Ein Berliner Jugendzentrum besetzt – das andere geschlossen: Der Senat will Profitjäger

Plakat zur Besetzung des Berliner Jugendzentrums Potse Ende Dezember 2018In den nächsten Tagen enden die Verträge von Liebig34, Potse, Drugstore, Großbeerenstraße 17a und Syndikat. Die Zukunft vieler anderer Projekte wie die Meuterei, Rigaer94, Brauni und viele mehr ist kaum klarer. Gleich ob es für einige schlicht noch ein wenig mehr Zeit gibt oder “Eigentümer*innen” ihre Karten verdeckt halten, wir müssen eine Verteidigungshaltung für diese Projekte entwickeln und annehmen. Eigentlich ein guter Moment um in die Gegenoffensive zu gehen…“ – so beginnt der Beitrag „2019 Jahr der Entscheidungen ?!“ von Interkiezonale am 31. Dezember 2018 bei de.indymedia externer Link, worin unter anderem noch ausgeführt wird: „Diese Projekte sind alle Teil einer Gefüges, welches versucht aus dem System der Verwertungslogik auszubrechen. Ob sie nun Räume stellen, in denen sich Menschen begegnen können oder unkommerzielle Veranstaltungen anbieten, bei denen sich Menschen bilden und informieren können, oder Freizeitaktivitäten und kulturelles Programm, ist egal.Denn es sind alles Orte, die vor allem nicht in dem kapitalistischen Gefüge von Verwertung Ausbeutung, Wettbewerb und Herrschaft mitmachen wollen. Werden diese Projekte nun von Gentrifizierung heimgesucht, haben wir rein physisch das Problem, dass uns die Räumlichkeiten in denen wir leben, unter Leute kommen, uns organisieren und austauschen, verloren gehen. Strukturen, die in den letzten Jahrzehnten gewachsen sind und an die vieler ihrer Nutzer*innen mit Selbstverständlichkeit gewohnt sind. Die ernüchternde Frage „Wo soll ich denn da hin?“ geistert vermutlich gerade durch so manchen Kopf. Die Anzahl der Objekte die innerhalb des nächsten Jahres bedroht sind oder sein werden, ist dabei noch erschreckender und in dieser Form vermutlich schon seit einigen Jahren nicht mehr vorgekommen…“ Siehe dazu zwei weitere aktuelle Beiträge und ein Video:

  • „Potse verweigert Übergabe“ von Philip Blees am 01. Januar 2019 in neues deutschland externer Link, worin berichtet wird: „Ein vierstöckiges Haus in Schöneberg: Die Decken sind hoch, die Architektur großzügig angelegt mit weiten Räumen und schlichter Fassade. Zwei der oberen Etagen haben verspiegelte Fenster – sie sehen unscheinbar und wie die eines ganz normalen Bürogebäudes aus: Hinter ihnen wird gearbeitet für die nächste Start-Up-Karriere. Doch eine Reihe weiter tiefer ist das anders: Die Fenster sind mit Parolen bemalt und Transparente hängen heraus. Zwei vermummte Personen stehen dahinter. Für sie ist klar: »Potse bleibt!« Das ist nicht selbstverständlich: Die Räumlichkeiten der Jugendzentren Potse und Drugstore sollten am vergangenen Montag eigentlich dem Bezirk übergeben werden. Nach 46 Jahren ist an der Potsdamer Straße 180 Schluss: Die Kollektive müssen die Schlüssel abgeben. Der Trägerverein des Drugstores kam der Forderung nach, das Kollektiv der Potse nicht. Das Drugstore-Kollektiv habe sich »dagegen entschieden, die Räumlichkeiten zu besetzen oder in den Räumlichkeiten zu bleiben, da eine mögliche Schadensersatzklage des Eigentümers den Trägerverein des Drugstores, den SSB e.V. (Sozialpädagogische Sondermaßnahmen Berlin e.V.), finanziell schädigen oder in den Ruin treiben könnte«, heißt es in einer Mitteilung…“
  • „Lieber arm als tot“ von Marie Frank am 01. Januar 2019 in neues deutschland externer Link zur Besezung und den Erklärungen eines Berliner Senators: „Das neue Jahr könnte zynischer nicht anfangen: Während die Betreiber*innen des Jugendzentrums Drugstore weinend die Schlüssel für ihre Räumlichkeiten übergeben, um Platz für ein paar Yuppies zu machen, die an ihrer Start-Up Karriere arbeiten, redet der Chef der Staatskanzlei davon, dass Berlin zu investorenfeindlich sei. Mag sein, dass Potse und Drugstore nicht genug Geld in Berlins Kassen gespült haben, um den Respekt von Herrn Gaebler zu erlangen, aber Kultur kann nicht daran gemessen werden, was sie einbringt. Kollektive wie die beiden verdrängten Jugendclubs sorgen dafür, dass diese Stadt so bunt und interessant ist, wie wir sie lieben. Investoren sorgen hingegen dafür, dass genau diese lebendige Kultur so lange erstickt wird, bis nur noch tote, öde Gegenden übrigbleiben…“
  • „Kampf um bedrohte Freiräume in Berlin“ von leftvision clips seit 27. Dezember 2018 bei You Tube externer Link ist ein Video über die aktuellen Bedrohungen für Räume und Menschen in Berlin, das so vorgestellt wird: „Anfang 2019 laufen die Mietverträge von einer ganzen Reihe selbstbestimmter Räume, Kneipen, Hausprojekte oder Jugendtreffpunkte in Berlin aus. Wir waren zu Besuch bei: Drugstore, Potse, Syndikat, Liebig 34, Meuterei, G17a und haben ihre Stimmen für euch zusammengestellt. Berlin ist auf dem Weg zu einer ähnlich toten und glatt polierten Stadt zu werden, wie es sie schon zu oft gibt – für uns heißt es 2019 ohne Pardon: Freiräume verteidigen!