf der anderen Seite eine Erhöhung der 40-Stundenverträge auf 30% oder mehr an. Die Unternehmer reiben sich die Hände, sie haben noch einiges mehr in petto, wie etwa die Aufhebung der 11 Std. Ruhezeit, die Aufhebung der Grenzen der Arbeitszeit, der Altersabsicherung, usw. Da lassen sie schon mal ein paar mehr Cent Lohn springen, um das zu erreichen. Für uns bedeutet das: Keine einheitliche Forderung mehr, jeder darf – wenn überhaupt – für seine individuellen Wünsche auf die Strasse gehen. Ein Streik wird fast unmöglich, einheitlicher Manteltarifvertrag ade. Im Ergebnis ist das ein weiterer Schritt zur Selbstzerstörung unserer Gewerkschaft und der muss unverzüglich gestoppt werden…” Aus dem Flugblatt vom September 2017 , geschrieben, verteilt und finanziert von Vertrauensleuten und Betriebsräten des Daimler-Werkes Bremen.
  • Neue IG-Metall-Forderung 28-Stunden-Woche – wertvoller als Geld New
    Zum ersten Mal seit Jahrzehnten droht in der Metallbranche echter Streit. Die IG Metall “spielt mit dem Feuer”, drohen die Arbeitgeber. Denn die Gewerkschaft fordert etwas Wertvolleres als Geld: Freizeit. (…) Diesmal geht es der IG Metall nicht um kürzere, sondern um flexiblere Arbeitszeiten. Auf den ersten Blick wirken die Forderungen, die der Vorstand der IG Metall an diesem Dienstag absegnen wird, eher bescheiden. (…) Dass die Arbeitgeber trotzdem so gereizt sind, zeigt, wie sensibel das Thema Arbeitszeit für sie ist. Selbst stattliche Lohnforderungen würden sie wohl gelassener hinnehmen. (…) Ein weiterer Befund der Befragung: Die hart erkämpfte 35-Stunden-Woche existiert fast nur noch auf dem Papier: 78 Prozent der Arbeitnehmer in der Metallbranche arbeiten in Wirklichkeit länger – ein Großteil von ihnen hätte aber gern eine echte 35-Stunden-Woche. Gut möglich, dass deshalb eine andere Forderung der IG Metall die Arbeitgeber noch mehr beunruhigt als die 28-Stunden-Woche: dass der vor 33 Jahre so hart erkämpfte 35-Stunden-Tarifvertrag endlich eingehalten wird.” Artikel von Florian Diekmann vom 09.10.2017 beim Spiegel online externer Link
  • Höchste Zeit für Visionen. IG-Metall-Vorstand berät Tarifforderung New
    “… Fast 34 Jahre nach dem großen Streik in der Metall- und Druckindustrie der BRD zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche ist es höchste Zeit, wieder Visionen und konkrete Perspektiven einer Umverteilung von Arbeit zu entwickeln. Doch die nun diskutierten Forderungen sind keineswegs der nötige Neustart in der gewerkschaftlichen Arbeitszeitpolitik. Der von der IG-Metall-Spitze verfolgte Ansatz greift bei weitem zu kurz. Die Arbeitszeiten sollen nicht kollektiv und dauerhaft, sondern individuell und vorübergehend herabgesetzt werden. (…) Für Gewerkschaften war es dennoch stets entscheidend, kollektive und zugespitzte Forderungen zu entwickeln und gemeinsam durchzusetzen. Die Individualisierung tariflicher Regelungen schwächt tendenziell die gewerkschaftliche Durchsetzungsfähigkeit. Es braucht eine einheitliche Klammer. Eine solche könnte auch heute die kollektive Verkürzung der Arbeitszeiten sein – freilich bei vollem Lohnausgleich, denn sonst können sich viele Kollegen das schlicht nicht leisten. Die Gewerkschaften könnten zunächst beispielsweise für zusätzliche freie Tage streiten, weil diese schwerer durch Arbeitsverdichtung kompensiert werden können als die stundenweise Reduzierung der Wochenarbeitszeit…” Kommentar von Daniel Behruzi in der jungen Welt vom 09.10.2017 externer Link
  • Knallharter Kampfruf des IGM-Vorstandes zur Metall-Tarifrunde: “Metall- und Elektro-Arbeitgeber: Sie wollen Profit. Wir wollen Wachstum” (IG Metall 2016) 
    Da drehte mein altes Metaller-Herz fast vor Begeisterung durch, als ich vor der letztjährigen Tarifrunde im Frankfurter Hauptbahnhof am 16.4.16 dieses Foto schoss!  Ihr Arbeitgeber wollt immer nur mehr Profit! Wir aber wollen Wachstum! Ihr denkt ja nur an Euch, wir aber an Wachstum, und zwar, genau, der Deutschen Wirtschaft! Und wenn es der gut geht, geht es ALLEN gut! Jetzt startet wieder die Tarifrunde. Hoffentlich bald auf allen deutschen Bahnhöfen: IGMetall für Wachstum statt Profit! 3,6 Millionen Metall-Beschäftigte, auf in den Kampf! Möglichst um 5% Wachstum!  Rote Mütze auf, rote Pfeife in den Mund, und knallhart auf zum Warn-Streik! – Dabei aber nie die Worte des Betriebsratsvorsitzenden von VW, dem IGM-Kollegen Osterloh, vergessen: „Nur wenn es dem Unternehmen gut geht, geht es auch der Belegschaft gut!“” Kommentar von Wolfgang Schaumberg vom 16.9.2017
  • [NRW] Metaller wollen 6 Prozent mehr
