Die rechte Gewalt in der BRD explodiert – das Innenministerium behandelt das nach eigenen Regeln…

Kein NPD-Aufzug am ersten Mai durch Rostock!Im Jahr 2018 hat der Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG) in den ostdeutschen Ländern (einschließlich Berlin) 1.212 Angriffe auf Menschen registriert. Das ist ein Anstieg von acht Prozent gegenüber dem Jahr 2017. 1.789 Menschen waren direkt betroffen. Die Zahlen stellte der VBRG, dem nach eigenen Angaben 13 unabhängige Beratungsstellen angehören, am Dienstag in Berlin vor. Im Durchschnitt wurden demnach 2018 fünf Menschen pro Tag angegriffen, darunter eine Frau und alle zwei Tage ein Kind. Bei der Anzahl der Übergriffe pro 100.000 Einwohner liegt Berlin an der Spitze. Hier sowie in Sachsen und Thüringen nahm die Zahl der Fälle zu, in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ab. Bei den Übergriffen handelte es sich nach Angaben von VBRG-Vorstand Robert Kusche vor allem um Körperverletzungsdelikte – 453 gefährliche und 509 »einfache« Körperverletzungen stehen in der Bilanz. Und ein Tötungsdelikt: Am 18. April 2018 folterten drei Neonazis im sächsischen Aue den 27 Jahre alten Christopher W. zu Tode. W., ein Homosexueller, ist demnach das 183. Todesopfer rechter Gewalt in der BRD seit 1990. Ungewöhnlich deutlich wies der VBRG auf die »eklatante Wahrnehmungslücke« bei der Erfassung und Gewichtung der Daten hin. Zunächst sei da die »beunruhigende« Diskrepanz zwischen den Zahlen der Beratungsstellen und denen der Strafverfolgungsbehörden bzw. des Bundesinnenministeriums. 2017 habe das BKA eine Zahl rechter Gewalttaten für das ganze Bundesgebiet genannt, die geringer war als die Fallzahl, die der VBRG allein für Ostdeutschland ermittelt hatte…“ – aus dem Artikel „Aus dem Dunkelfeld“ von Nico Popp am 03. April 2019 in der jungen Welt externer Link über die Gesamtbilanz des VBRG für 2018, die so ganz anders aussieht, als die offiziellen Zahlen der Behörden. Siehe dazu auch weitere Beiträge über aktuelle Fälle – einer im Zusammenhang mit den VBRG Zahlen – ein anderer nicht über rechte Gewalt vom unorganisierten Mob, sowie den Link zu den Berichten des VBRG:

  • „Motiviert von Schwulenhass“ von Konrad Lutschko am 02. April 2019 in der taz online externer Link zu einem konkreten Fall und dem Zusammenhang – und den unterschiedlichen Zählungen: „… Es ist eine beispiellos grausame Tat. Und eine, die die Bundesregierung als rechtsextremen Mord einstuft – als den einzigen im Jahr 2018. Weil, so formulieren es die Ermittler, sich mindestens einer der Angeklagten auch „an der bekannten Homosexualität des Geschädigten störte“. (…) Damit ist Christopher W. nach Zählung der Bundesregierung das 85. Todesopfer durch rechte Gewalt seit der Wende im Jahr 1990. Unabhängige Opferverbände notieren indes weit mehr Fälle: Nach ihrer Listung ist Christopher W. der 195. Mensch, den Rechtsextreme seitdem getötet haben. Und sie dokumentieren für 2018 auch über diesen Fall hinaus eine Reihe schwerer Gewalttaten von Rechtsextremen – und eine anhaltend hohe Gefahr der Szene. Ihre Jahresbilanz wollen sie am Dienstag in Berlin präsentieren. (…) Ein Sprecher von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, die Berichte der Opferverbände über Todesopfer durch rechtsextreme Gewalt nehme man „mit der gebotenen Aufmerksamkeit zur Kenntnis“. Anders als diese Initiativen erfasse die Polizei politisch motivierte Straftaten indes in einem „geregelten Verfahren“. Deshalb könne es durchaus zu „abweichenden Schlussfolgerungen kommen“…“ – wobei die angesprochenen Regeln des Verfahrens sein könnten: 1. Beschönigen, 2. Klein reden, 3. Teppich kehren…
  • „Duo schlägt mit Knüppeln auf schlafenden Obdachlosen ein!“ am 02. April 2019 in der BZ online externer Link ist eine knappe Meldung: „Brutale Attacke in Berlin-Mitte. In der Nacht zum Dienstag griffen zwei Unbekannte einen Obdachlosen an, verletzten ihn schwer.  Gegen 0.15 Uhr schlief der Obdachlose (38) unter einer Ausbuchtung des Reichstagufers an der Spree, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Plötzlich attackierten ihn zwei Unbekannte, schlugen mit Knüppeln auf den Mann ein! Bevor sie flüchteten, warfen sie noch den Rucksack des Verletzten ins Wasser…“
  • Jahresstatistik: Beratungsstellen registrieren Anstieg rechter Gewalt im Osten
    2018 haben Beratungsstellen für Opfer rechtsextrem motivierter Gewalttaten in Ostdeutschland 1.200 Angriffe mit 1.800 Opfern registriert – die meisten Straftaten waren rassistisch motiviert. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um acht Prozent…” Beitrag vom 3. April 2019 beim Migazin externer Link
  • Statistik für 2018: Zahl der Verletzten nach islamfeindlichen Attacken stark angestiegen
    Die Zahl der Angriffe auf Muslime haben Behördenangaben zufolge abgenommen. Allerdings hat sich die Zahl der Verletzten fast verdoppelt. Innenpolitikerin Jelpke warnt, Islamfeindlichkeit falle in Deutschland auf fruchtbarem Boden. Mazyek fordert einen Beauftragten gegen Muslimfeindlichkeit…” Beitrag vom 3. April 2019 beim Migazin externer Link