Dossier

"Metall- und Elektro-Arbeitgeber: Sie wollen Profit. Wir wollen Wachstum" (IG Metall 2016). Foto: Wolfgang Schaumberg

Plakat der IG Metall zur Metall-Tarifrunde 2016 – siehe Kommentar von Wolfgang Schaumberg im Beitrag

In den nächsten Wochen diskutieren die IG Metall-Mitglieder und Vertrauensleute die Forderungen in den Betrieben und in den regionalen IG Metall-Geschäftsstellen. Auf Grundlage der regionalen Debatten wird der Vorstand der IG Metall am 10. Oktober seine Forderungsempfehlung abgeben. Die Tarifkommissionen werden sich am 24. Oktober treffen, um das Forderungspaket zu beschließen. Diese werden schließlich vom IG Metall-Vorstand bestätigt. Mitte November starten dann die Verhandlungen in den einzelnen Tarifgebieten. Am 31. Dezember endet die sogenannte Friedenspflicht. Ab dem 1. Januar 2018 sind dann Warnstreiks zulässig. Siehefür aktuelle Berichte den Tarifticker externer Link und bei uns zuletzt die Tarifrunde 2016 sowie zum Hintergrund das Dossier: IG Metall: Für eine neue Arbeitszeitkultur – Kampagne “Mein Leben – meine Zeit”. Hier konkret zur Tarifrunde:

  • Konzerne provozieren. Bei den Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie stellen die Unternehmen Gegenforderungen. Gewerkschaft bereitet Warnstreiks vor New
    In der Tarifrunde für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie deutet sich eine Eskalation an. Zwar haben die Unternehmer in der vergangenen Woche bereits in der zweiten der regional geführten Verhandlungsrunden ein Angebot vorgelegt. Die überall gleichlautende Offerte beinhaltet Lohnerhöhungen von zwei Prozent in 15 Monaten sowie eine Einmalzahlung von 200 Euro. Jedoch liegt das nicht nur weit unter der Gewerkschaftsforderung von sechs Prozent mehr Geld. Die Konzerne verknüpfen das Angebot auch mit dem Verlangen nach weitreichender Flexibilisierung und individueller Verlängerung der Arbeitszeiten. (…) Gemessen an den sonst üblichen Tarifritualen kommt diese erste Lohnofferte sogar recht früh. Was die Metaller auf die Palme bringt, ist die provozierende Haltung der Konzerne in Sachen Arbeitszeit. Über die Forderung der IG Metall, den Beschäftigten einen Rechtsanspruch auf eine vorübergehende Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 28 Stunden einzuräumen, möchten die Firmen nur verhandeln, wenn die Gewerkschaft den geforderten Teillohnausgleich aufgibt. (…) Letztlich geht es ihnen darum, die Arbeitszeiten noch stärker an die Marktschwankungen anzupassen – das wäre das Gegenteil dessen, was die IG Metall erreichen will. (…) [Warnstreiks im Januar] Dann wird sich zeigen, wieviel Rückhalt die Gewerkschaft für ihr Vorhaben hat. Das Problem könnte sein, dass ein Teil der Beschäftigten – insbesondere unter jüngeren Angestellten – tatsächlich gerne länger arbeiten und mehr verdienen würde. Da die IG Metall die Möglichkeit zur individuellen Arbeitszeitverkürzung fordert, könnte dies die unterschiedlichen Interessenlagen in den Belegschaften zum Vorschein bringen…” Zwischenstand von Daniel Behruzi in der jungen Welt vom 12.12.2017 externer Link
