Wohnen in der BRD: Immer teurer. Immer giftiger. Aber auch die Gegenwehr wächst

Stadt von unten - Berliner Mieter/Holm-Demo am 28.1.2017Die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen wir leben, bestimmen zu mindestens zwei Dritteln unsere Gesundheit und damit unsere Lebenserwartung. In vielen Ländern der Welt ist dieser Zusammenhang sehr direkt, z. B. dort, wo es etwa an Zugang zu sauberem Trinkwasser mangelt. In den hochentwickelten Industrieländern wird der Zusammenhang hauptsächlich wie folgt diskutiert: Menschen, die unter Stress und psychischen Problemen leiden, haben eine verkürzte Lebenserwartung. (…) Dank des Engagements einer kritischen Gesundheitsbewegung wird heute kaum noch bestritten, dass soziale Lebensbedingungen die Wahrscheinlichkeit von Erkrankungen und die Lebenserwartung beeinflussen. Was bisher jedoch wenig bekannt ist: Welche Auswirkungen haben steigende Mieten eigentlich auf die Gesundheit und langfristig auch auf die Lebenserwartung? Oder anders gefragt: Über welche Mechanismen schlägt soziale in gesundheitliche Ungleichheit um und was kann dagegen im Sinne einer »Strategie kollektiver Risikominderung« unternommen werden? Wir meinen: Steigende Mieten und Verdrängungsprozesse im Zuge der Aufwertung und Gentrifizierung von Stadtteilen haben eine Reihe von negativen Auswirkungen, auch was die Gesundheit und die Gesundheitsversorgung der lokalen Bevölkerung angeht…“ – aus dem Beitrag „Meine Miete hat Fieber“ von Britta Grell, Franziska Paul, Kirsten Schubert und Tine Steininger am 29. Januar 2019 bei marx21.de externer Link über den Zusammenhang von Einkommen, Wohnen und Gesundheit… Zu Bedingungen und Auswirkungen teurer Mieten drei weitere aktuelle und Hintergrundbeiträge:

  • „Stickoxide: Betroffen sind vor allem die Ärmsten“ von  Wolfgang Pomrehn am 07. Januar 2019 bei telepolis externer Link zu dieser Verbindung und rechten Sozialschädlingen unter anderem: „… Die nun in den meisten Landesparlamenten vertretene extreme Rechte präsentiert sich ja gern als Sprachrohr des kleinen Mannes. Ein Blick auf die Anträge der AfD vermittelt allerdings ein ganz anderes Bild. So haben die Rechten im schleswig-holsteinischen Landtag Mitte Dezember beantragt, die Kieler Station für die Messung von Luftschadstoffen zu verlegen. Es ging um die Debatte über Dieselfahrverbote und andere Maßnahmen gegen die zum Teil extrem hohe Stickoxid-Belastung der Atemluft an Hauptverkehrsstraßen.  Kiel gehört zu den Städten, in denen 2019 Maßnahmen gegen die hauptsächlich von Diesel-PKW und -LKW verursachten Emissionen greifen müssen, aber die AfD war offensichtlich der Meinung, man solle einfach woanders messen. Die in den überregionalen Medien oft erwähnte Station liegt am Kieler Theodor-Heus-Ring, einer extrem stark befahrenen Stadtautobahn. Dort steht auf der einen Straßenseite eine lückenlose Bebauung mit Mehrfamilienhäusern nur wenige Meter vom Fahrbahnrand entfernt. Bewohnt werden die Häuser von Menschen, die sich kaum etwas anderes leisten können. Angesichts der dort sehr hohen Verkehrsdichte, sind die Werte nicht weiter verwunderlich. (2017 wurden im Jahresmittel 56 Mikrogramm Stickoxide je Kubikmeter Luft festgestellt. Der Grenzwert beträgt 40 Mikrogramm.)  Natürlich würden die Werte geringer ausfallen, wenn die Station in eine Nebenstraße versetzt oder auch statt am Boden zehn Meter über dem Grund stehen würde. Aber es geht ja schließlich um die Belastung, der die Anwohner rund um die Uhr ausgesetzt sind, und für die Kinder und Asthmatiker unter diesen sind selbst die 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt noch gesundheitsschädlich. Welche Unterschiede der Standort machen kann, zeigt sich ganz gut im Vergleich mit den zwei anderen Kieler Messstationen…
  • „Deutschland droht »graue Wohnungsnot«“ von Simon Poelchau am 14. Januar 2019 in neues deutschland externer Link berichtet unter anderem: „Bezahlbarer Wohnraum wird knapp – zunehmend auch für Senioren. Bundesweit müssten bis 2030 drei Millionen Wohnungen zusätzlich altersgerecht neu oder umgebaut werden, wie aus einer am Montag veröffentlichten Studie des Pestel-Instituts hervorgeht. Das Problem: Gleichzeitig müssen die Senioren der Zukunft mit wesentlich weniger Rente auskommen. Laut der Studie könnte der Anteil der Senioren, die auf ergänzende Grundsicherung zum Lebensunterhalt angewiesen sind, bis 2040 von derzeit drei auf über 25 Prozent ansteigen. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren in Rente gingen, steuere Deutschland auf eine »graue Wohnungsnot« zu, sagte Matthias Günther vom Pestel-Institut in Hannover. Steigende Mieten bei sinkendem Rentenniveau könnten dazu führen, dass viele Senioren sich ihre Wohnung nicht mehr leisten können. Dabei ist ein Umzug in eine kleinere Wohnung meist keine Option, da diese aufgrund der steigenden Miete oft teurer als die alte Bleibe ist. Und im Schnitt kostet es 16 000 Euro, eine Wohnung barrierearm und altersgerecht umzubauen. Wenn die Senioren dann weniger unfallgefährdet wohnen und länger zu Hause leben können, mache sich das aber rasch auch für die Gesellschaft bezahlt: Ein Platz im Pflegeheim koste pro Jahr 8500 Euro mehr als eine ambulante Pflege…“
  • „Rechte statt Almosen“ von Peter Nowak am 30. Januar 2019 in der jungle world externer Link über eine mehr als gerechtfertigte Protestaktion: „… Für solche Sozialromantik haben Menschen, die auf der Straße leben, kein Verständnis. »Wenn ich einen polartauglichen Schlafsack und entsprechende Socken hätte, könnte ich hier sogar schlafen«, sagte eine Frau, die bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt zwei Nächte vor dem Roten Rathaus verbrachte. Sie beteiligte sich vom 23. bis 25. Januar an einer Mahnwache gegen Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Dazu aufgerufen hatte auch das »Wohnungslosenparlament in Gründung«. Die Protestierenden fordern statt schöner Worte und Almosen Rechte für Menschen ohne Wohnung. Von Sozialromantik hält Nicole Lindner von der Mieterpartei wenig. Sie könne nicht bestätigen, dass kalte Temperaturen ­soziale Wärme erzeugen. Während der Mahnwache vor dem Roten Rathaus sei sie auf viel Häme und Gleichgültigkeit gestoßen, erzählt sie der Jungle World. Eine andere Teilnehmerin brachte in Rage, dass sich junge Leute in guter Winterkleidung über die Menschen lustig gemacht hätten, die vor dem Roten Rathaus froren. Auch die etwa 30 Teilnehmer eines Flashmobs gegen Wohnungslosigkeit am 26. Januar in der East Side Mall berichteten über die Gleichgültigkeit des Publikums…“