„Du bist nichts als eine Nummer!“ – zu mindestens ab nächstes Jahr, sofern Du in Österreich erwerbslos bist

[Buch] Kritik des Computers. Der Kapitalismus und die Digitalisierung des Sozialen„… Das Arbeitsmarktservice (AMS) darf ein Computerprogramm einsetzen, um die Arbeitsmarktchancen von Arbeitslosen zu bewerten. Das hat der Verwaltungsrat am Dienstag beschlossen. Das Programm befindet sich derzeit im Testbetrieb und soll ab Mitte 2020 österreichweit in den Echtbetrieb wechseln. Das System funktioniert Folgendermaßen: Das AMS zeigt seit November 2018 den Mitarbeitern per Computer die Arbeitsmarktchancen von ihren Kunden an, wenn diese bei ihnen vorstellig werden. Wer arbeitslos wird und sich beim AMS meldet, wird seither von einem Computerprogramm bewertet und eingeteilt. Im Segment A befinden sich Personen mit sehr guten Integrationschancen ohne Unterstützungsbedarf, im Segment B die Personen mit mittleren Integrationschancen, die „notwendige Unterstützung“ bekommen sollen, und im Segment C die Personen mit „geringen Integrationschancen“ in den Arbeitsmarkt.  Die Betreuung dieser Personen mit schlechter Jobperspektive soll künftig laut „Standard“ an eine externe Jobagentur ausgelagert werden, die für die Betroffenen Angebote wie „gemeinsames Bewegen und Musizieren“ oder zur „psychosozialen Stabilisierung“ schafft. Menschen, denen der Computer schlechte Perspektiven prognostiziert, bekommen damit keine teuren Ausbildungen mehr, sondern werden in ein eigenes Programm gesteckt. Auch diese “Anpassung des Dienstleistungs- und Förderangebots” wurde am Dienstag vom Verwaltungsrat beschlossen. “Dies betrifft neue Förderangebote für Personen mit niedrigen Arbeitsmarktchancen, wird aber auch zur Effizienzsteigerung der für arbeitsmarktpolitische Fördermaßnahmen eingesetzten Budgetmittel führen”, bestätigt das AMS gegenüber der futurezone…“ – aus dem Beitrag „AMS gibt grünes Licht für Bewertung von Arbeitslosen durch Algorithmus“ von Barbara Wimmer am 17. September 2019 in der futurezone externer Link, worin auch noch auf die weiteren Beiträge der Serie verwiesen wird, deren Bestandteil dieser Beitrag ist. Siehe dazu auch einen weiteren Beitrag zu dieser Neuerung, der über 800 Kommentare hervor gerufen hat – und den Hinweis auf einen Beitrag im LabourNet Germany aus dem März 2019 zum Thema:

  • „Arbeitsmarktservice gibt grünes Licht für Algorithmus“ von András Szigetvari am 17. September 2019 im Standard.at externer Link hebt unter anderem hervor: „… Im Windschatten des laufenden Wahlkampfes ist es ruhig geworden rund um das Arbeitsmarktservice (AMS). Dabei steht die Arbeitsmarktpolitik in Österreich vor einem Umbruch – und die Weichen dafür werden ab heute, Dienstag, gestellt. Da holte sich der Vorstand des Arbeitsmarktservice grünes Licht für den Einsatz des Algorithmus ab 2020 holen, mit dessen Hilfe die Jobchancen von Arbeitslosen künftig bewertet werden sollen. Die Strategie absegnen musste der Verwaltungsrat, in dem Regierungsvertreter, Arbeitgeber und Arbeitnehmer sitzen. Die von AMS-Chef Johannes Kopf forcierte Strategie wurde abgesegnet, wobei die Arbeitnehmer sich der Stimme enthielten…“ – wobei neben der Haltung der „Arbeitnehmer-Zertreter“ auch noch einer der zahlreichen Kommentare interessant ist: „… Der Verwaltungsrat besteht aus drei Arbeitgebervertretern, drei Arbeitnehmervertretern und einem Vertreter des Bundesministeriums.  Die Versicherten sind Arbeitnehmer, die Versicherungsbeiträge werden für Arbeitnehmer einbezahlt, was haben die Arbeitgeber dabei zu suchen?  Kein Wunder, dass das AMS so ist, wie es ist…“