[Veranstaltungsreihe zur Buchvorstellung] Eine andere Geschichte der Kulturrevolution in China

Das Buch, das in der Veranstaltungsreihe vorgestellt wirdAls Mao Zedong 1966 in China die Kulturrevolution lostrat, wollte er »großes Chaos unter dem Himmel« stiften. Dann erhob sich die radikalisierte Jugend gegen die Parteioffiziellen. Die Rebellion entglitt dem Zugriff der Regierung und erreichte ein Ausmaß, das der »Große Vorsitzende« nicht erwartet hatte. In Die andere Kulturrevolution lässt Wu Yiching die prägenden historischen Momente Revue passieren, erzählt aus der Perspektive der Rebellen und Rebellinnen, die erst Maos Aufruf folgten und dann von ihm verraten wurden. Laut Wu trieben sie die Kulturrevolution von unten an, sprengten die Grenzen des Maoismus und entwickelten eine grundsätzliche Kritik an Chinas Sozialismus. Als die Partei- und Staatsorgane 1967 unter den Massenan­griffen kollabierten, setzte die Führung die Volksbefreiungs­armee ein, und die Kulturrevolution verschlang ihre Kinder. Die folgende Niederschlagung der Massenbewegungen war laut Wu ein erster Schritt in Richtung auf die großen ­Reformen, die Chinas Gesellschaft ab Ende der 1970er Jahre grundlegend verändern sollten“ – aus der Vorstellung des Buches von Wu Yiching „Die andere Kulturrevolution“ – 1966–1969: Der Anfang vom Ende des chinesischen Sozialismus externer Link; übersetzt und herausgegeben von Ralf Ruckus im (und beim) Mandelbaum-Verlag über eine, vor allem hierzulande, ungewohnte Sicht der Kulturrevolution in der VR China. Siehe dazu auch die Veranstaltungsreihe zur Buchvorstellung und den Link zum Vorwort:

  • „Vorwort: Die andere Kulturrevolution“ von Ralf Ruckus am 15. Mai 2019 bei Gongchao externer Link unterstreicht einleitend: „Sechzig Jahre sind vergangen seit dem Ende der heißen Phase der Kulturrevolution, warum sollten wir uns also mit einem solch staubigen Thema befassen, fragt Wu Yiching am Anfang seines Buches. Weil eine Analyse der Kulturrevolution Mitte bis Ende der 1960er uns nicht nur Hinweise gibt, wie der historische Sozialismus in China als Klassengesellschaft funktionierte. Sie zeigt auch, warum die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) in den 1970er Jahren nicht nur – unbeabsichtigt – das Ende des Sozialismus einleitete, sondern auch den Weg ebnete für Chinas kapitalistischen Aufschwung, der seitdem das Land selbst und mittlerweile die ganze Welt entscheidend geprägt hat. Die Kulturrevolution als Schlüssel für ein besseres Verständnis von historischem Sozialismus, seinen „postsozialistischen Mutationen“ und dem heutigem Kapitalismus in China? Das mag zunächst sonderbar klingen, wenn wir uns die sonst von Unterstützern oder Kritikern vorgeführten spektakulären Bilder vor Augen führen, welche die Kulturrevolution als schillerndes Ereignis oder bloßen Exzess zeigen (sollen)…“