Syrische Flüchtlingskinder malochen in türkischen Textilbetrieben – für europäische Unternehmen: Jetzt endlich scheint es öffentliches Thema zu werden

KinderarbeitGanz so neu, wie jetzt von einigen Seiten aus getan wird, ist die Nachricht nun wahrlich nicht: Die Tatsache, dass syrische Flüchtlingskinder in Textilfirmen der Türkei arbeiten müssen war bereits 2015 und auch zu Anfang 2016 Thema gewesen, im Sommer nochmal  – jetzt aber wird die Nachricht nach einer entsprechenden BBC-Sendung weltweit verbreitet. Zu recht, nicht nur, weil es sehr, sehr viele junge Menschen betrifft – sondern auch, weil es einmal mehr zeigt, wie weit die verschiedenen Modekonzerne zu gehen bereit sind, um ihre Profite zu sichern. Da arbeiten welche noch billiger als in ostasiatischen Ländern? Prima. Und die Türkei, die – im Gegensatz zu hysterischen EU-Zusammenrottungen – drei Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen hat, vergibt wenig Arbeitserlaubnis, also müssen die Kinder ran, irgendwie Geld verdienen ist das Motto. Siehe dazu einige aktuelle Beiträge – und einen Verweis auf frühere Berichte:

  • “Kinderarbeit ist ein großes Problem in der Türkei” am 25. Oktober 2016 bei der Zeit online externer Link ist ein Gespräch von Saskia Nothofer mit Sema Genel über Kinderarbeit syrischer Flüchtlinge in der Türkei – und Kinderarbeit überhaupt: „Kinderarbeit  in der Türkei ist leider kein neues Problem. Schon lange gibt es auch viele türkische Kinder, die zur Arbeit geschickt werden. Durch immer mehr syrische Familien gibt es aber auch immer mehr syrische Kinder, die arbeiten. Oft ist es schwierig für diese Familien zu überleben, die Armut ist groß. Geht nur der Vater arbeiten, hat die Familie oft nicht genug Geld, daher müssen die Kinder ran. Leider ist das ein Fakt, und die Situation ist schlimm. Denn sie werden nicht nur unterbezahlt, sondern es herrschen auch schlechte Arbeitsbedingungen. Die Kinder haben keine Sozialversicherung
  • „So werden syrische Flüchtlinge von Modeunternehmen wie Zara und Asos ausgebeutet“ von Aubrey Allegretti am 24. Oktober 2016 in der Huffington Post externer Link, worin zu den Stellungnahmen verschiedener Unternehmen als Kontrast die BBC-Reportage zitiert wird: „“BBC Panorama” sprach jedoch mit sieben von der Ausbeutung betroffenen angestellten Flüchtlingen in den Hauptfabriken des beliebten britischen Einzelhändlers. Oft würden die Flüchtlinge nur knapp mehr als einen Euro pro Stunde verdienen. Sie bekommen damit weit weniger als den türkischen Mindestlohn. Auch wurden die Flüchtlinge von Mittelsmännern auf der Straßen angesprochen, die sie gleich bar bezahlten. Einer der Flüchtlinge behauptete: “Wenn einem Syrer in eine Fabrik irgendetwas zustößt, wird er einfach wie ein altes Kleidungsstück aussortiert.” Der jüngste Arbeiter war 15 Jahre alt und bügelte mehr als zwölf Stunden pro Tag Kleidung, die daraufhin nach Großbritannien geliefert wurde
  • „Child refugees in Turkey making clothes for UK shops“ am 24. Oktober 2016 bei der BBC externer Link war der Beitrag, der jetzt so viel Echo in weiteren Medien gefunden hat – ein Rahmenbericht zu einer ganzen Serie von Interviews mit in der Türkei arbeitenden Flüchtlingen jeden Alters. Die in den Genuss der verschärften Variante der in türkischen Textilunternehmen üblichen Arbeitsbedingungen kommen: Lange arbeiten, kaum etwas verdienen – und auf Dauer Gesundheitsschäden wegen chemischer Behandlung diverser Stoffe
  • „Syrische Flüchtlingskinder arbeiten in Textilfabriken in der Türkei“ am 23. September 2015 bei Aktiv gegen Kinderarbeit externer Link – worin schon vor einem Jahr berichtet wurde: „Die Armut und Verzweiflung der geflüchteten Familien bringen sie dazu, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken. Sie verdienen ihr Geld in der Textilindustrie, bei Bäckereien, bei Hilfsarbeiten auf dem Gemüsemarkt und vielem mehr. CBSN berichtet dabei über einen zehnjährigen Jungen namens Hussein Omar. Hussein arbeitet auf dem Gemüsemarkt in Istanbul. Zwölf Stunden am Tag, 6 Tage in der Woche. Die Schule besucht er nicht, deshalb kann er weder lesen noch schreiben. Er bekommt 25 Dollar in der Woche, was einen Stundenlohn von etwa 0,7 Dollar ergibt. Nicht viel, zum Überleben jedoch genug