Dossier

20.3.2017: Wiesenhof-Schlachtfabrik in Königswusterhausen/Niederlehme blockiertDass möglicherweise etwas nicht stimmt bei der Unterbringung der Rumänen, haben die Anwohner in Kellinghusen am Müll gemerkt. Von “Batterien von Müllsäcken”, spricht eine von ihnen auf einer Bürgerversammlung. 150 rumänische Arbeiter sind mittlerweile in der Stadt, berichtet der Bürgermeister. Ein großer Teil davon arbeitet im Tönnies-Schlachthof – angestellt bei Subunternehmen. Gewerkschafter erheben Vorwürfe: Die Arbeitsbedingungen seien unzumutbar. “Uns hat abends eine Rumäne angerufen, die wollten Hals über Kopf nach Hause, die müssen 16 Stunden am Tag arbeiten”, sagt Norbert Wagner vom Kreisverband Steinburg des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Tönnies sagt zu diesem Vorwurf: Für “die Einhaltung der zulässigen Arbeitszeiten”, sei der Subunternehmer zuständig. Und “die Kontrolle über die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes obliegt dabei der zuständigen Ordnungsbehörde.” Aber auch die Unterbringung der Rumänen sorgt bei Anwohnern und Gewerkschaftsvertretern für Kritik. Wohnungen seien überbelegt und verdreckt, so der Vorwurf. Dem NDR Schleswig-Holstein liegen Videos vor, die aus einer Wohnung stammen sollen, die ein Subunternehmen von Tönnies für die Arbeiter angemietet hat. (…) Wegen der Aufnahmen und wegen des Protestes aus Kellinghusen hat das Gesundheitsministerium jetzt die staatliche Arbeitsschutzbehörde zur Überprüfung der Arbeits- und Lebensbedingungen eingeschaltet, die Behörde soll gegebenenfalls auch Maßnahmen dagegen einleiten.” Text und Video des Berichts im Schleswig-Holstein Magazin am 14.06.2018 beim NDR externer Link, siehe dazu u.a. Berichte über eine Veranstaltung in Kellinghusen zur Situation der MigrantInnen:

  • [Bericht] Die Zustände im Schlachthof Tönnies in Kellinghusen – Es organisiert sich Solidarität und Widerstand durch BürgerInnen! New
    “Am Donnerstag, dem 27.6. traf sich die Soli-Initiative für die ausländischen KollegInnen im Schlachthof Tönnies in Kellinghusen, die sich Stützgruppe nennt. Sie war von Anja Halbritter initiiert worden. Am 12.6. hatte es im Bürgerhaus eine proppevolle Protestversammlung mit wohl 160 TeilnehmerInnen gegeben, von denen viele zu dem Treffen der Stützgruppe kamen. Es waren über 30 TeilnehmerInnen. Für eine Kleinstadt mit 7.000 viel Engagement! Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gesetzt, für die Arbeits-, Lebens- und Wohnbedingungen der ausländischen KollegInnen einzutreten, die in Werkverträgen für Subunternehmer bei Tönnies arbeiten. Die Berichte und Photos auf der Versammlung im Bürgerhaus hatten damals alle berührt, ja geschockt: Solche Zustände in unserem Kellinghusen, in unserem Steinburg dürfen wir nicht dulden! Bei der Großschlachterei Tönnies gibt es keine gewerkschaftlichen Strukturen, keinen Betriebsrat, keine Vertrauensleute! Von Seiten der Stützgruppe gibt es allerdings etliche Kontakte zu ausländischen KollegInnen. Die Protestversammlung im Bürgerhaus war von Dr. Susanne Uhl vom DGB Schleswig-Holstein und von Norbert Wagner (DGB Itzehoe) und seiner Frau Lucia organisiert worden. Alle drei waren auch auf dem Treffen am Donnerstag. Es war eine geballte Kompetenz versammelt: Nicht nur die Organisatorinnen der Stützpunkt-Gruppe, die KollegInnen vom DGB, auch engagierte und beobachtende Nachbarn des Tönnies-Geländes, eine Tierärztin und etliche VertreterInenn der Parteien: Grüne, SPD, Linkspartei und sogar ein CDU-Vertreter, die meisten mit Funktionen im Stadtrat, Kreistag oder Landtag. (…) Vielleicht findet Kellinghusen Nachahmer, daß sich in anderen Orten, wo es in Betrieben keine gewerkschaftliche Organisierung oder gewerkschaftliche Strukturen mehr gibt, BürgerInnen engagieren gegen Firmen, die die Notlage von KollegInnen grenzenlos ausnutzen, Neoliberalismus und Ausbeutung pur praktizieren.” Bericht vom 29. Juni 2018 bei Jour Fixe der Gewerkschaftslinken Hamburg externer Link
  • Politik befasst sich mit Schlachthof Kellinghusen New
    “Zwei Wochen nachdem NDR Schleswig-Holstein über Kritik an den Wohnbedingungen von Schlachhof-Mitarbeiterin in Kellinghusen (Kreis Steinburg) berichtet hat, sind die Vorwürfe am Donnerstag Thema im Sozialausschuss des Landtages gewesen. Die Arbeitsschutzbehörde hatte die Wohnungen überprüft. Was dabei herausgekommen ist, wurde im vertraulichen Teil der Sitzung besprochen. Nach der Sitzung sprach die SPD-Abgeordnete Eickhoff-Weber von katastrophalen Zuständen…” Sendebeitrag vom 28. Juni 2018 beim NDR externer Link (Videolänge: 3:26 Min.)
