Gegen den Krieg wird auch in Israel mobilisiert

Dossierisraelisch-arabische Freundschaft

Dass die Welt nicht so einfach ist wie in der Ideologie, zeigt sich in diesen Tagen einmal mehr: Während weiter Bomben auf Gaza fallen und Soldaten schießen wird von verschiedenen Seiten entweder vertreten, Israel habe einfach Recht, das zu tun, von anderer Seite wiederum wird die Bevölkerung Israels kollektiv als Kriegstreiber qualifiziert. Währenddessen regt sich der Widerstand gegen die Kriegspolitik der Regierung Netanjahu in Israel immer stärker. Minoritär? Ja, aber keinesfalls unbedeutender als – etwa – der Widerstand hierzulande gegen die Beförderung der Bombardierung der Ostukraine durch die BRD. Siehe dazu:

  • Ist der Krieg beendet? Jetzt rebellieren schon Geheimdienstler…
    „43 ehemalige Soldaten aus einer Geheimdiensteinheit prangern Israel als Besatzungsregime an. Es ist eine harsche Abrechnung und ein mutiger Schritt – für die meisten Israelis sind sie Verräter“ – so beginnt der Bericht Israelische Soldaten kritisieren Besatzung: Die Tapferen externer Link von Julia Amalia Heyer am 12. September 2014 in Spiegel – Online. Siehe dazu auch:
  • EU: Stop the new Israeli settlement near Bethlehem externer Link – eine Petition seit dem 03. September 2014 bei avaaz an die EU, selbige solle das neueste Siedlungsprojekt, also auch: Vertreibungsprojekt, Israels in der Nähe Bethlehems stoppen helfen, das von vielen kritischen Israelis als eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln gesehen wird
  • Holocaust – Überlebende gegen den Krieg
    Krieg gegen die Bevölkerung Gazas stoppenZwar nicht in Israel sondern in der New York Times, aber gerichtet an die israelische Regierung haben Überlebende des Holocaust – beziehungsweise deren Nachkommen – öffentlich gegen den Krieg der israelischen Rechtsregierung protestiert: Holocaust-Überlebende protestieren gegen Gaza-Krieg externer Link heisst die dpa Meldung vom 23. August 2014 (hier bei neues deutschland). Mit der Aktion soll auch gegen Eli Wiesel und dessen Verteidigung des Krieges protestiert werden, und abschliessend wird angemerkt „Hinter der Aktion steht eine Gruppe namens International Jewish Anti-Zionist Network“. Siehe dazu “Jewish Holocaust survivors from around the world call for justice in Gaza”. Pressemitteilung des International Jewish anti-zionist Network vom 24.8.2014 externer Link
  • Bisher grösste Friedensdemonstration
    Am Samstag, 16. August demonstrierten zwischen 10 und 15.000 Menschen in Tel Aviv
    Am Samstag, 16. August demonstrierten zwischen 10 und 15.000 Menschen in Tel Aviv – erstmals seit längerem wurde diese eigentlich für jeden Samstag geplante Demonstration erlaubt. „Mehrere tausend Israelis haben in Tel Aviv für Friedensverhandlungen ihrer Regierung mit der Palästinensischen Autonomiebehörde demonstriert. Veranstalter waren die linke Oppositionspartei Meretz, die Bewegung “Frieden jetzt” und die Kommunistische Partei Hadasch“ – aus der Meldung Israelis demonstrieren für Frieden externer Link vom 17. August 2014 bei der Tagesschau. Siehe dazu auch:

  • Am Rande des Gazastreifens: Ein Besuch bei Freunden externer Link ein Bericht vom 15. August 2014 bei Al Sharq über grenzübergreifende Aktivitäten von Other Voices
  • Unverzagt gegen den Krieg
