Der Widerstand gegen eine Pipeline in North Dakota ist: Gegen Big Oil, Big Banks – und Big Government. Auch gegen „Big Unions“?

Sioux-Patrouille vertreibt Security Car am 11.9.2016 in North DakotaNorth Dakota: Was Bevölkerungszahl angeht, der drittkleinste der USA, etwas über 600.000 Menschen leben hier. Nomen sind hier Omen: Dakota heißt so, weil hier ein Siedlungsgebiet der Dakotas war. Und die dann kamen, nannten ihre Landeshauptstadt: Bismarck. Ein kleiner Agrarstaat, bis es „Fracking“ gab: Heute wird hier mehr Öl gefördert, als in Alaska oder sonst einem Bundestaat der USA. Die Ölschieferböden Kanadas halten sich nicht an Grenzen – sie gibt es auch im kleinen Grenzstaat. Die neue Pipeline: Die Sioux-Bevölkerung und Umweltgruppierungen sind dagegen. Die Ölgesellschaften und die Banken natürlich dafür – und damit auch Regierung, Justiz, Polizei. Und während zahlreiche einzelne Gewerkschaften ihre Unterstützung für den Widerstand bekunden, bekundet der Gewerkschaftsbund AFL-CIO seine Unterstützung für die Pipeline. Dieser Widerstand reiht sich ein in den weltweiten Kampf gegen neue sogenannte Entwicklungsprojekte, wie Bergwerke und Öl, insbesondere eben Fracking. Siehe dazu einige aktuelle und Hintergrund-Beiträge und unterschiedliche gewerkschaftliche Dokumente

„Standing Rock Vows to Continue NoDAPL Fight in Wake of Court Injunction Denial“ von Mary Annette Pember am 10. Oktober 2016 in Indian Country Today externer Link ist ein Bericht über die Reaktionen der Sioux-Gemeinschaft auf ein Gerichtsurteil, das den Weiterbau der Pipeline erlaubte – wir werden auch weiter um unser Wasser und unsere heiligen Stätten kämpfen, so ein Sprecher der Bewegung

„Crackdown at Standing Rock follows ruling“ von Ragina Johnson am 17. Oktober 2016 beim Socialist Worker externer Link ist ein Beitrag, der die – nach dem Urteil – wachsende Repression gegen die Protestbewegung nachzeichnet und vor allem auf die brutalen Methoden auch der Bautrupps verweist

„Dakota Access Pipeline Company Attacks Native American Protesters with Dogs and Pepper Spray“ bereits am 04. September 2016 bei Democracy Now! externer Link ist ein Video über die Überfälle des Unternehmens auf protestierende Sioux, die mit Hunden, Schlägern und Pfefferspray mißhandelt wurden. Dieses Video wurde insgesamt 14 Millionen Mal angesehen und hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet,  den Protest im ganzen Land bekannt zu machen und entsprechende Solidarität zu mobiliiseren. Amy Goodman, Autorin des Berichts (und langjährige Aktivistin von Democracy Now!) wurde zunächst wegen dieses Videos von der Staatsanwaltschaft wegen „Aufhetzung“ verfolgt, was aber von einem Gericht unterbunden wurde

„Voices From The Front Lines In Standing Rock v.3: Comedian Tito Ybarra And Rethinking The Bigger Picture“ von Gyasi Ross am 12. Oktober 2016 bei Indian Country Today externer Link ist Teil einer Serie von Gesprächen mit Menschen, die aktiv am Widerstand vor Ort beteiligt sind, über ihre Motivation und ihre Erfahrungen dabei

„From the Dakotas to the Desert: Energy Companies Threaten Native Culture“ von Chris Clarke, KCET am 15. Oktober 2016 ebenfalls bei Indian Country Today externer Link ist ein Beitrag, der diese Auseinandersetzung  in den Gesamtzusammenhang der Investitionspolitik der Energieunternehmen stellt, die an vielen Orten „die letzten unbenutzten Ländereien“ bearbeiten wollen – oft genug wichtige Orte für indigene Bevölkerungen, keineswegs nur in den USA

„Is Standing Rock the Oil Industry’s Last Stand? It’s Up to Us to Make It So“ von Four Arrows am 17. Oktober 2016 bei truthout externer Link ist ein Aktivistenbeitrag, der die Entwicklung so einschätzt, dass es eine historische Niederlage für die Ölkonzerne werden könnte

„Why Standing Rock Needs To Be A Two-Front War—Against Big Oil And Big Banks“ von Bill McKibben am 24. September 2016 bei Countercurrents externer Link (ursprünglich im Yes! – Magazin) ist ein Beitrag, der die mehr als 10 Milliarden Dollar Kredite von 38 Banken an das ausführende Konsortium dokumentiert und kritisiert (und schlussfolgert, es müsse auch ein Kampf gegen die Banken sein, nicht nur gegen die Ölindustrie). Unter den Kreditgebern für das Projekt – wie könnte es anders sein – auch die Deutsche Bank (275 Millionen) und die Bayerische Landesbank (120 Millionen) und ungefähr alles, was man aus Europa, den USA und Japan an Banken so kennt, von Credit Suisse über BNP Parisbas zur Bank of Tokyo. In dem Artikel wird darauf hingewiesen, dass es Sinn machen könne, bei diesen Banken zu protestieren…

„Dakota Access Pipeline Exposes Rift In Organized Labor“ von Dave Jamieson am 23. September 2016 bei der Huffington Post externer Link ist ein Artikel, der einen Überblick gibt über die bis dahin erfolgten Reaktionen der US-Gewerkschaften auf diese Protestbewegung und schlussfolgert, es zeige sich eine deutliche Spaltung der Gewerkschaften.

„As Tribes Fight Pipeline, Internal AFL-CIO Letter Exposes ‘Very Real Split’“ von Jon Queally am 22. September 2016 bei Common Dreams externer Link berichtet nicht nur von der Haltung des Gewerkschaftsbundes AFL-CIO, der den Bau öffentlich unterstützt, sondern vor allem über den (vorher gehenden vom 14. September – und zur Bejahung durch die Föderation aufrufenden) Brief von Sean McGarvey, Vorsitzender der North America’s Building Trades Unions (NABTU) – eines Zusammenschlusses von 14 auf dem Bau vertretenen Gewerkschaften – an alle 56 Mitgliedsgewerkschaften des AFL-CIO, in der er alle jene Gewerkschaften, die den Widerstand öffentlich unterstützen frontal attackiert und lautstark darauf verweist, dass sie alle keine Mitglieder an dieser Front  hätten (weswegen sie gefälligst das Maul halten sollen). Es gehe um 4.500 gut bezahlte Jobs für Gewerkschafter. Dabei werden direkt angegriffen die Transportgewerkschaft Amalgamated Transit Union (ATU), die Krankenschwester-Gewerkschaft National Nurses United (NNU),  die Mediengewerkschaft Communications Workers of America (CWA), und die  American Postal Workers Union (APWU). Die Attacke gilt nur den AFL-CIO Gewerkschaften, unabhängige Gewerkschaften wie die UE und Basisgewerkschaften, die schon lange ihre Unterstützung bekundet haben für den Widerstand, werden nicht genannt.

„Unions Weigh in on the Dakota Access Pipeline“ am 30. September 2016 im New Labour Forum externer Link ist eine Sammlung gewerkschaftlicher Dokumente pro und contra die Pipeline – wo berichtet wird, dass auch die SEIU sich gegen den Bau ausgesprochen hat. In dem Beitrag werden Links zu allen verabschiedeten Dokumenten angeboten, die auch jeweils kurz zusammengefasst werden