Betrieb geschlossen? Übernahme! – der US-amerikanischen Druckerei Donnelley in Buenos Aires

Dossier

Übernahme der US-amerikanischen Druckerei Donnelley in Buenos AiresWie reagierten die Arbeiter auf die Schließung? – Die Antwort der Angestellten war schlagkräftig. Sie debattierten in einer Vollversammlung, an der alle 400 Arbeiter teilnahmen, und in weniger als 24 Stunden entschieden sie sich, die Kontrolle über die Fabrik zu übernehmen und weiterzuproduzieren. Eine Gruppe von Kollegen kontaktierte die Kunden, um anzukündigen, daß die Fabrik ihre Aktivität nun unter Arbeiterkontrolle weiterführen würde, weil die Unternehmer sich zurückgezogen haben“ – aus dem Interview »Sie übernehmen die Kontrolle über die Fabrik« externer Link von Wladek Flakin und Stefan Schneider mit Leo Amendola von der argentinischen PTS am 18. August 2014 in der jungen Welt. Siehe dazu auch:

  • Großdruckerei Donnelley in Buenos Aires zugunsten der Arbeiter*innen enteignetNew
    Am 18. Mai 2017 stimmten die Abgeordneten der Provinz Buenos Aires einstimmig für die Enteignung der Druckerei des US-Multis Donnelley, die im August 2014 von den Arbeiter*innen besetzt wurde und seitdem als Kooperative Madygraf selbstverwaltet produziert. Das Parlament hatte die Enteignung bereits früher beschlossen. Da aber der Senat, der Enteignungen ebenfalls zustimmen muss, Änderungen an der Verordnung vorgenommen hatte, war eine weitere Abstimmung im Parlament notwendig. Nun bleibt zu hoffen, dass die Provinz-Gouverneurin María Eugenia Vidal nicht wieder ihr Veto einlegt.
    Adriana Meyer schreibt in Página 12 externer Link : Umarmungen auf der Zuschauertribüne und einige Freudentränen waren der krönende Abschluss von fast drei Jahren Kampf der Arbeiter und Arbeiterinnen der Kooperative Madygraf, der ehemaligen Druckerei Donnelley, als die Parlamentsabgeordneten heute Nachmittag einstimmig die Verordnung über die Enteignung des Druckbetriebes in Garín annahmen. Die 200 Familien, die mit der Fabrikbesetzung ihre Arbeitsplätze gerettet haben, nachdem der Multi Konkurs angemeldet hatte, sehen diesen Erfolg als einen großen Schritt auf dem Weg zur Stabilisierung ihrer Arbeitsplätze und der Solidaritätsaktionen von Madygraf in der Zona Norte (Industriegebiet im Norden von Buenos Aires). Nun hoffen sie nur, dass die Verfügung, mit der das Fabrikgelände als Eigentum in ihre Hände übergeht, nicht durch ein Veto der Provinzregierung außer Kraft gesetzt wird – so wie es unter der derzeitigen Regierung fast allen übernommenen Betrieben ergangen ist, die die Enteignung durchbekommen haben.