    Trotz Verboten und aggressiven Angriffen durch rechte Schlägertruppen bleibt die israelische Friedensbewegung aktiv. Das wird auch in dem folgenden Zitat deutlich: „Das öffentliche Klima in Israel ist gegenwärtig sehr schlecht, noch schlechter als während der vergangenen Militäroperationen. Es gab überhaupt keinen Raum, das militärische Vorgehen in Frage zu stellen. Und ich meine damit keinesfalls nur die Medien. In Tel Aviv und Haifa wurden viele Anti-Kriegs-Demonstranten von Gangs krankenhausreif geschlagen. Und die Polizei unternahm nichts. Gleichzeitig gab es Politiker und hohe Funktionäre, die in Zeitungen forderten, ganze Gemeinden im Gazastreifen auszulöschen. Ein Professor an der Bar Ilan Universität schlug in einem Radio-Interview vor, dass man der Terroristen Herr werden könnte, indem man ihre Frauen vergewaltigt. Leider wird den extremen Stimmen in unserem Land derzeit viel Raum gegeben. Kritische Stimmen hingegen haben momentan kaum eine Plattform“ – zur Lage der Bewegung gegen den Krieg in dem neuen Interview Wenn Empathie als Verbrechen zählt externer Link (mit Marian Brehmer) von Yehuda Saul (Breaking the Silence) am 11. August 2014 bei Qantara.de
  • Bedroht und alleingelassen externer Link – ein Kommentar von Hilmar Klute am 13. August 2014 in der Süddeutschen Zeitung, worin hervorgehoben wird, dass bei der Frontstellung hier Israel, da Palästina in der Regel, und hier sehr konkret, die Opposition gegen den Kriegskurs „zu kurz“ kommt. „Wegen dieses Textes kündigten 100 Leser ihr Abo, zuvor hat seine Zeitung ihm Bodyguards gestellt, weil er in einer Kolumne die Piloten der israelischen Luftwaffe darauf aufmerksam machte, wie einfach es sei, auf den Knopf zu drücken und mit einem Schlag Dutzende Menschen zu töten. Nun kann Levy nicht ohne Security auf die Straße gehen, verlassen Tel Aviver das Café, wenn er sich an den Nebentisch setzt
  • Erneut Friedensdemonstration in Tel Aviv verboten – und angegriffen…
    Am Samstag den 9. August war für Tel Aviv eine große Friedensdemonstration geplant – erneut wurde sie, wie schon eine Woche vorher, verboten und rechte Gruppen kündigten Angriffe an, die sie auch gegen die meheren Hundert TeilnehmerInnen, die trotz Verbots auf die Straße gingen, umsetzten. Der Bericht (inklsuive Fotos) Tel Aviv : Manifestation contre la guerre malgré l’interdiction externer Link am 10. August 2014 bei Solidarité Ouvrière
  • Begegnung im Tunnel externer Link von Uri Avnery am 06. August 2014 in der FR-Online, worin der Autor vor allem die israelischen Medien der Kritik unterzieht „Die israelischen Medien sind jetzt total unterwürfig. Es gibt keine unabhängige Berichterstattung. „Militär-Korrespondenten“ ist es nicht erlaubt, den Gazastreifen zu betreten, um eigene Erfahrungen zu machen; sie sind bereit, wie Papageien die Armeeberichte nachzuplappern und stellen sie so dar, als wären es ihre persönlichen Beobachtungen. Eine Menge Ex-Generäle wartet auf, um die Situation zu kommentieren – alle sagen genau dasselbe, ja benützen dieselben Worte. Die Öffentlichkeit schluckt all diese Propaganda und nimmt sie als bare Münze
  • Friedensbus fährt weiter – Samstag Demonstration in Tel Aviv
    Eine der zahlreichen Initiativen, die von den Kriegsgegnern in Israel organisiert wurden, war der Friedensbus nach Gaza, der während der Bombardierungen wöchentlich fuhr – und nun weiter fahren wird, einerseits, weil der Waffenstillstand ohnehin als prekär betrachtet wird, andrerseits um in dem den Aktiven möglichen Rahmen humanitäre Hilfe zu leisten und drittens auch, um für die geplante Friedensdemonstration am Samstag, den 09. August 2014 in Tel Aviv zu mobilisieren. Dazu der Demonstrationsaufruf CHANGE DIRECTION – NO TO THE WAY OF WAR externer Link bei Gush Shalom
  • Antikriegsdemonstration in Tel Aviv
    Manifestation contre la guerre et arrestations à Tel Aviv externer Link – ein kurzer Bericht (mit Fotos) von der (verbotenen) Antikriegsdemonstration in Tel Aviv am 2. August (wie jeden Samstag) die die Kriegspolitik der Regierung und die Raketen der Hamas unter dem Motto krtisierte, die Kinder überall wollen leben, veröffentlicht am 05. August 2014 bei Solidarité Ouvrière