  • Netzwerkinfo der Gewerkschaftslinken: Tarifrunde Metall: Wohin geht der Weg? New
    “… Das ganze Vorgehen lässt darauf schließen, dass der Führung klar war, dass sie irgendwann an dem Thema Arbeitszeitverkürzung nicht mehr vorbei kommt. Die Verträge sind seit Jahren kündbar. Will sie Ruhe an dieser Front, muss sie sie jetzt neu aushandeln und dann mit langer Laufzeit die Manteltarife zumachen, die die Arbeitszeiten regeln. Dazu hat sie sich eine Forderung ausgedacht, die dem Kapital nicht wirklich weh tut – so sehr sie jetzt auch heulen. Auch das gehört zum Ritual einer Tarifrunde. Die Gefahr besteht, dass mit solch einem Vorgehen allgemeine Arbeitszeitverkürzungen für alle für lange Zeit nicht mehr eingefordert werden können, da der Manteltarif nicht kündbar ist. Ein Desaster, kommt doch mit der Digitalisierung und Industrie 4.0 eine Welle von Arbeitsplatzabbau auf uns zu. (…)  Ganz anders als die Arbeitszeitforderung wurde die Entgeltforderung sehr schnell durchgedrückt ohne viel Zeit zur Diskussion. Es ist jetzt schon zu befürchten, dass jeglicher „Erfolg“ bei der Arbeitszeit auf das Lohnergebnis angerechnet werden dürfte, das zugleich – wie zuletzt üblich – mit Laufzeit und mehreren Stufen so gestaltet werden dürfte, dass es kaum nachzurechnen geht. (…) Zwei Pfeile haben die Spitzen-BürokratInnen noch im Köcher, um den Kampf für diese Forderung [Forderung aus dem Osten, die 35-Stunden-Woche endlich wieder anzugehen] zu unterlaufen: Ein schneller Abschluss: Die Laufzeit für die 38 Stunden in BBS endet ein halbes Jahr später als die Kündigungsfristen der Manteltarifverträge, die auch die Arbeitszeit regeln. Deren Kündigungsfristen hat die IG Metall jetzt gemeinsam mit Gesamtmetall noch harmonisiert – ausdrücklich ohne BBS. Ein schneller Abschluss ließe BBS allein im Regen stehen. Spaltung: Natürlich ist der Druck bei den Autoherstellern BMW, Porsche und VW höher als in anderen Betrieben im Osten. Jetzt lanciert der Vorstand eine „betriebliche Lösung“ bei der dortigen Arbeitszeit – und würde damit die Tarifeinheit zerstören, indem die kampfkräftigsten Belegschaften Verbesserungen erhalten und die anderen im Stich gelassen werden. Beides gilt es zu verhindern. Die Tarifrunde 2018 birgt durchaus politische Sprengkraft vor dem Hintergrund einer neuen Regierung und des Kampfes um die 35-Stundenwoche im Osten. Können wir im Osten Arbeitszeitverkürzungen durchsetzen, kann dies Ausstrahlen auf andere Branchen und andere Bundesländer und neuen Schwung bringen in eine Bewegung für allgemeine Arbeitszeitverkürzungen – hin zur 30-Stundenwoche bei vollem Entgelt- und Personalausgleich.” Beitrag des  Zukunftsforum Stuttgarter Gewerkschaften im Netzwerkinfo der Gewerkschaftslinken Nr. 66 vom Dezember 2017
  • Tarifrunde Metall: Ritual oder Mobilisierung? 
