Demonstration zum Auftakt des sozialen Streiks in Seoul: 60.000 auf der Straße für höheren Mindestlohn, Verbot der Zeitarbeit und Beendigung des Subunternehmen-Unwesens, für Gewerkschaftsrechte

Rund 60.000 in Seoul beim Auftakt des Prekärenstreiks des KCTUDie Mehrheit der TeilnehmerInnen der Demonstration am 30 .Juni 2017 in der südkoreanischen Hauptstadt waren junge Menschen: Die im Wirtschaftswunderland zu Mindestlöhnen unter Bedingungen arbeiten müssen, die unmenschlich sind. Womit der Gewerkschaftsbund KCTU eindrucksvoll die Gegenpropaganda widerlegt hat, er sei ja nur Vertreter der Stammbelegschaften – eine Widerlegung im Bündnis mit zahlreichen sozialen Organisationen und einer wachsenden Zahl selbstorganisierter Gewerkschaften in besonders prekären Bereichen, was der KCTU als „sozialen Streik“ definiert hatte (Siehe den Verweis auf die vorherigen Beiträge am Ende des Artikels). Der Gewerkschaftsbund machte deutlich, dass es nicht seine Haltung und nicht sein Interesse ist, solcherart Ausbeutungsbeziehungen „mit zu gestalten“, sondern: Abzuschaffen. Das ist die Forderung auch an eine Regierung, die betont hat, man wolle dafür arbeiten, dass die Beschäftigten und auch die Erwerbslosen im Land wieder ein würdiges Leben haben könnten. Rund um die Großdemonstration fanden auch verschiedene kürzere Streiks statt. Siehe dazu vier aktuelle Beiträge:

  • „Labor union stages mass rally over minimum wage, irregular workers „ am 30. Juni 2017 bei den Yonhap News externer Link ist die Meldung über die Großdemonstration zur Eröffnung der Kampagne, von der in dem Text unterstrichen wird, sie sei die größte gewerkschaftliche Demonstration seit längerer Zeit gewesen. Wie viele Zeit- und Leiharbeiter es in Südkorea gibt ist umstritten: Die offiziellen Statistiken sprechen von rund 6,4 Millionen Menschen, die gezwungen sind, unter solchen Bedingungen zu arbeiten und zu leben, die Gewerkschaften sagen, es seien 8,7 Millionen – oftmals versteckt in einem von den Großunternehmen betriebenen System von mehreren Stufen von Subunternehmen. In den Tagen vor dieser Auftaktdemonstration hatten als erste der prekär Beschäftigten an Schulen eine Reihe örtlicher Streiks organisiert – sie verdienen im Durchschnitt 54% der Löhne, die festangestellte Beschäftigte für dieselbe Arbeit erhalten.
  • „Social dialogue needed for real solution to irregular work and polarization“ am 01. Juli 2017 bei Hankyoreh externer Link ist ein Kommentar, in dem darauf abgehoben wird, es sei ein sozialer Dialog nötig, um die „irreguläre Beschäftigung“ (und die sich aus ihr ergebenden sozialen Polarisierung) zu beseitigen. Der erste große Streik der „Irregulären“ in Südkorea, von denen inzwischen 100.000 im KCTU organisiert seien, sei ein Zeichen dafür, wie wichtig dieses Problem für viele Menschen sei – denn an den Streiks, die zum Teil einen Tag, zum anderen Teil einige Stunden dauerten, hätten sich insgesamt wesentlich mehr Menschen beteiligt, als Gewerkschaftsmitglieder in diesen Bereichen seien und dies