Mord an Clément Méric

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Seitdem Clément Meric am Abend des 5. Juni 2013 an den ihm zugefügten Kopfverletzungen starb, reissen die Proteste gegen den rechten Terror in Frankreich nicht ab. Der Tod des Aktivisten von SUD Etudiants und der Action Antifasciste in Paris war kein Zufall: In den letzten Wochen zuvor gab es eine ganze Reihe von Angriffen faschistischer Banden auf GewerkschafterInnen, auch am 1. Mai etwa… Siehe dazu neu am 15. September 2018:

  • Die Urteile des Pariser Gerichts im „Fall Méric“: Zwei Faschoskins zu 11 und 7 Jahren wegen Totschlag verurteilt, einer frei gesprochen New
    Am frühen Freitagabend, 14. September 2018, verkündete das Pariser Gericht in erster Instanz die Urteile gegen die drei Faschoskins, die den Tod von Clément Méric im Jahr 2013 zu verantworten haben. Esteben Morillo, der gestanden hatte, die tödlichen Schläge ausgeführt zu haben, wurde zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt, Samuel Dufour, weil er mit einem Schlagring bewaffnet an dem Überfall auf den jungen Antifaschisten teilnahm, zu sieben Jahren. Alexandre Eyraud wurde frei gesprochen, da er nicht direkt an dem Überfall teilnahm. Die beiden Verurteilten wollen das Urteil in nächster Instanz anfechten – bei dem die Staatsanwaltschaft 12 Jahre, sieben Jahre und 2 Jahre Gefängnis gefordert hatte. Im Verlaufe des Prozesses wurde die Darstellung der Rechten widerlegt – die auch durchaus Verbreitung nicht nur in der konservativen Presse gefunden hatte – dass es sich um eine „Auseinandersetzung zweier darauf vorbereiteter Gruppen“ handelte. Auch der Versuch, sich als „geläutert“ darzustellen, den die Angeklagten während des ganzen Prozesses inszenierten, scheiterte, trotz gewachsener Haare und bedeckter Tattoos. Die Eltern des Opfers, die betonten, keine Anhänger von Rachejustiz zu sein, zeigten sich mit dem Urteil vor allem zufrieden, weil es klar mache, dass es keine „Auseinandersetzung auf gleicher Ebene„ gewesen sei, sondern ihr Sohn Opfer eines Überfalls. „Beruhigt“ so antworteten sie auf Nachfrage, seien sie nicht – könnten es nicht sein, angesichts ständiger Gewaltakte Rechtsradikaler. Während der Urteilsverkündung hatten mehrere Hundert Menschen vor dem Gericht gegen die faschistische Aggressionen demonstriert. Siehe dazu zwei aktuelle Beiträge und (nochmals) den Link zum Solidaritätskomitee mit Méric, dem KommilitonInnen, Verwandte, Freunde und GewerkschaftskollegInnen angehören:

  • Der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder von Clément Meric hat begonnen, auch Begleitaktionen während des Prozesses 
    In der Zwischenzeit wurden über den Tathergang viele Halb- und Unwahrheiten gestreut – teilweise von Nazis selbst, teilweise von den Medien, die die Behauptung einer zufälligen Schlägerei zwischen extremistischen Banden mit einem tragischen Ende aufgriffen und FaschistInnen zudem an verschiedener Stelle eine Plattform boten, ihre Lügen und ihre menschenverachtende Gesinnung in die Öffentlichkeit zu tragen. Wahr ist, dass Clément ermordet wurde. Zwar trafen er und seine Freund_innen an diesem 5. Juni zufällig auf die Gruppe Nazis, allerdings riefen diese weitere Kamerad_innen zur Verstärkung herbei, um die Antifaschist_innen anzugreifen. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass bei den Schlägen, die Clément am Kopf trafen, ein Schlagring eingesetzt wurde. Der Schlagring wurde im Ermittlungsverfahren jedoch nicht als Tatwaffe anerkannt (Stand Juni 2016). Vom 04. bis zum 14. September 2018 findet nun der Prozess gegen Cléments Mörder statt. Die Angehörigen und Genoss*innen hoffen, dass die politische Dimension des Verbrechens dabei öffentlich anerkannt wird und die Wahrheit über den Mord gesagt und medial verbreitet wird…“ – aus dem Aufruf „Justice pour Clément – Call for Action zum Prozess gegen Cléments Mörder“ am 03. September 2018 beim Left Report Berlin externer Link, worin auch ein kurzes Video zum Mord an Clément Meric enthalten ist, sowie der Verweis auf eine Kampagnenseite, und der mit der Aussage endet: „Auch wir möchten den Prozess zum Anlass nehmen, erneut auf dieses faschistische Verbrechen aufmerksam zu machen und rufen alle Antifaschist_innen auf, im Zeitraum vom 04.-14. September Aktionen zu machen, die an Clément erinnern und über die Wahrheit über den Mord aufklären“. Siehe dazu auch eine Erklärung und Aufruf des Gewerkschaftsbundes SUD Solidaires zum Prozessbeginn sowie die Dokumentation eines Flugblatts der Einzelgewerkschaft SUD Étudiants, in der Clément Meric aktiv war – wie auch die anderen damaligen Opfer des faschistischen Überfalls:

  • Video-Trailer: Paris Rebelle – Zwischen Rechtsruck und Revolte
    “Anfang Juni 2016 reisten wir, die North East Antifascists Berlin [NEA], Left Report und Freund*innen nach Paris, um uns an den Gedenkaktionen rund um den dritten Todestag von Clément Méric, der 2013 von Nazis ermordet wurde, zu  beteiligen.Nachdem wir schon im Jahr 2015 eine Interview-Dokumentation über den Mord an Clément, den französischen Rechtsruck und antifaschistische Kämpfe in Paris namens “Une vie de lutte – der Kampf geht weiter” veröffentlichten, konnten wir dieses Jahr einige Genoss*innen wiedertreffen und viele neue Menschen kennenlernen und interviewen. In der daraus entstehenden Dokumentation “Paris Rebelle – zwischen Rechtsruck und Revolte” wird es u.a. um das Gedenken an Clément, den andauernden Rechtsruck, den Widerstand gegen die neoliberale Arbeitsmarktreform und die junge soziale Bewegung Nuit Debout gehen. Der Film wird voraussichtlich Anfang Herbst 2016 veröffentlicht, bis dahin haben wir hier schon mal einen Trailer für euch.” Beitrag von Left Report und North East Antifascists [NEA] vom 24. Juli 2016 bei indymedia linksunten externer Link, siehe dazu den Trailer “Paris Rebelle” externer Link (1:21 Min.)
  • Drei Nazigruppen aufgelöst oder unmittelbar vor Auflösung
    An diesem Dienstag, den 25. Juni 13 wurden Maßnahmen zur Auflösung dreier neofaschistischer Gruppen aus dem gewaltbereiten, außerparlamentarisch-aktivistischen Spektrum bekannt gegeben…” Artikel von Bernard Schmid vom 26.6.2013
  • Nach dem Tod von Clément Méric und Schlägerattacken am Wochenende: Die Schlinge um die Nazigruppierung ,Troisième Voie‘ zieht sich enger. Die antifaschistischen Demonstrationen vom 22./23. Juni 13 liefern dagegen eine eher ernüchternde Bilanz.
    Wie an diesem Montag, den 24. Juni 13 bekannt wurde, erfolgten im südwestfranzösischen Agen sieben Festnahmen von Jungnazis, die im Milieu der gewaltbereiten Gruppierung Troisième Voie (,Dritter Weg‘) angesiedelt sind. Die sieben Jungmänner im Alter zwischen 22 und 35 Jahren, einige von ihnen Naziskinds, sind zum Teil „polizeibekannt“. Ihnen wird vorgeworfen, in der Nacht vom Samstag zum Sonntag in Agen einen 25- und einen 33jährigen attackiert zu haben. Der jüngere von beiden wurde, aufgrund seiner nordafrikanischen Herkunft, rassistisch beschimpft. Die beiden Opfer befanden sich auf dem Nachhauseweg von dem seit Jahren in Agen stattfindenden linksalternativen Rockfestival La Prairie. Beide trugen Gesichtsverletzungen davon, eines der beiden Opfer wurde für zwei Wochen krankgeschrieben. Voraussichtlich wird der Prozess gegen die Täter bereits am kommenden Dienstag stattfinden…” Artikel von Bernard Schmid vom 25.6.2013
  • Von Neonazis ermordet: Clément Méric, 18, linker Aktivist. Neue massive Anti-Nazi-Aktivitäten geplant
    „Ein 18jähriger französischer Antifaschist starb vergangene Woche im Pariser Krankenhaus La Pitié-Salpétrière unter den Schlägen von Neonazis. Er war am Mittwoch, den 05. Juni am Spätnachmittag in der Nähe des Saint Lazare-Bahnhofs von rechtsextremen Skinheads angegriffen und schwer verletzt worden (Labournet berichtete). Am Mittwoch Abend wurde er für hirntot erklärt, am Donnerstag Nachmittag wurden die Apparate ausgeschaltet. Am darauffolgenden Tag ergab eine Autopsie, dass er nicht – wie zunächst vermutet – an seinem Sturz mit dem Hinterkopf gegen einen Pfosten gestorben war, sondern direkt an den Folgen der erlittenen Schläge. Die Schläge ins Gesicht hatten das Nasenbein getroffen, eine Gehirnerschütterung und Hirnbluten ausgelöst…“ Artikel von Bernard Schmid, Paris, 11.06.2013 Aktuelle Ergänzung : (…) Am Sonntag, den 23. Juni wird frankreichweit zu einem Aktionstag gegen die Faschisten aufgerufen, entweder mit zentraler Demo für alle in Paris oder mit dezentralen Demonstrationen – je nach Stand der Mobilisierung in den nächsten Tagen. Das Ziel ist es, die antifaschistische Mobilisierung über den bisherigen Stand hinaus zu verbreitern.“
  • Mord an Clément soll keiner sein – Verbot der Jeunesse Nationaliste Révolutionnaire (JNR) eingeleitet
    “Die gerichtsmedizinische Obduktion hat bestätigt, dass er an den Schlägen ins Gesicht und nicht wegen des Aufpralls auf einen Metallpfosten gestorben ist. Gegen vier festgenommene mutmassliche Beteiligte ist ein Verfahren eingeleitet worden. Der Hauptverdächtige, ein 20-Jähriger spanischer Herkunft, sitzt in Untersuchungshaft. Er muss sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge, aber ohne Tötungsabsicht, verantworten…” – was so deutlich “Widerspruch in sich” schreit ist Bestandteil der Meldung “Ein Totschlag mit Folgen”  externer Link am 09. Juni 2013 in der NZZ-Online, worin neben den eingeleiteten Maßnahmen der Regierung gegen die JNR auch noch die konservative UMP zitiert wird, die nichts besseres zu tun hat, als zu fordern, es müsse auch gegen Linke vorgegangen werdenSiehe dazu auch:

    • Mort de Clément Méric : le principal suspect mis en examen”  externer Link redaktioneller Überblick bei Le Monde am 08. Juni 2013, worin einerseits über die Demonstration in Paris am Samstag (ca 4.000 TeilnehmerInnen) berichtet wird, andrerseits zahlreiche Links zu Artikeln über die Gewaltoffensive der militanten Rechten in Frankreich gegeben werden