    Natürlich hat die Befragung der IG Metall-Spitze aber auch Zustimmung zu ihrer Forderung nach einer „verkürzten Vollzeit“ ergeben. Die grundlegenden Probleme der Beschäftigten werden damit jedoch nicht angegangen. Eine Verkürzung der tariflichen und der realen Arbeitszeiten ist nicht nur objektiv nötig, sondern würde auch die Zustimmung der Mitglieder erhalten, wenn sie damit verbunden würde, die ganzen Überschreitungsvereinbarungen zurückzunehmen und den Druck, immer mehr Arbeit mit immer weniger Leuten zu stemmen, zu bekämpfen. Diese Diskrepanz zwischen dem Plan der IGM-Führung und der Realität in der Arbeitswelt war so groß, dass im Vorlauf zu dieser Forderung etliche Sitzungen der Großen Tarifkommissionen und eine „Arbeitszeitkonferenz“ nötig waren, um den Willen der Frankfurter Zentrale durchzusetzen. (…) So kamen Forderungen auf wie „5 Tage zusätzlich frei für alle“ – eine Forderung, die auf jeden Fall mobilisierungsfähiger wäre, oder nach dem Recht für Betriebsräte, bei der Personalbemessung mitreden zu können. (…) Das ganze Vorgehen lässt darauf schließen, dass der Führung klar war, dass sie irgendwann um das Thema Arbeitszeit nicht rumkommt. Die Verträge sind seit Jahren kündbar. Will sie Ruhe an dieser Front, muss sie sie jetzt neu aushandeln und dann mit langer Laufzeit die Manteltarife zumachen, die die Arbeitszeiten regeln. Dazu hat sie sich eine Forderung ausgedacht, die den KapitalistInnen nicht wirklich weh tut – so sehr die jetzt auch heulen. (…) Zur Forderung, die möglichst vage bleibt, gesellt sich die Streikform [Eintages-Streiks], die möglichst wenig weh tut und auch leichter von oben kontrolliert werden kann. (…) Ganz sicher wird der Apparat alles tun, um den Kampf für die 35 im Osten an die Wand zu fahren. Erstens, weil das Niedriglohngebiet Ost für das deutsche Kapital erhalten bleiben soll und die Bürokratie darum keinen Großkonflikt will, zweitens, weil die unbotmäßigen FunktionärInnen gezeigt bekommen sollen, wer die Macht hat. (…) GewerkschafterInnen aus allen Branchen und aus allen Regionen können und müssen deshalb den Kampf für die 35 im Osten unterstützen. Der beispiellose Verrat am Streik 2003 durch die Gesamtbetriebsratsfürsten aus der Autoindustrie muss allen eine Warnung sein…” Artikel von Frederik Haber vom November 2017 bei der Arbeiterinnenmacht externer Link

    • Auch bei uns verstärkt sich der Eindruck, daß es um die Kampfkraft der IG Metall nicht zum Besten steht, wenn sie in den Argumenten zur Metall-Tarifrunde am 22.11.2017 externer Link “werbend” darauf hinweist: “Deutsche Lohnstückkosten international wettbewerbsfähig. Die Lohnstückkosten sind seit 2000 gesunken, in Deutschland noch stärker als im europäischen Durchschnitt, wie ein Vergleich zeigt….” – und dabei den eigenen Beitrag daran verschweigt…
  • 30-Stunden-Woche: Beliebt, aber falsch angepackt? Tarifrunde der IG Metall 2017/18 
    “… Vollmundig wird versprochen, darauf «zu achten, dass es dabei auch zu einem Personalausgleich kommt» (IG-Metall-Chef Hofmann). Gleichzeitig fordert die Gewerkschaft, dass die Unternehmen einen Teil des Entgeltverlusts ausgleichen sollen – vorrangig bei besonderen Belastungen (…) Das wird in Klein- und Mittelbetrieben kaum der Fall sein. Dafür wird dort etwas anderes wirken: Die individuelle Arbeitsverkürzung wird sehr vielfältig sein und in Dutzende verschiedene Ausführungsmodelle aufgesplittet werden. Das bedeutet, den größten Teil der Arbeit haben die Betriebsräte in der betrieblichen Umsetzung zu leisten. Die sind allerdings sowieso schon in Tausenden Klein- und Mittelbetrieben häufig restlos überfordert, sodass zu befürchten ist, dass eine solche Arbeitszeitvereinbarung entweder kaum umgesetzt wird (wie z.B. ähnliche individuelle Weiterbildungstarifverträge) oder zu großen Enttäuschungen führt, die sich ganz sicher nicht in neuen Mitgliedern für die IG Metall ausdrücken. Es gibt keine Alternative zu einer Arbeitszeitverkürzung für alle und in einem geregelten Rahmentarifvertrag, mit Lohn- und Personalausgleich. Das wäre eine sozialpolitisch angemessene Antwort auf die wachsende Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse und auf die besondere Geschlechterverteilung der Arbeit zwischen Männern und Frauen. Vor allem käme es einem tiefen und lang anhaltenden Bedürfnis von Millionen Beschäftigten entgegen.” Beitrag von Thies Gleiss in der Soz Nr. 11/2017 externer Link
  • “Wir sind KEINE Arbeiter zweiter Klasse und wollen auch nicht länger als solche behandelt werden!” Offener Brief an die Bezirksleitung des Bezirks Mitte der IGM 
    “… dieser Brief an euch, wurde im Namen aller Mitglieder des Tarifpolitischen Arbeitskreises der Geschäftsstelle Jena-Saalfeld verfasst. Wir sind nicht nur Mitglieder des Tarifpolitischen Arbeitskreises, sondern auch Jugendvertreter, Betriebsräte und mandatslose Ehrenamtliche. Wir sind die Hauptakteure in unseren Betrieben, die versuchen Mitglieder für die IGM zu gewinnen und weitere Mitglieder als Werber zu animieren. Um diese für unsere Tarifforderungen und gewerkschaftliche Themen zu mobilisieren und in ihrem Kollegium publik zu machen. Dabei stellen wir fest, dass, seitdem wir mit unseren Kollegen über das Thema der Arbeitszeitverkürzung bzw. Angleichung auf 35 Wochenstunden reden, diese auch Willens sind, dafür in die IGM einzutreten. Sie treten hauptsächlich mit dem Hintergrund ein, die Arbeitszeitverkürzung zu erkämpfen. Die Kollegen in den Betrieben empfinden es als schwerwiegende Ungerechtigkeit, 27 Jahre nach der Einheit Deutschlands, beim Thema Arbeitszeit immer noch Schlechter gestellt zu sein als die Kollegen in den alten Bundesländern. (…) Wir, die Mitglieder der Geschäftsstelle Jena-Saalfeld, fordern vom Vorstand und von unserem Bezirk Mitte ein klares Bekenntnis zu einer Forderung über die Angleichung der Arbeitszeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich! Mit den Forderungen, die zur anstehenden Tarifrunde gestellt werden, bekommen wir in unseren Betrieben keine Kollegen zum Arbeitskampf mobilisiert. Dabei denken wir besonders an die Forderung zur individuellen Absenkung der Arbeitszeit. (…) Unsere Kollegen und auch wir als Gewerkschafter fühlen uns von der Organisation im Stich gelassen und nicht ernst genommen. Wir lernten die Gewerkschaft einst als solidarische Organisation kennen, und versuchen diesen Gedanken ebenfalls unseren Kollegen nahezubringen. Doch aus der Sicht unserer Kollegen verhält sich die Organisation nicht solidarisch beim Thema Angleichung der regelmäßigen Wochenarbeitszeit auf 35h. (…) Denn diese Kollegen sind nicht wegen dem Recht auf individuelle Absenkung der Arbeitszeit in die Gewerkschaft eingetreten, sondern um eines der letzten Überbleibsel der deutschen Teilung zu beseitigen. Das gemeinte Überbleibsel ist die Unterscheidung der tariflich geregelten Wochenarbeitszeit. Wir sind KEINE Arbeiter zweiter Klasse und wollen auch nicht länger als solche behandelt werden!...” Offener Brief des Tarifpolitischen Arbeitskreises der Geschäftsstelle Jena-Saalfeld  in Thüringen vom Oktober 2017  zum Thema IG Metall-Tarifrunde 2018 und 35-Stunden-Woche, bei der Bezirksleitung abgegeben

  • IG Metall fordert 6 Prozent mehr Entgelt und eine Wahloption für kürzere Arbeitszeit 
    Die IG Metall fordert für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen von 6 Prozent für eine Laufzeit von 12 Monaten. Zudem will die IG Metall einen individuellen Anspruch auf Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden für einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten durchsetzen. Das beschloss der Vorstand der Gewerkschaft am Donnerstag in Frankfurt. (…) Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern starten ab dem 15./16. November in den regionalen Tarifgebieten der Metall- und Elektroindustrie...” Pressemitteilung vom 26.10.2017 externer Link, Siehe auch bei der IG Metall Argumente zur Metall-Tarifrunde 2018 externer Link
