Die tödlichen Feuer in Griechenland, ihre „Verarbeitung“ in den Medien, die das Kaputtsparen der Feuerwehr massiv unterstützt haben – und der Stacheldraht an Privatstränden

Die tödlichen Feuer in GriechenlandAm 24.7.2018 erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Reportage mit dem Titel „Feuerwehr, die kein Feuer löschen darf“ über die gegenwärtigen Waldbrände in Attika, bei denen zahlreiche Menschen ums Leben gekommen sind. In diesem Beitrag wird die These verbreitet, der griechische Staat habe 2014 auf Druck der Berufsfeuerwehr ein Gesetz erlassen, dass die Aktivitäten der Freiwilligen Feuerwehren massiv einschränke. Als Kronzeuge wird von FAZ-Korrespondent Michael Martens Nikos Sachinidis benannt, der Leiter des „Freiwilligenverbandes griechischer Feuerwehrleute und Wiederaufförster“ (ESEPA). Diese wird als „größte Organisation ihrer Art in Griechenland“ vorgestellt: „Sie wurde nicht zuletzt mit Unterstützung aus Deutschland und Österreich aufgebaut und ist auf die Bekämpfung von Waldbränden spezialisiert. (…) Offenbar soll aber eher einem sehr naheliegenden Gedanken entgegengewirkt werden: Dass aufgrund der Austeritätspolitik die öffentliche Infrastruktur mittlerweile in einem derart desolaten Zustand ist, dass es an einem effektiven Frühsystem ebenso mangelt wie an hinreichend ausgebildeten Katastrophenschutz-Einheiten. Es sei nur daran erinnert, dass der Etat für die Berufsfeuerwehren seit 2009 um über 100 Mio € gekürzt worden ist und sowohl die Fahrzeuge als auch die Flugzeuge veraltet sind. Angesichts des Klimawandels ist mit der Zunahme derartiger Brandkatastrophen wie jetzt in Attika zu rechnen…“ – aus dem Beitrag „Engel ohne Flügel. Untiefen in der Berichterstattung über Griechenland“ von Gregor Kritidis am 26. Juli 2018 bei der Griechenland-Solidarität externer Link, worin die Propaganda zur Stärkung der Verteidigungslinie für Austeritätsdiktate sehr ausführlich und konkret dargestellt und kritisiert wird. Siehe dazu auch einen weiteren aktuellen Beitrag und den Verweis auf unseren ersten Beitrag zur Brandkatastrophe in Griechenland:

  • „Austerity, not just climate change, is to blame for Greece’s deadly fires“ von Yanis Varoufakis am 26. Juli 2018 im Globe and Mail externer Link ist ein Beitrag des früheren Finanzministers Griechenlands zum Brand bei Athen, worin er sehr konkret und differenziert über natürliche und gesellschaftliche Ursachen dieser Katastrophe schreibt. In den Zusammenhang gestellt mit den alljährlichen Toten im Sommer bei Waldbränden und im Winter bei Fluten wird daraus auch eine Kritik an der Baupolitik, wie sie in allen kapitalistischen Ländern verfolgt wird – mit dem abscheulichen Höhepunkt jener Menschen, denen durch Stacheldrahtzäune privater Strände die Flucht unmöglich gemacht wurde. Erst vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung des Kaputtsparens der öffentlichen Einrichtungen durch die von Brüssel und Berlin diktierte Politik wirklich sichtbar: Denn dies betrifft ja nicht nur die Feuerwehr, sondern auch das gesamte Rettungswesen, die Krankenhäuser und alles andere, was in diesem Moment gebraucht worden wäre und nicht ausreichend da war.