Zwei Streiktage auf Haiti: Nach der Rücknahme der Benzinpreiserhöhung heißt die Forderung vieler – aber längst nicht aller – Rücktritt der Regierung

Protest gegen Benzinpreise in Haiti Anfang Juli 2018Seit der Preiserhöhung tobt die Bevölkerung, bricht sich die seit Monaten aufgestaute Wut der Bürger im Armenhaus Lateinamerikas Bahn. »Woher sollen wir das Geld nehmen?« fragt sich Jossel, der von Gelegenheitsarbeiten in Carrefour lebt. Auch die Preise für andere Lebensmittel sind gestiegen. Außerdem hat die Landeswährung Gourdes noch mal an Wert verloren. Aktivisten und die wenigen Gewerkschaften im Land haben der Regierung einen politisch heißen Sommer angedroht – und das bei durchschnittlichen Tagestemperaturen von um die 30 Grad. Die Politiker bekundeten derweil Einsicht: »Sie haben gesprochen, Ihr Präsident hat Sie gehört«, sagte der 50-jährige Staatspräsident Jovenel Moïse in der Hoffnung, die Gemüter zu beruhigen. Der Agrarunternehmer machte vor allem die Presse für die Unruhen und die »mangelnde Kommunikation der Regierung mit der Bevölkerung« verantwortlich. Mit einer im Rundfunk und Fernsehen übertragenen Ansprache versuchte er, die Situation zu entspannen. Er werde seine Regierung bitten, die Tage zuvor angekündigte Erhöhung der Benzinpreise um 38 Prozent zurückzunehmen. Ministerpräsident Jack Guy Lafontant kam dieser Bitte nach. Der politisch heiße Sommer ist damit aber noch lange nicht abgewendet, denn befriedet ist Haitis Bevölkerung nicht…“ – aus dem Artikel „Haitis Regierung lenkt ein“ von Hans-Ulrich Dillmann am 11. Juli 2018 in neues deutschland externer Link, worin im Wesentlichen die Situation nach den weiteren Protesten am Wochenende Thema ist – aber auch konkret die Gründe für die massiven Proteste benannt werden, wobei die Preiserhöhungen im Nahverkehr nur die erste Folge der Teuerung sind. Siehe dazu auch zwei aktuelle Beiträge zum Verlauf des Streiks für den Rücktritt der Regierung am Montag und Dienstag, sowie über die Debatten um die weiteren Schritte und den Verweis auf unseren ersten Beitrag zu den aktuellen Protesten: