Erfolgreicher Streiktag der neugegründeten Gewerkschaft der Häfen und Logistik Portugals – illegale Versuche, Streikende durch Leiharbeiter zu ersetzen sind gescheitert

Dockerstreik der SEAL am 10.7.2017 auf MadeiraDie Dockergewerkschaft von Lissabon war schon verschiedentlich Gegenstand – positiver – Berichterstattung im LabourNet Germany. Wird sie künftig nicht mehr sein: Denn sie ist jetzt Teil der (nicht zuletzt: von ihr) neu gegründeten landesweiten Gewerkschaft der Häfen und Logistik: SEAL. Die konsequent basisdemokratische Struktur der lokalen Gewerkschaft und ihre konsequente Haltung gegen Prekarisierung und insbesondere Leiharbeit war offensichtlich für Kolleginnen und Kollegen anderer Häfen – ob unorganisiert oder in anderen Gewerkschaften (weitaus weniger demokratisch und schon gar nicht konsequent gegen Prekarität – sondern eher „gestaltend“) – attraktiv genug, um eine solche Entwicklung hin zur landesweiten Ausdehnung zu erfordern und ermöglichen. Und die Kombination mit der Logistik (ganz ohne irgendwelche Matrixen und sonstige Kopfgeburten) macht, wie an allen Häfen dieser Welt, Sinn. Die erste große Aktion der neuen Gewerkschaft war der eintägige landesweite Protest-Streik am 10. Juli 2017 gegen die antigewerkschaftliche Haltung der Hafenbetriebe in einer Reihe von Städten Portugals. Siehe dazu die Erklärung der SEAL zum Proteststreik und zwei aktuelle Berichte darüber:

  • „MANIFESTO Contra as práticas antisindicais nos portos de Sines, Caniçal e Leixões“ vom 19. Juni 2017 externer Link ist die Erklärung der Gewerkschaft SEAL zur Situation der Beschränkung gewerkschaftlicher Tätigkeit in verschiedenen Häfen Portugals. Dabei wird vor allem auf zwei Bedeutungen beziehungsweise Implikationen dieses Vorgehens hin gewiesen. Zum einen treffe dieses antigewerkschaftliche Vorgehen vor allem jene Aktiven, die sich gegen die Prekarität – und die Versuche, ihrer weiteren Ausdehnung – einsetzen. Zum anderen werde dieses Vorgehen durch das immer noch geltende Gesetz über die Häfen unterstützt, das von der neuen Regierung nach wie vor nicht reformiert worden sei, sondern so belassen, wie es die Austeritäts-Regierungen verabschiedet haben. Von diesen beiden Feststellungen ausgehend unterstreicht die Gewerkschaft, dass das Ziel des Streiktags es sowohl sei, gewerkschaftliche Rechte zu verteidigen – als auch den Kampf gegen die Prekarisierung, so wie es im Hafen von Lissabon und benachbarten gelungen sei, weiter zu führen, insbesondere mit der Abschaffung der Leiharbeit.
  • „100% de adesão à greve contra as práticas anti-sindicais“ am 12. Juli 2017 bei der SEAL externer Link ist die Mitteilung über die erfolgreiche Durchführung des Streiktages am 10. Juli, der bis 8 Uhr am 11. Juli in den Häfen von Leixões, Figueira da Foz, Lissabon, Setúbal, Sines, Caniçal (Madeira) und Praia da Vitória (Azoren) mit 100% Beteiligung stattgefunden habe. Dabei wird insbesondere darauf verwiesen, dass in den Häfen von Caniçal und Leixões zum ersten Mal seit 30 Jahren gestreikt worden sei (und deren Belegschaften nicht zuletzt deshalb und der entsprechenden Haltungen bisheriger Gewerkschaften in besonderem Maß Opfer von Erpressungen hin zu immer schlechteren Arbeitsbedingungen gewesen seien).
  • „Estivadores promovem greve contra práticas antissindicais“ am 10. Juli 2017 beim Esquerda.net externer Link ist der Bericht vom Streiktag auf der Webseite des Linksblocks (BE), in der auch darauf verwiesen wird, dass viele Mitglieder des BE sich an diesen Aktionen beteiligt hätten. Auch der Gewerkschaftsbund CGTP und seine Branchenföderation FECTRANS hätten ihre Solidarität mit diesem Streik deutlich gemacht. In Leixões habe die Gewerkschaft SEAL die Arbeitsinspektion gerufen, um einen Gesetzesverstoß des Hafenbetreibers zu unterbinden: Dort hatte es den Versuch gegeben, die streikende Belegschaft durch Zeitarbeiter zu ersetzen, was in Portugal nicht erlaubt ist, da es eine Maßnahme ist, das Streikrecht zu unterlaufen.