  • Im Hinterland des Bombenkriegs mobilisiert die Rechte gegen die Friedensbewegung
    Jews and Arabs Refuse to be Enemies
    Während die Medien darüber spekulieren dürfen, ob es nun eine „Feuerpause“ geben wird oder nicht, was israelische Bodentruppen tun sollen oder werden – geht das Sterben weiter, bald 2.000 Menschen sind nun schon gestorben, und längst macht sich niemand mehr die Mühe, zumindest ab und zu zu behaupten dieser oder jener sei ein „Hamas – Aktivist“ (worauf bekanntlich die Todesstrafe steht…). Im Zuge der Kriegsführung kommen in Israel ganz offensichtlich immer deutlicher auch rechtsradikale Stimmen und Attacken zur Wirkung, denen – neben allem, was arabisch aussieht – vor allem die Proteste gegen den Krieg im eigenen Land ein Dorn im Auge sind. Aus Anlass der Angriffe auf die Antikriegsdemonstration in Tel Aviv sagte Moshe Zuckermann in dem Interview »Die Friedensbewegung ist bedeutungslos« externer Link mit Stefan Huth am 02. August 2014 in der jungen welt, dokumentiert auf der Seite der AG Friedensforschung: „Das sind faschistische Schlägertrupps, die sich mittlerweile organisiert haben. Teilweise kommen sie aus der Siedlerbewegung, aber nicht nur von dort. Verbale Angriffe gab es im Internet natürlich schon lange. Aber die Art und Weise, in der diese Leute jetzt buchstäblich aktiv werden und brachiale Gewalt anwenden, ist neu. Bei der Friedensdemonstration in Tel Aviv haben sie richtig zugeschlagen, Leute mußten sogar ins Krankenhaus eingeliefert werden. Es ist hier momentan überhaupt sehr schwierig, öffentlich Kritik am Kurs der Regierung zu üben, weil man auf der Straße sofort als »Verräter« angefahren wird – nicht nur von diesen Faschisten“. Siehe dazu:

    • In dem Beitrag The Other Israelis externer Link gibt Orit Bashkin am 31. Juli 2014 bei Jadaliyya einen einigermaßen umfassenden Überblick über die Proteste gegen den Krieg in Israel, nicht nur Demonstrationen, sondern auch Veröffentlichungen und Versammlungen – und auch über die Tatsache, dass spätestens seit dem 12. Juli rechte politische Gruppen öffentlich und deutlich sagen, dass sie jede Antikriegsdemonstration attackieren werden
    • Zweitens möchte ich mich mit allen Menschen solidarisch erklären, die im Nahen Osten für eine friedliche Lösung stehen, die sich in ihren Gesellschaften unter starkem Druck für eine Deeskalation einsetzen und nicht versuchen, „die Anderen” zu dämonisieren. Diese Menschen stellen in ihren Gesellschaften nicht die Mehrheit, aber es gibt sie. Dass PalästinenserInnenpräsident Mahmud Abbas den Raketenbeschuss der Hamas und anderen islamistischen Gruppen auf israelisches Territorium verurteilt hat, ebenso wie die Vorsitzende der israelischen Meretz-Partei Zahava Gal-On das Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen, geht beispielsweise fast unter“ –  so sagt es beispielsweise Tobias Rochlitz (Freiwilliger an einem Jerusalemer Begegnungszentrum, in dem junge Israelis und PalästinenserInnen versuchen zu kooperieren) in dem Beitrag Doppelte Solidarität in Zeiten des Krieges ist alternativlos! externer Link am 24. Juli 2014 in Al Sharq
    • Im Angesicht des Krieges und solcher Entwicklungen unterstreicht der palästinensische Gewerkschaftsbund Palestine General Federation of Trade Unions (PGFTU) in seinem Aufruf Palestine Trade Unions Call on Human Rights Organizations to Stop Israel’s War Crimes externer Link vom 31. Juli 2014 (hier dokumentiert von Peter Waterman im Unionbook) – der sich neben Menschenrechtsorganisationen vor allem an die internationale Gewerkschaftsbewegung wendet – dass die PalästinenserInnen heute nicht Mitleid, sondern aktive Solidarität benötigen.
