[Ab 21. Augst 2018] Neuer Gefängnisstreik in den USA – und wer soll dann bei Waldbränden verheizt werden?

usa_gefängnisstreik_21.8.2018Seit 2010 hat innerhalb der Gefangenenbewegung der USA eine strategische Neuorientierung stattgefunden: weg von Hungerstreiks und anderen Protestformen hin zu Arbeitsstreiks. So soll die Knastindustrie lahmgelegt und unter solchen Druck gesetzt werden, dass sich die massive Inhaftierung und Ausbeutung von Gefangenen für den Staat und für die Bosse nicht mehr lohnt. Im Rahmen unzähliger lokaler und regionaler Streiks und Aufstände in US-amerikanischen Haftanstalten riefen Gefangene zum 9. September 2016, dem Jahrestag des Aufstands im Gefängnis von Attica von 1971, zu einem US-weiten Gefangenenstreik gegen die Knastsklaverei auf. Der Streik wurde maßgeblich durch die Gefangenenorganisation Free Alabama Movement organisiert, die 2015 mit ihrem Text „Let the Crops Rot in the Field“ massenhafte Arbeitsstreiks zum Programm machte. Am Streik selbst beteiligten sich dann nach Einschätzungen des Organisationskomitees inhaftierter Arbeiter_innen der Gewerkschaft IWW mindestens 57.000 Gefangene bzw. wurden präventiv eingeschlossen…“ – aus dem Aufruf „Solidarität mit dem Gefangenenstreik gegen die Knastsklaverei in den USA!“ der GG/BO vom 07. August 2018 externer Link (und der Solidaritätsgruppen Jena, Leipzig, Berlin und Köln der Gefangenen-Gewerkschaft, unterstützt vom Internationalen Komitee der FAU) – mit dem auch zu einer Kundgebung am Dienstag, 21. August 2018, 17 Uhr vorm US-Konsulat in Leipzig mobilisiert wird. Siehe dazu auch einen Beitrag zum Einsatz von Gefangenen bei den aktuellen Waldbränden in den USA, einen Bericht zu Repressionsmaßnahmen gegen den geplanten Streik ab 21. August – und den Hinweis auf die LabourNet Germany-Beiträge zum US-Gefangenenstreik 2016:

  • „$1 An Hour to Fight Largest Fire in CA History: Are Prison Firefighting Programs Slave Labor?“ am 09. August 2018 bei Democracy Now! externer Link ist ein Beitrag über den Einsatz von Gefangenen bei der Brandbekämpfung, der der kalifornischen Regierung mindestens runde 80 Millionen Dollar erspart. Die Redaktion von DN spricht darin mit drei Aktiven aus der Gefangenenbewegung, die vor allem Unterschiede zu anderen US-Bundesstaaten hervor heben, in denen solche Einsätze für die Gefangenen die Möglichkeit eröffnen, nach Ende der Strafe darauf eine berufliche Zukunft aufzubauen – was in Kalifornien ausdrücklich ausgeschlossen wird. Zwei Tage Straferlass für einen Tag aktiven Einsatz und 1 Dollar die Stunde, mehr ist nicht.
  • „As #August21 prison strike approaches, repression against organizers escalates“ am 01. August 2018 bei libcom.org externer Link ist ein Beitrag über die Repression im Vorfeld des Gefangenenstreiks, die gegen Aktivisten früherer Proteste gerichtet ist – namentlich gegen Imam Siddique Abdullah Hasan in Ohio, Kevin “Rashid” Johnson n Florida, Keith “Malik” Washington und Jason Renard Walker, beide in Texas, die alle in Einzelhaft genommen wurden (wobei Walker wieder im Normalvollzug ist, aber ständig Post beschlagnahmt bekommt). Darin wird zu Protesten und legaler Hilfe ebenso aufgerufen, wie zu Briefen an die Gefangenen, um ihnen Unterstützung zu zeigen.