Streik bei El Cerrejon

Dossier

Streik bei El CerrejonMit Subunternehmen beschäftigt El Cerrejon, die grösste Kohletagebau Kolumbiens und die grösste Tagebauzeche der Welt – im Besitz von Anglo American, BHP Billiton und Xstrata-Glencore – rund 12.500 Menschen, mehr als die Hälfte davon sind Leiharbeiter. Von den knapp 6.000 fest Beschäftigten sind etwa 75% bei der Gewerkschaft Sintracarbon organisiert – und 98,5 % von ihnen haben bei einer Urabstimmung für Streik gestimmt. Neben Lohnerhöhungen geht es auch um Arbeitsbedingungen – für viele sind 12 Stunden-Schichten der Normalfall – und um Gesundheitsprobleme, der Prozentsatz der Beschäftigten, die Lungenprobleme haben, liegt noch höher als anderswo und etwa 700 Fälle von Berufskrankheit werden vom Unternehmen nicht anerkannt, und auch die gesamte Belastung für die Region ist Thema. Seit 29. November zogen sich die Verhandlungen hin, ohne dass das Unternehmen Bereitschaft zeigte, auf die Forderungen der Belegschaft einzugehen. So kommt es zum ersten Mal nach 22 Jahren zu einem Vollstreik, nachdem es in den letzten Wochen schon mehrmals Warnstreiks gegeben hatte. Siehe dazu unser Dossier:

  • Mehr Kohle für Kumpel: Erfolgreicher Abschluss nach 34 Tagen Streik in Kolumbien – trotz Morddrohungen per Anruf
    Die Gewerkschaft Sintracarbón hat mit ihren Mitgliedern einen Tarifvertrag erstritten, der deutliche Verbesserungen beim Lohn und für Leiharbeiter enthält. Artikel von Knut Henkel im Neues Deutschland vom 12.04.2013 externer Link
  • Urabstimmung im Streik von Cerrejon
    Die Gewerkschaft Sintracarbón hat von der Unternehmensleitung ein Angebot erhalten, das sie der Belegschaft zur Entscheidung vorlegen wird – bei einer Annahme könnte der Streik, der am 07. Februar begann, beendet werden, heisst es in der Pressemitteilung “Sintracarbón presentará propuesta recibida en mesa de negociación” externer Link vom 04. März 2013
  • Streik bei El Cerrejon: 40% weniger Export. Watt’n Fall…
    Ende Januar zeigten sich Analysten besorgt über mögliche Auswirkungen des Streiks auf die europäischen Abnehmer. Der Arbeitskampf führt zu einem Ausfall von etwa 40 Prozent der aus Kolumbien exportierten Steinkohle. Das entspricht 2,5 bis 3 Millionen Tonnen der monatlich verschifften Kohle. Mit dem Streik könnten die kurzfristigen Kosten für Steinkohle sehr schnell ansteigen, so der Brancheninformationsdienst Coal Americas, zumal die Lager leergefegt seien und neue Bestellungen erst wieder am Ende des 2. Quartals möglich sind. Nach Angaben des Hamburger Protestbündnisses Gegenstrom.13 würde ein Lieferengpass in Europa vor allem den Energiekonzern Vattenfall betreffen” – so endet der Kurzbericht “Streik in Kohlemine El Cerrejónexterner Link von Malte Daniljuk am 17. Februar 2013 bei amerika21.de. Siehe dazu auch:
  • The Colombian mining locomotive has haltedexterner Link von Joan Martínez-Alier am 14. Februar 2013 bei ejolt, worin die Politik der “Lokomotiven” der Santosregierung speziell auf eine von ihnen – eben den Kohlebergbau – hin überprüft wird, in seiner Bedeutung für das Land, sozial und ökologisch
  • Solidaritätsdemonstration mit streikenden Kohlearbeitern
    In Riohacha, der nördlichsten größeren Stadt Südamerikas fand am 15. Februar eine Großdemonstration der Gewerkschaftsbewegung zur Solidarität mit den streikenden Arbeitern von El Cerrejon statt – der Streik ist nunmehr im zehnten Tag: “GRAN MARCHA SINTRACARBON RIOHACHAexterner Link ein Video vom 15. Februar 2013 bei youtube
  • Streik in größtem Kohlebergwerk Lateinamerikasexterner Link – redaktionelle Meldung vom 08. Februar 2013 bei Blickpunkt Lateinamerika, die auch auf die Reaktion des Unternehmens eingeht – “Das Unternehmen bezeichnete den Streik als “unbegründet und verantwortungslos”. Den 5657 direkt Beschäftigten werde man die Löhne einfrieren sowie “alle Vergünstigungen des Unternehmens für das Wohlergehen der Arbeiter und ihrer Familien “streichen, kündigte die Firma in einer Presseerklärung an” – im Land der Paramilitärs trauen sich Unternehmensleitungen offensichtlich, ihre zynische Gesinnung offen darzulegen…”
  • Huelga en la mina colombiana de El Cerrejónexterner Link von der spanischen Corriente Sindical d’Izquierda am 09. Februar 2013, ein Solidaritätsstatement das nicht nur darauf verweist, dass kolumbianische Kohle nach Asturien importiert werden soll, sondern auch unterstreicht, dass die gewerkschaftlichen Forderungen angesichts des erzielten Betriebsgewinns und eines Investitionsplans von 1,3 Milliarden Dollar (mit der die Förderung von rund 35 auf etwa 60 Millionen Tonnen/Jahr gesteigert werden soll) – reichlich bescheiden sind.
  • Unidad y Solidaridad con la Huelga de los Trabajadores del Cerrejón” – Pressemitteilung der Gewerkschaft Sinaltrainal ebenfalls vom 07. Februar 2013, worin es zum einen um die Erklärung der Solidarität mit dem Arbeitskampf der Bergarbeiter geht, zum anderen aber auch darum, dass Sinaltrainal ebenfalls an diesem Streik beteiligt ist. Denn der US-Cateringmulti Aramark Colombia S.A.S hat den 400 Beschäftigten, die für Kantinen und sonstige Versorgung der Bergarbeiter zuständig sind und bei Sinaltrainal organisiert, die Zeitarbeitsverträge mit sofortiger Wirkung gekündigt. Die Gewerkschaft unterstreicht in ihrer Erklärung, dass dieses Vorgehen in direktem Gegensatz zu § 140 des kolumbianischen Arbeitsgesetzes stehe, das in einem solchen Falle die Weiterbeschäftigung und Weiterbezahlung der betroffenen Beschäftigten dekretiere. Da auch andere Subunternehmen in anderen Bereichen ihre Beschäftigten faktisch aussperrten, sieht Sinaltrainal darin einen Versuch, den Streik der Bergarbeiter zu sabotieren. Neben der Forderung nach Verbot der Leiharbeit, die die Gewerkschaft erneut unterstreicht, wird auch mitgeteilt, dass Sinaltrainal in allen Bezirken Solidaritätskomitees organisiert. Sinaltrainal schlägt den Gewerkschaften, sozialen Organisationen, demokratischen und linken Gruppierungen der Region einen 11 Punkte Katalog vor, der bis hin zu einem landesweiten Generalstreik alle Möglichkeiten der Aktion zur Debatte stellt.
  • Streik im kolumbianischen Steinkohlebergbau – deutsche Abnehmer in der Kritik
    „In der vergangenen Woche ist ein Arbeitskampf im größten kolumbianischen Tagebau El Cerrejón eskaliert. (…) Die 12.000 Beschäftigten des Unternehmens “Carbones del Cerrejón Limited” verhandeln seit Anfang Dezember über einen neuen Tarifvertrag. Neben einer Lohnerhöhung von mindestens sieben Prozent fordert die Belegschaft, dass der Tarifvertrag auch auf die etwa 5.000 Leiharbeiter angewendet wird. Zudem verlangen die Gewerkschaften einen verbesserten Gesundheitsschutz und dass das Unternehmen höhere Investitionen in den Umweltschutz vornimmt. Der Tagebau El Cerrejón ist die größte Mine des Landes und hat die Natur in großen Teilen der Halbinsel Guajira zerstört“ – aus dem Beitrag „Konflikt um Steinkohle aus Kolumbienexterner Link von Malte Daniljuk am 28. Januar 2013 bei amerika21.de, der in der Unterzeile bereits folgenden Hinweis enthält: „Arbeitskampf im Tagebau El Cerrejón. Proteste gegen Kohleimporte in Hamburg. Energiekonzerne Eon und Vattenfall in der Kritik“.

Siehe zum Hintergrund