    “Rund sechs Prozent mehr Geld – diese Tarifforderung empfiehlt die Tarifkommission der IG Metall NRW dem IG Metall-Vorstand für die Metalltarifrunde 2018. Außerdem sollen alle IG Metall-Mitglieder das Recht haben, bis zu zwei Jahre ihre Wochenarbeitszeit auf bis zu 28 Stunden zu reduzieren. Dabei soll der Einkommensverlust ganz oder teilweise vom Arbeitgeber ausgeglichen werden – wenn die Arbeitszeit wegen belastender Arbeitszeiten wie Schichtarbeit verringert werden soll, wegen Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen. An dritte Stelle steht die Forderung nach einem freien Tag vor jeder Abschlussprüfung für die Auszubildenden. Das hat die nordrhein-westfälische Tarifkommission der IG Metall am 14. September im IG Metall-Bildungszentrum Sprockhövel für die Metall- und Elektroindustrie beschlossen. Der neue Tarifvertrag soll am 1. Januar 2018 in Kraft treten…” Mitteilung der IG Metall Nordrhein-Westfalen vom 18. September 2017 externer Link
  • IG Metall startet Debatte um mehr Geld und Zeit
    Die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie ist gestartet. Die gewählten Tarifkommissionen der Tarifgebiete haben die Debatte um die Forderungen der IG Metall eröffnet und ihre Vorschläge ausgesprochen: Mehr Geld. Und Wahlmöglichkeiten für Beschäftigte für eine vorübergehend verkürzte Arbeitszeit. Darüber diskutieren nun die Mitglieder und Vertrauensleute der IG Metall in den Betrieben. Eine deutliche Entgelterhöhung. Und ein Anspruch auf “kurze Vollzeit”, der Beschäftigten die Wahlmöglichkeit geben soll, ihre Arbeitszeit auf zwei Jahre befristet auf bis zu 28 Stunden in der Woche zu verkürzen. So lauten die Vorschläge der Tarifkommissionen der IG Metall für die weitere Diskussion der Forderung für die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. Für die Entgelterhöhung haben die Tarifkommissionen einen Rahmen um die 6 Prozent diskutiert…” Pressemitteilung der IG Metall vom 15. September 2017 externer Link

  • Tarifrunde Metall: Ein bunter Blumenstrauß ohne gemeinsames Ziel 
    Kollege Hoffmann hatte auf der Arbeitszeitkonferenz im Juni mit ca. 800 TeilnehmerInnen, einen Strauß verschiedenster Arbeitszeitforderungen  vorgeschlagen. Von einem Kampf um die Angleichung der Arbeitszeit im Osten der Republik an die (leider nur noch nominell!) im Westen geltenden 35-Stundenwoche über eine Auseinandersetzung um einen individuellen Anspruch auf eine kürzere  Arbeitszeit (bis zu 28 Stunden) mit Teil-Entgeltausgleich, bis zu einer arbeitszeitliche Entlastung für SchichtlerInnen und KollegInnen, die Kinderbetreuung oder  Pflegeaufgaben wahrnehmen wollen. Arbeitszeitverlängerungen sollen begrenzt, der Einfluss des Betriebsrates auf die Arbeitszeiten soll gestärkt werden. Abgesehen davon, dass die letztgenannte Forderung auf dem ersten Blick sehr gut aussieht, auf dem zweiten Blick aber die große Gefahr einer Steigerung der Abhängigkeit der Umsetzung von tarifvertraglich vereinbarte Regelungen vom jeweiligen betrieblichen Kräfteverhältnis zwischen Lohnarbeit und Kapital in sich birgt, sind die   vorgeschlagenen Arbeitszeitforderungen für unterschiedliche Beschäftigtengruppen durchaus verständlich. Aber – alle zusammen leiden unter einem großen Manko: Die einzelnen Formen der Arbeitszeitverkürzung sollen auf die Interessen unterschiedlicher Beschäftigungsgruppen eine Antwort geben, was aber der Entstehung einer einheitlichen Unterstützungsfront dafür (d.h die Kampfkraft der IGM in der Auseinandersetzung) sehr behindern würde. Eine erfolgreiche Verhandlung und Durchsetzung wird damit fast unmöglich. (…) Ob der Vorstand sich diese Befürchtung bzw. Kritik zu Herzen nehmen wird, ist vor dem Hintergrund der am Anfang der Arbeitszeitdebatte gemachten deutlichen Absage an eine radikale Arbeitszeitverkürzung (30-Stundenwoche beim vollen Lohn- und Personalausgleich) für alle, zweifelhaft. Auch die allgemeine Tarifpolitik der IGM in den letzten 15 Jahren (Vermeidung von Flächenstreiks, sondern nur noch Warnstreikwellen), d.h. Vermeidung eines großen Konfliktes mit den Metallindustriellen, lässt die Hoffnung auf eine entsprechende Konfliktbereitschaft der IGM-Spitze nicht allzu groß werden. Im Gegenteil, die ganze Herangehensweise des Vorstandes, deutet auf eine „gemäßigte“ Tarifrunde hin, in dem für wenige Beschäftigtengruppen der Metall/Elektrobranche vielleicht etwas herausgeholt werden kann, andere aber auf eine nächste Tarifauseinandersetzung vertröstet werden müssen…” Beitrag von Christiaan Boissevain, IGM-BR, Münchner Gewerkschaftslinke, im Netzwerkinfo der Gewerkschaftslinken Nr. 65 vom September 2017

Siehe zum Hintergrund: