Nach dem erfolgreichen Audi-Streik: Weitere Streiks in der Autoindustrie Ungarns – und ein neuer Streik im öffentlichen Dienst

streik ungarnDie ungarische Tageszeitung Népszawa berichtete in der letzten Woche, dass der erfolgreiche Streik der 10.000 Kolleginnen und Kollegen bei Audi in Ungarn die Belegschaften in einer Reihe von Automobilzulieferbetrieben mobilisiert hat, ebenfalls offensive Forderungen nach Lohnerhöhung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erheben. So traten beim Reifenhersteller Hancook in Dunaijváros mit 3.100 Beschäftigten letzten Dienstag/Mittwoch die Nacht- und Frühschicht in zweistündige Warnstreiks für eine 18-prozentige Lohnerhöhung. Sie hatten sich auch durch die Drohung der Geschäftsleitung mit Entlassungen und Rauswurf aus betriebseigenen Wohnunterkünften nicht davon abhalten lassen. (…) Auch beim Autozulieferer Westcast in Oroszlany mit 1.500 Beschäftigten wird die Forderung nach 18-prozentiger Lohnerhöhung erhoben. Bei Nichterfüllung ist für diese Woche ein Streik angekündigt. Beim Autozulieferer Conti in Veszprém mit 1.200 Beschäftigten lautet die Forderung auf 12 Prozent Lohnerhöhung…“ – aus der Korrespondenz „Audi-Streik beflügelt weitere Belegschaften zum Kampf“ am 12. März 2019 bei den Rote Fahne News externer Link, worin auch noch das Anwachsen der gewerkschaftlichen Mitgliederzahlen im Zuge dieser Auseinandersetzungen ein Thema ist. Siehe dazu weitere aktuelle Beiträge zu mehreren Streiks in der ungarischen Autoindustrie und einem Streik im öffentlichen Dienst in Budapest, sowie einen Hintergrundbeitrag zur Lohnsituation in Ungarn:

  • „Hankook-Arbeiter wollen vollen Erfolg“ am 13. März 2019 ebnfalls bei den Rote Fahne News externer Link berichtet dann vom Streikbeginn: „Die gewerkschaftlich organisierten Kolleginnen und Kollegen in der Reifenfabrik Hankook in Dunaújváros streiken seit Dienstag, den 12. März. Sie fordern 18 Prozent Lohnerhöhung. Genau wie die ungarischen Audi-Kollegen, die dies vor kurzem durchgesetzt hatten. Letzte Woche hatte die Firma nach einem zweistündigen Warnstreik 13,6 Prozent Erhöhung für die rund  1.500 Mitarbeiter angeboten. Die Entschlossenheit der Streikenden zeigt sich darin, dass dieser Streik unbefristet angesetzt wurde.“
  • „”Sklavengesetz” und Dumpinglöhne: Was sich (nicht nur) in Ungarn ändern muss“ am 12. März 2019 beim DGB externer Link geht zwar vor allem über das „Sklavengesetz“, hat aber auch Hintergrundinformationen zur Lohnsituation in Ungarn, etwa: „… So wie bei Zsuzsanna sieht es in vielen ungarischen Betrieben aus. Extrem niedrige Löhne und extrem viele Überstunden sind keine Ausnahmen oder Einzelfälle, sondern Normalität – und das ist genau so gewollt. Für Ministerpräsident Viktor Orbán sind Dumpinglöhne der entscheidende Wettbewerbsvorteil seines Landes im Vergleich zu potentiellen Konkurrenzstandorten. An dieser Grundüberzeugung richtet er seine Wirtschaftspolitik aus. Auf den ersten Blick scheinen ihm die Zahlen auch durchaus Recht zu geben: Die Wirtschaft wächst seit Jahren, 2018 um beachtliche 4,9 Prozent. Gleichzeitig sind die Arbeitslosenzahlen auf ein Rekordtief gesunken, im Land herrscht nahezu Vollbeschäftigung. (…) Doch auf den zweiten Blick offenbaren sich die Schattenseiten. Trotz Vollbeschäftigung ist Ungarn laut Eurostat nach Bulgarien das zweitärmste Land in der EU, in den Dörfern leben 40 Prozent der Menschen unter dem Existenzminimum. Der durchschnittliche Nettolohn liegt bei 675 Euro, es gibt große soziale Ungleichheiten und ein enormes Stadt-Land-Gefälle. Aufgrund der schlechten Arbeits- und Einkommensbedingungen verlassen immer mehr Menschen das Land…“

Siehe zu den Hintergründen unsere Dossiers: