Der Überfall Saudi Arabiens auf Hodeida im Jemen findet aus „humanitären Gründen“ statt – und wird (weiterhin) von bundesdeutschen Medien beschönigt

Die größte Demo der jemenitischen Geschichte 7.7.2017 in Aden für UnabhängigkeitDie Befreiung der Stadt sei daher notwendig geworden, erklärt der Bruder des saudi-arabischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman, “auch aus humanitären Gründen”. Um eine nachhaltige und effektive humanitäre Situation zu schaffen, müsse al-Hudaida aus der Kontrolle der Huthi-Miizen befreit werden. Diese – und nicht etwa die Abriegelung Jemens durch die monateange Blockade Saudi-Arabiens und der Vereinigten Emirate! – seien, wie es der Prinz behauptet, die Verantwortlichen dafür, dass im Jemen der Fluss und die Verteilung von Lebensmitteln und Gütern unterbrochen werde. Der große Rest der aufgeklärten Welt hat hier freilich einen etwas anderen Eindruck. (…) Notwendig ist der enorme rhetorische Aufwand – der noch einmal vom Hinweis begleitet wird, dass Saudi-Arabien 1,5 Milliarden Dollar für UN-Hilfen im Jemen bereitgestellt hat (und damit Schmerzensgeld für Folgen der eigenen Kriegsführung bezahlt) – durch die Warnungen in der weltweiten Öffentlichkeit vor einer Katastrophe durch den Angriff auf Hudaida. Auch in den USA sind diese Befürchtungen durchaus präsent, wie etwa ein Brief von demokratischen und republikanischen Ausschuss-Mitgliedern, der noch einmal vor der Offensive warnte, bezeugt. Die VAE-Publikation The National meldet heute im Liveticker “intensive saudi-arabische Luftangriffe” in der Nähe des Hafens und in Küstenzonen des ad-Durayhimi-Distrikts. Dazu gibt es das Versprechen des saudi-arabischen Botschafter im Jemen zu lesen: “Al-Hudaida wird größer werden und besser.” Nach der Zerstörung?“ – aus dem Beitrag „Jemen: Der Angriff auf die Hafenstadt al-Hudeida hat begonnen“ von Thomas Pany am 13. Juni 2018 bei telepolis externer Link, aus dem sowohl die „moderne“ Sprache der saudischen Bomben-Terroristen deutlich wird, als auch ihre Unterstützer… Zur erneuten Verschärfung des saudischen Bombenterrors im Jemen drei aktuelle Beiträge, sowie zwei Beispiele (auch) medialer bundesdeutscher Hilfestellung und Hinweise auf einen Twitter-Kanal von Kriegsgegnern und unsere bisherigen Beiträge:

„Die Schlacht um Hodeida – Die letzte Lebensader des Jemen“ von Jakob Reimann am 13. Juni 2018 bei den Nachdenkseiten externer Link ist ein ausführlicher Beitrag, der sowohl die Bedeutung dieses Hafens für das Land darstellt, als auch die Geschichte der Aggression gegen diesen wichtigen Knotenpunkt (samt verlogener Entschuldigungen) und ihre Auswirkungen: „Noch vor Aden – dessen weltberühmter Hafen im 19. Jahrhundert der zentrale Umschlagsort des British Empire auf dem Weg in die Kolonien war – ist Hodeida an der Rotmeerküste im Westen des Jemen die mit Abstand wichtigste Hafenstadt des Landes. Vor Kriegsbeginn im März 2015 importierte der Jemen 85 Prozent seiner Medikamente und 90 Prozent seiner Nahrungsmittel aus dem Ausland, wobei 80 Prozent aller Importe über den Hodeida Port abgewickelt werden. Die Saudi-Koalition wusste nur zu gut um die strategische Bedeutung des Hafens und bombardierte diesen bereits im August 2015, wobei die vier Hauptkräne zerstört wurden. Zur physischen Zerstörung von Infrastruktur kommt eine umfassende Seeblockade, die die Saudi-Koalition mit tatkräftiger Unterstützung der USA seit dem Frühjahr 2015 gegen sämtliche Häfen des Jemen verhängt. Unter dem Vorwand, Waffenlieferungen an die Houthi-Rebellen zu unterbinden, wird ein Großteil ankommender Containerschiffe willkürlich abgewiesen, mit dem Ergebnis, dass innerhalb weniger Wochen der Import in den Jemen um 85 Prozent einbrach; selbst UN-Hilfslieferungen werden abgewiesen. Durch die extreme Warenverknappung steigen Nahrungsmittelpreise dramatisch und die katastrophale Hungerkatstrophe verschärft sich weiter. Das UN-Menschenrechtskommissariat bezeichnet die Blockade daher vollkommen zutreffend als völkerrechtswidrig und „schwerwiegenden Bruch grundlegender Menschenrechtsnormen““.

