Wie schon letztes Jahr in Portugal: In Griechenland treffen riesige Brände auf eine Feuerwehr, die seit 10 Jahren kaputt gespart wurde

Solidarität gefragt! (LabourNet Germany)Inzwischen steige die Wut in der Bevölkerung, die die lokalen Behörden für die mangelnde Vorbereitung und die späte Reaktion während der Brandkatastrophe verantwortlich machten, berichtete etwa die Süddeutsche Zeitung. Mitten in der Waldbrandsaison sei in der Katastrophenregion in Attika kein Löschwasser vorhanden gewesen, die Evakuierung sei zu spät eingeleitet worden, neue Gesetze verhinderten einen effektiven Einsatz der freiwilligen Feuerwehr – so die häufigsten Vorwürfe an die Politik. Zudem deuten erste Indizien darauf, dass die Großfeuer – die an mehreren Orten zugleich ausbrachen – auch durch Brandstiftung verursacht sein könnten. In vielen südeuropäischen Ländern nutzen Bodenspekulanten den trockenen Sommer dazu, durch Brandstiftung und korrupte Deals mit lokalen Behörden in einer rechtlichen Grauzone billig neues Bauland zu erschließen. Doch zugleich beschwerten sich die griechischen Einsatzkräfte über unzureichenden Mittel, die ihnen – nach Jahren der schäublerischen Sparprogramme in Hellas – zur Verfügung stünden. Feuerwehrleute klagten gegenüber dem The Sydney Morning Herald, dass sie aufgrund der „Austeritätsmaßnahmen“ sehr schlecht auf größere Feuer vorbereitet seien: „Wir haben über Jahre um mehr Ressourcen gebeten. Wir fragen nach neuen Flugzeugen.“ Den desaströsen Zustand der von Schäuble kaputtgesparten griechischen Feuerwehr bestätigte in einem Kommentar auch Matt Wrack, Generalsekretär der britischen Feuerwehrgewerkschaft (Fire Brigades Union), der bei einer Visite in Hellas die Folgen der „Austerität“ auf die Fähigkeit zur Feuerbekämpfung studierte…“ – aus dem Beitrag „Schäubles Feuerbrunst“ von Tomas Konicz am 25. Juli 2018 bei den Streifzügen externer Link, eine Passage, die die Parallelen zu den Bränden in Portugal 2017 deutlich macht – vor allem durch die Aussagen der Feuerwehrleute selbst. Zur Brandkatastrophe in Griechenland ein weiterer Beitrag, der vor allem der Abwehr solcher Kritik dienen soll – sowie zwei konkrete Solidaritätsaufrufe/Spendenkonten von und für Basis-Initiativen:

  • „Tragen die Gläubiger eine Mitschuld?“ von Tobias Piller am 25. Juli 2018 im Faz.net externer Link weiß aus Rom zu berichten: „Jenseits der offiziellen Institutionen hat aber schon in Griechenland und vor allem im Ausland die Diskussion darüber begonnen, ob nicht die Gläubigerländer Griechenlands und deren Austeritätsprogramm die Hauptschuld hätten an der Katastrophe, den unzureichenden Rettungsmöglichkeiten und mangelnden Vorkehrungen. „Kürzungen im Katastrophenschutz waren Teil des Austeritätspakets: Auf diese Weise erreichte Griechenland geschwächt das Ziel der Europäer“, heißt es im italienischen „Corriere della Sera“. Gerade in diesem Frühjahr seien am Brandschutz demnach 34 Millionen Euro gespart worden. Es gebe immer weniger Feuerwehrleute in Griechenland und immer weniger davon seien einsatzbereit. (…) Griechische Ökonomen und Kenner der Gegend widersprechen wiederum heftig. (…) Die Ausgaben für Brandbekämpfung hätten während der vorigen Jahre zunächst einen konstanten Anteil am Bruttoinlandsprodukt gehabt und seien seit 2013 auch noch gestiegen. Hintergrund dieser Daten ist allerdings, dass Griechenlands Volkseinkommen während der vergangenen zehn Jahre um ein Viertel gesunken ist und dass die Gehälter der Feuerwehrleute oder der Katastrophenschützer gekürzt worden waren…“. Wer die „Kenner der Gegend“ sind, die mit demnach offensichtlich bewussten Falschaussagen operieren, wird darin nicht weiter ausgeführt…
  • „Waldbrandkatastrophe in Attika“ am 26. Juli 2018 bei der Hellas-Solidarität Bochum externer Link ruft zu Spenden auf (wofür auch entsprechende Bankverbindungen usw. verschiedener Organisationen angegeben werden) und unterstreicht in diesem Aufruf die Solidarität vor Ort: „Die Häuser wurden mitten in die Pinien gesetzt, an Fluchtwege und Brandschutz wurde nicht gedacht. Die Ausrüstung von Feuerwehr und Brandwacht sind aufgrund der Kürzungspolitik massiv reduziert worden. Nicht zuletzt wegen der Sparmaßnahmen waren Löschflugzeuge aufgrund von mangelnder Wartung nicht funktionstüchtig oder standen nur in begrenzter Zahl zur Verfügung. Eine Petition fordert, dass die von den Waldbränden betroffenen Gebiete wieder aufgeforstet werden, so wie es das Gesetz auch vorsieht,  und nicht  – wie so oft in der Vergangenheit – als neues Bauland erschlossen werden. Gleichzeitig geht eine enorme Welle an Solidarität durch das Land. Menschen stehen Schlange um Blut zu spenden, an allen Orten werden Medikamente und Hilfsgüter gesammelt, die Zeitungen berichten von Ägyptern und Kurden, Migranten in Athen, die vor den Flammen ins Meer Geflüchtete mit ihren Fischerbooten retteten. Türkische Zeitungen titelten griechisch: „Euer Schmerz ist unser Schmerz“. Und auch in Deutschland sammeln griechische Gemeinden Spenden, Hilfsmittel und Medikamente, darunter die Gemeinden in Wuppertal und Velbert“.
  • „Spendenaufruf“ am 25. Juli 2018 bei Katharina Kaupp externer Link (Facebook) ist ein privater Spendenaufruf der ver.di Sekretärin zur Unterstützung der Sozialklinik Elliniko (inklusive Angabe eines Paypal-Kontos), der unter anderem vom FB 3 ver.di NRW und der ver.di Linken NRW unterstützt wird. In einer unterstützenden Mail des FB 3 heißt es dazu: „Als FB 3 NRW hatten wir  vor zwei Jahren selbst Kontakt nach Griechenland und haben in großer Not mit Geld und einer Sachspende (Medikamente), die wir selbst nach Griechenland gebracht haben, versucht zu helfen. Wir wissen, dass dieses Unterfangen wegen der Zollvorschriften und sonstiger Regelungen bezogen auf Medikamente und medizinische Hilfsmittel fast unmöglich ist. Es wird jetzt aber schnelle Hilfe gebraucht. Und die ist mit Geld in Griechenland möglich. Es handelt sich hier um eine private Initiative. Katharina bürgt für die direkte Weiterleitung des Geldes nach Athen. Das Geld geht an die Apotheke, mit der die Sozialklinik zusammen arbeitet. Die Sozialklinik selbst kann keine Gelder annehmen und hat auch keine Kasse und kein Konto dafür. Sie kann die benötigten Medikamente aber mit dem bei der Apotheke hinterlegten Geld bezahlen. Dieser Weg wurde bereits erfolgreich praktiziert“.