Die nächste Runde im Tschad: Trotz wachsender Repression geht der Streik im öffentlichen Dienst auch nach sieben Wochen weiter

Aktion Tote Stadt in der tschadischen Hauptstadt N'Djamena am 12.3.2018Solange die Funktionäre nicht vernünftig bezahlt und Gehaltskürzungen nicht zurückgenommen werden, wird der Streik fortgesetzt. Derzeit sehen wir keine Verbesserungen. (…) Die Krise hat sich 2017 durch die Umsetzung der neuen Regierungsmaßnahmen verschärft, vor allem durch die Gehaltskürzungen. Damit wurden die Arbeitnehmer direkt getroffen. (…) Déby ist seit 28 Jahren an der Macht, und seit 15 Jahren haben wir Gelder durch Öl­einnahmen. Dennoch hat uns der Präsident nie alternative Lösungen gezeigt. Deswegen sind wir der Meinung, dass Präsident Déby keine wirklichen Lösungen anzubieten hat. Man darf nicht vergessen, dass der Tschad vor den Ölfunden ohne große Schwierigkeiten ganz gut funktioniert hat. Vor 15 Jahren gab es keine solche Krise, im Gegenteil: durch die Ölgelder ist es sogar schlechter geworden“ – das sind Auszüge verschiedener Antworten aus dem Gespräch „Auf dem Weg in eine Diktatur“ am 12. März 2018 in der taz externer Link, das Katrin Gänzler mit Saleh Kebzabo von der Union für Demokratie und Aufbruch führte, das ausgeht von der Fortsetzung des Streiks der über 90.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst, der seit Ende Januar andauert. (Und wenn der gute Mann sich von einem wachsenden Engagement der BRD in seinem Land irgendetwas Positives verspricht, dann ist das erst einmal sein Problem…) Siehe zum Streik im Tschad drei weitere aktuelle Beiträge und zwei Hintergrundbeiträge zur Entwicklung des Landes seit 2014 und zur Rolle Frankreichs im Tschad – sowie den Verweis auf unsere Berichte zum letzten Streik im öffentlichen Dienst 2016:

  • „Streikende und Unterstützer verhaftet“ am 12. März 2018 bei den Rote Fahne News externer Link ist eine Meldung, die unter anderem besagt: „Der Streik der Lehrer, Krankenpfleger und Verwaltungsangestellten hat breite Unterstützung unter verarmten Arbeitern und Studenten. Jetzt hat Anti-Aufstandspolizei über 100 Unterstützer verhaftet. Die Anwaltskammer des Tschad verurteilte die systematische Unterdrückung friedlicher Demonstrationen gegen die brutalen Preissteigerungen und Lohnkürzungen“.
  • „Tchad: Journée ville morte ce lundi à Ndjamena à l’appel de la société civile“ am 12. März 2018 bei AllAfrica externer Link dokumentiert (ursprünglich ein Beitrag von RFI) ist ein Zwischenbericht vom ausgerufenen „Tag der toten Stadt“, der aber (zumindest in der Sichtweise des keineswegs ganz neutralen RFI) keine wesentliche Änderung bedeutet habe – allerdings kann selbst in diesem Bericht nicht darüber hinweg gegangen werden, dass in einer Stadt, wie eben der Hauptstadt N’Djamena, in der unter anderem seit sieben Wochen alle Schulen und Krankenhäuser geschlossen sind, keine wesentliche Steigerung mehr möglich ist.
  • „Une nouvelle confrontation contre le gouvernement au Tchad: vers des combats de rue entre les fonctionnaires affamés et les sbires du régime“ am 26. Januar 2018 bei Tchad Convergence externer Link war ein Beitrag zum Streikbeginn Ende Januar, in dem sowohl ausführlich über die Lage und das Leben der #Beschäftigten im öffentlichen Dienst des Tschad berichtet wird, als auch die Vorbereitung verschiedener Repressions-Maßnahmen durch das Regime Déby dargestellt wird. Die Propaganda des Regimes will glauben machen, dass es um die „höheren nationalen Interessen des Landes“ im Kampf gegen den Terrorismus gehe (wofür auch dieses Regime von der EU – von Frankreich sowieso – unterstützt wird) und deswegen eben Verzicht geleistet werden muss (von wem wohl?). In dem Beitrag wird auf die gemeinsame Erklärung der Gewerkschaftsübergreifenden Plattform verwiesen, die die beiden Gewerkschaftsföderationen Union des Syndicats du Tchad (UST) und Confédération Indépendante des Syndicats du Tchad (CIST) mit der unabhängigen Gewerkschaft des Bildungswesens  Syndicat National des Enseignants et Chercheurs du Supérieur (SYNECS) gebildet haben. Darin wird vor allem und gerade rundweg abgelehnt, für diese Regierungspolitik irgendwelche Opfer zu bringen.
  • „Tchad : Face au FMI et au dictateur Déby, résistances populaires !“ von Milan Rivié am 05. März 2018 beim CADTM externer Link ist ein ausführlicher Hintergrundbeitrag zur Entwicklung im Tschad seit 2014, dem Beginn der aktuellen Krise,das die Lage des Landes skizziert als zwischen Hammer (Internationaler Währungsfonds) und Amboss (multinationale Konzerne wie Glencore) beschreibt. Woraus unter vielem anderem deutlich wird, dass auch der Tschad ein Beispiel für jene (nicht nur) afrikanischen Länder ist, die trotz (oder wegen) der Ausbeutung ihrer Rohstoff-Vorkommen verarmen – jedenfalls breite Teile der Bevölkerung. Deren wachsender Widerstand ist ebenfalls Thema in diesem lesenswerten Beitrag.