Erst waren es 1.500, dann über 4.000 Renaultarbeiter, die am Freitag in Bursa in den Streik traten – am Samstag auch die Fiat Belegschaft – Solidarität gefragt!

Vor und Hinter den Werkstoren von Renault BursaFreitagnachmittag gegen 16 Uhr war es soweit – der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte war – nach wochenlanger Nichtreaktion auf Proteste, Warnaktion und viele andere Aktivitäten, mit denen die Belegschaften (nicht nur von Renault, sondern einer ganzen Reihe von Metallbetrieben meist aus dem Autosektor) gegen den von der gelben Hausgewerkschaft unterschriebenen Tarifvertrag protestierten und für eine echte Lohnerhöhung eintraten – die Verkündigung der Unternehmensleitung, es werde keine Lohnerhöhung geben. Eine Lohnerhöhung so, wie es die Belegschaft von Bosch im April ohne eben diese Gewerkschaft erreicht hatte, ist zusammen mit dem Recht auf freie Gewerkschaftswahl und keinerlei Sanktionen eine der drei Grundforderungen des Streiks. Zahlreiche große Delegationen der anderen Betriebe kamen hinzu, die Werkstore sind besetzt und geschlossen, die Produktion auf 0%. Faktsich befinden sich nun nahezu alle 5.000 Beschäftigten bei Renault im Streik. Unser aktuelle Materialsammlung “Streik bei Renault Bursa im Mai 2015″ gibt die aktuelle Lage von Samstag 16. Mai 2015 wieder – und stellt einen Aufruf zur Solidarität auch unsererseits dar. Der Beitrag besteht vor allem aus dem (von Aktiven von Bir-Kar ins Deutsche übersetzten) Bericht “Renault-Arbeiter in Bursa haben die Produktion eingestellt” von Şafak Timur und Çağıl Kasapoğlu am 15. Mai 2015 bei der türkischen Ausgabe der BBC sowie aktuellen Links vom 16. Mai und zwei Solidaritätsaufrufen

Erst waren es 1.500, dann über 4.000 Renaultarbeiter, die am Freitag in Bursa in den Streik traten – am Samstag auch die Fiat Belegschaft – Solidarität gefragt!

Es folgt ein Bericht von Şafak Timur und Çağıl Kasapoğlu am 15. Mai 2015 bei der türkischen Ausgabe der BBC der von den Aktiven von Bir-Kar ins Deutsche übersetzt wurde

“Renault-Arbeiter in Bursa haben die Produktion eingestellt”

Die Arbeiter von Oyak Renault in Bursa, die eine Erneuerung der Tarifvereinbarung und Verbesserung der Löhne verlangen, haben seit gestern Nacht die Produktion eingestellt. In der Automobilfabrik im Industriegebiet arbeiten über 5 Tausend Arbeiter. In der Nachtschicht von 00.00 – 08.00 Uhr haben sich eintausendfünfhundert Arbeiter vor dem Fabrikgelände versammelt. Die Arbeiter der Schicht 16.00 – 24.00 Uhr haben trotz ihres Schichtendes die Fabrik nicht verlassen. Da die Arbeiter die Fabrik nicht verließen, konnte die 08.00 Uhr-Schicht ihre Arbeit nicht aufnehmen. Auf dem Fabrikgelände und in der Fabrik führen die Arbeiter ihre Aktion mit drei Schichten weiter.

Die Arbeiter sagen, dass sie mit dem Tarifvertrag zwischen dem Arbeitgeberverband der Metallindustrie (MESS) und der Türk Metal nicht einverstanden sind und höhere Löhne verlangen. Die Renault-Arbeiter sind vor allem deswegen voller Wut, weil die Türk Metal für Arbeiter einer Zuliefererfirma eine Lohnerhöhung in Höhe von 60 % erwirkt hat und ihnen dies nicht ermöglicht.

“Tarifvertrag kann nicht erneuert werden”

Der Arbeitgeberverband MESS hat gestern erklärt, dass es gesetzlich nicht möglich sei, zusätzliche Rechte ausserhalb der unterschriebenen Vereinbarung zu gewähren. In seiner Erklärung heißt es: “Aus diesem Grunde sollten keine Hoffnungen aufkommen und es sollte Abstand genommen werden von illegalen Verhalten, die zur Störung der Arbeitsordnung führen könnte.”