      breaking the silence
  • “Wir brauchen das Ende der Besatzung und einen Friedensvertrag” – Yehuda Shaul im Gespräch mit Christoph Heinemann
    Zu den schärfsten Kritikern der Regierung Netanjahu gehören ausgerechnet Veteranen der israelischen Armee. Sie wollen das Schweigen über das wirkliche Gesicht der Kriege im Westjordanland oder in Gaza brechen. Daher haben sie ihre Organisation “Breaking the Silence” genannt. Einer der Gründer ist Yehuda Shaul. Im DLF erklärt er, warum die Besatzung der Palästinensergebiete aufhören muss, damit Israel in Frieden leben kann. Das Interview im Deutschlandfunk vom 01.07.2014 (Text und Audio) externer Link

  • Friedlicher Protest in Raketenreichweite. Nicht nur Linke demonstrieren in Israel in diesen Tagen gegen den Krieg im Gaza-Streifen
    Rund 7000 Menschen haben am Samstag in Tel Aviv gegen den Gaza-Krieg protestiert. Bis zur letzten Minute war nicht sicher, ob die Polizei die Demonstration erlauben würde…” Artikel von Oliver Eberhardt, Tel Aviv, aus junge Welt vom 28. Juli 2014 beim Friedensratschlag externer Link
  • Der Krieg ist der Terror – beendet ihn! Wortmeldung eines israelischen Friedensaktivisten
    In diesem Krieg haben beide Seiten das gleiche Ziel: eine Situation zu beenden, die existierte, bevor der Krieg begann. Ein für alle Mal! Beendigung des Raketenfeuers gegen Israel aus dem Gaza-Streifen. Ein für alle Mal! Beendigung der Blockade des Gaza-Streifens durch Israel und Ägypten. Ein für alle Mal! Warum kommen beide Seiten nicht zusammen? Weil sie nicht miteinander reden. Sie können einander töten, aber sie können nicht miteinander reden. Das ist kein Krieg gegen den Terror. Der Krieg ist der Terror…” Beitrag von Von Uri Avnery aus neues deutschland vom 26. Juli 2014 beim Friedensratschlag externer Link , übersetzt und gekürzt von K. Vesper. Der Schriftsteller und langjährige Knessetabgeordnete Uri Avnery, Jg. 1923, gründete 1993 die israelische Friedensinitiative Gusch Schalom.
  • Manifestation en Israël contre l’opération à Gaza externer Link   heisst etwa der Videobericht der afp (hier bei youtube) von der Antikriegsdemonstration am 22. Juli 2014 in Tel Aviv, an der sich mehrere Hundert Menschen beteiligten. Die erste der Meldungen in einer kleinen Materialsammlung vom 25.7.2014.
  • Wie umstritten der Krieg auch innerhalb Israels ist, darauf verweist auch der Artikel Fascists beat Haifa deputy mayor during anti-war protest externer Link am 22. Juli 2014 bei der KP Israels – der von dem Vorfall berichtet, dass die Antkriegsdemonstration in Haifa am 19. Juli von Rechten angegriffen wurden, wobei auch der stellvertretende Bürgermeister verletzt wurde, bei einer Demonstration, deren Beteiligung grösser war als bei jener in Tel Aviv
  • We Must Hold Israel Accountable externer Link – ist eine internationale Protest – Unterschriftensammlung der Jewish Voice for Peace, die bisher (Stand 25. Juli 2014) von knapp 70.000 Menschen unterzeichnet wurde, mit der eine sofortige Beendigung der Kriegshandlungen gefordert wird
  • We are Israeli reservists. We refuse to serve. externer Link – ist ein Petitionsaufruf von rund 50 ehemaligen israelischen SoldatInnen, der am 23. Juli 2014 von Yael Even Or in der Washington Post international vorgestellt wurde, wobei die AutorInnen ihren heutigen Protest auch mit selbstkritischen Ausführungen zu ihren einstigen soldatischen Aktivitäten verbinden
  • Unter den vielen kleineren Aktivitäten ist auch die Facebook – Seite Jews & Arabs Refuse To Be Enemies externer Link zu nennen, die bis zum 25. Juli 2014 über 23.000 UnterstützerInnen gefunden hat
  • Dass dieser Widerstand stört, wird auch durch solche Berichte deutlich wie Israeli agency bans radio clip naming children killed in Gaza externer Link von Gili Izikovich am 24. Juli 2014 bei Haaretz worin berichtet wird, dass die Gruppe B’Tselem einen Radiobeitrag produzierte, in dem die Namen der toten Kinder von Gaza aufgeführt wurden – von der Radioaufsicht wegen „politisch kontroversen Inhalts“ mit Sendeverbot belegt…