„Die Schlacht um Al Hudaydah“ am 15. Juni 2018 bei German Foreign Policy externer Link erinnert unter anderem daran: „In der Schlacht um die jemenitische Hafenstadt Al Hudaydah können die Aggressoren – Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate – auf eine Vielzahl an Waffen aus deutscher Produktion zurückgreifen. Beide Länder gehören seit 2008 zu den größten Empfängern deutschen Kriegsgeräts. Noch im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung die Lieferung von Rüstungsgütern an die zwei Staaten im Wert von beinahe einer halben Milliarde Euro genehmigt. Trotz eines angeblichen Exportstopps werden bis heute ausgewählte Rüstungslieferungen durchgeführt, obwohl die saudisch-emiratische Kriegsallianz den Jemen laut Einschätzung der Vereinten Nationen in die größte humanitäre Krise der Gegenwart gestürzt hat. Der Angriff der Kriegskoalition auf Al Hudaydah droht die Lage noch zu verschlimmern: Über die Stadt wurden zuletzt beinahe 70 Prozent der Nahrungsmittel für die jemenitische Bevölkerung importiert. Die Lieferungen drohen komplett zum Erliegen zu kommen. Bereits jetzt vegetieren 8,4 Millionen Jemeniten am Rande einer Hungersnot dahin“.

„Washington unterstützt tödliche Belagerung der Hafenstadt Hodeidah im Jemen“ von Bill Van Auken  am 15. Juni 2018 bei wsws externer Link hebt zur Partnerschaft der Zielgenauen hervor: „Am Mittwoch begannen die Streitkräfte unter Führung von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) die seit langem erwartete Belagerung der jemenitischen Hafenstadt Hodeidah am Roten Meer. Sie wird zweifellos die blutigste Schlacht des Kriegs sein, den Saudi-Arabien im März 2015 mit Luftangriffen auf das verarmte arabische Land begonnen haben. Laut der Hilfsorganisation CARE International erfolgten am Mittwochmorgen 30 Luftangriffe im Zeitraum von nur einer halben Stunde. Gleichzeitig feuerten Kriegsschiffe von der jemenitischen Küste aus auf die Stadt. Die Angreifer ignorieren bei ihrer Militäroperation die Warnungen der Vereinten Nationen und einer Reihe von Hilfsorganisationen, dass in der dicht besiedelten Stadt hunderttausende Menschenleben in Gefahr sind. Die Organisationen haben außerdem davor gewarnt, dass durch die Zerstörung des Hafens von Hodeidah weiteren Millionen Menschen der Hungertod droht. Über Hodeidah treffen 70 bis 80 Prozent der Importe des Landes ein, darunter Nahrungsmittel, Treibstoff und Arzneimittel. Schon jetzt sind 22,2 Millionen Menschen von Lebensmittelhilfe abhängig und mindestens 8,4 Millionen sind unmittelbar von der Hungersnot betroffen. Weitaus mehr Gewicht als diese humanitären Warnungen hatte jedoch, dass Washington die Operation unterstützt. Im Laufe der letzten Woche wurde bekannt, dass die Trump-Regierung das Pentagon angewiesen hat, Pläne für eine direkte Teilnahme der USA an der Belagerung von Hodeidah auszuarbeiten“.

„Dutzende Tote bei Kämpfen um Hafenstadt Hudeida“ am 14. Juni 2018 bei Spiegel Online externer Link ist ein exemplarischer Beitrag, der mit folgender Bekundung (aus dem saudischen Generalstab?) beginnt: „Ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis hat eine Offensive gegen die von Iran unterstützte Huthi-Miliz gestartet. Bei Luftangriffen auf die Hafenstadt Hudeida sind mindestens 30 Rebellen getötet worden“.  Saß da wer in den Flugzeugen und hat mitgezählt und alle Opfer gekannt?

„Offensive auf entscheidenden Hafen“ von Daniel Hechler am 13. Juni 2018 in tagesschau externer Link beginnt mit folgender Aussage, die wohl nicht in Riads Pressecenter geschrieben worden ist: „Es könnte die Wende im Jemen bringen: Die saudisch geführte Militärkoalition hat ihre Offensive auf die Huthis im Hafen Hodeida begonnen. Hilfsorganisationen warnen vor einer Katastrophe“. Die Terrorkoalition macht natürlich ganz gelungene Zielangriffe in der Hafenstadt, wie andere Armeen zwischen Syrien und Afghanistan auch – oder wie soll sonst ein Angriff auf „Huthis im Hafen“ verstanden werden?

„#SaveHodeida“ ist ein aktueller Twitter-Kanal externer Link auf dem verschiedene, zumeist britische Antikriegsgruppen aktuelle Nachrichten und Informationen verbreiten – auch über mehrere Protestaktionen am 14. Juni 2018 in britischen Städten.

Zum Terror gegen die jemenitische Bevölkerung zuletzt: „Erneuter Bombenterror Saudi-Arabiens in Sana: Wie die Darstellungen der Täter von den Medien im Lande ihrer Waffenlieferanten übernommen werden…“ am 09. Mai 2018 im LabourNet Germany (dort auch Hinweise auf frühere Beiträge – inklusive vieler, in denen die bundesdeutschen Bombenlieferanten abscheuliches Thema sind)