Sieben neue Festnahmen wegen Streik am Flughafen Istanbul: Sechs Streikende und der Gewerkschaftsvorsitzende – Solidarität gegen Erdogans Willkürjustiz

Türkei: Protest gegen die Festnahme des Gewerkschaftssekretärs der Gewerkschaft Dev Yapı-İş (im Gewerkschaftsbund DISK) Özgür KarabulutGleich zwei Mal wurden am Donnerstag, 04. Oktober 2018 die türkische Justiz und Polizei im Auftrag der Bauunternehmen (die im Flughafenkonsortium IGA zusammengeschlossen sind) und ihres Großprojekt-Auftraggebers aktiv: Zuerst wurden sechs weitere Bauarbeiter wegen ihrer Beteiligung an den verschiedenen, andauernden Protestaktionen festgenommen, und am Donnerstagabend auch der Sekretär der Gewerkschaft Dev Yapı-İş (im Gewerkschaftsbund DISK) Özgür Karabulut. In der Meldung „Sendikamız Genel Başkanı Özgür Karabulut bugün akşama doğru DİSK binası önünde gözaltına alınmıştır“ am 04. Oktober 2018 auf dem Twitter-Kanal der Gewerkschaft Dev Yapı-İş externer Link wird um 19 Uhr über die Festnahme des Gewerkschaftssekretärs informiert. In der Meldung wird seine sofortige Freilassung und die aller inhaftierten Bauarbeiter gefordert: Forderungen, denen sich jede und jeder anschließen muss, denen das Leben der Bauarbeiter nicht egal ist, wie es bei Erdogan und seinen Richtern offensichtlich ist. In einem Land, in dem im Monat September 2018 erneut über 150 ArbeiterInnen diese Form des Kapitalismus mit ihrem Leben bezahlen mussten, ist der Streit darüber, wie viele Opfer Erdogans Renommier-Projekt gekostet hat, völlig überflüssig, denn jede(r) ist eine(r) zu viel. Siehe dazu auch zwei weitere aktuelle Meldungen und zwei Hintergrundbeiträge, sowie den Verweis auf unseren bisher letzten Beitrag zum Kampf am Istanbuler Flughafen:

  • „Erdogans Arbeitslager“ von Nick Brauns am 02. Oktober 2018 in der jungen welt externer Link berichtet über das Leben und Sterben an dem berüchtigten Flughafenprojekt unter anderem:  „Als »Ort, an dem Träume wahr werden«, bewirbt das Firmenkonsortium Istanbul Grand Airport AS (IGA) den dritten, im Bau befindlichen, Istanbuler Flughafen. Nach dem Willen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan soll der Airport mit sechs Landebahnen und einer Kapazität von 200 Millionen Reisenden pro Jahr bereits in weniger als einem Monat am 29. Oktober – dem 95. Jahrestag der Gründung der Türkischen Repu­blik – eröffnet werden. Für Zehntausende Arbeiter, die in einer Rekordzeit von nur viereinhalb Jahren dieses zentrale Prestigeprojekt der AKP-Regierung errichten, wird dagegen ein täglicher Alptraum wahr. Es handele sich um den »Prototyp ausbeuterischer Baustellen der AKP, die sich zu regelrechten Konzentrationslagern gewandet haben«, beklagt die linke Demokratische Partei der Völker (HDP) in einem Ende letzter Woche von mehreren Abgeordneten vorgestellten Bericht systematische Verletzungen von Arbeiterrechten beim Bau des Flughafens in der Region Arnavutköy im Nordwesten der Metropole. So betrage die durchschnittliche Arbeitszeit zwölf Stunden, aufgrund unzureichender Transportmöglichkeiten zu den Containerlagern seien auch 14 Stunden keine Seltenheit. Dokumentiert wurden 37 tödliche Arbeitsunfälle in Folge fehlender Arbeitsschutzmaßnahmen. Die Dunkelziffer liegt weit darüber. So meldete die renommierte Tageszeitung Cumhuriyet im Februar die Zahl von rund 400 Toten, von denen die Regierung gerade einmal 27 bestätigte. Den Familien der Verunglückten würden Schweigegelder gezahlt, erklärte der damalige Vorsitzende der Bauarbeitergewerkschaft Insaat-Is, Mustafa Akyol. Inzwischen schalteten die Ambulanzen nach Gewerkschaftsangaben ihre Sirenen nicht mehr an, um die anderen Arbeiter gar nicht erst auf Unfälle aufmerksam zu machen…