  • Forderungen der Metall-Tarifkommissionen: 6 Prozent mehr Geld und Wahloption auf kürzere Arbeitszeit
    “… Dies beschlossen die gewählten Vertreter aus Betrieben und IG Metall-Geschäftsstellen heute auf den Tarifkommissionssitzungen der einzelnen Tarifgebiete. Nun muss am Donnerstag noch der Vorstand der IG Metall den Forderungsbeschlüssen der Tarifkommissionen der einzelnen Tarifgebiete zustimmen. Dann können die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern beginnen. (…) Die Tarifkommissionen fordern eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 6 Prozent ab 1. Januar 2018 bei einer Laufzeit von 12 Monaten. (…)Die Mitglieder der IG Metall sollen eine Wahloption auf Reduzierung der individuellen regelmäßigen Arbeitszeit erhalten – auf bis zu 28 Stunden in Woche für eine Dauer von bis zu 24 Monaten. Dies soll auch im Block für eine Auszeit möglich sein. Wer die Wahloption nutzt, muss dafür keine Begründung angeben. Zudem sollen die Beschäftigten – anders als bei der gesetzlichen Teilzeit – das volle Recht auf Rückkehr zu ihrer ursprünglichen Arbeitszeit erhalten. Für Beschäftigte im Schichtbetrieb und in anderen belastenden Arbeitszeitmodellen sowie für Beschäftigte, die Kinder betreuen oder Angehörige pflegen, fordern die Tarifkommissionen einen Entgeltzuschuss vom Arbeitgeber. Damit es sich die Beschäftigten auch leisten können, ihre Wahloption zu nutzen…” Tarifinfo der IG Metall vom 24. Oktober 2017 externer Link
  • IG Metall-Vorstand empfiehlt Forderung für Metall-Tarifrunde: 6 Prozent plus individueller Anspruch auf kürzere Arbeitszeit
    Für die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie empfiehlt der Vorstand der IG Metall eine Forderung von 6 Prozent mehr Geld für eine Laufzeit von 12 Monaten und eine Wahloption zur Absenkung der Arbeitszeit: In allen Tarifgebieten in Ost und West sollen IG Metall Mitglieder zukünftig einen individuellen Anspruch erhalten, ihre Arbeitszeit ohne Begründung für zwei Jahre auf bis zu 28 Stunden in der Woche absenken zu können. (…) Eine Forderung von 6 Prozent sei angesichts des ungebrochenen Wachstums und vollen Auftragsbüchern auch und gerade in der Automobilbranche angemessen, um die Beschäftigten am Erfolg zu beteiligen. Sie hätten unter anderem mit ihrer Bereitschaft zu flexibleren Arbeitszeiten zu diesem Erfolg beigetragen. Diese Bereitschaft erweise sich aber zunehmend als einseitige Veranstaltung auf Kosten der Gesundheit und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. (…) In bestimmten Fällen sollen IG Metall-Mitglieder einen Zuschuss erhalten, wenn sie ihre Arbeitszeit verkürzen. Das soll für Schichtarbeit und andere belastende Arbeitszeitmodelle gelten, wenn die Arbeitszeit um mindestens fünf Tage im Jahr verkürzt wird. Auch Mitglieder, die Kinder unter 14 Jahren betreuen oder Familienangehörige pflegen, sollen einen Zuschuss bekommen, wenn sie ihre wöchentliche Arbeitszeit um 3,5 oder mehr Stunden reduzieren. Der Zuschuss soll es auch Mitgliedern mit weniger Entgelt ermöglichen, die Wahloption für Gesundheit, Pflege und Betreuung zu nutzen. (…) Der IG Metall-Vorstand will über die Forderung hinaus drei weitere Ziele erreichen: Die Wahloption auf Arbeitszeitreduzierung soll mit Personalausgleich umgesetzt werden. (…) Die IG Metall will zudem eine Verhandlungsverpflichtung zur Angleichung der Arbeitszeiten und Entgelte im Osten erreichen. (…) Außerdem sollen Auszubildende und dual Studierende vor Prüfungen einen Tag bezahlt frei bekommen…” Meldung vom 10.10.2017 externer Link – am 24. Oktober beschließen die Tarifkommissionen endgültig über die Tarifforderung
  • Tarifrunde: Finger weg von der Arbeitszeit! 