  • Hoffnung für Arbeiter des Schlachthofs Kellinghusen 
    „… Die Unterbringung der von einem Subunternehmen beschäftigten Schlachthof-Mitarbeiter hatte in Kellinghusen für Wirbel gesorgt, vor allem bei den Anwohnern. Wie Tönnies am Freitag mitteilte, habe man das verantwortliche Unternehmen zur Rede gestellt und aufgefordert, die Unterkünfte für die rund 50 Beschäftigten umgehend in Ordnung zu bringen. Der NDR Schleswig-Holstein hatte ein Video gezeigt, das aus einer solchen Unterkunft stammen soll. Darin war unter anderem eine Küche mit Insektenbefall zu sehen. Tönnies erklärte dazu: Die hygienischen Bedingungen auf den veröffentlichten Bildern seien nicht zu akzeptieren und müssten umgehend abgestellt werden. (…) Eher zurückhaltend fallen die Reaktionen vom DGB und vom Unterstützerkreis aus, den die Anwohner in Kellinghusen gegründet haben. Der Verhaltenskodex erfülle nur das, was in der Selbstverpflichtung der Fleischindustrie schon immer stand, hieß es. Beide wünschen sich stärkere Kontrollen bei den Subunternehmen. Das Gesprächsangebot sehen sie nur als einen Anfang.“ Text und Video des Berichts im Schleswig-Holstein Magazin vom 15.06.2018 beim NDR externer Link
  • Schlachthof-Veranstaltung in Kellinghusen: „Nicht hinnehmen, dass Menschenrechte verletzt werden“
    Rappelvoll war der Saal des Bürgerhauses in Kellinghusen. 120 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um sich die Arbeits- und Lebensbedingungen auf dem Schlachthof zu informieren. Und die sorgten für Empörung: So wurde von Kakerlaken in Badestuben und Schlafzimmern berichtet, von sechs Betten auf 24 qm, die dann noch pro Bett 200 Euro Miete kosten. Teilweise würden 16-Stunden am Tag gearbeitet und bei Krankheit zusätzliche Kosten für die Unterkünfte in Rechnung gestellt. Es seien auch Fälle bekannt, in denen Vorarbeiter Beschäftigte geprügelt hätten. Ein desaströses Bild der Gesamtsituation entstand. „Das geht uns alle an, wir wollen nicht hinnehmen, dass Menschenrechte verletzt werden“, war die einhellige Meinung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie waren – wie Stadtvertreter und Kreistagsabgeordnete – der Einladung von DGB Schleswig-Holstein Nordwest, Gewerkschaft NGG, dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt, der katholischen Gemeinde St. Ansgar, dem Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf und dem Christian-Jensen-Kollegs gefolgt. Die Institutionen setzen sich schon seit längerem gemeinsam für bessere Bedingungen der meist rumänischen Arbeitnehmer in Werkverträgen von Subunternehmern ein. Denn der Schlachthofbetreiber schlachtet und zerlegt nicht mehr selbst, sondern vergibt die meisten Arbeiten an Dienstleister, Stammbeschäftigte gibt es kaum noch. Auch in Kellinghusen. (…) Norbert Wagner, DGB-Vorsitzender im Kreis Steinburg, und seine Frau Lucia, eine gebürtige Rumänin, bestätigen die harten Arbeitsbedingungen. „Erst gestern kamen sechs junge Rumänen zu uns, die 16 Stunden am Tag arbeiten mussten. Die konnten einfach nicht mehr“. Die beiden kümmern sich seit Jahren um die rumänischen Arbeitnehmer. Die Fluktuation sei hoch: Heuern und Feuern an der Tagesordnung. „Der Ton ist rau und Schläge von Vorarbeitern sind auch schon vorgekommen.