Marokkanische Landarbeiterinnen in Andalusien: Wer gegen Arbeitsbedingungen auf den Erdbeerfeldern protestiert, wird abgeschoben

SAT: Eine ganze Reihe von Landbesetzungen in Andalusien400 marokkanische Frauen, Landarbeiterinnen bei der Erdbeer-Ernte des Unternehmens Doñana 1998, hatten sich über die extrem üblen Arbeitsbedingungen auf den Erdbeerfeldern beklagt. Mehr noch: Sie hatten Schritte unternommen, dies zu verändern, sich zu organisieren. Woraufhin das Unternehmen reagierte: Mit der Bestellung von Omnibussen, um sie abzuschieben. In dem Artikel „Patronal andaluza intenta deportar a 400 temporeras por denunciar abusos“ von Roberto Jara am 04. Juni 2018 bei La Izquierda Diario externer Link wird nicht nur ausführlich über die Lebensbedingungen und die Klagen der Landarbeiterinnen berichtet – unter anderem über sexuelle Erpressung und Vergewaltigung durch Vorarbeiter – sondern auch darüber, dass die Massenabschiebung verhindert wurde durch eine Aktion der andalusischen Arbeitergewerkschaft SAT, die unter andere eine Eilanzeige bei den Behörden einreichte. Das Unternehmen versucht nun, sich damit heraus zu reden, die Saison sei eben vorbei und alles gehe seinen normalen Gang – was sowohl die Frauen, als auch die SAT energisch bestreiten. Siehe zur Aktion gegen die Abschiebung einen weiteren aktuellen Beitrag, sowie einen Hintergrundbeitrag über das Leben der Landarbeiterinnen auf Europas Feldern, darunter auch in Andalusien:

  • „Vergewaltigt auf Europas Feldern“ von Pascale Muller und Stefania Brandi am 30. April 2018 bei Buzzfeed externer Link war eine gemeinsame Publikation des Portals mit Correctiv, in der es – neben Berichten aus anderen Regionen – zu den Verhältnissen in Andalusien und den Beziehungen des dortigen Agrarkapitals in die BRD unter anderem hieß: „Palos de la Frontera ist eine Stadt, der die Erdbeeren Reichtum gebracht haben. Rund 80 Prozent der nach Deutschland gelieferten Erdbeeren stammen aus der Region Huelva in Andalusien. Die Region ist der größte Erdbeerproduzent Europas. Unter einem weißen Meer von Plastik-Gewächshäusern ernten vor allem Frauen jedes Jahr mehr als 300.000 Tonnen Erdbeeren. Das sogenannte rote Gold verspricht finanzielle Stabilität und Arbeitsplätze. Im Jahr 2017 exportierte Spanien Erdbeeren im Wert von rund 600 Millionen Euro, angeblich die beste Erdbeerernte seit 40 Jahren. Mit Journalisten wollen die Einheimischen aber nicht über das Geschäft sprechen. Eine wiederholte Anfrage von BuzzFeed News wurde von regionalen Handelsorganisationen wie Freshuelva und der andalusischen Regierung nicht beantwortet. Der Bedarf an billigen, ungelernten Arbeitskräften in Huelva nimmt stetig zu. Kalima, Sabiha und ihre Kolleginnen kommen aus Regionen Marokkos, in denen es kaum Jobs gibt. Die Arbeit in Spanien ist für sie eine Möglichkeit, der Armut zu entkommen. Sie arbeiten von sechs Uhr morgens bis zu einer oft nur halbstündigen Mittagspause und dann oft wieder den ganzen Nachmittag bis zum Abend. Dabei verdienen sie nicht mehr als 30 Euro am Tag. Wenn das Wetter zu schlecht für die Ernte ist, werden sie nicht bezahlt. Manchmal werden sie aus völlig willkürlichen Gründen mit Arbeitsentzug bestraft, zum Beispiel für das Zerdrücken von Früchten. Diese finanzielle Abhängigkeit der Frauen nutzen die Täter aus. Die Frauen geben an, dass sie von örtlichen Institutionen, Gewerkschaften und Frauenrechtsorganisationen allein gelassen werden. In Gesprächen mit BuzzFeed News sagen lokale Frauenrechtsorganisationen, es gebe keine Belästigungen, keinen Missbrauch, keine Vergewaltigungen von Feldarbeiterinnen. Wiederholte Versuche, Gewalt an Arbeiterinnen mit dem örtlichen Roten Kreuz, der Caritas oder den Frauenrechtsorganisation „Huelva Acoge“, sowie „Frauen in Konfliktregionen“ (Mujer en Zone de Conflictos) zu diskutieren, blieben erfolglos“.