    Es ist nicht zu fassen: Die Kapitalisten und ihre Frau Nahles blasen zum Sturm auf unsere Arbeitszeiten und auf das Arbeitszeitgesetz (AZG) und die IG Metall spielt das große Arbeitszeit-Wunschkonzert. (…) Die Kapitalisten verlangen ge-rade ganz aktuell längere Arbeitszeiten. Sie verlangen die Pflicht zu Überstun-den. Sie verlangen Samstags- und Sonntagsarbeit, eine Kürzung der Pausen, einen zusätzlichen Qualitag aus Deinem Arbeitszeitkonto, Gruppengespräche in unserer Freizeit…. Die durchschnittliche Arbeitszeit liegt schon heute bundesweit bei rund 43 Stunden; es gibt mehr unbezahlte, als bezahlte Überstunden, nämlich fast eine Milliarde! Das steht in jeder Zeitung, aber unsere IG Metall, statt den Streik für die 30-Stundenwoche zu organisieren, macht Fragebogenspielchen. Jeder darf sagen, was er sich wünscht und entsprechend soll dann ein Flickenteppich den einheitlichen Tarifvertrag und das Arbeitszeitgesetz ersetzen. (…) Und so soll sie laufen, die Tarifrunde: Eine Geldforderung und noch mehr Flexibilität in der Arbeitszeit. 28 Stundenwoche, mit und ohne Lohn-ausgleich. Dafür bietet die IGM auf der anderen Seite eine Erhöhung der 40-Stundenverträge auf 30% oder mehr an. Die Unternehmer reiben sich die Hände, sie haben noch einiges mehr in petto, wie etwa die Aufhebung der 11 Std. Ruhezeit, die Aufhebung der Grenzen der Arbeitszeit, der Altersabsicherung, usw. Da lassen sie schon mal ein paar mehr Cent Lohn springen, um das zu erreichen. Für uns bedeutet das: Keine einheitliche Forderung mehr, jeder darf – wenn überhaupt – für seine individuellen Wünsche auf die Strasse gehen. Ein Streik wird fast unmöglich, einheitlicher Manteltarifvertrag ade. Im Ergebnis ist das ein weiterer Schritt zur Selbstzerstörung unserer Gewerkschaft und der muss unverzüglich gestoppt werden…” Aus dem Flugblatt vom September 2017 , geschrieben, verteilt und finanziert von Vertrauensleuten und Betriebsräten des Daimler-Werkes Bremen.
  • Neue IG-Metall-Forderung 28-Stunden-Woche – wertvoller als Geld 
    Zum ersten Mal seit Jahrzehnten droht in der Metallbranche echter Streit. Die IG Metall “spielt mit dem Feuer”, drohen die Arbeitgeber. Denn die Gewerkschaft fordert etwas Wertvolleres als Geld: Freizeit. (…) Diesmal geht es der IG Metall nicht um kürzere, sondern um flexiblere Arbeitszeiten. Auf den ersten Blick wirken die Forderungen, die der Vorstand der IG Metall an diesem Dienstag absegnen wird, eher bescheiden. (…) Dass die Arbeitgeber trotzdem so gereizt sind, zeigt, wie sensibel das Thema Arbeitszeit für sie ist. Selbst stattliche Lohnforderungen würden sie wohl gelassener hinnehmen. (…) Ein weiterer Befund der Befragung: Die hart erkämpfte 35-Stunden-Woche existiert fast nur noch auf dem Papier: 78 Prozent der Arbeitnehmer in der Metallbranche arbeiten in Wirklichkeit länger – ein Großteil von ihnen hätte aber gern eine echte 35-Stunden-Woche. Gut möglich, dass deshalb eine andere Forderung der IG Metall die Arbeitgeber noch mehr beunruhigt als die 28-Stunden-Woche: dass der vor 33 Jahre so hart erkämpfte 35-Stunden-Tarifvertrag endlich eingehalten wird.” Artikel von Florian Diekmann vom 09.10.2017 beim Spiegel online externer Link
  • Höchste Zeit für Visionen. IG-Metall-Vorstand berät Tarifforderung 