Auch in der Automobilfabrik Tofaş in Bursa herrscht seit einiger Zeit aus den selben Gründen Spannung. Auch hier protestieren die Arbeiter seit einiger Zeit nach der 16 Uhr Schicht vor dem Fabrikgelände gegen die Gewerkschaft Türk Metal. Eine Vielzahl von Arbeitern in diesen beiden Fabriken sind in den letzten Wochen aus der Gewerkschaft Türk Metal ausgetreten. Diese Austritte haben zu derart Spannungen geführt, dass laut Presseberichten sogar am 5. Mai Metallarbeiter, die sich im Park des Industriegebietes trafen, von einer Gruppe tätlich angegriffen wurden.

“Jahrelange Unterdrückung”

Die Renault-Arbeiter warteten seit Tagen auf eine Antwort durch den Arbeitgeber. Vorgestern teilte die Leitung mit, dass die Forderungen nicht akzeptert werden. Daraufhin haben die Arbeiter gestern Nacht die Produktion eingestellt. Laut der Nachricht des Journalisten Tayfun Altıntaş, der die Aktion beobachtet, haben die Arbeiter folgendes skandiert und die Fabrik nicht verlassen; “Lieber Sterben als einen Schritt zurück”, “Widerstand leistend werden wir den Sieg erringen” .

Altıntaş, Journalist der Internetseite der Zeitung Kızıl Bayrak, der die Fragen von BBC Türkçe beantwortete, führte aus, dass eine sehr große Zahl von Arbeitern sich vor der Fabrik versammelt haben und auch Solidarität von anderen Fabriken erfolgt.

Yıldırım Doğan, Vertreter der Vereinigung der Metallarbeiter (Metal İşçileri Birliği – MIB) von Bursa, erklärte der BBC Türkçe gegenüber; “Es gab einige Versprechungen der Renault-Leitung. Sie verlangten Zeit bis zum 21. Mai. Jedoch hat die Renault-Leitung (vorgestern) erklärt, dass keinerlei Lohnerhöhungen erfolgen werden. So kam dieser Widerstand zustande.” Doğan erklärt; “Dieser Widerstand erwuchs aus der jehrelangen Unterdrückung der Arbeiter. Unter sehr schwierigen Bedingungen arbeiteten sie für einen sehr geringen Lohn. Sie dachten, dass kein anderes System der Arbeit möglich wäre.” Doğan führt weiter aus, dass bei der Tarifverhandlung zwischen der Gewerkschaft Türk Metal und dem MESS bei Bosch Sanayi ve Ticaret AŞ [Bosch Industrie – und Handels AG] die Arbeiter ihre Forderungen durchbrachten und die geforderten Lohnerhöhungen erhielten. Daraufhin seien die Arbeiter in den anderen Fabriken in Aktion getreten.

Yıldırım Doğan erklärte die Forderungen der Renault-Arbeiter bei den Aktionen, die mit den Kantinenprotesten begann: “Eine Verbesserung der Löhne gemäß dem Tarifvertrag bei Bosch, Wahl ihrer eigenen Gewerkschaftsvertreter und eine Garantie für die Nichtentlassung der Arbeiter wegen der Teilnahme an den Aktionen.”

Unsere Anfrage hierzu bei der Gewerkschaft Türk Metal blieb bis jetzt unbeantwortet“.

  • Solidaritätsaufruf von Bir-Kar am 15. Mai 2015:

Die Arbeiter bei Renault in Bursa haben die Produktion eingestellt – auf zur Solidarität!

Bursa ist seit Tagen Schauplatz für Aktionen von Arbeitern. Die Arbeiter verlangen eine Erhöhung der Löhne, die Anerkennung ihrer gewählten Vertreter und eine Gewähr für keine Entlassungen. Die Bosse von Renault haben diese Forderungen der Arbeiter abgelehnt. Daraufhin haben die Renault-Arbeiter die Produktion eingestellt. Die Arbeiter aus anderen Firmen haben die Renault-Arbeiter nicht allein gelassen. Denn, sie sehen die Probleme nicht als die der Renault-Arbeiter an, sie sehen darin die Probleme aller Metallarbeiter. So sind auch die Arbeiter von Tofaş, Mako, Coşkunöz, Delphi und anderer Fabriken in Aktion getreten. Bei Renault und anderen Fabriken wird Widerstand geleistet. Ununterbrochen werden Aktionsaufrufe gemacht. Die Metallarbeiter in Bursa sind sehr entschlossen. Wenn die Renault-Bosse keinen Rückzieher machen sollten, werden sie die Produktioneinstellung fortsetzen, so die Arbeiter.

