Studierende in Mexiko: Massenprotest für eine andere Bildungspolitik – und vor allem gegen die Gewalt der politischen Banden an den Unis

Demonstration gegen Gewalt in Piebla (Mexico) - ein zentrales Thema der Wahl am 1. Juli 2018Zwei Tage nachdem auf dem Gelände der Nationalen Autonomen Universität Mexikos (Unam) protestierende Gymnasiasten von Schlägertrupps mit Knüppeln und Messern angegriffen worden sind, haben am vergangenen Mittwoch zehntausende Studierende in Mexiko-Stadt demonstriert. Sie forderten die Auflösung der sogenannten Porros, gewalttätige Gruppen, die von Parteien und Hochschulleitungen finanziert werden, um studentische Proteste leichter unterdrücken zu können. Meist bestehen diese Gruppierungen selbst aus Studenten, die ihre Kommilitonen überwachen und politische Aktivitäten den Behörden und der Universitätsverwaltung melden. Allein an der Unam soll es etwa 40 solcher Gruppen geben. Am 3. September hatten Schüler des staatlichen Gymnasiums CCH Azcapotzalco auf dem Campus der Unam demonstriert, um auf den verheerenden Lehrermangel an ihrer Schule aufmerksam zu machen. Schon am 27. August waren sie in einen unbefristeten Streik getreten, um gegen die unhaltbaren Lehrbedingungen zu protestieren. Als ihre Demonstration vor dem Rektorat der Unam ankam, wurden sie von etwa 200 Porros überfallen, von denen die meisten Trikots der universitätseigenen Fußballmannschaft trugen. Bei dem Angriff wurden mehrere Schüler durch Schläge und Messerstiche zum Teil schwer verletzt. Wer hinter der Attacke steckt, ist weiterhin unklar. Die Studierendenschaft nutzte die schnell angesetzte Großdemonstration vom Mittwoch auch, um ihrem Unmut über steigende Unsicherheit in den Hochschulen und die desolaten Studienbedingungen an den öffentlichen Universitäten des Landes Luft zu machen…“ – aus dem Beitrag „Zehntausende protestieren gegen Gewalt an Unis in Mexiko“ von Alexander Gorski am 09. September 2018 bei amerika21.de externer Link, aus dem bereits deutlich wird, dass ein enger Zusammenhang zwischen der Gewaltorgie durch Schlägerbanden und dem Kampf um eine wirkliche Reform im Bildungswesen – die nichts mit den Privatisierungsplänen der bisherigen Regierung zu tun haben kann – besteht. Siehe dazu einen weiteren aktuellen Beitrag, sowie jeweils einen Hintergrundbeitrag zu möglichen Zielen einer wirklichen Veränderung im Bildungswesen und zur Rolle der Gewerkschaften bei diesen Auseinandersetzungen:

  • „No a otra “reforma” educativa, sí a una revolución cultural“ von Marco Dávila am 01. September 2018 bei Rebelion.org externer Link ist ein Beitrag, der zur Debatte um die Ziele der aktuellen Bewegung beitragen will – in dem er unterstreicht, dass es nicht darum gehen kann, eine weitere, selbst wenn weitaus bessere Bildungsreform durch die Regierung zu fordern, sondern dass, was Not tut, eine regelrechte Kulturrevolution sei. Gemeint ist damit ein Projekt, das in der Lage ist, die bisher marginalisierten indigenen Traditionen des Wissens in eine demokratische Pädagogik zu integrieren, um, wie der Autor es ausdrückt, zu einem wahrhaft mexikanischen Bildungswesen zu kommen, das für alle in gleicher Weise zugänglich sein muss.
  • „Educación y sindicalismo“ von Pedro Echeverría V. am 30. August 2018 ebenfalls bei Rebelion.org externer Link ist ein Beitrag, der die aktuelle Auseinandersetzung an den Universitäten und den Kampf der Opposition in der LehrerInnen-Gewerkschaft, der CNTE, die in diesen Tagen mit ihren im Widerstand gegen die sogenannte Erziehungsreform der bisherigen Regierung Pena (offiziell noch amtierend) entwickelten Vorschlägen einer „demokratischen Bildungsreform“ enormen Einfluss in der Protestbewegung gewinnt – eine Entwicklung auf die, so der Autor, die neu gewählte mexikanische Regierung Obrador dringend positiv antworten müsse.