Nach der Räumung des ZAD durch den militärischen Einsatz der französischen Polizei – ist vor dem Wiederaufbau

Frankreich: Selbstverwaltete Zone auf der Ex-Flughaufenbaustelle in NDDL (Notre-Dame-des-Landes) brutal geräumtNachdem die regionalen Behörden am Freitag das Ende des polizeilichen Feldzuges gegen die alternativen Experimente auf dem Gelände des Ex-Flughafenprojektes bei Nantes verkündet hatten, ist die Solidaritätsbewegung am Wochenende in Massen aufs Gelände geströmt – um den Wiederaufbau dessen zu beginnen, was die uniformierten Schlägertruppen niedergerissen, abgebrannt, zerstört hatten. In dem Artikel „REPORT OF WHAT HAS BEEN HAPPENING HERE THIS SUNDAY 15 APRIL. or THE MAGIC OF THE ZAD!“ am 15. April 2018 auf der Webseite des ZAD externer Link wird ausführlich berichtet, was an diesem Sonntag auf dem Gelände des ZAD passierte. (Dies ist die Übersetzung ins englische, es gibt auch eine italienische Fassung). Etwa 20.000 Menschen seien es gewesen, die an diesem Tag auf das Gelände kamen und sich an Aktivitäten des Wiederaufbaus beteiligten – „das ZAD ist verwundet, aber seine Magie lebt“ war der Leitgedanke dieses Tages. Und die gemeinsame Versicherung der Beteiligten, bei jedem weiteren Angriff erneut zur Stelle zu sein, um wieder aufzubauen. Siehe dazu zwei weitere aktuelle Beiträge zur Solidaritätsbewegung mit der ZAD:

  • „Les violences policières doivent s’arrêter à Notre Dame des Landes“ am 13. April 2018 externer Link (hier bei SUD Solidaires dokumentiert) ist die gemeinsame Erklärung zahlreicher demokratischer und sozialer Organisationen zum Polizeieinsatz gegen die ZAD. Darin wird unterstrichen, dass die Regierung die alleinige und völlige Verantwortung für alles trage, was bei der „militärisch geführten“ Polizeiaktion gegen die ZAD geschehen sei – und eventuell noch geschehen werde, und der Wiederaufbau und die Fortführung des Projektes unterstützt. Zu den Unterzeichnern der Erklärung neben SUD aus dem gewerkschaftlichen Bereich auch die Journalistengewerkschaft in der CGT.
  • „LAIRE/275: ZAD – Widerstand auf Lebensdauer … (SB)“ am 13. April 2018 beim Schattenblick externer Link dokumentiert, fasst die letzten Tage so zusammen: „In über 100 Städten Frankreichs wurde gegen die Räumung protestiert, mehrere Stadtverwaltungen wurden besetzt. Auch international schlossen sich zahlreiche Menschen den Protesten an und zeigten ihre Solidarität mit der ZAD. Premierminister Edouard Philippe, Innenminister Collomb und Staatspräsident Macron brächen sich sicherlich keine Zacken aus der Krone, gäben sie den Lebens- und Wirtschaftsformen in der ZAD eine Chance. Sicherlich, wenn die Einstellung der Zadistas um sich greift, ist damit vielleicht kein Staat zu machen. Allerdings kann man sich angesichts der multiplen globalen Krisen – vom Klimawandel über Artenschwund bis zu Bodenverlusten und Versauerung der Meere – fragen, ob nicht die gegenwärtig vorherrschende Staatenordnung einen maßgeblichen Anteil daran hat und eine Abkehr vom favorisierten Produktionsmodell sogar das Gebot der Stunde sein sollte. Demgegenüber sind auch Gemeingüter bzw. Commons sicherlich nicht die Ultima ratio, aber allein daß sich Menschen innerhalb des EU-Europas des Kapitals und der Konzerne darum bemühen, sich deren Einfluß zu entziehen und etwas anderes zu machen, verdient die volle Unterstützung. Wobei es hier nicht um die unkritische Idealisierung einer “Aussteigerkultur” geht, die von teils gravierenden inneren Widersprüchen geprägt war, wie im vergangenen September im Klimacamp im Rheinland aus erster Hand berichtet wurde. Doch wenn La ZAD eine rechtsfreie Zone ist, wie Collomb behauptet, innerhalb dieser Zone aber gelebt, geliebt und gelitten wird, ohne dabei die Natursysteme auch nur annähernd so zu übernutzen wie beim monokulturellen, auf Leistungszuwachs um jeden Preis favorisierten Agrarmodell der transnationalen Unternehmen, dann ist es an der Zeit, die Voraussetzungen eben dieses Rechts in Frage zu stellen. Ansonsten müßte man annehmen, daß in Frankreich eine Diktatur des Rechts herrscht, das beispielsweise die Profitinteressen kapitalstarker Investoren am Landerwerb höher bewertet als das Nutzungsinteresse alternativer Bewirtschaftungsformen“.