    “… Fast 34 Jahre nach dem großen Streik in der Metall- und Druckindustrie der BRD zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche ist es höchste Zeit, wieder Visionen und konkrete Perspektiven einer Umverteilung von Arbeit zu entwickeln. Doch die nun diskutierten Forderungen sind keineswegs der nötige Neustart in der gewerkschaftlichen Arbeitszeitpolitik. Der von der IG-Metall-Spitze verfolgte Ansatz greift bei weitem zu kurz. Die Arbeitszeiten sollen nicht kollektiv und dauerhaft, sondern individuell und vorübergehend herabgesetzt werden. (…) Für Gewerkschaften war es dennoch stets entscheidend, kollektive und zugespitzte Forderungen zu entwickeln und gemeinsam durchzusetzen. Die Individualisierung tariflicher Regelungen schwächt tendenziell die gewerkschaftliche Durchsetzungsfähigkeit. Es braucht eine einheitliche Klammer. Eine solche könnte auch heute die kollektive Verkürzung der Arbeitszeiten sein – freilich bei vollem Lohnausgleich, denn sonst können sich viele Kollegen das schlicht nicht leisten. Die Gewerkschaften könnten zunächst beispielsweise für zusätzliche freie Tage streiten, weil diese schwerer durch Arbeitsverdichtung kompensiert werden können als die stundenweise Reduzierung der Wochenarbeitszeit…” Kommentar von Daniel Behruzi in der jungen Welt vom 09.10.2017 externer Link
  • Knallharter Kampfruf des IGM-Vorstandes zur Metall-Tarifrunde: “Metall- und Elektro-Arbeitgeber: Sie wollen Profit. Wir wollen Wachstum” (IG Metall 2016) 
    Da drehte mein altes Metaller-Herz fast vor Begeisterung durch, als ich vor der letztjährigen Tarifrunde im Frankfurter Hauptbahnhof am 16.4.16 dieses Foto schoss!  Ihr Arbeitgeber wollt immer nur mehr Profit! Wir aber wollen Wachstum! Ihr denkt ja nur an Euch, wir aber an Wachstum, und zwar, genau, der Deutschen Wirtschaft! Und wenn es der gut geht, geht es ALLEN gut! Jetzt startet wieder die Tarifrunde. Hoffentlich bald auf allen deutschen Bahnhöfen: IGMetall für Wachstum statt Profit! 3,6 Millionen Metall-Beschäftigte, auf in den Kampf! Möglichst um 5% Wachstum!  Rote Mütze auf, rote Pfeife in den Mund, und knallhart auf zum Warn-Streik! – Dabei aber nie die Worte des Betriebsratsvorsitzenden von VW, dem IGM-Kollegen Osterloh, vergessen: „Nur wenn es dem Unternehmen gut geht, geht es auch der Belegschaft gut!“” Kommentar von Wolfgang Schaumberg vom 16.9.2017
  • [NRW] Metaller wollen 6 Prozent mehr
    “Rund sechs Prozent mehr Geld – diese Tarifforderung empfiehlt die Tarifkommission der IG Metall NRW dem IG Metall-Vorstand für die Metalltarifrunde 2018. Außerdem sollen alle IG Metall-Mitglieder das Recht haben, bis zu zwei Jahre ihre Wochenarbeitszeit auf bis zu 28 Stunden zu reduzieren. Dabei soll der Einkommensverlust ganz oder teilweise vom Arbeitgeber ausgeglichen werden – wenn die Arbeitszeit wegen belastender Arbeitszeiten wie Schichtarbeit verringert werden soll, wegen Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen. An dritte Stelle steht die Forderung nach einem freien Tag vor jeder Abschlussprüfung für die Auszubildenden. Das hat die nordrhein-westfälische Tarifkommission der IG Metall am 14. September im IG Metall-Bildungszentrum Sprockhövel für die Metall- und Elektroindustrie beschlossen. Der neue Tarifvertrag soll am 1. Januar 2018 in Kraft treten…” Mitteilung der IG Metall Nordrhein-Westfalen vom 18. September 2017 externer Link
  • IG Metall startet Debatte um mehr Geld und Zeit