“ Die Unterbringung sei schlecht, berichtet Helga Zichner von „Faire Mobilität“. Ein Arbeitnehmer, der aus Niedersachsen nach Kellinghusen versetzt worden sei, wäre am gleichen Tag wieder abgereist, weil Kakerlaken in der der Wohnung waren. Fotos von Unterkünften in Kellinghusen dokumentierten die Zustände. Und auch Antje Halbritter vom neu gegründeten Stützkreis berichtet Erschreckendes vom Besuch dort (…) Das Fazit dieses denkbaren Abends in Kellinghusen: bürgerschaftliches Engagement hat Erfolg. Der stellvertretende Kreispräsident Volker Susemihl will zum Thema Schlachthof eine aktuelle Stunde im Kreistag anberaumen. „Ich bin wirklich erschrocken über die Zustände“. Und der Stützkreis will weiter arbeiten, auch um zu prüfen, wie die Kontrolle besser organisiert werden kann. Nächstes Treffen ist am 23. Juni.” PM vom 14.06.2018 von und bei DGB Schleswig-Holstein Nordwest externer Link. Siehe auch:
  • Große Versammlung in Kellinghusen: Erschrecken und Empathie für ausländische Schlachthof-ArbeiterInnen
    Ich war heute Abend in Kellinghusen auf der Versammlung des DGB „Lebens- und Arbeitbedingungen auf dem Schlachthof Kellinghusen“. In Kellinghusen bin ich zur Mittelschule gegangen und habe bis 1966 dort gelebt und gearbeitet. Meine Mutter hat bis 2001 dort gelebt. Ich war erstaunt: Ca. 160 Leute im  Bürgerhaus! Ich kam pünktlich und kriegte gerade noch einen Platz. Die Geschäftsleitung vom Schlachthof war eingeladen worden, auch der Subunternehmer. Sie waren nicht gekommen…” Ausführlicher Bericht von Dieter Wegner, Hamburg, früher Kellinghusen, vom 14.06.2018 beim Jour Fixe der Gewerkschaftslinke Hamburg externer Link
  • Kellinghusener demonstrieren für rumänische Leiharbeiter
    Dass möglicherweise etwas nicht stimmt bei der Unterbringung der Rumänen, die größtenteils beim Schlachthof Tönnies arbeiten, haben die Anwohner in Kellinghusen zunächst vor allem am Müll vor den Unterkünften der Arbeiter gemerkt. Von „Batterien von Müllsäcken“, spricht eine Bürgerin auf einer Bürgerversammlung. Der Bürgermeister, Axel Pietsch, spricht von 150 rumänischen Leiharbeiter, die mittlerweile in der Stadt sind und für einen Subunternehmer des Schlachthofes Tönnies für Hungerlöhne schuften und in Unterkünften zu Mieten, die von Lohn gleich einbehalten werden, untergebracht sind, die eher an Ställe der Tiere erinnern, die sie tagtäglich im Schlachthof zu schlachten und zu verarbeiten haben. – Und die „Tönnies Lebensmittel GmbH & Co KG“ weiß angeblich von NICHTS, wie es bei Konzernen so üblich ist, die mehr um den Profit ihrer „Shareholder“ besorgt sind als um das Wohl derjenigen, die den „Shareholdern“ ihren Gewinn erarbeiten. Der Lebensmittelkonzern aus dem westfälischen Rheda-Wiedenbrück verweist lapidar auf die Zuständigkeit seines Subunternehmers! Gewerkschafter erheben Vorwürfe gegen die unzumutbaren Arbeitsbedingungen der Leiharbeiter. (…) Wegen der Aufnahmen und wegen des Protestes aus Kellinghusen hat das Gesundheitsministerium jetzt die staatliche Arbeitsschutzbehörde zur Überprüfung der Arbeits- und Lebensbedingungen eingeschaltet, die Behörde soll gegebenenfalls auch Maßnahmen dagegen einleiten.” Artikel von Günter Schwarz vom 14.06.2018 bei SH-UgeAvisen externer Link