Nach dem Polizeiüberfall im Hafen von Setubal: Der Streik wurde ausgeweitet, Portugals Regierung will nun doch Verhandlungen

Portugal: Die Tagelöhner im Hafen von Setubal seit zwei Wochen im Streik, hier am 16.11.2018Die Reaktionen der streikenden Tagelöhner-Docker auf den Polizeiüberfall, mit dem die Beladung des VW-Schiffs (Autoeuropa) nach Emden (Autoport) (das am heutigen Mittwoch, 28.11. dort erwartet wird. Neu: In Emden wird die Entladung des VW-Schiffs verzögert durch eine ausserordentliche Abteilungsversammlung bei Autoport zwischen 13.45 und 16 Uhr, das Schiff bleibt allerdings (ausnahmsweise?) bis morgen Abend liegen…) durch Streikbrecher ermöglicht wurde, war eindeutig: Der Streik wurde fortgesetzt – und auf andere Bereiche im Hafen ausgedehnt, die Solidarität der Gewerkschaftsbewegung und linker Organisationen mobilisiert. In dem Bericht „Estivadores mantêm greve ao trabalho extraordinário“ am 27. November 2018 bei AbrilAbril externer Link wird informiert, dass die „Dringlichkeitsbesprechung“, zu der die Regierung nach dieser Fortsetzung des Streiks einlud, von der Basisgewerkschaft SEAL angenommen wird, ohne allerdings den Streik auszusetzen: Der werde so lange fortgesetzt, teilte die Gewerkschafts-Koordination nach einer Vollversammlung mit, bis substanzielle Ergebnisse im Sinne der Streikenden vorlägen. Die Chancen dafür werden insofern als recht gut gesehen, als das Echo auf den Polizeieinsatz so intensiv war, dass sowohl die Regierung, als auch die Hafengesellschaften „Entgegenkommen“ signalisieren mussten. Siehe dazu zwei weitere aktuelle Beiträge und den Hinweis auf unseren bisher letzten Bericht zum Streik der Tagelöhner in Setubal:

  • „Conferência de imprensa sobre as negociações e radiografia dos portos SEAL“ am 27. November 2018 bei der SEAL externer Link ist einerseits eine Erklärung (mit Ankündigung einer Pressekonferenz), dass die Gewerkschaft an jeder Besprechung teilnehmen werde, aber keine Ultimaten akzeptieren, andererseits (mit Link) der Verweis darauf, dass eben diese Pressekonferenz sich mit der Situation aller Häfen in Portugal befassen werde und – bis auf Madeira – alle 7 anderen Häfen, in denen SEAL inzwischen organisiert, ebenso vertreten sein werden, wie unter anderen der Sekretär des größten Gewerkschaftsbundes Portugals, der CGTP-In.
  • „Aproveitar a luta dos estivadores para uma ofensiva nacional contra a precariedade“ am 27. November 2018 bei der MAS externer Link ist ein Beitrag (der auch hier als Beispiel dafür stehen soll, wie diese Entwicklung in vielen linken Organisationen diskutiert wird), in dem die Notwendigkeit unterstrichen wird, die Entwicklung, wie sie durch die Fortsetzung des Streiks in Setubal nach dem Polizeiüberfall eingeleitet und durch die massive Solidarität verstärkt wurde, zu nutzen, um einen landesweiten Kampf gegen prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen zu führen, die diese Regierung ja versprochen hatte zu überwinden, aber spätestens eben mit dem Polizeiüberfall gezeigt habe, was von diesen Versprechungen zu halten sei…