    „Dies ist das Ergebnis des Kampfes, den wir Arbeiter auf der Straße und mit der Aufrechterhaltung der Produktion geführt haben. Es ist für uns eine riesige Freude, dass diese Anstrengung mit einem einstimmigen Abstimmungsergebnis gewürdigt wird, weil wir es geschafft haben, zu beweisen, dass kein einziger Arbeitsplatz wegfallen musste“, sagt Eduardo Ayala, einer der Arbeiter von Ex-Donnelley, die die Sitzung im Parlament mit verfolgt hatten, zu Página 12. „In diesem Moment gehen uns all die Auseinandersetzungen durch den Kopf, der ganze Kampf, die Produktion in Gang zu bringen, und dass sich die Mühe gelohnt hat, die Anstrengung all dieser Arbeiterfamilien, die Tag für Tag alles gegeben haben, du bist ja mehr Stunden in der Fabrik als zuhause“, meint Marco Pollo, ein weiterer Arbeiter, und er fügt hinzu: „Ohne die Enteignung war das alles sehr schwierig, die Kunden verlangten von uns mehr rechtliche Sicherheit, um Verträge abzuschließen. Jetzt geht es darum, dass die Gouverneurin María Eugenia Vidal in den nächsten zehn Tagen kein Veto einlegt. Wir haben positive Signale bekommen, denn wir haben eine sehr gründliche Studie vorgelegt, dass der Betrieb überlebensfähig ist. Für all das, was wir geschafft haben, haben uns die Abgeordneten beglückwünscht, der Bericht über die Rentabilität ist seriös. Deshalb hoffen wir, dass die Gouverneurin das auch so sieht und grünes Licht gibt für die Verordnung.“
    La Izquierda Diario externer Link zitiert José Ponce, den Vorsitzenden der Kooperative, der 20 Jahre bei Donnelley gearbeitet hat: „Die Zustimmung zur Enteignungsverfügung ist für uns trotz aller Beschränkungen eine große Freude, weil uns dies hilft, unseren Kampf weiter zu führen. Seit der Schließung des Betriebes konnten wir mehr als 200 Arbeitsplätze erhalten, aber mit der Unsicherheit, dass wir unter einem Konkursverfahren arbeiten mussten, bei dem unter anderem ein Teil unserer Einnahmen einbehalten wurde. Die Enteignung, die heute von sämtlichen Fraktionen einstimmig beschlossen wurde, erlaubt uns nicht nur den Erhalt unserer Arbeitsplätze, sondern wir können sogar darüber nachdenken, weitere Kolleg*innen aufzunehmen. Dabei kämpfen wir auch weiterhin für unsere grundsätzliche Forderung, Betriebe, die geschlossen werden, zu verstaatlichen, um unter Arbeiterkontrolle für soziale Zwecke zu produzieren. Wir haben die Nachricht bei einer Versammlung in der Fabrik gemeinsam mit den Familien mit großer Freude aufgenommen und werden sicher verschiedene Aktivitäten organisieren, um uns bei der umliegenden Bevölkerung zu bedanken. Wir wollen eine hohe Auflage von Schulheften drucken, um sie gratis an die Kinder zu verteilen, die sie brauchen, und wir sind bereit, zu niedrigen Preisen Schulmaterialien zu drucken oder andere Dinge, die die Bevölkerung braucht. Wir sind den Arbeiter*innen, Menschenrechtsorganisationen, Student*innen und Abgeordneten, die uns all diese Jahre unterstützt haben, sehr dankbar.
    Zur Geschichte der Besetzung von Donnelley siehe http://www.labournet.de/?p=78257
    LaVaca berichtet in der aktuellen Ausgabe von MU (S. 16/17) über eine neu übernommene Textilfabrik. Seit dem Antritt der neuen Regierung in Argentinien im Dezember 2015 wurden weitere dreizehn Betriebe von Arbeiter*innen übernommen. Damit konnten insgesamt 558 Familien ihre Einkommensquelle retten. Im Verhältnis zu den in dieser Zeit geschlossenen Betrieben ist dies jedoch nur ein kleiner Teil, und die von Arbeiter*innen übernommenen Betriebe sind mit sehr schwierigen ökonomischen und politischen Bedingungen konfrontiert. Neben der Vetopolitik kam es auch zu Räumungen. Im März wurden die 120 Arbeiter*innen des Metallbetriebs Acoplados del Oeste von 600 Polizisten aus ihrer im August 2015 besetzten Fabrik geräumt, und die sehr bekannt gewordene Besetzung der Druckerei AGR-Clarín wurde im April beendet. In beiden Fällen versuchen die Arbeiter*innen mit Protestcamps auf der Straße doch noch etwas zu erreichen.
    Bericht von Alix Arnold vom 23.5.2017 – wir danken!
  • Donnelley in Buenos Aires: Claudio Gonzales
    Als am 11. August die Arbeiterinnen und Arbeiter von RR Donnelley, einer der größten Druckerei Argentiniens, mit ihrer Schicht beginnen wollten, standen sie vor verschlossenen Türen. Per Aushang verkündete der US-amerikanische Mutterkonzern, sein Werk in Buenos Aires sei pleite und würde folglich geschlossen. Von einem Tag auf den nächsten standen 407 Angestellte – Drucker_innen ebenso wie Verwaltung und Management – auf der Straße. Unter der Hotline-Nummer, die sie wegen der Abwicklung ihrer Arbeitsplätze anrufen sollten, meldete sich nur ein Spruchband. Auch bei einer von der Provinzregierung von Buenos Aires einberufenen verbindlichen Schlichtungsrunde erschien die Arbeitgeberseite nicht. Untersuchungen des Betriebsrats zeigen, dass es sich um eine Scheininsolvenz handelt – Gerichte und Regierung haben sich mittlerweile der Sache angenommen. Von der Flucht des Unternehmens ließen sich die Arbeiterinnen und Arbeiter nur kurz schocken. Dank langjähriger Organisationsarbeit im Betrieb konnten sie auf die Situation reagieren und kurbelten innerhalb weniger Tage die Produktion wieder an. Seither betreiben sie mit 320 Kolleginnen und Kollegen die Druckerei in Eigenregie. In dem Kurzprotrait schildert der 22-jährige Claudio Gonzalez, was sich seither verändert hat und welches die Forderungen der Arbeiter_innen sind. Das Video bei labournet.tv (cast. mit dt. UT | 1,3 min | 2014) externer Link
  • Studiorunde mit Donnelley-Arbeitern
    Studiorunde mit Miguel Goncebat und Nando Charles, zwei Arbeitern der besetzten Druckerei Donnelley in Buenos Aires.  In dem Interview des linken Medienkollektivs Barricada TV schildern sie, wie sie die Schließung erlebten, wie ihre Reaktion darauf war und was ihre Forderungen sind. Außerdem gehen sie auf die Situation in der Druckbranche ein und bewerten die aktuelle Rezession in Argentinien ebenso wie die Repression gegen Arbeiter_innen.  Vorgeschichte: Als am 11. August die Arbeiterinnen und Arbeiter von RR Donnelley, einer der größten Druckerei Argentiniens, mit ihrer Schicht beginnen wollten, standen sie vor verschlossenen Türen. Per Aushang verkündete der us-amerikanische Mutterkonzern, sein Werk in Buenos Aires sei pleite und würde folglich geschlossen. Von einem Tag auf dem nächsten standen 407 Angestellte – Drucker_innen ebenso wie Verwaltung und Management – auf der Straße. Unter der Hotline-Nummer, die sie wegen der Abwicklung ihrer Arbeitsplätze anrufen sollten, meldete sich nur ein Spruchband. Auch bei einer von der Provinzregierung von Buenos Aires einberufenen verbindlichen Schlichtungsrunde erschien die Arbeitgeberseite nicht. Untersuchungen des Betriebsrats zeigen, dass es sich um eine Scheininsolvenz handelt – Gerichte und Regierung haben sich mittlerweile der Sache angenommen. Von der Flucht des Unternehmens ließen sich die Arbeiterinnen und Arbeiter nur kurz schocken. Dank langjähriger Organisationsarbeit im Betrieb konnten sie auf die Situation reagieren und kurbelten innerhalb weniger Tage die Produktion wieder an. Seither betreiben sie mit 320 Kolleginnen und Kollegen die Druckerei in Eigenregie. Das Video bei labournet.tv (cast mit dt. UT | 12 min | 2014) externer Link
  • Donnelley – Belegschaft bildet Kommission für Öffentlichkeitsarbeit
    Bisher ist viel über die Belegschaft der US eigenen Donnelley Druckerei geschrieben worden – jetzt melden sich die Betriebsbesetzer selbst zu Wort, mit der Bildung einer eigenen Kommission für Öffentlichkeitsarbeit „um der Öffentlichkeit unseren Kampf für Enteignung und Verstaatlichung unter Arbeiterkontrolle“ zu erläutern, wie es in der Pressemitteilung Los trabajadores de Donnelley contamos nuestra lucha por la expropiación y estatización bajo gestión obrera externer Link vom 21. August 2014 des Comité de Prensa y Difusión de los trabajadores de Donnelley heisst – womit auch gleichzeitig eine ganze Serie von Videos über die Betriebsbesetzung veröffentlicht wird