    Die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie ist gestartet. Die gewählten Tarifkommissionen der Tarifgebiete haben die Debatte um die Forderungen der IG Metall eröffnet und ihre Vorschläge ausgesprochen: Mehr Geld. Und Wahlmöglichkeiten für Beschäftigte für eine vorübergehend verkürzte Arbeitszeit. Darüber diskutieren nun die Mitglieder und Vertrauensleute der IG Metall in den Betrieben. Eine deutliche Entgelterhöhung. Und ein Anspruch auf “kurze Vollzeit”, der Beschäftigten die Wahlmöglichkeit geben soll, ihre Arbeitszeit auf zwei Jahre befristet auf bis zu 28 Stunden in der Woche zu verkürzen. So lauten die Vorschläge der Tarifkommissionen der IG Metall für die weitere Diskussion der Forderung für die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. Für die Entgelterhöhung haben die Tarifkommissionen einen Rahmen um die 6 Prozent diskutiert…” Pressemitteilung der IG Metall vom 15. September 2017 externer Link

  • Tarifrunde Metall: Ein bunter Blumenstrauß ohne gemeinsames Ziel 
    Kollege Hoffmann hatte auf der Arbeitszeitkonferenz im Juni mit ca. 800 TeilnehmerInnen, einen Strauß verschiedenster Arbeitszeitforderungen  vorgeschlagen. Von einem Kampf um die Angleichung der Arbeitszeit im Osten der Republik an die (leider nur noch nominell!) im Westen geltenden 35-Stundenwoche über eine Auseinandersetzung um einen individuellen Anspruch auf eine kürzere  Arbeitszeit (bis zu 28 Stunden) mit Teil-Entgeltausgleich, bis zu einer arbeitszeitliche Entlastung für SchichtlerInnen und KollegInnen, die Kinderbetreuung oder  Pflegeaufgaben wahrnehmen wollen. Arbeitszeitverlängerungen sollen begrenzt, der Einfluss des Betriebsrates auf die Arbeitszeiten soll gestärkt werden. Abgesehen davon, dass die letztgenannte Forderung auf dem ersten Blick sehr gut aussieht, auf dem zweiten Blick aber die große Gefahr einer Steigerung der Abhängigkeit der Umsetzung von tarifvertraglich vereinbarte Regelungen vom jeweiligen betrieblichen Kräfteverhältnis zwischen Lohnarbeit und Kapital in sich birgt, sind die   vorgeschlagenen Arbeitszeitforderungen für unterschiedliche Beschäftigtengruppen durchaus verständlich. Aber – alle zusammen leiden unter einem großen Manko: Die einzelnen Formen der Arbeitszeitverkürzung sollen auf die Interessen unterschiedlicher Beschäftigungsgruppen eine Antwort geben, was aber der Entstehung einer einheitlichen Unterstützungsfront dafür (d.h die Kampfkraft der IGM in der Auseinandersetzung) sehr behindern würde. Eine erfolgreiche Verhandlung und Durchsetzung wird damit fast unmöglich. (…) Ob der Vorstand sich diese Befürchtung bzw. Kritik zu Herzen nehmen wird, ist vor dem Hintergrund der am Anfang der Arbeitszeitdebatte gemachten deutlichen Absage an eine radikale Arbeitszeitverkürzung (30-Stundenwoche beim vollen Lohn- und Personalausgleich) für alle, zweifelhaft. Auch die allgemeine Tarifpolitik der IGM in den letzten 15 Jahren (Vermeidung von Flächenstreiks, sondern nur noch Warnstreikwellen), d.h. Vermeidung eines großen Konfliktes mit den Metallindustriellen, lässt die Hoffnung auf eine entsprechende Konfliktbereitschaft der IGM-Spitze nicht allzu groß werden. Im Gegenteil, die ganze Herangehensweise des Vorstandes, deutet auf eine „gemäßigte“ Tarifrunde hin, in dem für wenige Beschäftigtengruppen der Metall/Elektrobranche vielleicht etwas herausgeholt werden kann, andere aber auf eine nächste Tarifauseinandersetzung vertröstet werden müssen…” Beitrag von Christiaan Boissevain, IGM-BR, Münchner Gewerkschaftslinke, im Netzwerkinfo der Gewerkschaftslinken Nr. 65 vom September 2017

Siehe zum Hintergrund: