Das Ergebnis des serbischen Fiat-Streiks: Kapitulation (inklusive 3 Jahre Streikverzicht). Allerdings: Nicht total

Streikende Belegschaft Fiat Serbien am 3.7.2017Über das abrupte Ende des Streiks der Fiat-Belegschaft in Kragujevac nach dem Treffen der Gewerkschaftsvertreter mit der Regierung und dem Unternehmen waren bereits unmittelbar danach – keineswegs nur von uns – Überlegungen angestellt worden, was nun das (bis dahin nicht bekannt gegebene) Ergebnis genau sei und wie wohl die Reaktion der Belegschaft ausfallen würde – und auch jenes Teils der Öffentlichkeit, der diesen Streik unterstützt hatte. Und während nun in den Mainstream-Medien – wenn überhaupt – eine Reuters-Meldung verbreitet wird, die ein sachliches Bild zeichnen will und als Ergebnis eine Lohnerhöhung und weitere Verabredungen  berichtet, ist es vor Ort zu einer massiven Auseinandersetzung gekommen. Denn nur die größere der beiden betrieblichen Gewerkschaften hat dieses Abkommen unterzeichnet – die kleinere Betriebsgewerkschaft lehnt dies nicht nur ab, sondern kündigt an, notfalls auch auf dem Klageweg zu versuchen, dieses Abkommen zu verhindern. Siehe dazu zwei aktuelle Beiträge und den Verweis auf bisherige Berichte, v.a. zur Rolle der Gewerkschaft bei der „abrupten Beendigung“ des Streiks:

  • „Fiat, government, unions agree on wage rise in Serbia-based plant“ ist eine Reuters-Meldung vom 24. Juli 2017 externer Link (hier bei der britischen Daily Mail) in der das Ergebnis der Verhandlungen so zusammengefasst wird (den Nachrichten des staatlichen serbischen Fernsehens folgend): Eine Lohnerhöhung von 38.500 auf 42.000 Dinar (etwa 350 Euro) in diesem und dem nächsten Jahr, sowie Zusage von Bonuszahlungen (die ursprüngliche Forderung, nachzulesen in unserem ersten Beitrag zum Fiat-Streik am 05. Juli, betrug 45.000 Dinar). Über alles Weitere würde noch verhandelt, wird in dem Bericht erwähnt.
  • „Serbian Unions Clash Over Deal With Fiat“ von Filip Rudic am 25. Juli 2017 bei Balkan Insight externer Link ist ein ausführlicher Bericht über die heftige Reaktion der zweitgrößten bei  Fiat vertretenen Gewerkschaft Nezavisnost am Abkommen, das Samostalni und ihr Vorsitzender Zoran Markovic geschlossen haben. Die Kritik beginnt damit, dass darauf verwiesen wird, dass in der ersten Stellungnahme nach Vertragsunterzeichnung öffentlich gesagt worden sei, es seien Bonuszahlungen vereinbart – Tatsache aber sei, es werde, ohne jede Garantie, lediglich weiter darüber verhandelt. Die vereinbarte Lohnerhöhung wiederum liege unter dem Angebot das Fiat vor Beginn des Streiks gemacht habe – was von Samostalni versucht wird, zu entkräften, indem darauf verwiesen wird, das nunmehr unterzeichnete sei eben das einzige Angebot gewesen, das zur Verhandlung vorlag. Und das bedeutet: 2,2% Erhöhung im August 2017 und 4,5% in 2018. (Womit jeder und jede selbst rechnen können – ursprünglich hatte Fiat 9,4% angeboten). Es werde außerdem eine gemeinsame Kommission geben, die die Arbeitsbelastung der Belegschaft beobachte und „gegebenenfalls“ Maßnahmen zur Entlastung ergreifen werde – wurde von der (am Unternehmen und an den Verhandlungen)  serbischen Regierung bekannt gegeben. Und: Die Unterzeichnung des Abkommens bedeute auch, dass die Gewerkschaft – im Namen der Belegschaft – für die kommenden drei Jahre auf Streiks verzichte. Worauf die entsprechende Pressekonferenz beendet wurde – ohne Möglichkeit, Fragen zu stellen, wie der Autor berichtet. Die Gewerkschaft Nezavisnost reagierte darauf mit der Mitteilung, man prüfe eine Klage gegen Markovic, denn dies sei ein eindeutiger Fall von Betrug. Es mag bezweifelt werden, dass eine Reaktion auf juristischem Weg ergebnisträchtig sein kann – dass diese Bewertung in der Tat zutrifft, ist unbestreitbar – eine Gewerkschaft hat den Auftrag „ihrer“ Regierung erfüllt.