An alle Arbeiter von Renault, Mercedes, Bosch, Opel, MAN und anderen Fabriken in Europa!

Der Kampf in Bursa ist nicht mehr ein Kampf mit der Gewerkschaft Türk Metal. Jetzt steht den Arbeitern der Arbeitergeberverband der Metallindustrie, MESS, gegenüber, d.h. die Klasse des Kapitals. Der Kampf nimmt immer mehr höhere Dimensionen an. Es ist genau an der Zeit, die Solidarität mit unseren Klasssengeschwistern, den Metallarbeitern der Türkei, zu erhöhen. Mobilisiert euch ohne Zeit zu verzögern. Knüpft Banden zu euren Klassengeschwistern in Bursa, informiert euch, solidarisiert euch materiell als auch immateriell.

Die Renault-Arbeiter sind nicht alleine!
Es lebe die internationale Solidarität!
Die Einheit der Arbeiter wird das Kapital besiegen!
Plattform für die Einheit der Arbeiter & Freundschaft der Völker (BIR-KAR)-Arbeiterkomitee

  • Solidaritätsaufruf der DIDF am 15. Mai 2015

Aufruf zur Solidarität mit den Metallarbeitern aus Bursa

Seit mehreren Tagen protestieren die Metallarbeiter in Bursa/ Türkei für die Neuverhandlung des Tarifvertrags. Sie fordern die Aufhebung des Tarifvertrags zwischen der Gewerkschaft Türk Metal und der Metallindustrie, denn sie wollen, dass der Tarifvertrag, der im April bei Bosch unterzeichnet wurde, auch für sie Geltung trägt. Die Arbeitgeber wie Tofas, Renault, Mako und Coskunöz antworten auf diese Forderungen mit Repressionen und Kündigungsdrohungen.

Das letzte Beispiel der Repressionen gegen die Arbeiter wurde bei der Fabrik Renault, welche zur AS Automobilfabrik gehört, erlebt. Hier arbeiten 6000 Personen. So wurden am 5.Mai 16 Renault-Arbeiter ohne rechtliche Grundlage entlassen. Sie hatten wie auch andere Arbeiter aus dem Metallbereich seit einiger Zeit an Protestaktionen teilgenommen, um ihrer Stimme Gehör zu verleihen. Diese Arbeiter haben davon erst erfahren, als sie zu ihrer Arbeit antreten wollten. Aus Solidarität gegen diese Ungerechtigkeit hat die Nachtschicht die Arbeit niedergelegt. Aufgrund der anhaltenden Produktion und der wachsenden Proteste, mussten die Arbeitgeber einen Rückzug machen. Die Kündigung gegen die 16 Arbeiter wurde fallen gelassen und es wurde um eine Frist bis zum 20.Mai gebeten, um für eine Lohnerhöhung und die Forderung des Tarifvertrags mit der Werkszentrale in Frankreich zu kommunizieren.

In Bursa sind nicht nur die Renault-Arbeiter in dieser schweren Situation. Die Metallarbeiter von Tofas, Mako, Coskunöz oder Valeo fordern die Besserung des Tarifvertrags vom April 2014 und die Anpassung der Löhne, wie es bei Bosch im April der Fall war. Seit Tagen führen die Arbeiter Proteste durch und fordern die Arbeitgeber auf, sich an den Verhandlungstisch zu setzen.

Damit die Metallarbeiter in Bursa ihr Recht auf Tarifverträge einfordern und ihre Proteste siegreich enden, benötigen sie die Unterstützung der Metaller aus Deutschland, Frankreich und der EU. Daher rufen wir die Metallarbeiter in Deutschland, Gewerkschafter und Betriebsräte dazu auf, in erster Linie die Renault-Arbeiter und alle Metallarbeiter in Bursa bei ihrem Arbeitskampf gegen die Repressionen und Drohungen der Arbeitgeber, die teilweise auch aus der EU sind, nicht alleine zu lassen.

Hoch die internationale Solidarität!
DIDF

Siehe dazu auch “Die Belegschaft von Renault Bursa bestreikt das Werk – Solidarität gefragt” am 15. Mai 2015 im LabourNet Germany und weitere Berichte unter Türkei/Arbeitskämpfe