Seit 30 Tagen Streik im Süden Chiles: Die HafenarbeiterInnen von Valparaiso kämpfen gegen ein landesweites Ausbeutungsmodell

Streik der HafenarbeiterInnen von Valparaiso in Chile im Dezember 2018Nach 26 Tagen Streik der Hafenarbeiter im chilenischen Valparaíso hat am Dienstag die erste Verhandlungsrunde mit der Hafenbetriebsgesellschaft Terminal Pacífico Sur (TPS) stattgefunden. Die Verhandlungen sollen weitergehen. Seit fast einem Monat haben die Arbeiter des Hafens in Valparaíso die Arbeit stillgelegt. Sie fordern mehr Arbeitssicherheit, bessere Schichteinteilung und höhere Löhne (…) An der ersten Verhandlungsrunde nahmen die Führer von drei Gewerkschaften teil. TPS stimmte dem Treffen nur zu, weil ihre Bedingung erfüllt wurde, den Zugang zum Hafen für die nicht streikenden Arbeiter zu öffnen …“ aus dem Beitrag „Hafenarbeiter in Chile streiken für bessere Arbeitsbedingungen“ von Sophia Boddenberg am 15. Dezember 2018 bei amerika21.de externer Link, dem aktuell hinzuzufügen wäre, dass die Streikenden am Samstag, 15. Dezember das „Angebot“ der Hafenbetreiber als schlechten Witz zurückwiesen (eine Prämie für jene, die nicht an „Ausschreitungen“ beteiligt gewesen seien). Die rund 750 streikenden „Eventuales“ sind Kolleginnen und Kollegen, die seit langen Jahren auf Abruf arbeiten, oft von 5 Schichten im Monat leben sollen und von den Hafenbetreibern nur während ihrer Einsatzzeiten als Angestellte betrachtet werden, sprich keine sozialen Rechte haben. Die Solidaritätsaktionen in anderen Häfen, einschließlich halbtägiger Streiks, erklären sich auch daraus, dass dort ähnliche Bedingungen herrschen – allerdings mit Unternehmen, die sich etwas weniger diktatorisch gebärden… Siehe in der Materialsammlung zum Streik der HafenarbeiterInnen von Valparaiso drei weitere aktuelle Beiträge, den Hinweis auf einen Twitter-Kanal und eine Erklärung des Internationalen Docker Rates, sowie eine Bilanz der Arbeitsrechts-Reform von 2017 durch die Menschenrechtskomission der Universität Portales:

  • „Portuarios califican como “burla” propuesta de TPS para acabar con el paro…“ am 15. Dezember 2018 beim Portal Portuario externer Link ist die aktuelle Meldung des Hafen-Fachportals über die Reaktion der Streikenden und ihrer Gewerkschaften auf das Angebot der Betreibergesellschaft TPS in den seit Dienstag laufenden Verhandlungen. Die angebotene Prämie für alle, die nicht an Ausschreitungen beteiligt gewesen seien, sei nichts anderes als ein Spaltungsversuch, da alle Streikenden ihre Aktionen gemeinsam beschlossen hätten und auch gemeinsam von der Polizei angegriffen worden seien. Prämien sind zwar Bestandteil des Forderungskatalogs der Streikenden zur aktuellen Überbrückung der Nichtbeschäftigungszeiten, weil von 5 Schichten im Monat niemand leben kann, im Zentrum steht aber die Forderung nach Änderung des Beschäftigungssystems, ein Ende der faktischen Tagelöhnerei.
  • Chile: Solidarität mit dem Streik der HafenarbeiterInnen von Valparaiso „29 días de una histórica movilización de los portuarios en Valparaíso“ am 15. Dezember 2018 bei El Desconcierto externer Link ist ein ausführlicher Beitrag zur Würdigung von 29 Tagen einer historischen Mobilisierung. Darin wird die Entwicklung des Beschäftigungsmodells der Häfen in Chile skizziert, das überall auf stets abrufbaren (Nicht)Beschäftigten basiert, die keinerlei Rechte haben, weder auf Urlaub noch auf ausreichende Bezahlung. In diesem Zusammenhang eben wird darauf verwiesen, dass die mehrstündigen Solidaritätsstreiks in anderen Häfen ein Signal dafür seien, dass die Auseinandersetzung eben um dieses generelle Modell der Ausbeutung gehe, das begründet worden sei, als die Hafenarbeit nahezu ausschließlich körperlicher Höchsteinsatz gewesen sei. Die wachsende Unterstützung für die Streikenden aus allen Bereichen der Gesellschaft, und auch zahlreicher politischer Vertreter, wie etwa des Bürgermeisters von Valparaiso zeige, dass dieses Modell zunehmend generell in Frage gestellt werde.
  • HuelgaChileexterner Link ist ein Twitter-Kanal zu Arbeitskämpfen und gewerkschaftlichen Entwicklungen in Chile, der naheliegender Weise in den letzten Wochen ausführlich über den Streik in Valparaiso berichtet hat und es immer noch tut
  • „Informe anual sobre derechos humanos en Chile 2018 – Derechos laborales“ von Carla Varas externer Link (bei drive google) ist der Abschnitt über Arbeitsrechte im Jahresbericht der juristischen Menschenrechtskommission für das Jahr 2018. Die Reform der Arbeitsgesetze 2017, von der ehemaligen sozialdemokratisch geführten Regierung, sei zwar offiziell mit dem Ziel begründet worden, die tarifliche Absicherung der Beschäftigten zu verbessern, habe bisher zumindest aber nichts in diese Richtung erreicht – auch und vor allem, weil mit der Reform selbst eine eindeutige Beschneidung des Streikrechts verbunden gewesen sei (die, das sei aktuell von LabourNet hinzugefügt, auch als Begründung der polizeilichen Angriffe auf die Streikenden von Valparaiso dient), die in Bezug auf die eigentlich erklärte Absicht direkt „kontraproduktiv“ gewirkt habe…