Ein sogenannter Untersuchungsbericht als Kampfansage: Schuld an dem tödlichen Brand 2017 in London waren nicht Spekulanten. Auch nicht Wohnungsbehörde oder politisch Verantwortliche. Sondern: Feuerwehrleute

Feuer im Londoner Hochhaus 14.6.2017 - die MiterInnen hatten gewarnt„… Doch auch die britische Feuerwehr trägt nach Ansicht der Experten einen Anteil an der Katastrophe. Ihr wird in dem Bericht “systemisches Versagen” vorgeworfen – vor allem deswegen, weil sie die Bewohner des Hochhauses angewiesen habe, in ihren Wohnungen zu bleiben, “als die Treppen noch begehbar waren”, wie der Leiter der Untersuchung, Martin Moore-Bick, erklärte. In der Nacht auf den 14. Juni 2017 hätten “mehr Leben gerettet werden können”. Die Feuerwehr habe nach einem Hochhausbrand im Jahr 2009 “nicht ihre Lektion gelernt”. (…) “Egal wie mutig die Feuerwehrleute waren”, ihnen habe es “erheblich an gesundem Menschenverstand gefehlt”, klagte Nazanin Aghlani, deren Mutter in den Flammen starb. Die Feuerwehrleute seien in ihren Augen “keine Helden”, sondern “Profis, die dafür bezahlt werden”, sagte sie vor Journalisten in Westminster. Nabil Choucaire, der sechs Angehörige bei dem Brand verlor, kritisierte, angesichts der lodernden Flammen hätten die Brandschützer die Bewohner “sehr viel früher” evakuieren müssen. Der Generalsekretär der Feuerwehrgewerkschaft, Matt Wrack, wies den Vorwurf schwerwiegender Fehler zurück. Es sei “völlig unklar, ob eine Evakuierung mehr Leben hätte retten können”, sagte er. Die Feuerwehrmänner hätten bei den Löscharbeiten ihr eigenes Leben riskiert. Die wahren Schuldigen sieht der Gewerkschaftsmann unter diejenigen, “die das Gebäude mit einer brennbaren Hülle verkleideten, die das Brandschutzsystem des Vereinigten Königreichs ausgehöhlt und die Bitten einer um ihre Sicherheit besorgten Öffentlichkeit nicht gehört haben”...“ – aus der Meldung „“Systemisches Versagen” der Feuerwehr am Grenfell Tower“ am 31. Oktober 2019 bei der Deutschen Welle externer Link – ganz im Stile, wie auch britische Mainstream-Medien berichteten. Siehe zur Veröffentlichung dieses Dokuments auch einen weiteren aktuellen Beitrag über eine Versammlung Betroffener, zwei gewerkschaftliche Stellungnahmen und den Hinweis auf unseren letzten Beitrag ein Jahr nach dem Brand:

  • „Warum kam denn niemand?“ von Daniel Zylbersztajn am 31. Oktober 2019 in der taz online externer Link über eine Versammlung Betroffener unter anderem: „… Joe Delaney wohnte zum Zeitpunkt des Feuers direkt neben dem Tower. Er findet, es müsse erwähnt werden, dass die Londoner Feuerwehr vor dem Inferno unter dem damaligen Londoner Bürgermeister Boris Johnson starke Kürzungen über sich ergehen lassen musste. Er glaubt, dass dies das Agieren der Feuerwehr vor dem Tower mit beeinflusst hat. Andere fragen, wie es sein kann, dass bis jetzt zweieinhalb Jahre nach dem Unglück nicht genug getan wurde, und warum immer noch Hochhäuser mit dem gleichen brennbaren Außenmaterial stehen und weshalb keine neuen Gesetze verabschiedet wurden. „Ich habe vier Familienmitglieder verloren. Meine Familie verlor alles. Nichts wurde bisher getan“, sagt El Alami Hamdan, einer der älteren Anwesenden, bevor ihm weinend die Worte fehlen. (…) Doch andere sind weniger darauf bedacht die Feuerwehrleute zu beschuldigen. Sie stellen klar, dass sie der Untersuchung nicht trauen, halten die Schuldzuweisung an die Feuerwehr für ein Reinwaschen der Verantwortlichen in der Stadtbehörde und der Mietwohngesellschaft, ja der Regierung. Diese Punkte sollen im zweiten Teil der Untersuchung angegangen werden…“