Nach der Auseinandersetzung mit Bergbau-Kooperativen: Bolivianisches Modell gescheitert?

Bolivianische Polizei besetzt die Büros der Kooperativenvereingung Fencomin August 2016Nach dem Tod des stellvertretenden Bergbauministers, der von den Kooperativisten als Geisel genommen worden war, ist die bolivianische Regierung mit massiver Repression gegen die Föderation der Bergbau-Kooperativen vorgegangen – zahlreiche Verhaftungen waren dabei nur die Spitze des Eisbergs. Aus dem einst privilegierten Partner ist ein Feind geworden, der regierungsamtlich als eine Art Speerspitze des Imperialismus dargestellt wird. Wobei in diesem Prozess deutlich wird, dass die Zusammenarbeit dieser Kooperativen mit Großunternehmen des Bergbaus weitaus umfangreicher war, als jemals thematisiert wurde, was sie entgegen einem neuen Gesetz weiter ausbauen wollen. Wie auch die Zahl der „Saisonkräfte“, die sie beschäftigen weitaus größer ist, als allgemein angenommen – und deren von dem neuen Gesetz zugestandenes Recht auf gewerkschaftliche Organisierung der andere der beiden zentralen Punkte war, die die Kooperativisten bekämpften. Siehe dazu unseren knappen Überblick „Repression gegen Bergbau-Kooperativen“ vom 11. September 2016:

Repression gegen Bergbau-Kooperativen

„Anklage gegen Kooperativen-Führer in Bolivien“ von Helge Buttkereit am 03. September 2016 bei amerika21.de externer Link, worin berichtet wird: „Mittlerweile ist Anklage gegen Carlos Mamani, den Vorsitzenden der Vereinigung der Bergbaukooperativen (Fencomin) erhoben worden. Ihm wird die Entführung, Misshandlung und der Mord an Illanes vorgeworfen. Zudem werden ihm die Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation, Raub, der Besitz oder das Tragen von Waffen sowie der Angriff auf staatliche Sicherheitskräfte zur Last gelegt. Weitere führende Mitglieder der Fencomin werden der Beihilfe beschuldigt. Die Anwältin von Mamani beteuerte, ihr Mandant sei unschuldig. Er habe erst nach dem Tod von Illanes überhaupt davon erfahren, dass dieser vor Ort sei

„Tras el asesinato de un viceministro y cuatro mineros: Evo reestatizó a las cooperativas mineras“ am 01. September 2016 bei Resumen Latinoamericano externer Link ist die Meldung, dass die bolivianische Regierung diejenigen Ländereien mit Schürfrechten wieder verstaatlicht hat, die die Kooperativen wegen Verträgen mit privaten Bergbauunternehmen abbauen – oder brach liegen lassen

„Es hora de separar a patrones de trabajadores dentro del cooperativismo minero“ am 29. August 2016 externer Link dokumentiert bei rebelion.org ist ein Interview mit dem stellvertretenden Minister für die Koordination mit sozialen Bewegungen Alfredo Vélez, in dem erstmals von Regierungsseite aus thematisiert wird, was in anderen Kreisen schon länger Thema ist: Die Klassenscheidung in den Bergbau-Kooperativen.

„Cooperative miners behind violent protests that ended in the killing of a government minister“ am 10. September bei links externer Link (als einer von zwei Beiträgen) dokumentiert ist ein Artikel des Bolivia Information Forum (London) in dem die ganze Entwicklung der Auseinandersetzung nochmals skizziert wird, und dabei hervorgehoben, dass die Kooperativen vor allem als Arbeitgeber für die Jugend in Bolivien eine wachsende Rolle spielt.

„Bolivia’s ‘process of change’ needs a change in course“ von Pablo Solon am 07. September 2016 bei Life on the left externer Link dokumentiert, ist ein ausführlicher Beitrag (vom Februar 2016, kurz vor der Abstimmungsniederlage im Referendum über eine weitere Amtszeit) über den ganzen Ansatz des bolivianischen Entwicklungswegs (bei dem die Kooperativen eine ganze wesentliche Rolle spielen). Der frühere UN Botschafter der Regierung Morales hebt dabei jene Seiten der Entwicklung hervor, die den ursprüngliche Absichten entgegen stehen, wie das weitere Wirken von Energiemultis im Land und die Entwicklung neuer Kapitalisten in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft.

„Nicer ways to do it? Bolivian miners fighting back“ am 26. August 2016 bei libcom externer Link ist ein Beitrag der (durchaus stellvertretend für andere linke Beiträge) erst einmal deutlich Partei ergreift für die „Bergarbeiter“ gegen die Regierung. Was insofern anschließen einigermaßen korrigiert wird, als nachgetragen wird, dass die Kooperativisten eben auch gegen gewerkschaftliche Organisierung gewesen seien. Dass Kooperativen, wie etwa auch in Italien, durchaus einen anderen Klassencharakter annehmen können ist keine neue Erscheinung – und dass die Verhältnisse in Bolivien oft nicht so sehr bekannt sind, auch.

„Bolivia – Conflicto de cooperativas mineras coloca a Evo en evidencia“ von Martin Camacho am 01. September 2016 bei Socialismo ou barbarie externer Link ist ein Beitrag, der die jüngste Auseinandersetzung auch in der Reihe bisheriger Entwicklungen im Bergbausektor und früherer Auseinandersetzungen sieht – und dabei die Schlussfolgerung zieht, sich „weder auf die Seite der Regierung zu stellen, noch auf jene der Kooperativen-Kapitalisten“