Caterpillar-Diktat: Werksschließung in Belgien. Belegschaft in Frankreich organisiert Proteststreik zur Solidarität. Massenentlassungen auch bei Axa und IBM. Und die Gewerkschaften finden, Streiks seien nicht so wichtig…

Gewerkschaftsplakat gegen Werksschliessung caterpillar Belgien im September 2016Während Unternehmen wie die Axa-Versicherung und IBM je nur einen Teil der Beschäftigten auf die Straße werfen sollen, haben die Chefetagen von Caterpillar beschlossen, gleich das ganze Werk zu schließen. Das zweitgrößte Werk der Gruppe wurde am 2. September „beerdigt“ – sogar ohne Anwesenheit belgischer Vorstandsmitglieder. Mit der nicht nur aus Belgien bekannten Vorgeschichte: 2013 wurden 1500 Jobs gestrichen, plus Verzichtsmaßnahmen der Restbelegschaft – was den etwa 2.200 Beschäftigten nichts genutzt hat – so wenig wie die Bekundungen aus dem Juni diesen Jahres, das Werk sei jetzt wieder profitabel. Und während die belgischen Gewerkschaften (angesichts der Entlassungswelle in Großunternehmen?) überlegen, den für 7. Oktober beschlossenen Generalstreik zu „verschieben“ haben die französischen GewerkschafterInnen im Werk Grenoble (wohin ein Teil der Produktion aus Belgien verlagert werden soll) sich nicht weggeduckt und heimlich gefreut, sondern einen eintägigen Solidaritätsstreik mit den Beschäftigten des belgischen Werkes beschlossen. Siehe dazu unseren aktuellen Überblick „Massenentlassungen in Belgien – ohne Gegenwehr?“ vom 11. September 2016:

Massenentlassungen in Belgien – ohne Gegenwehr?

„Der Caterpillar-Schock im Überblick“ am 03. September 2016 im Grenzecho externer Link ist eine Skizze der Entwicklung zur und Bedeutung der Werksschließung, worin es unter anderem heißt: „Die Schließung von Caterpillar Gosselies, wo aktuell 2.200 Menschen arbeiten, wird schwere Folgen für die gesamte Region Charleroi haben. Viele Zuliefererbetriebe sind betroffen. Die Gewerkschaft CSC Métal schätzt, dass insgesamt über 6.000 Jobs der Schließung zum Opfer fallen werden“ – im Artikel sind auch Verweise auf frühere Beiträge

„Restructuration AXA : les délégués CGSLB préparent leurs questions avant la présentation détaillée du plan stratégique“ am 05. September beim Gewerkschaftsbund CGSLB externer Link ist die Meldung über die (Nachfrage) Orientierung der Gewerkschaftsvertreter bei der Strategie-Entscheidung der Geschäftsleitung, die angekündigt hat, mindestens 10% aller Beschäftigungsverhältnisse zu kündigen, eher aber 30% – von insgesamt etwa 4.300 Stellen

„Confirmation d’un licenciement massif chez IBM en Belgique: “Tout ce qui peut l’être est délocalisé, morceau après morceau”“ von Mathieu Tamigniau am 06. September 2016 bei RTL.be externer Link ist der Bericht über die Streichungsoffensive bei IBM, wo weitere rund 250  Stellen gestrichen werden sollen – so dass dann etwa 1.150 in Belgien verbleiben, wo es vor der Krise 2008 noch 3.000 Beschäftigte waren.

„Axa, Caterpillar, IBM… : l’emploi des uns, les dividendes des autres“ von David Pestieau am 09. September 2016 bei der PTB externer Link ist ein Artikel der die Entlassungswelle in den drei großunternehmen gegenüberstellt den Aktionärsausschüttungen der selben drei Unternehmen: Caterpillar etwa propagiert, dass man im 22. Jahr hintereinander diese Ausschüttung erhöhen will

„STOP AU CATERPILLAGE CAPITALISTE!“ am 03. September 2016 bei der LCR-La Gauche externer Link ist ein Beitrag, der die Werksschließung ebenfalls den Aktionärsgewinnen gegenüberstellt – 1,4 Milliarden Euros für 2015 – die offensichtlich nicht ausreichend sind, um die Profitgier des Kapitals zu stillen

„Les travailleurs de Caterpillar paient la folie des grandeurs de l’extractivisme“ von Daniel Tanuro am 07. September 2016 ebenfalls bei der LCR externer Link ist ein Beitrag, der die Werksschließung bei Caterpillar in Zusammenhang stellt mit den Entwicklungen in der Bergbau-Industrie. Die drei größten globalen Unternehmen, haben allesamt in den letzten Jahren massiv Belegschaften abgebaut: Von 65.000 auf 55.000 bei Rio Tinto, von 105.000 auf 91.000 bei Anglo American und von 47.000 auf 43.000 bei BHP-Biliton. Die Riesenmaschinen von Caterpillar werden weniger gebraucht, als die hirnlosen Planungen der Chefs dieser Unternehmen sich ausgemalt hatten

„Le point sur la fiscalité de Caterpillar“ von Marco van Hess am 07. September 2016 bei der PTB externer Link ist ein ganzes Dossier über die Steuerpraktiken von Caterpillar in Belgien: Weil die Partei in einer Presseerklärung diese massiv kritisiert hatte, wurden unternehmerfreundliche Medien mobilisiert, um diese Kritik zu entschärfen. In dem Dossier unterstreicht der Autor, dass das Unternehmen in der Tat in Belgien eine eigene Tochterfirma, die Caterpillar Group Service geründet hat – und zwar schon 1985, um entsprechende Steuernischen ausnutzen zu können…

„Il est encore possible de sauver les emplois de Caterpillar : voici pourquoi“ von Germain Mugemangango am 08. September 2016 bei der PTB externer Link ist ein Artikel, der die Gründe darstellt, weswegen die Partei die Auffassung vertritt, die Arbeitsplätze bei Caterpillar seien noch zu retten. Darin werden unter anderem historische Parallelen der letzten etwa 25 Jahre gezogen, in denen Schließungsbeschlüsse durch gewerkschaftlichen und politischen Kampf rückgängig gemacht worden seien – und dies sei auch hier möglich.

„Fermeture Caterpillar Gosselies : Le site de Grenoble fera grève jeudi en solidarité“ am 10. September 2016 bei Solidarit`Ouvrière externer Link dokumentiert ist der Bericht über den Streikbeschluss der Belegschaft von Caterpillar Grenoble für kommenden Donnerstag (15.9.2016) – was in der Tat herausragt gegenüber vielen Haltungen anderer Belegschaften – und Gewerkschaften

„Les syndicats hésitent à maintenir la grève générale du 7 octobre“ am 09. September 2016 bei Metrotime.be externer Link ist eine Meldung, die verschiedene Pressemitteilungen der drei Gewerkschaftsverbände zusammenfasst, in denen allesamt Zweifel an der Notwendigkeit des für 7. Oktober beschlossenen Streiktages geäußert werden – es sei denn, die Regierung verkünde neue Maßnahmen. (Den bisherigen scheint man sich nunmehr unterwerfen zu wollen…)