Wieder haben die Mordmilizen im Sudan geschossen – mit Patronen, die ihnen die EU bezahlt hat. Den „Marsch der Million“ konnten sie dennoch nicht verhindern!

„Marsch der Million“ am 30.6.2019 im SudanBereits am Freitag und Samstag hatten sich repressive Aktionen und Drohungen abgewechselt. So waren Aktivisten der Gewerkschaft SPA ebenso im Vorfeld der Sonntags-Demonstration festgenommen worden, wie Funktionäre der KP Sudan. Den Teil der Drohungen hatte wieder einmal der „Schlächter von Darfur“ übernommen, der dreist in die Welt setzte, dass die Opposition verantwortlich sei für alles, was eventuell passiere. Mit anderen Worten: „Für alle Morde, die meine Banden begehen, trage nicht ich die Verantwortung, sondern Ihr“. Weswegen wir auch in unserer kleinen aktuellen Materialsammlung den gefühlt 138. Beitrag darüber aufgenommen haben, dass dieser Unmensch Hoffnungslose und Reaktionäre rekrutieren und bewaffnen kann – mit Geldern, die er von der EU bekommt. Hauptsächlich aber ist diese Materialsammlung gewidmet den unglaublichen Menschenmengen, die an diesem 30. Juni 2019 in allen Städten des Sudan auf die Straße gingen um dem sogenannten Militärrat zu sagen: Hau ab!

„Warnschüsse bei Demonstration“ am 01. Juli 2019 bei tagesschau.de externer Link berichtet auf die üblich seltsame bundesdeutsche Weise (fängt an mit – tödlichen – „Warnschüssen“) so: „… Zehntausende sind in Sudans Hauptstadt Khartum und in anderen Städten des Landes erneut gegen die Militärregierung auf die Straße gegangen. Agenturberichten zufolge wurden mindestens sieben Menschen getötet. Bei erneuten Massenprotesten gegen den regierenden Militärrat im Sudan sind in der Hauptstadt Khartum und weiteren Städten des Landes Zehntausende Menschen auf die Straßen gegangen. In Khartum setzte die Polizei Tränengas gegen die Demonstranten ein und gab zur Warnung Schüsse in die Luft ab. Nach Berichten von Nachrichtenagenturen gab es mindestens sieben Tote. Die gefürchtete paramilitärische Einheit RSF war mit Maschinengewehren bewaffnet an mehreren Plätzen in Khartum präsent. Er werde keinen “Vandalismus” tolerieren, warnte der Leiter der Einheit, Mohamed Hamdan Dagalo. Es waren die ersten Massenproteste seit der gewaltsamen Auflösung des zentralen Protestlagers in der Hauptstadt, bei der am 3. Juni mehrere Menschen getötet worden waren. Der sudanesische Berufsverband SPA rief die Demonstranten in Khartum über Twitter auf, zum Präsidentenpalast zu ziehen, “um Gerechtigkeit für die Märtyrer” und “eine bedingungslose Machtübergabe an die Zivilbevölkerung” zu fordern. Auch in der Stadt Gadaref im Osten des Landes griffen die Sicherheitskräfte laut Zeugenberichten zu Tränengas. In den Städten Al-Obied, Madani und Chasma el-Girba kam es ebenfalls zu Protesten. In der Stadt Atbara sei bei Protesten ein Demonstrant zwischen 20 und 30 Jahren erschossen worden, meldete das zur SPA gehörende Ärztekomitee. Wer die Schüsse abgab, ist noch nicht klar…“

„Soudan: arrestation de plusieurs leaders de l’opposition“ am 29. Juni 2019 bei RFI externer Link war die Meldung über die Festnahme mehrerer oppositioneller Aktivisten am Vortag, darunter eben sowohl Aktive der Gewerkschaft SPA, als auch der KP Sudan.

„Dozens of students detained in Khartoum“ am 28. Juni 2019 bei Radio Dabanga externer Link war eine weitere Meldung über Festnahmen im Vorfeld der Demonstration am Sonntag: Hier wird gemeldet, dass in der Hauptstadt Dutzende Studierende festgenommen worden seien. Die Dozentenvereingung des East Nile University College habe gegen den Überfall protestiert und eine Untersuchung gefordert – die Miliz Dagelos habe dies getan, wird darin unterstrichen, wofür sie im Übrigen noch nicht einmal eine legale Grundlage als Vorwand braucht.

„Sudan’s ruling generals warn opposition ahead of ‘millions march’“ am 29. Juni 2019 bei Al Jazeera externer Link war die Meldung über die Drohung, dass die DemonstrantInnen die alleine Verantwortung für alles trügen, was eventuell am Sonntag passieren werde.

„#Watch_Sudan_on_June30th“ externer Link ist der Hashtag unter dem eine sehr umfangreiche Reihe von Kurzmeldungen, Videoberichten und Fotos von diesem Aktionstag gesammelt sind – und insgesamt eine sehr beeindruckende Dokumentation eines Tages leistet, an dem unglaubliche Menschenmengen in allen Städten des Sudans für die demokratische Wende in ihrem Land eintraten, trotz Schüssen und Drohungen und Verhaftungen…

„“No-one can turn the Sudanese people back” Hundreds of thousands answer 30 June protest call“ am 01. Juli 2019 beim Mena Solidarity Network externer Link ist die Stellungnahme des britischen gewerkschaftlichen Netzwerkes, in der dieser Aktionstag im Sudan, gerade nach der Vorgeschichte des Massakers zu Monatsanfang und der ganzen Einschüchterungsmaßnahmen und –versuche als ein voller Erfolg der demokratischen Bewegung bewertet wird.

„The goal was to be a million people march, but Sudanese people took it to the next level and made it a billion people march“ am 30. Juni 2019 im Twitter-Kanal Sudan Uprising externer Link ist ein extrem aussagekräftiges Video über die Demonstration in Karthum – das den Eindruck vermittelt, alleine hier wären mindestens eine Million Menschen unterwegs gewesen – weswegen wir dieses auch neben dem Verweis auf den Hashtag nochmals extra verlinken…

„The Million’s march of Port Sudan“ am 30. Juni 2019 bei den Sudant Translators for change externer Link (Facebook) ist das Video von der Demonstration in Port Sudan – naturgemäß kleiner, als in der Hauptstadt, aber nach andere Bekundungen, die größte Demonstration, die es hier jemals gab…

„Brutale Handlanger Brüssels“ von Jörg Kronauer am 29. Juni 2019 in neues deutschland externer Link berichtet (einnmal mehr): „… Sie sind keine Unbekannten, die brutalen Milizen, die seit Wochen in Sudans Hauptstadt Khartum marodieren, plündern und morden. Seit die neuen Machthaber dort, die Generäle des Militärrats, am 3. Juni begonnen haben, die Demokratiebewegung blutig niederzuschlagen, sind mindestens 130 Demonstranten umgebracht, zahllose weitere verletzt und vergewaltigt worden. Die Täter, so berichten es Beobachter aus Khartum, entstammen meist den Rapid Support Forces (RSF), einer mächtigen Miliz, deren Anführer Mohamed Hamdan Dagalo offiziell die Nummer zwei im Militärrat ist, vielen aber als der eigentliche starke Mann in der Junta gilt. Er kommt mit seinen RSF aus Darfur, wo er schon im 2003 entbrannten Bürgerkrieg seine ersten Milizen führte, die Dschandschawid. Bei deren Mordbrennereien kamen Hunderttausende zu Tode. Im Westen nahmen das damals manche zum Anlass, ihre geostrategisch motivierte Forderung nach einem Militäreinsatz in Sudan humanitär zu legitimieren. (…) Der Khartum-Prozess ist aber natürlich nicht auf die Überweisung der Gelder und die Programmarbeit der GIZ beschränkt gewesen: Irgendwer musste schließlich die Flüchtlinge, die auf dem Weg nach Europa waren, stoppen. Diesen Job haben spätestens ab 2016 zu einem großen Teil die RSF übernommen. Ein Geheimnis war das nicht; ab September 2018 konnte man es sogar in einem Bericht des renommierten Den Haager Thinktanks Clingendael Institute nachlesen. Die Autoren beschrieben darin, gestützt auf Interviews mit Flüchtlingen wie auch mit RSF-Milizionären, das Geschehen vor Ort. Demnach kontrollierten die RSF die Routen zu den Grenzen nach Libyen und Ägypten, ließen einige Flüchtlinge für ein sattes Wegegeld passieren, transportierten andere gegen einen hohen Aufpreis selbst, setzten vor allem aber Tausende fest – allein von Mitte 2016 bis Januar 2017 sollen es mindestens 1500 gewesen sein. Sie erpressten Lösegelder von den Familien in der verarmten Heimat, folterten. Der Unterschied zum Geschehen in den berüchtigten Folterlagern in Libyen scheint allenfalls graduell zu sein. Und die EU? Sie hat das ebenso wenig gestört wie die Tatsache, dass ihre gehätschelte libysche »Küstenwache« Flüchtlinge in die erwähnten Folterlager überstellt. Die RSF stoppten eine große Zahl an Flüchtlingen – sie taten also ihren Job…

„Soudan: L’Union européenne complice“ von Joseph Daher am 20. Juni 2019 bei Europe Solidaire externer Link dokumentiert ist ein Kommentar zum Appell der EU „an beide Seiten“ zu verhandeln, worin er anmerkt, dass die EU ja auch Handlungsmöglichkeiten hätte, wenn sie etwas verändern wollte…

„The Sudanese revolution is our honour! Down with the Transitional Military Council!“ am 06. Juni 2019 ebenfalls bei Europe Solidaire externer Link dokumentiert, ist eine Stellungnahme des Anti-Schulden Bündnisses CADTM mit der nicht nur massiv die sudanesische Revolutionsbewegung unterstützt wird, sondern auch die verschiedenen internationalen Unterstützer des alten und weiterhin bestehenden Regimes heftig kritisiert werden.